Fiat 500 Ellenator: Geschwindigkeit und Sicherheit unter der Lupe

Wer als Jugendlicher mobil sein möchte, muss heutzutage nicht mehr aufs Mofa oder den Roller zurückgreifen. Auch drei- oder vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge lassen sich mit dem Führerschein der Klasse „A1“ beziehungsweise „AM“ ab einem Alter von 16 Jahren bewegen. Der Automobilclub ADAC hat nun drei dieser Fahrzeuge getestet: den „Ellenator“, einen zum Dreirad umgebauten Fiat 500, den Twizy 45 von Renault sowie den Aixam City Diesel. Dabei konnte keines der drei Gefährte überzeugen.

Der Ellenator: Ein umgebauter Fiat 500

Der „Ellenator“ macht sich allerdings eine Gesetzeslücke zu Nutzen, die den Umbau eines gewöhnlichen Pkw zu einem dreirädrigen Kraftfahrzeug ermöglicht, und schafft 90 km/h. Um den Ellenator fahren zu dürfen, ist ein A1-Führerschein erforderlich, der auch dreirädrige KFZ bis 15 kW Leistung (L5E) einschließt.

Rechtliche Grundlage dafür bildet die Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnis-Verordnung - FeV) § 6 Einteilung der Fahrerlaubnisklassen. Ab 18 Jahren darf der Ellenator auch mit dem B-Führerschein gefahren werden. Das Mindestalter für den Ellenator ist auf 16 Jahre festgelegt.

Kosten und Versicherung

Ein Ellenator kostet neu ca. 25.000€ - 28.000€ und ist sehr wertstabil. Da der Ellenator kein Moped ist, wird er i.d.R. in einer Klasse mit "Trikes" und "Quads" bei der Versicherung eingestuft. Der jährliche Versicherungsbeitrag liegt je nach Versicherungsumfang und Beginn bei ca. 350€ - 1000€.

Technische Details

Der Ellenator ist autobahntauglich (> 60 km/h) und bietet größtmögliche Sicherheit im Straßenverkehr durch Airbags, Knautschzone, Klimaanlage und ein Dach über dem Kopf. Er hat ca. 210 - 280€ Steuer pro Jahr und eine maximale Zuladung. Die hintere Achse des Fiat 500 wird entfernt und die Hinterreifen mittig unter dem Kofferraum zusammengeschoben. Solange die Räder nämlich nicht weiter als 46,5 Zentimeter auseinander sind, wertet der Gesetzgeber die beiden Reifen als einen Reifen.

Sicherheit und Fahrstabilität

Dafür zeigte der „Ellenator“, genau wie der Aixam, eine „erschreckend schlechte“ Leistung in der Kategorie Fahrstabilität. Die Modelle neigten beim Ausweichtest zum Kippen, was beim umgebauten Fiat 500 vor allem an der Konstruktion mit einzelnem Hinterrad in der Fahrzeugmitte liegt. Der „Ellenator“ verfügt über die Sicherheitseinrichtungen eines normalen Fiat 500.

Der ADAC stellte bei einem Test im Jahr 2018 jedoch ein mittelprächtiges Zeugnis aus. Abschlussnote: 3,2, befriedigend. Die Fahrstabilität wurde in dem Test bemängelt. Ab einem Tempo von 65 km/h drohte der Wagen bei einem Ausweichtest zu kippen.

Alternativen und Ergänzungen

Der ADAC spricht den Fahrzeugen wegen der gesetzlich limitierten Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h eine Tauglichkeit für lange Überlandfahrten ab. Auch, weil die im Gegensatz zu einem Mofa deutlich automäßigere Optik in Verbindung mit der niedrigen Geschwindigkeit andere Verkehrsteilnehmer überraschen könnte, was zu Unfällen führen kann.

Insgesamt bewertet der ADAC die beiden echten Leichtkraftfahrzeuge von Aixam und Renault mit „mangelhaft“, während der „Ellenator“ es zumindest auf ein „befriedigend“ schafft. Der Autoclub empfiehlt beim Kauf eines solchen Fahrzeugs zusätzliche Fahrstunden, um die Besonderheiten eines Autos zu lernen, weil der Führerschein „A1“ auf einem Zweirad absolviert wird.

Die Jugendlichen, die das Auto fahren, machen ihren Führerschein auf zwei Rädern. Jeder Ellenator-Kunde bekommt einen Fahrschul-Gutschein über 100 Euro, um Erfahrung zu sammeln.

Leichtfahrzeuge der Klasse L7e

Eine Lösung für weniger Gedränge im urbanen Verkehr könnten Leichtfahrzeuge bieten, denn sie sind raum- und energiesparender unterwegs als herkömmliche Pkw. In der EG-Fahrzeugklasse L7e finden sich alle vierrädrigen Leichtfahrzeuge, die aufgrund höherer Leistung oder Geschwindigkeit nicht mehr unter die Klasse L6e fallen. Während die L6e-Fahrzeuge auf 45 km/h limitiert sind, werden Autos der Klasse L7e bis zu 90 km/h schnell und dürfen somit auf allen Straßen unterwegs sein. Daher wird für diese Fahrzeugklasse im Gegensatz zu den sogenannten Mopedautos ein Autoführerschein (Klasse B) benötigt.

Die maximale Nutzleistung in der Klasse L7e darf 15 kW (20 PS) und das Leergewicht darf 450 kg nicht überschreiten. Bei Fahrzeugen zur Güterbeförderung sind maximal 600 kg Leergewicht erlaubt.

Beispiele für L7e-Fahrzeuge

  • Silence S04: Ein zweisitziges Elektroauto mit schmaler Spur, das bis zu 85 km/h erreicht.
  • Softcar: Ein geplantes Elektroauto mit Platz für vier Personen, das bis zu 90 km/h beschleunigen soll.
  • Mobilize Duo 80 Evo: Ein Elektrofahrzeug, das bis zu 80 km/h schnell wird und Platz für zwei Personen oder eine Gepäckbox bietet.
  • XEV Yoyo: Ein elektrischer Zweisitzer mit bis zu 15 kW Leistung und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h.
  • Microlino Spiaggia: Eine offene Variante des Microlino mit Stoffdach.

Vor- und Nachteile der Fahrzeugklasse L7e

Die Konfiguration als Zweisitzer kommt dem tatsächlichen Mobilitätsbedürfnis entgegen, da statistisch gesehen zahlreiche Autos bei den meisten Fahrten jeweils nur eine Person befördern. Doch ein entscheidender Nachteil der Fahrzeugklasse L7e ist die mangelnde Sicherheitsausstattung. Da die Leichtfahrzeuge im Sinn der EU-Normen nicht als vollwertige Pkw gelten, müssen sie auch nicht die strengen Sicherheitsauflagen herkömmlicher Autos erfüllen.

Meist sucht man ABS, ESP, Airbags oder Notbremssysteme bei den Vertretern der L7e-Fahrzeuge vergeblich. Für Fahrten außerhalb geschlossener Ortschaften sind Autos der Fahrzeugklasse L7e daher nur bedingt geeignet. Im urbanen Raum können die - meist rein elektrisch angetriebenen - Schmalspurhelden aber vielleicht einen Impuls für die nachhaltige Mobilität der Zukunft setzen.

Tipps für Verbraucher

Vor der Anschaffung eines Leichtfahrzeugs der Klasse L7e sollte man sich Gedanken über den Einsatzbereich der Fahrzeuge machen. Trotz Höchstgeschwindigkeiten zwischen 80 und 90 km/h sind die Leichtkraftfahrzeuge nur bedingt für längere Überlandfahrten geeignet.

  • Einige Fahrzeuge sind wegen fehlender Heizung oder Klimatisierung nicht ganzjahrestauglich.
  • Im Grenzbereich können einige Vertreter der Fahrzeugklasse zum Kippen neigen.
  • Andere Verkehrsteilnehmer können die Geschwindigkeitsdifferenz oftmals schlecht einschätzen.
  • Fahranfänger sollten auch mit dem Leichtfahrzeug ein Fahrtraining absolvieren, um das Fahrzeug und speziell die Fahreigenschaften und den Grenzbereich besser kennenzulernen.

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