Finnland, das Land der tausend Seen, ist ein ideales Ziel für Motorradfahrer, die Ruhe, Einsamkeit und unberührte Natur suchen. Dieser Reisebericht nimmt Sie mit auf eine unvergessliche Tour durch die endlosen Wälder, entlang glitzernder Seen und zu kulturellen Höhepunkten dieses faszinierenden Landes.
Entlang der Küste und ins Landesinnere
Bei strahlendem Sonnenschein erreiche ich Turku mit der Fähre. Die Schnellstraße E8 wird für die nächsten Tage meine Richtschnur sein. Obwohl die Städte entlang dieser Route eine willkommene Abwechslung darstellen, sind es die einsamen Straßen im Norden Finnlands, die mich wirklich anziehen.
Die Flucht vor der E8 wird zum Programm, um möglichst parallel laufende Alternativstrecken zu finden. Doch das Glück ist nicht immer auf meiner Seite, da die meisten Straßen in Ost-West-Richtung verlaufen. Oft geht es endlos lange geradeaus, vorbei an Wäldern, Tankstellen und Bauernhöfen.
In Oulu nehme ich die kostenlose Fähre zur vorgelagerten Insel Hailuoto. Nach Hunderten von Kilometern gibt es endlich eine Straßenführung, die die scharfen Kanten von der Reifenkante nimmt. Die Kurven sind übersichtlich und mit leichten Bodenwellen garniert. Auf dem Zeltplatz bin ich der einzige Camper, umgeben von Sanddünen und dichtem Wald.
Der bisherige Verlauf meiner Tour wurde von den vielen hübschen Städten an der Küste geprägt. Doch ich will das erleben, womit Finnland sich in erster Linie nach außen verkaufen möchte: Natur, Ruhe und Besinnlichkeit in den teilweise menschenleeren Gebieten abseits der Hauptstraßen.
Rovaniemi und der Polarkreis
Mit Kemi läute ich sozusagen den Wendepunkt meiner Reise ein. Bis zum späten Abend will ich Rovaniemi erreichen. Südlich des Flusses Kemijoki fahre ich, die Sonne im Rücken, meinem Ziel entgegen. Den Zeltplatz erreiche ich rechtzeitig. Er liegt wunderschön gegenüber der Stadt, am Flussufer des Ounasjoki.
Natürlich mache ich den obligatorischen Ausflug an den Polarkreis, der nur 15 Kilometer nördlich der Stadt verläuft, und treffe dort auf eine perfekt durchorganisierte Illusion: Das Dorf und die Werkstatt des Weihnachtsmannes! Dieser phantastische Rummel dauert das ganze Jahr über an.
Begegnungen mit der finnischen Kultur
In Sepänkylä halte ich vor einem Diner und schäle mich aus der Regenkombi. Das Diner ist gut besucht, eine Mischung aus Schnellimbiss und Familienrestaurant. Wie in jeder finnischen Tanke zuvor, sitzen auch hier kleine Gruppen von Männern in Sportklamotten, langweilen sich und starren. Finnische Menschen gucken nicht verstohlen, sie starren.
Den letzten Bissen kauend nehme ich mein Tablett und verabschiede mich mit einem Nicken zum Nebentisch. Die Drei nicken freundlich zurück und sagen etwas, das ich nicht verstehe. Ich schiebe das Tablett in den Geschirrwagen und gehe hinaus zu meinem Motorrad.
In Rauma fahre ich von der E8 herunter und biege auf die 176 ein. Am Ende des Sandweges taucht eine wunderschöne Pippi Langstrumpf Villa vor mir auf. Das Haus ist riesengroß, ganz aus Holz und im schönsten Rot gestrichen. Außer dem Rauschen des Windes ist kein Geräusch zu hören.
"Willkommen", begrüßt mich eine ältere Dame freudestrahlend, als sie Greenys Kennzeichen bemerkt. Sie erklärt mir geduldig, wo ich mein Zelt aufstellen darf und zeigt mir auch die Waschräume und die Küche. Und dann sagt sie mit ihrem freundlichen, offenen Gesicht noch zweimal "Willkommen" und tatsächlich habe ich mich noch niemals so willkommen gefühlt, wie auf diesem wunderschönen, halb versteckten Campingplatz am Wasser.
Herausforderungen und Überraschungen
Nur wenige Kilometer nördlich von Inari zweigt die Straße nach Karasjok in Norwegen ab. Es ist das angekündigte Rollercoaster-Gefühl: Geradeaus rauf und runter in großen Wellen verläuft die Straße. Selten fand ich ein Überholverbot so sinnvoll: In den Senken kann man ganze Busse verstecken. Dann öffnet sich die Landschaft, mit der Brücke ist die Grenze nach Norwegen erreicht.
Die Begrüßung ist unfreundlich: Zweihundert Kilometer mit Starkregen stellen die Klamotten auf eine harte Probe. Andererseits: Wenn wir die breiten Ströme wie den Vindelälv mit genug Wasser in den Stromschnellen sehen wollen, müssen die Flüsse auch gefüttert werden. Und am nächsten Tag hat uns die Sonne wieder.
Kurz vor Rauma schüttet es so sehr, dass ich den Aufprall der Tropfen durch die Regenkombi und die Endurojacke spüren kann. Mit 96 km/h ziehe ich stur meine Bahn in Richtung Süden und bin nur froh, dass Aquaplaning für Motorräder noch nicht erfunden wurde. In diesem Moment spüre ich einen Wassereinbruch im Unterdeck. Vermutlich habe ich den Klett überm Reißverschluss nicht sorgfältig genug geschlossen und jetzt läuft irgendwo Wasser rein.
Finnland-Rallye: Ein Spektakel für Motorsportfans
Einmal im Jahr treffen sich die besten Autofahrer der Welt in der finnischen Provinz zur größten Blechakrobatik-Show der Welt. Und mit nichts lässt sich die Finnland-Rallye besser begleiten als mit dem Motorrad. Wer nicht im Stau steht, schafft mehr Prüfungen. Bei der Finnland-Rallye ist der Motorradfahrer der König.
Die Landschaft ist wegen all der Bäume, Felsen und Gewässer ziemlich unwegsam, es gibt zu den Wertungsprüfungen nur wenige Zufahrtswege. Hältst du den ersten auf, stehen alle. Neben Kühlboxen voller Bier schleppen manche gleich noch Musikanlagen oder ganze Sofas in den Wald.
Für Inhaber des Biker-Passes sind spezielle Parkplätze reserviert - selbstverständlich möglichst nah an der Rallyestrecke, zuweilen gar ganz vorn am Flatterband. Während viele Fans noch Kilometer vor sich haben, steht der Reiter schon längst am Grillikioski und hat sich schon mit der ersten Makkara gestärkt, einer mehligen Bratwurst, von der bei diesem Aufmarsch mehr als eine Million verkauft werden.
Ein Land der Gegensätze
Finnland blickt auf eine wechselvolle Geschichte zwischen Ost und West zurück. Wer seinen Motorradurlaub in Finnland verbringt, wird immer wieder auf die wechselhafte Geschichte zwischen Ost und West stoßen. Das beginnt schon beim Einlaufen mit der Fähre von Stockholm nach Helsinki: Links der weiße Dom, rechts daneben die orthodoxe Uspenski-Kathedrale.
Ähnlich wie in Schweden kann man auch in Finnland schöne Motorradreisen machen, wenn man sich von den breit ausgebauten Überlandstraßen fernhält. Quer durch das Saimaa-Seengebiet führen schöne Landstraßen, die Via Karelia im Osten glänzt durch wenig Verkehr und einsame Landschaften.
Spaßvögel behaupten, Finnland wäre ein großer Wald, in dem sich fünf Millionen Finnen verstecken.
Reiseinformationen
Die finnische Polizei ist wachsam, führt regelmäßig Alkoholkontrollen (auch morgens) durch und schießt mit dem Laser aus allen Lagen. Wer mehr als vier km/h über dem Tempolimit liegt, muss zahlen. Die Höhe der Strafe richtet sich auch für Deutsche nach dem Einkommen. Viele kleinere Landstraßen sind nicht asphaltiert, allerdings sind die Schotterpisten oft in besserem Zustand als viele deutsche Asphaltstraßen.
Die Hotels in Jyväskylä sind für Juli 2012 bereits jetzt fast ausgebucht. Am meisten Spaß macht der Finnland-Trip, wenn man in der Gruppe reist und sich ein Häuschen am See mietet. Der Preis für eine Woche liegt bei einem Haus für vier Personen meist zwischen 500 und 600 Euro.
Budget und Reisezeit
Das Budget einer solchen Reise hängt von den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen ab. Benzin kostet ähnlich wie daheim, wesentlich variieren vor allem die Kosten für Übernachtungen und Verpflegung. Die beste Reisezeit für Motorradreisende, die bis zum Nordkap reisen wollen, beschränkt sich wohl auf das Umfeld des Hochsommers, um Wintereinbrüche im späten Frühling oder frühen Herbst zu vermeiden.
Zusammenfassung der Reisekosten (ungefähre Angaben)
| Kostenpunkt | Preis (ungefähr) |
|---|---|
| Fährüberfahrt (einfache Fahrt mit Motorrad) | 180 Euro |
| Biker-Pass für Finnland-Rallye | 70 Euro |
| Häuschen am See (pro Woche für 4 Personen) | 500-600 Euro |
| All-you-can-eat-Buffet | 11 Euro/Person |
| Einfache Übernachtung mit Frühstück im Kloster Valamon | 95 FIM/Person |
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