Fahrradtransport im Flugzeug: Sicher verpackt ans Ziel

Wer mit dem Rad die Welt entdecken möchte, aber nicht in Deutschland starten kann, weil er nicht monatelang Zeit für seine Reise hat, ist darauf angewiesen, Fahrrad und Gepäck im Flugzeug zu transportieren. Im Prinzip ist dies kein größeres Problem, wenn man diverse Details beachtet und genügend Reisebudget aufbringt. Noch vor rund 20 Jahren konnte man bei manchen Airlines mit dem Fahrrad unangemeldet zum Check-in kommen.

Diese lockeren Zeiten sind endgültig vorbei. Die Bestimmungen für Mitnahme und Verpackung unterscheiden sich von Airline zu Airline. Die Transportpreise erreichen vor allem bei Fernflügen mit Liniengesellschaften mittlerweile Dimensionen, dass sich viele Fernradler schon überlegen, eventuell vor Ort ein Fahrrad zu kaufen oder zu leihen. E-Bikes und Pedelecs werden aus Sicherheitsgründen von den meisten Airlines gar nicht transportiert.

Anmeldung und Buchung

Praktisch alle Fluggesellschaften verlangen die vorherige Anmeldung eines Fahrrades, am besten gleich bei der Buchung oder spätestens zwei bis drei Tage vor Abflug - entweder online, per Telefon oder im Reisebüro. Dabei lässt sich auch klären, ob auf dem Flug überhaupt Fahr­räder mitgenommen werden. Auf bestimmten Strecken, vor allem wo kleine Flugzeuge eingesetzt werden, sind keine Räder im Gepäck zugelassen.

Wichtig ist auch zu wissen, ob bei einem Umsteigen die Fluggesellschaft gewechselt wird und dadurch eventuell andere Bestimmungen gelten. Wenn Fahrräder erst beim Check-in angemeldet werden, kann von der Airline der Transport abgelehnt werden, oder es wird zumindest eine erhöhte Gebühr verlangt. Bei der Fahrradanmeldung sollte man sich auch gleich über Transportkosten, Verpackungsvorschriften, Höchstgewicht und Gepäckmaße informieren.

Bei den meisten Fluggesellschaften gilt das Fahrrad als Sport- oder Sondergepäck, das gegen eine fixe Gebühr mitfliegt. Bei manchen Airlines wird das Gewicht des Fahrrades mit dem Freigepäck verrechnet. Wenn das Gewicht des Fahrrades und der Ausrüstung (Kleidung, Werkzeug, Packtaschen etc.) das Freigepäck übersteigt, muss Übergepäck bezahlt werden. Schweres Fahrradgepäck kann deshalb auf einem Fernflug pro Strecke schon mal über 400 Euro kosten. Ein genauer Vergleich der Beförderungsbedingungen und -kosten kann viel Geld sparen.

Vorbereitung und Verpackung

Bis auf wenige Fluggesellschaften, wie Lufthansa, verlangen alle eine Verpackung im Fahrradkoffer, Fahrradkarton oder in der Fahrradtasche. Außerdem ist es wichtig, den Lenker quer zu stellen (90 Grad), Luft aus den Reifen zu lassen (50%) und die Pedale abzuschrauben. Lose Teile wie Pumpe, Satteltasche, Radcomputer etc. müssen abgenommen werden.

Es gibt unterschiedliche Ansichten, ob man sein Rad verpacken soll, wenn es nicht vorgeschrieben ist. Die eine Theorie besagt, das Rad sollte mit einer Verpackung so gut und sicher wie möglich geschützt werden. Eine transparente Plastikfahrradgarage (alternativ irgendeine Folie) übers Rad stülpen schützt nur davor, dass sich Schalt- und Bremszüge mit anderem Gepäck verheddern. Rahmen mit Heizungsisolierung schützen, Lenker, Sättel, etc. mit Luftpolsterfolie umwickeln, Laufräder ggf. durch Pappe schützen, die am Gepäckträger bzw. Karton befestigt wird.

So wird das Reiserad sicher verpackt

  • Im Fahrradgeschäft einen alten Fahrradkarton besorgen
  • Luft aus den Reifen lassen (ca. 50 %)
  • Umwerfer vorne auf das kleinste Kettenblatt schalten
  • Pumpe, Trinkflasche, Radcomputer, Satteltasche abnehmen und im Gepäck verstauen
  • Vorderrad für den Transport ausbauen. Distanzhalter in die Gabel klemmen zum Schutz gegen Verbiegen
  • Bei Scheibenbremsen einen Brems-Distanzhalter zwischen die Bremsbeläge klemmen
  • Lenker ohne Lösen der Schrauben um 90 Grad nach rechts drehen
  • Brems- und Schaltgriffe nach unten drehen, damit sie nicht überstehen
  • Pedale abschrauben und zusammen mit dem Schnellspanner z.B.

Karton gibt es kostenlos bei Radhändlern, weil sie froh sind, weniger entsorgen zu müssen. In Ländern der Dritten Welt sucht man lange nach einem Karton, außerdem muss man dafür bezahlen. Unabhängig davon kann es sinnvoll sein, das Schaltwerk abzuschrauben und mit Kabelbindern locker baumelnd zu fixieren. Dadurch verbiegt das Schaltauge nicht bei einem Schlag oder starkem Druck.

Oftmals wird verlangt, die Luft aus den Reifen zu lassen. Der Grund liegt vermutlich darin, dass das Knallgeräusch eines platzenden Reifens - und das Platzen ist auch bei Normaldruck nicht ganz auszuschließen - nicht zuzuordnen ist und die Crew „besorgt“ sein könnte.

Fahrradtasche mit Reißverschluss: Diese sind extra für den Transport angefertigt. Pedale abschrauben (vorher fetten!), die kommen ins normale aufgegebene Gepäck. Der Sattel wird mit einem Handtuch o.ä. umwickelt, eine Plastiktüte darüber und mit Klebeband umwickelt. Der Lenker wird um 90º gedreht.

Um die empfindlichen Teile am Lenker werden zwei Stücke Karton gewickelt und festgeklebt. Am Ziel angekommen zieht man den Karton einfach zur Seite weg und das Cockpit ist sofort startklar. Für die Schaltung hinten ein großes Stück Karton, das wahlweise innen mit irgendetwas weichem gepolstert werden kann. Vorher die Kette auf die inneren Ritzel vorne und hinten schalten.

Mit dem Schraubenzieher werden ein paar Löcher an passenden Stellen gebohrt und der Karton mit Kabelbindern an den Hinterradstreben und am Gepäckträger fixiert. Gleiches gilt auch für den Karton, der die Kurbel schützt bzw. anderer Leute Gepäck vor den schmutzigen Zahnkränzen und der Kette schützt. Zum Abschluss noch den gedrehten Lenker mit einem Stückchen Schnur oder Klebeband so am Oberrohr locker fixieren, dass man noch lenken kann, das Vorderrad sich aber nicht um 180º verdrehen lässt. Auf diese Art und Weise lässt sich das Rad schieben und lenken.

Mit Kabelbinder lassen sich auch prima die Steckverschlüsse der Ortliebtaschen bzw. Zu beachten ist, dass sich die Regelungen häufig ändern. Die Gesellschaft nennt auf der HP zwar die Anforderungen an Anmeldung und Verpackung des Rades, bestätigt die tatsächliche Mitnahme auf einem bereits gebuchten Flug aber erst 36 Stunden vor Abflug. AF behält sich den Nichttransport des Rades ausdrücklich vor, ist zu keiner früheren Auskunft bereit und erklärt unter Verweis auf die eigenen Geschäftsbedingungen, dass die Verweigerung des Transportes KEINEN Anspruch auf Stornierung oder Umbuchung begründet.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Verpackung (oder sogar gar keine), wobei mir ein Karton bzw. Koffer doch am sichersten schien.

Fahrradverpackung für den Flug:

  • unverpackt( evtl. Schaltung und andere empfindliche Stellen abgeklebt
  • in Folie eingewickelt( Plane und Luftpolsterfolie)
  • ein Transportkoffer für Fahrräder( wohl am sichersten und auch am teuersten, für eine Radreise mit anderem Endpunkt ungeeignet)
  • Fahrradkarton( mit extra Polsterung durch Folie oder ohne)

Check-in

Immer rechtzeitig am Flughafen sein, da das Fahrrad nach Anbringen des Gepäckabschnittes noch zum Sperrgepäckschalter (Bulky Luggage) gebracht werden muss, und der liegt oft am anderen Ende der Abflughalle. Für manche Flüge wird auch ein Vorabend-Check-in angeboten.

Der Transport des Fahrrads im Flugzeug ist immer mit Aufwand und der Gefahr der Beschädigung verbunden. Eine Anmeldung ist unerlässlich. Wichtig: Es hängt vom Eincheck-Personal ab, wie streng oder lax die Vorschriften angewandt werden.

Bei einem Codeshare-Flug erwirbt man ein Ticket von Fluggesellschaft A, der eigentliche Flug wieder aber von Fluggesellschaft B durchgeführt. Beispiel: Fluggesellschaft A bietet kostenlosen Fahrradtransport an; Fluggesellschaft B verlangt 100 €. Bei der Buchung wird auf Codeshare-Flüge immer hingewiesen ("durchgeführt von" bzw.

Weil Fluggesellschaften meist nach Anzahl der Gepäckstücke die Gebühren berechnen, ist es empfehlenswert, nur eine große Tasche aufzugeben. Wir kaufen dazu immer in einem örtlichen Armyladen gebrauchte Bundeswehr Kampftragetaschen. Die sind sehr stabil und es paßt sehr viel rein. Wir nehmen als Handgepäck eine Backroller Tasche (mit Lenkertasche und Wertsachen drin).

Zelt, Schlafsack, Werkzeug, die zweite Backroller Tasche und das sonstige Gepäck passen sehr gut in die Kampftragetasche. Diese lassen wir dann am Zielflughafen zusammen mit den Kartons zurück und radeln unbeschwert los. Ergänzung: Auch sehr preisgünstige Gewebetaschen können für das Zusammenfassen des Gepäcks verwendet werden. Diese können zusätzlich noch mit Spannriemen (die man vielleicht sowieso für die Befestigung von Gepäck am Fahrrad dabei hat) oder mit Klebebändern stabilisiert werden.

Diese Taschen lassen sich sehr klein zusammenfalten und haben ein geringes Gewicht, so dass sie auch bei der Tour mitgeführt werden können, wenn z. B. ein Rückflug genutzt werden soll.

Versicherungsschutz

Da das Fahrrad durch die Airlines meist nur unzureichend versichert ist, empfiehlt sich eine passende Reisegepäck- oder Fahrradversicherung. Die Transportkonditionen unterscheiden sich oft je nach Fluggesellschaft und Flugstrecke.

Die Rad kostet meistens pauschal (zwischen 30 bis 60 € innereuropäisch - je nach Airline) und wird als Sperrgepäck aufgegeben. Bei Ryanair bis zu 30kg (Stand: Juli 2014), was schon ganz ordentlich ist. In jedem Fall wollen aber die meisten Fluggesellschaften, dass man zusätzlich die Luft etwas aus dem Reifen lässt( Überdruck), den Lenker schräg stellt und die Pedale abmontiert.

Wie sinnvoll das Lufherauslassen ist, wenn mittlerweile auch im Gepäckraum Luftdruckausgleich herrscht, sei dahin gestellt. Ein bisschen schadet wohl nicht, doch ganz platt ist eben auch nicht notwendig. Dennoch empfiehlt es sich die Richtlinien der Airlines zu lesen. geeigneten Karton transportiert werden. Besonders günstig erhält man diese Kartons im Fahrradladen des Vertrauens, da die Räder darin meist angeliefert werden und die wenigsten Läden danach noch etwas damit anfangen können.

Sehr praktisch sind daher zum Beispiel große, wasserdichte Packsäcke, die man später auch auf den Gepäckträger schnallen kann. Eine weitere Möglichkeit sind die großen Rucksackhüllen, die für den Transport im Flugzeug als Schutzhülle gedacht sind. Dort passt eine Menge herein, auch die Fahrradtaschen. Die Schutzhüllen sind leicht und lassen sich später klein zusammenfalten und im Gepäck verstauen ohne viel Platz einzunehmen oder viel zu wiegen.

Tabelle: Übersicht einiger Fluggesellschaften und ihrer Bestimmungen (Beispielwerte)

FluggesellschaftAnmeldungVerpackungKosten
LufthansaEmpfohlenNicht zwingend erforderlichJe nach Strecke und Freigepäck
RyanairErforderlichFahrradkarton oder -taschePauschalgebühr
KLMErforderlichFahrradkarton oder -tascheJe nach Strecke und Freigepäck
TUIflyErforderlichFahrradkarton oder -tascheJe nach Strecke und Freigepäck

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