Auf dem Weg zur Fahrerlaubnis gibt es einige Hindernisse zu überwinden. Dazu gehören neben kognitiven und praktischen Leistungsanforderungen auch die häufig hohen Kosten. Wer eine Fahrerlaubnis erwerben möchte, darf nicht zu knapp kalkulieren.
Allgemeine Kostenfaktoren beim Führerscheinerwerb
Zunächst sind einige allgemeine Kostenfaktoren zu berücksichtigen, die für alle Führerscheinklassen anfallen:
- Sehtest: Den Sehtest lassen Sie von einer amtlich anerkannten Stelle durchführen. Wenn Sie keinerlei Einschränkungen haben, reicht dafür der Optiker Ihres Vertrauens aus. Wer unter einer Sehschwäche leidet, muss sich eine Bescheinigung vom Augenarzt holen. Ärztliche Untersuchungen zahlt in der Regel Ihre Krankenkasse.
- Erste-Hilfe-Kurs: Zusätzlich zu den normalen Ausgaben für den Führerschein kommen die Kosten für den Erste-Hilfe-Kurs hinzu, zu dem Sie verpflichtet sind. Auch die Schulung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen findet nicht direkt über die Fahrschule statt. Stattdessen können Sie sich vor Ort an Einrichtungen wenden, wie beispielsweise Johanniter, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser oder ADAC. Über ADAC gelbhilft kostet er rund 60 Euro, wobei ADAC Mitglieder einen Rabatt erhalten. Nicht erforderlich ist er, wenn der Nachweis schon bei einem früheren Führerscheinverfahren vorgelegt wurde. Der Kurs muss neun Unterrichtseinheiten beinhalten, eine Teilnahmebescheinigung für Sofortmaßnahmen am Unfallort reicht nicht aus.
- Antrag beim Straßenverkehrsamt: Sobald Sie sich an einer Fahrschule angemeldet haben, kann diese in Ihrem Auftrag einen offiziellen Antrag beim Straßenverkehrsamt stellen.
- Biometrisches Passfoto: Die Kosten für ein biometrisches Passfoto liegen je nach Anbieter zwischen 8 Euro und 15 Euro. Dazu kommen die Kosten für ein biometrisches Passfoto ab 10 Euro.
Kosten für den Pkw-Führerschein (Klasse B)
Laut einer aktuellen Umfrage des ADAC ist der Pkw-Führerschein in den vergangenen zwei Jahren deutlich teurer geworden. Wenn Sie den Führerschein der Klasse B machen, also ab 18 Jahren oder schon mit B17 ab 17 Jahren, dann sind zwölf Doppelstunden Theorie-Unterricht für den Grundstoff Pflicht. Wie viele Fahrstunden Sie benötigen, ist ziemlich individuell und hängt davon ab, wie schnell Sie Fortschritte machen. In der Fahrschüler-Ausbildungsverordnung gibt es sogenannte Pflichtfahrten, die Sie machen müssen, und Übungsstunden. Wie viele Übungsstunden Sie brauchen, hängt von Ihnen ab.
Sonderfahrten bei Dämmerung bzw. Fahrschulen müssen laut Gesetz klare Preise angeben: Das heißt, sie müssen für jede Leistung einen festen Preis nennen und sich auch daran halten. Es gibt keine feste Gebührenordnung, das heißt jede Fahrschule kann ihre Tarife selbst bestimmen. Die Fahrschulen nehmen eine Grundgebühr, durch die auch die Theoriestunden abgedeckt sind. Der Preis für eine reguläre Fahrstunden à 45 Minuten liegt zwischen 55 und 77 Euro. Wie viele Übungsfahrten Sie brauchen, hängt von Ihnen ab. 12 Sonderfahrten sind Pflicht.
Sowohl der Theorie- als auch der Praxisteil laufen über eine externe Prüfstelle wie TÜV oder DEKRA. Meistens meldet Sie Ihre Fahrschule bei der zuständigen Behörde für einen Prüfungstermin an und rechnet die jeweiligen Gebühren direkt mit Ihnen ab. Der Pkw-Führerschein kostet im Durchschnitt 2.400-4.400 Euro.
Abhängig von der Anzahl der benötigten Fahrstunden und regionalen Schwankungen belaufen sich die Gesamtkosten für einen Führerschein Klasse B von rund 2.400 Euro (27 Fahrstunden) bis auf über 4.000 Euro (37 oder mehr Fahrstunden). So setzen sich die Kosten im Detail zusammen:
- Grundgebühr der Fahrschule (Anmeldung und theoretischer Unterricht): 350 bis 565 Euro
- Lernmaterialien (Bücher, Online-Medien, Apps): 88 bis 119 Euro
- Fahrstunden:
- Übungsfahrten (45 Minuten): 55 bis 77 Euro pro Stunde
- Sonderfahrten (Autobahn, Überland, Nacht): 60 bis 95 Euro pro Fahrt
- Prüfungsgebühren:
- Vorstellung zur theoretischen Prüfung: 60 bis 137 Euro
- Theoretische Prüfung: 25 Euro
- Vorstellung zur praktischen Prüfung: 160 bis 289 Euro
- Praktische Prüfung: 130 Euro
- Weitere Kosten:
- Sehtest: 6 bis 10 Euro
- Erste-Hilfe-Kurs: 50 bis 55 Euro
- Passbilder: 5 bis 15 Euro
- Führerscheinantrag bei der Behörde: 38 bis 70 Euro
Kosten für den Motorradführerschein
Den Motorradführerschein gibt es in vier verschiedenen Klassen. Hier finden Sie alle Informationen, welche Bedingungen an die Motorradführerscheinklassen A, A1, A2 und AM geknüpft sind. Der Motorradführerschein Klasse A: Wer ein Motorrad fahren und sich dabei keine Gedanken um Kubikzentimeter, Pferdestärken und Höchstgeschwindigkeit machen will, muss mindestens 24 Jahre alt sein und braucht den "großen" Führerschein der Klasse A. Mit dieser Königsklasse der Motorradführerscheine dürfen alle Krafträder und dreirädrigen Kraftfahrzeuge ohne Leistungsbegrenzung gefahren werden.
Zwei Wege führen zum Motorradführerschein der Klasse A: zum einen der stufenweise - also erst die leistungsreduzierte Klasse A2 und danach die volle Motorradklasse A - und zum zweiten der direkte Weg. Die Fahrschulen erheben zunächst einen Grundbetrag, eine Art Anmeldegebühr. Das sind bei den Führerscheinklassen A, A1 und A2 rund 250 bis 690 Euro.
Die Vorstellung zur theoretischen Prüfung kostet rund 80 bis 167 Euro, die zur praktischen etwa 195 bis 443 Euro. Sie werden in der Regel über die Fahrschule abgerechnet. Grundsätzlich gilt: Eine oder zwei Fahrstunden mehr sind billiger als sich zum zweiten Mal zu einer Prüfung anzumelden. Den größten Kostenblock verursachen die Fahrstunden, die genau wie Schulstunden 45 Minuten dauern. Für normale Ausbildungsfahrstunden, auch Übungsfahrten genannt, sind circa 60 bis 102 Euro anzusetzen. Ihre Zahl hängt vom Lernfortschritt des Fahrschülers ab, und dabei beurteilt der Fahrlehrer, ob seine Schülerin oder sein Schüler schon sicher fahren kann. Dazu kommen zwölf Sonderfahrten zu je 66 bis 128 Euro, zusammengesetzt aus fünf Überland-, vier Autobahn- und drei Fahrten in der Dämmerung beziehungsweise bei Nacht. Übungsmaterialien, Lernsysteme oder Apps sind bei manchen Fahrschulen im Grundbetrag enthalten, andere berechnen ungefähr 50 bis 100 Euro.
Dazu können Kosten kommen, die oft vergessen werden. Motorradschüler müssen bei der Ausbildung und Prüfung nicht nur einen Helm, sondern auch Schutzkleidung tragen. Oft kann man sich Ausrüstung bei der Fahrschule leihen - das kostet und spätestens nach bestandener Prüfung braucht es eigene Schutzkleidung. Wer sparen möchte, sollte sich rechtzeitig anmelden, um den Führerschein innerhalb einer Saison machen zu können. Kommt es zu einer Unterbrechung durch die Winterpause, kostet das Übung und damit auch Geld.
Zu den Kosten für die Vorstellungen zu theoretischer und praktischer Prüfung kommen die Gebühren für die eigentlichen Prüfungen bei TÜV oder Dekra. Sie betragen für den Direkteinstieg in die Klasse A 24,99 Euro für die Theorie und 162,67 Euro für die Praxis. Bei den Führerscheinstellen der Kommunen sind rund 45 Euro für die Ausstellung oder Erweiterung eines Führerscheins zu zahlen. Der Verband Innovativer Fahrschulen Deutschland (VIFD) und die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) beziffern die Kosten für die Klassen A und A2 auf durchschnittlich ca. 2500 Euro. Viele der Fahrschulen stellen ihre Preise nur vor Ort oder auf Anfrage zur Verfügung, eine Online-Recherche ist nicht immer möglich. Demnach kostet der Direkteinstieg im Schnitt rund 3000 Euro. In den meisten Fällen aber bewegen sich die Preise zwischen dem Wert der Verbände und dem des ADAC - sprich zwischen 2500 und 3000 Euro. Einige wenige Fahrschulen verlangen teilweise mehr als 4000 Euro und heben den Mittelwert dementsprechend an. Zu diesen Kosten kommen noch ca. 250 Euro, für Prüfungsgebühren, Sehtest und Führerscheinstelle.
Für die folgende Beispielrechnung wurden 15 Übungsstunden als Grundlage gewählt, das entspricht dem Mittelwert der Angabe des VIFD. Die Preise stammen von einer Fahrschule in Hessen.
| Kosten | Betrag (Euro) |
|---|---|
| Grundbetrag | 540 |
| Vorstellung zur theoretischen Prüfung | 129 |
| Vorstellung zur praktischen Prüfung | 159 |
| Ausbildungsfahrstunden (15 á 75) | 1125 |
| Sonderfahrten (12 á 85) | 1020 |
| Übungsmaterialien | 59 |
| Gebühren theoretische Prüfung | 25 |
| Gebühren praktische Prüfung | 163 |
| Erste-Hilfe-Kurs | 0 (vorhanden) |
| Sehtest | 0 (beim Optiker) |
| Gebühren für die Ausstellung des Führerscheins | 45 |
| Biometrisches Passfoto | 10 |
| Gesamtkosten | 3275 |
Der Aufstieg von A2 auf A kostet Laut VIFD etwa 500 Euro. Da die Schüler zum Bestehen der praktischen Prüfung unterschiedlich viele Stunden brauchen, gibt es keine Garantie, dass nach beispielsweise einer Woche beziehungsweise drei Übungsfahrstunden die praktische Prüfung bestanden wird. Daher raten Experten von Ferienfahrschulen ab. Vor allem die Anzahl der praktischen Fahrstunden wirkt sich auf die Höhe der Führerscheinkosten aus.
Kosten für unterschiedliche Führerscheinklassen im Überblick:
| Führerscheinklasse | Erlaubte Fahrzeuge | Kosten (ca.) |
|---|---|---|
| Klasse B | Pkw bis max. 3,5 t, max. 8 Sitzplätze | 2.400-4.400 € |
| Klasse BE | Pkw mit Anhänger über 750 kg (max. 3,5 t) | 500-1.500 € |
| B96 Erweiterung | Pkw mit Anhänger: Gesamtmasse zwischen 3.500 kg und 4.250 kg | 300-500 € |
| Klasse A | Motorräder ohne Leistungsbeschränkung | 1.500-3.500 € |
| Klasse A2 | Motorräder bis 35 kW | 1.200-2.500 € |
| Klasse A1 | Leichtkrafträder bis 125 cm³ | 1.000-2.000 € |
| Klasse AM | Kleinkrafträder bis 50 cm³ | 500-1.200 € |
| Klasse C | Lkw über 3,5 t (ohne Anhänger) | 2.500-5.000 € |
Sparen beim Führerscheinerwerb
Angesichts der stolzen Summe, die sich aus den Preisen für die Ausbildung an der Fahrschule und sämtlichen Nebenkosten ergibt, suchen viele Fahranfänger nach Wegen, die finanzielle Belastung wenigstens teilweise zu reduzieren. Die steigenden Führerscheinkosten sind vor allem auf höhere Betriebskosten der Fahrschulen zurückzuführen, die direkt an die Fahrschüler weitergegeben werden. Hauptursachen für hohe Kosten von Pkw-, Lkw- und Motorradführerscheinen sind: Kraftstoff-Verteuerung durch die CO₂-Steuer, gestiegene Fahrzeugpreise, höhere Versicherungs- und Reparaturkosten sowie steigende Prüfungsgebühren von TÜV und Dekra.
So können Sie sparen:
- Fahrschulen vergleichen: Setze nicht auf den günstigsten Anbieter - eine gute Ausbildung kann dir Fahrstunden und Prüfungswiederholungen ersparen.
- Paketangebote nutzen
- Stufenführerschein
- Fahrpraxis sammeln
- Theorie aufbessern
Die richtige Fahrschule finden
Die Wahl der Fahrschule kann einen erheblichen Einfluss auf die Dauer und die Kosten des Führerscheinerwerbs haben. Neben den Preisen für Fahrstunden spielen auch die Qualität des Unterrichts, die Erfahrung der Fahrlehrer und die allgemeine Organisation der Fahrschule eine Rolle.
Hier kommen fünf Tipps bei der Suche nach der richtigen Fahrschule:
- Vergleiche die Preise: Setze nicht auf den günstigsten Anbieter - eine gute Ausbildung kann dir Fahrstunden und Prüfungswiederholungen ersparen.
- Nutze Empfehlungen: Lese Online-Bewertungen und Erfahrungsberichte. Persönliche Empfehlungen von Freunden oder Familie sind am wertvollsten.
- Absolviere Probeunterricht: Vereinbare ein Beratungsgespräch, um Fahrlehrer und Lernumfeld kennenzulernen. Erkundige dich bei Fahrschülern nach der Lernumgebung.
- Prüfe die Flexibilität: Frage nach, ob Fahrstunden auch abends oder am Wochenende möglich sind. Eine Fahrschule mit mehreren Fahrlehrern bietet die Möglichkeit zu wechseln, falls die Chemie nicht stimmt.
- Berücksichtige die Erreichbarkeit: Eine Fahrschule in der Nähe erspart dir Zeit und Fahrtkosten.
Kombi-Ausbildung: Auto- und Motorradführerschein zusammen machen
Werden Auto- und Motorradführerschein im direkten zeitlichen Zusammenhang erworben, ergibt sich daraus grundsätzlich immer eine Kostenersparnis. Der Umfang ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie Alter, bereits vorhandenem Führerschein oder angestrebter Fahrzeugklasse des Motorrads. Wer den Motorradführerschein gleich zusammen mit dem Autoführerschein macht, kann viel Geld sparen. Wenn beide Fahrerlaubnisse gleichzeitig absolviert werden, lässt sich während des Führerscheinerwerbs an einigen Stellen sparen.
Wenn Du schon mit 16 die Fahrerlaubnis A1 erworben hast, kannst Du beim späteren Autoführerschein immerhin sechs der vorgeschriebenen zwölf Doppelstunden Theoriegrundausbildung einsparen. Ist Dein Budget ausreichend für einen Kombiführerschein, sparst Du effektiv mehr Geld ein, als die Beispielrechnung zeigt.
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