Die Geschichte der Motorradmarke Hecker ist eng mit der fränkischen Stadt Nürnberg verbunden. Im Folgenden werden die wesentlichen Etappen der Entwicklung und Produktion von Hecker-Motorrädern beleuchtet.
Die frühen Jahre und der Einstieg in den Motorradbau
Im Jahr 1921 begann Hecker mit der Fertigung von Fahrrädern mit bruchsicheren Rahmen. Bereits ab etwa 1915 hatte er sich mit der Entwicklung der Fahrräder beschäftigt. Da Scharrer & Groß ab 1925 eigene Motorräder produzierte, war Hecker gezwungen, J.A.P.-Motoren mit 198 cm³ bis 548 cm³ zu verwenden.
Hecker war hauptsächlich in den zwanziger Jahren im Rennsport aktiv. Zu den Werksfahrern gehörten Hans Hironimus, Eugen Bussinger und E. Hironymus, wobei letzterer auch für Zündapp und die Erlanger Motorrad-Manufaktur Ermag fuhr. Bei der Reichsfahrt 1923 errang Bussinger den Sieg in der Klasse bis 350 cm³ für Industriefahrer. Im Jahr 1929 siegte der Engländer Syd Crabtree auf einer Hecker-J.A.P.
Die Modellentwicklung in den 1920er Jahren
1928 gab es Hecker-J.A.P. Modelle mit Trapezgabel anstelle der selbst entwickelten Druidgabel und mit verbessertem Rahmen. Dieses Motorrad wurde leider nur 1928 gebaut und dann durch eine billigere Version mit 600 cm³ Motor von J.A.P. ersetzt.
Ab 1931 begann die Produktion von Hubraum-schwächeren Zweitaktern zur Volks-Motorisierung; allesamt ausgestattet mit Motoren von Sachs und ILO mit 73 cm³ und 98 cm³ in der Maximillianstraße in Nürnberg.
Die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau
Hans Hecker verstarb 1942 und hinterließ drei Töchter und seine Ehefrau Maria. Während des Krieges wurden bei Hecker kriegswichtiges Gerät und Munition hergestellt. Zum Ende des zweiten Weltkrieges inventarisierten die amerikanischen Besatzer die Werkzeugmaschinen und das restliche Inventar der Firma als Reparations-Leistungen. Doch bei Hecker hatte man Glück, denn die Maschinen wurden niemals abgeholt und so konnte die Motorrad-Produktion schnell wieder aufgenommen werden.
Nach Krieg übernahmen die Schwiegersöhne von Hans Hecker, Paul und Fritz Scharold die Geschicke der Firma und fertigen zunächst, wie viele andere Motorrad-Konfektionäre auch, eine 125 ccm Maschine mit dem bewährten ILO-Motor aus Pinneberg. Bei Hecker wurde die K125 das meist gebaute und verkaufte Fahrzeug und war von 1948 bis 1954 in den Katalogen zu finden. Neben diesem „Top-Seller“ wurden Motorräder mit 175ccm Motoren von ILO, Sachs und Villiers konfektioniert.
Um die aktuelle Fahrzeugpalette attraktiv weiterentwickeln zu können, verstärkte Paul Scharold seine Technik-Mannschaft schnell durch zwei gut ausgebildete und im Motorradbau erfahrene Ingenieure. Er konnte mit Max Weichenrieder einen guten Mann von Suspa, einem Zulieferer für Fahrwerks-Elemente abwerben. Rudolf Aurich kam von Ardie und brachte neben seiner Erfahrung einen hohen technischen Qualitätsanspruch in die Fahrzeugentwicklung bei Hecker ein.
Die 1950er Jahre: Innovationen und Erweiterungen
Mitte der Fünfziger Jahre wurde die Palette nach oben mit 200ccm und 250ccm- Ein- und Zweizylinder-Motoren abgerundet. In der Nürnberger Lenaustraße 7 wurde auch in dieser Zeit viel getestet und erprobt. So gab es bald das Moped mit dem 50 ccm-ILO-Süd-Motor. Das G50R war das erste Vollschwingen-Moped aus deutscher Produktion. Wieder eine Innovation der fränkischen Zweirad-Bauer. Dem G50R wurde schnell ein Transport-Moped zur Seite gestellt.
Vertrieb und Ruf der Marke Hecker
Das Verkaufs- und Händlernetz von Hecker erstreckte sich in diesen Jahren über die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Natürlich war die lokale Präsenz ebenfalls gut ausgebaut. So wurden Hecker-Motorräder zum Beispiel im bekannten Fahrzeughaus Füglein in Nürnberg vertrieben. Nach Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern waren die Verkaufshochburgen im Rheinland und im Rhein-Main-Gebiet. Hier gab es gut sortierte Auslieferungsläger, welche den Nachschub an die kleineren Händler sicherten. Eines dieser Auslieferungsläger wurde beispielsweise von Toni Hardt in Unkel am Rhein betrieben.
Auch wenn Hecker-Motorräder Deutschlandweit einen guten Ruf hatten und entsprechend gut verkauft wurden, konnte sicher nicht von einer „Motorrad-Fabrik“ gesprochen werden, selbst wenn Hecker diesen Titel in der Geschäfts-Korrespondenz verwendete. Eher war es wohl eine Manufaktur bei der jeder Mitarbeiter vielseitig einsetzbar sein musste. Die Tanks, Schutzbleche und Felgen wurden z.B. von den Lehrlingen zu Fuß zum Lackierer getragen und die Verpackung der Motorräder übernahmen ebenfalls die Lehrlinge. Und das natürlich neben der Tätigkeit in der Serien-Fertigung und in der Entwicklung.
Die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge stellte Hecker auch in dieser Zeit immer wieder bei Sport-Veranstaltungen unter Beweis.
Verwandte Beiträge:
- Bauer Fahrrad Modelle: Übersicht & Testberichte der beliebtesten Modelle
- BMW Motorrad Bauer Bamberg: Ihr Ansprechpartner für BMW Motorräder
- Martin Bauer: So wurde er zur Legende im Motorradrennsport!
- Walter Bauer und Ducati: Die faszinierende Design-Revolution, die Motorradgeschichte schrieb!
- Brinker Motorräder Bawinkel: Gebrauchte Motorräder & Service
- Motorradauspuff Hersteller: Top Marken, Modelle & Kaufberatung
Kommentar schreiben