Gedrosselte Harley-Davidson: Erfahrungen und Vergleich

Der Gesetzgeber hat es klar definiert: Wer beim Erwerb des Motorradführerscheins noch keine 25 Jahre alt ist, erhält die Klasse A beschränkt. Das bedeutet, dass man zwei Jahre lang nur Motorräder fahren darf, die maximal 34 PS stark sind und gleichzeitig ein Gewicht von mindestens 4,6 Kilogramm pro PS aufweisen. Das Motorrad muss also bei 34 PS Leistung mindestens 156 Kilogramm wiegen.

Diese Regelung gilt noch bis 2012. Danach greift eine EU-Regelung, die eine neue Führerscheinklasse mit der Bezeichnung A2 vorsieht, bei der Novizen sich zwei Jahre lang mit bis zu 48 PS bewähren dürfen.

Drosselungsmethoden im Vergleich

Fünf Motorräder verschiedener Kategorien hat MOTORRAD für diesen Einsteigervergleich ausgewählt, wobei die Art und Weise der Drosselung jeweils unterschiedlich ist.

  • BMW F 650 GS: Die Drosselung erfolgt hier über Drosselklappenstutzen mit geringerem Durchlass plus Kleinteile wie Gaszug, Gaszughalter und ein paar Schrauben. Die BMW F 650 GS kann ab Werk ohne Aufpreis in der 34-PS-Variante bestellt werden.
  • Harley-Davidson: Das Motorrad ist nicht ab Werk mit 34 PS lieferbar, sondern muss vom Händler umgebaut werden. Dies geschieht über eine einlassseitige Querschnittsverengung plus einer Software-Anpassung.
  • Honda CBF 600: Genau wie BMW bietet auch Honda die CBF 600 ab Werk mit 34 PS ohne Aufpreis an.
  • Suzuki Bandit 1250: Mit solch einem Gaswegbegrenzer von Alphatechnik ist das größte, und mit offen 98 PS stärkste Bike des Vergleichs, die Suzuki Bandit 1250, dabei.
  • Kawasaki Ninja 250 R: Kawasakis Ninja 250 R ist die einzige Maschine dieses Vergleichs mit ungedrosseltem Motor. Der wassergekühlte Zweizylinder-Motor leistet maximal 33 PS.

Eine wichtige Überlegung bei der Anschaffung eines 34-PS-Krads sollte sein: Ist das Motorrad auch in der offenen Version attraktiv, und will ich es nach zwei Jahren weiterfahren?

Eines haben alle fünf gemeinsam: Auf der Landstraße fühlen sie sich pudelwohl.

Kosten der Drosselung und Entdrosselung

Dann spielen die Entdrosselungs-Kosten eine nicht unwichtige Rolle: Im Fall der BMW kostet die Öffnung auf 71 PS beim Händler rund 200 Euro plus TÜV-Eintrag (rund 30 Euro). Die Kosten belaufen sich auf rund 300 Euro inklusive TÜV-Eintrag und müssen zum Listenpreis addiert werden. Das Öffnen auf 53 PS muss mit rund 250 Euro veranschlagt werden, wobei die Lohnkosten schwanken und sich stark nach dem Werkstatt-Stundensatz richten. Für die Entdrosselung auf 78 PS müssen allerdings 500 Euro (Material, TÜV, Lohn) veranschlagt werden, denn hierfür wird das Motorsteuergerät plus Ansaugstutzen getauscht.

Eine günstigere Version für die CBF hat Alphatechnik (Telefon 08036/300720) im Programm: Gegen 105 Euro (plus 30 Euro für die Eintragung in die Fahrzeugpapiere) erhält man einen so genannten Gaswegbegrenzer mit TÜV-Gutachten. Einbaukosten: rund 80 Euro. Die Kosten sind identisch: 105 Euro für Teile und Gutachten, 80 Euro für Ein- oder Ausbau.

Die Gaswegbegrenzung geschieht hier über einen Anschlag, der die Öffnung der Drosselklappen verringert. Man muss sich bei dieser Art der Drosselung allerdings daran gewöhnen, dass der Drehwinkel des Gasgriffs extrem verringert wird - ein winziger Dreh mit dem Handgelenk bedeutet bereits Vollgas. Vorteil: Die Kosten fürs Öffnen betragen nur rund 80 Euro.

Erfahrungen mit den einzelnen Modellen

BMW F 650 GS

Sie besitzt zwar die beste Drosselung, ist jedoch auf Grund ihrer enormen Sitzhöhe eher für größere Einsteiger geeignet. Die passt sofort - so die einhellige Meinung von Melanie, die auf der F 650 GS ihren Führerschein gemacht hat, und von Yvonne.

Der breite Lenker der 650er reduziert Lenkkräfte, die Taille ist relativ schmal und spreizt die Beine nicht übermäßig, und auch der Kniewinkel geht in Ordnung. Die Sitzbank hat Kuschel-Charakter. Auch die aufrechte Sitzposition kommt bei den Anfängerinnen gut an.

Über das Fahrwerk sind beide voll des Lobes: "Komfortabel abgestimmt. Damit hat man auch auf viertklassigen Landstraßen Spaß", sagt Melanie. Die Drosselung der BMW ist perfekt gelungen. Der Twin hängt ruckfrei und sanft am Gas und reagiert verzögerungsfrei auf Gasbefehle. Im direkten Vergleich wirkt er nicht zugeschnürt oder übermäßig träge.

Auch die Bremsen mit ihrem ABS überzeugen Anfängerinnen wie Tester: gut dosierbar, tadellose Wirkung.

Harley-Davidson Sportster 883 Iron

Trotz Drossel geht dem Motor nichts an seiner Faszination verloren. Motorradfahren ist das eine. Harleyfahren das andere.

Yvonne fasst es so zusammen: "Die Handgriffe für Bremse und Kupplung sind für große Hände geformt, Gangwechsel erfordern viel Kraft und irgendwie sitzt man so komisch - als wenn man nicht zum Motorrad gehört."

Der luftgekühlte V2 hängt superweich am Gas, läuft sehr weich, dreht jedoch extrem phlegmatisch. Die Drosselung ist gelungen, wenngleich sich die Motorpotenz nach dem Entdrosseln auf 53 PS nur geringfügig verbessert.

Kleine Fahrer kommen wegen des tiefen Schwerpunkts und der niedrigen Sitzhöhe trotz des Gewichts von 261 Kilogramm zurecht. Lediglich beim Rangieren fällt die Masse unangenehm auf. Der Erlebniswert ist hoch. Doch er generiert sich nicht aus Sportlichkeit. „Ich bin begeistert und überrascht, wie viel Spaß Langsamkeit macht“, sagt Yvonne.

Honda CBF 600

Sie besticht vor allem durch eine gute Sitzposition und super Bremsen. Erst der Mensch, dann die Maschine - so lautete das Credo des Firmengründers Soichiro Honda.

Unsere beiden Mädels bestätigen diese Philosophie mit ihren eigenen Worten: "Einfacher kann ein Motorrad kaum fahren", meint Yvonne. "Kuppeln ist so leichtgängig, das Schalten so super einfach, und die Bremsen verzögern spitze."

Ganz begeistert sind die zwei vom Lenkverhalten: "Zielgenau, leicht und planbar" sei die CBF, freut sich Melanie, meint im Gegenzug jedoch: "Die Honda ist in allen Bereichen rundherum gelungen. Auch das Fahrwerk ist super. Aber irgendwie ist sie wie ein ereignisloses Fahrzeug, so langweilig..."

Denn der Vierzylinder läuft zwar sahnig-seidig und hängt auch prima am Gas, doch die 34 PS aus 600 Kubik fühlen sich so an, als würde man permanent heftigen Gegenwind haben. Das bestätigt die Durchzugsmessung: Von 100 bis 140 km/h braucht die CBF 33,9 Sekunden - rote Laterne im Vergleich. "Dafür klingt sie super", findet Melanie. "Und sie sieht durch viele nette Details wertig aus", fügt Yvonne hinzu.

Kawasaki Ninja 250 R

Sie hat ein tolles Handling, dafür muss der kleine Motor ordentlich drehen, um vorwärts zu kommen. Kreischende Drehzahlen bis 13000/min, freundliche 172 Kilogramm vollgetankt, niedliche 765 Millimeter Sitzhöhe, schlanke, handliche Bereifung - die kleine Ninja wirkt zwischen den anderen Bikes wie ein Spielzeug.

Sie ist die einzige nicht gedrosselte Maschine dieses Vergleichs. "Wenn man von der Bandit, Harley oder BMW auf die kleine Grüne umsteigt, glaubt man zuerst, der Motor sei defekt", sagt Yvonne, die sich anfangs schwer tat, dem quirligen Zweizylinder etwas abzugewinnen. Denn wer mit der Ninja zügig vorwärts kommen will, muss den Motor drehen, um seine Leistung einzufordern.

Der Motor wirkt durch das breite Drehzahlband lebendig und nicht so phlegmatisch und zugeschnürt wie beispielsweise der Harley-V2 oder der Suzuki-Vierzylinder. Und es ist trotz Hubraumdefizit auch so: Im direkten Vergleich glänzt die Kawa durch ihr Leistungsgewicht von nur 5,2 Kilogramm/PS mit den besten Beschleunigungs- und Durchzugswerten.

Grundsätzlich sei die Kawa das beste Einsteigerbike, finden die Mädels. Durch das lässige Handling und zielsichere Lenken kommen selbst absolut Unerfahrene gleich mit ihr zurecht.

Suzuki Bandit 1250

Ihre Anschaffung lohnt sich vor allem, wenn man auf ihr nach Ablauf der 34-Begrenzung offen fahren will. Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, oder? Die Bandit hat im Vergleich zur Kawa den fünffachen Hubraum.

Es nützt alles nichts. Denn die Kraft kommt wie ein Dammbruch - je höher der dicke Vierzylinder dreht, desto schlapper fühlt er sich an. "Mehr als bei den anderen Maschinen spürt man, dass dieser Motor irgendwie zugestopft wurde", sagt Yvonne. In der Tat: Von null bis 100 km/h vergehen 9,5 Sekunden - nur die Harley ist mit 10,3 Sekunden noch lahmer. Dafür glänzt die Suzuki mit dem besten Durchzug.

Aber auch sonst sind die Mädels nicht begeistert, denn als Einsteigerbike ist die dicke Bandit weniger geeignet: "Man sitzt drauf und spürt sofort, dass die Maschine unglaublich schwer ist", sagt Melanie.

Gefühlsmäßig wird die schwerere Harley durch den niedrigeren Schwerpunkt und die geringere Sitzhöhe leichter empfunden. "Mich stört die schwergängige Kupplung", meint Yvonne.

Grundsätzlich lenkt sich die Bandit aufgrund des Gewichts und der größeren Reifendimensionen träge und fährt nicht so agil und leichtfüßig wie die Kawa, Honda oder BMW. Ansonsten überzeugt sie mit einer gelungen Fahrwerksabstimmung und guten Bremsen.

MOTORRAD-Punktewertung

Kategorie Motor:

Sternstunden für BMW und Kawasaki, eine Schlappe für die Harley, deren Motor phlegmatisch ist und zusätzlich - wie auch die Suzuki - arg mit dem Maschinengewicht zu kämpfen hat. Die Leistung der Honda wird leider durch die viel zu lange Übersetzung kaschiert.

Kategorie Fahrwerk:

Fast Perfekt für Einsteiger: Die Honda bietet das beste Fahrwerk und die besten Bremsen. Dahinter rangiert die Kawa, die sich am einfachsten fahren lässt. Der fehlt zwar ein ABS und etwas Komfort, dafür kostet sie nur die Hälfte der Mitbewerber. Die Suzuki krankt am hohen Gewicht.

Kosten der A2-Werksdrosselung auf 35 kW

MOTORRAD zeigt, was das werksseitige Drosseln und Entdrosseln aktueller A2-Motorräder kostet. Von 95 auf 48 PS und zurück.

Wer sich mit dem Stufenführerschein beschäftigt und plant, ein maximal 70 Kilowatt starkes Motorrad für zwei Jahre auf 35 Kilowatt zu drosseln, möchte meist wissen, welche Kosten auf ihn zukommen. Was kostet das Drosseln auf 35 kW? Und was kostet das spätere Entdrosseln dann? Und welcher Hersteller ist beim Drosseln und Entdrosseln am günstigsten? MOTORRAD hat die Hersteller in Deutschland gefragt:

Hersteller Kosten für Drosselung auf 48 PS Kosten für Entdrosselung
BMW Kostenlose Option beim Kauf 80 - 100 Euro (Arbeitszeit) + Eintragung (ca. 70 Euro)
Triumph 138 Euro (elektronischer Gasgriff) Kosten für Montage des 70-kW-Gasgriffs, Software und erneute Umtragung
Yamaha (700er Modelle) Austausch der Ansaugstutzen (65 Euro) + Arbeitszeit (2-3 Stunden) + Eintragung Austausch der Ansaugstutzen (65 Euro) + Arbeitszeit (2-3 Stunden) + Eintragung
Yamaha (900er Modelle) Softwareänderung (ca. 15 Minuten Arbeitszeit) + Eintragung Softwareänderung (ca. 15 Minuten Arbeitszeit) + Eintragung
Kawasaki Ca. 150 Euro (Software) + Arbeitszeit + Eintragung Ca. 150 Euro (Software) + Arbeitszeit + Eintragung
Harley-Davidson Ca. 50 Euro (Arbeitszeit) + Umtragung (ca. 50 Euro) Ca. 50 Euro (Arbeitszeit) + Umtragung (ca. 50 Euro)

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