Wer hat nicht schon mit dem Gedanken gespielt, unserem doch manchmal recht unfreundlichem Winter zu entfliehen und statt des verhangenen Himmels mit Regen und Temperaturen um die 0 Grad, lieber Sonne satt mit Meer und Strand zu genießen? Vor allem für uns Biker scheint diese Idee sehr verlockend, statt dick eingepackt auf matschigen Trails eine 3 Stunden Tour zu überstehen, einfach mal den ganzen Tag im Kurzarmtrikot auf dem Bike zu verbringen.
Die Qual der Wahl: Bio-Enduro oder E-Bike?
Nachdem ich letztes Jahr „La Isla Bonita“ (LaPalma) mit einem Bio-Enduro während 5 genialer Trailtouren (selfguided) erkundete, war dieses Jahr Teneriffa fällig. Nur das Thema „Bike“ beschäftigte mich fast 6 Monate lang. Auf LaPalma hatte ich im Vorfeld schnell einen Anbieter (atlantic-cycling.de) gefunden, und konnte mir ein LV301 ausleihen, was ich auch daheim fahre. Da Nebensaison war (Sommer) plante und fuhr ich alles allein (traumhaft). Inzwischen wird daheim überwiegend ein Levo FSR (E-Bike) auf den Trails bewegt und die Frage war „E-Bike ausleihen? Nur wo?“ Oder gescheites Bio-Enduro ausleihen?
In Puerto gibt es zwar einige Anbieter für Enduro-Touren, die dicken Bikes werden aber eher nicht verliehen. Gleich für 4-5 Touren inklusive Guiding festnageln wollte ich mich auch nicht. Der Plan war also, die Kiste mit dem Mietwagen für einige Tage abzuholen, Hotelunterbringung des Boliden zu klären und selfguided-Touren zu fahren - dann aber mehrere Tage am Stück, was der Family nicht so gefallen würde. Das Orotava-Tal, welches sich vom Meer (Puerto) bis auf 2.000hm zieht, hat es in sich. Steil und bis auf etwas über 1.000hm bebaut. Das der Nationalpark um den „El Teide“ für Bikes gesperrt ist, war schnell klar. Nicht klar war, dass auch viele verlockende Trails (S1-S3) außerhalb des NP ebenfalls für Bike gesperrt sind, wenn diese als „Senderos“ (Wanderwege) geführt werden.
Dann im Frühjahr - wieder einmal gerade bei der Planung der Touren - stieß ich im Netz auf „EC-Rider Tenerife“!! Anfang Juli angekommen ging`s am nächsten Tag in den Laden zu Markus. Fachsimpeln, meine geplanten Touren auf „Machbarkeit“ checken und Bike-Check stand an. Ein Fully konnte Markus leider nicht organisieren (coming soon!?), sodass es ein Giant-Dirt E Hardtail aus seinem Fuhrpark wurde - was aber im nach hinein betrachtet nicht weniger Spaß machte und echt forderte!
Geführte Touren: Ein unvergessliches Erlebnis
Als quasi permanenter „Alone-Biker“ im Harz & Co. war ich happy, dass die Chemie zwischen uns „Bike-Bekloppten“ von Anfang an stimmte. Wir gingen „allein zu zweit“ auf Tour. Als Einstand war eine geguidete Tour erstmal nicht schlecht, zumal mich das Thema Wegesperrungen verunsicherte (hatte zu viel Unerlaubtes geplant ). Das Shuttle fuhr nach Aguamansa hoch und wir radelten uns auf einer Pista ein, bevor diese dann stetig ansteigend durch den wunderschönen Pinienwald verlief und wir östlich die Kante des Orotava-Tals erklommen (eine Pista dort ist nicht mit den schottrigen deutschen langweiligen Waldautobahnen zu vergleichen - teils wirklich steinig (S0-S1), Nadeln, Zapfen, Rillen…also kein NoGo wie in D).
Mein Wunsch an Markus war „Trails fahren bis das Hardtail klappert “. An einem solchen Insider-Trail (S2) kamen wir dann auch an. Nun galt es Protektoren an und nicht zu versagen! Die Umstellung von einem 160er Fully auf ein 120mm Hardtail war deutlich, nach einer Weile lief es dann aber und schlussendlich am Ende des Trails hatte ich ein breites Grinsen. Der zweite Geheimtipp folgte weniger Kilometer danach - ein Flowtail mit vielen engen kurven und Anliegern im dichten Pinienwald, was ein Spaß (was legen unsere Bikeparks künstlich an). Anschließend fuhren wir eine schöne kurvige Pista zwischen vielen Barrancos bevor es dann noch einmal galt „Protektoren an, Sattel runter, finde den Flow aber Vorsicht im Dschungel“. Hier ging´s dann sprichwörtlich ins Unterholz (Lorbeer / Eukalyptus) bis uns beide die Brombeeren deutlich zeichneten…so what!
Weitere Erfahrungen und Tipps
Wie es der Zufall also wollte, bot sich die Gelegenheit gut und günstig nach Teneriffa zu kommen. Billigflug mit Unterkunft bei Freunden und Familie in Los Cristianos, im Süden Teneriffas. Der Süden der Insel ist zwar Mountainbike technisch noch nicht so gut erschlossen, dafür liegt der Vorteil in der Wetterbeständigkeit und man hat zu 99% iger Sicherheit Badewetter und Sonnenschein. Jeden Tag! Noch dazu ist das Leben hier sehr günstig und das Klima tut obendrein meinen heilenden Knochen sehr gut. Wohl aus diesem Grund lassen es sich hier in den touristischen Hochburgen auch zahllose Rentner gut gehen, und unsere 3-köfige Reisegruppe hebt den Altersdurchschnitt an der Uferpromenade merklich an.
Vorab wurden einige Köpfe zerbrochen wie und wo es in den kommenden 6 Tagen dann aufs Bike gehen würde. Recherchen im Internet brachten zwar schon einige Tipps und Empfehlungen ans Tageslicht, aber auch die generelle Trailproblematik auf Teneriffa. Es gibt zwar einiges an ausgewiesenen Bike-Kilometern, wer aber schöne Trails sehen will, wird auf diesen nicht unbedingt fündig werden. Abseits dieser Wege im Gelände zu fahren ist zwar generell verboten, wird aber sehr unterschiedlich kontrolliert und nachverfolgt. Generell scheint aber dies im Süden Teneriffas nicht ganz so problematisch, zumindest wenn man sich vom Teide Nationalpark und den ausgewiesenen Wanderwegen fern hält.
Mit einem lokalen Guide die Insel erkunden
Dennoch haben wir uns entschieden an unserem ersten Biketag mit einem lokalen Guide die ersten Trails zu erkunden. Mike Blohm von ‘No Limits Tenerife’ lebt seit 12 Jahren auf den Kanaren und bietet im Süden der Insel geführte MTB Touren, aber auch andere Outdoor Aktivitäten an. Also treffen wir uns am Morgen nach unserer Ankunft und werden mit dem Auto in Los Cristianos abgeholt. Die Autofahrt zu unserem Startpunkt ist schon eine kleine Reise wert, denn es geht über Vilaflor, Spaniens höchstgelegene Gemeinde und durch den Nationalpark am Vulkan Pico del Teide vorbei, der mit 3718 Metern Spaniens höchster Berg ist. Auf der Fahrt versorgt uns Mike mit reichlich Infos über Land und Leute, eben wie es sich für einen lokalen Bikeguide gehört.
Nach knapp einer Stunde steigen wir dann auf 2300 Metern aus und unsere „Izaña Tour’ kann beginnen. Die ersten Kilometer geht es über staubige Schotterpisten, wo wir vor allem die vulkanische Landschaft genießen können. Hier merken wir schnell, dass man sich auf die lokalen Bodenverhältnisse erst einmal einstellen muss. Es ist trocken, staubig und damit auch rutschig. Kurze Zeit später gelangen wir auf die ersten Trails und der Fahrspaß steigt merklich an. Technisch und flowig wechseln sich ab, hin und wieder wird es steil und auch Geröll mischt sich in den Untergrund. Eine echte Herausforderung für Mensch und Material und sehr gutes Training für die Fahrtechnik. Hier zeigen sich auch immer wieder die unterschiedlichen Gesichter der Insel. Wüstenähnliche Landstriche wechseln sich mit bewaldeten Gebieten ab. Immer mal wieder geht es auch ein paar Höhenmeter bergauf um den nächsten Trail zu erreichen.
Gegen Mittag kommen wir zu einem kleinen Dorf wo uns an einem Picknickplatz unsere Shuttle Fahrerin Bettina mit Snacks und Erfrischungen erwartet. Denn jetzt kann die letzte Etappe beginnen, die uns durch eine heiße Wüstenlandschaft an den Strand von El Médano führt. Nach knapp 50km und 2600hm bergab kommen wir an einer netten Surferbar an, chillen im Sand und genießen zwei bis drei Bier. Was für ein Ausklang.
Self-Guided Touren: Abenteuer auf eigene Faust
Am nächsten Tag lassen wir es gemütlich angehen und fahren erst am Nachmittag mit dem Rad frei Schnauze Richtung Vilaflor. Natürlich sollte man zur Orientierung immer eine Karte zur Orientierung dabei haben. Auf unserem Trip hat sich die Open Trail Map gut bewährt, denn auf ihr waren (fast) alle Trails verzeichnet. Was aber nicht heißt, dass jeder dieser Wege auch biketauglich ist. Eine Navigation durch unbekanntes Gelände ist hier sehr abenteuerlich und mit vielen Fehlversuchen, schieben oder tragen verbunden.
Schlussendlich haben wir aber wohl eher durch Zufall einen sehr spaßigen und wohl auch viel befahrenen Flowtrail bis hinab nach Chayofa gefunden. Eine unserer geplanten GPS-Touren verläuft leider eher spaßbefreit durch ziemlich ruppiges, steiles und gerölliges Gelände. Einige Teile der Tour erscheinen unfahrbar und sind auch kaum mehr als Trail zu erkennen. Hier spüren wir die Kehrseite der GPS-Touren, wenn man nicht genau weiß wann und wer einen ausgewählten GPS-Track zur Verfügung gestellt hat. Zwar ist diese Tour sehr spannend, aber irgendwann brechen wir ab und wählen ein entspannteres Alternativprogramm. Breitere Forstwege durch abwechslungsreiche Landschaft, Kaffee und Tapas zur Mittagspause.
Weitere Bike-Erlebnisse auf Teneriffa
Ein Tagesausflug führte uns auch in den Esperanza Wald im Norden der Insel. Hier herrschen wieder ganz andere Bedingungen, denn die Gegend ist stark bewaldet und wir sind tatsächlich zur Abwechslung auf Erdboden unterwegs. Hier gibt es ebenfalls ausgeschriebene Mountainbike Wege, diese sind aber eher breite Forstwege und unspektakulär. Biegen wir hier auf spaßigere Trails ab, ist stets ein ungutes Gefühl mit an Board. Denn hier hängen nicht nur viele Fahrrad Verbotsschilder, sondern auch viele Ranger und Forstarbeiter herum. Am Nachmittag haben wir aber eine schöne Enduro Runde von etwa 30km Länge absolviert.
So führt mich mein letzter Biketag wieder zu Mike unserem Local Guide von ‘No Limits Tenerife’. Er weiß genau wo man gut fahren kann und ich kann voll und ganz die spaßigen Trails und die wundervolle Natur genießen. Dieses mal geht es mit dem öffentlichen Titsa Bus hinauf bis nach Vilaflor und über verschiedene Trails wieder hinab Richtung Meer.
Fazit: Teneriffa ist eine Reise wert
Wir haben 6 tolle Biketage auf Teneriffa verbracht. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen mit einem lokalen Guide unterwegs zu sein, denn an diesen Tagen haben wir die besten Trails gesehen und sind am meisten zum fahren gekommen. Das Gelände im Süden Teneriffas ist teilweise sehr anspruchsvoll zu fahren und ist eine Herausforderung an Mensch und Material. Für uns war das ein willkommener Kontrast zu unseren heimischen Winterbedingungen und auf jeden Fall die Reise wert.
Empfehlungen für Hotels und Unterkünfte
- Hotel Puerto Azul in Puerto de la Cruz: Kleines, preisgünstiges Hotel mit freundlichem, deutschsprachigem Personal.
- El Refugio im Süden: Abgelegene Unterkunft in den Bergen mit selbstgebackenem Brot und tollem Frühstück.
- Hostal El Sombretito in Vilaflor: Kleines, empfehlenswertes Hostal.
- Sun Holidays oder Horizonte in Santa Cruz: Alternativen in der Altstadt von Santa Cruz.
- Los Amigos Hostel: Möglichkeit zur Unterstellung von Radkoffern und Abholung vom Flughafen.
- Hotel Medano in El Medano: Empfehlenswert, mit Radverleih vor Ort.
Anbieter für geführte Touren und Radverleih
- MTB Active in Puerto de la Cruz: Sehr guter Ruf für Bike-Verleih und geführte MTB-Touren.
- No Limits Tenerife: Lokaler Guide im Süden der Insel mit geführten MTB-Touren und anderen Outdoor-Aktivitäten.
- EC-Rider Tenerife: Anbieter für E-Hardtails und geführte Touren.
- Bike Base: Verleih von Fullys und Tipps zur Vermeidung der "Todeszone" am Teide.
- Radverleih in El Medano: Bietet auch geführte Touren (MTB und RR) an.
Wichtige Hinweise und Tipps
- Fahrradverbote beachten: Viele Trails sind als Wanderwege ausgewiesen und für Bikes gesperrt.
- Teide Nationalpark meiden: Hohe Strafen bei Missachtung des Fahrverbots.
- Karte zur Orientierung: Open Trail Map hat sich bewährt, aber nicht jeder Weg ist biketauglich.
- Lokalen Guide nutzen: Empfehlenswert, um die besten Trails zu finden und Fahrverbote zu umgehen.
- Ausrüstung: Helm ist Pflicht, eigene Ausrüstung (z.B. Helm) mitbringen.
- Transport: Linie 343 zwischen Puerto de la Cruz und Playa de las Américas bietet Platz für Fahrräder.
- Vorsicht vor Diebstahl: Bekannte Autoaufbruchstelle ist Montaña Blanca.
- Alternativen: La Palma und Gran Canaria sind ebenfalls lohnende Ziele für Mountainbiker.
Zusätzliche Informationen
Teneriffa soll das ganze Jahr über gutes Wetter, konstante Temperaturen und warmes Wasser bieten. Darüber hinaus reichen die Berge bis auf knapp 4000 m und Trails enden am Meer. Auf Teneriffa gibt es eine Vielzahl an Guides und Verleihen, von denen wir mit Zweien Kontakt aufgenommen haben.
Ziel war das „Matterhorn von Teneriffa“. Die Umrundung stellte sich als medium fahrbar heraus. Definitiv nicht zu empfehlen, sodass wir die Bikes sehr bald liegen gelassen haben. Andere Trails im Anaga-Gebirge sind hingegen sehr zu empfehlen und leicht über OSM-Karten zu finden. Die Trails in der Region um Benijo zum Beispiel versprechen wunderschöne Ausblicke, abwechslungsreiches Gelände, rasante Abfahrten und einen schönen Strand für die anschließende Abkühlung im Meer.
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