Getriebeaufbau und Funktion bei Harley-Davidson Motorrädern

Seit 1915 werden Harley-Davidson Motorräder mit Getriebe angeboten, damals reichten noch drei Gänge für wechselnde Geschwindigkeiten und Lastanforderungen.

Historischer Hintergrund

Wie die meisten anderen Motorräder der 1900er Jahre hatten Harleys eine direkte Verbindung von der Kurbelwelle zum Hinterrad, mit (Leder-)Riemen.

Anstatt mit einer Kupplung wurde der Kraftschluss mit der Riemenspannung reguliert.

Ab 1912 gab es Kettenantrieb und eine Kupplung in der Hinterradnabe, 1914 dann auch noch zwei Gänge in der Hinterradnabe dazu.

Warum ein Getriebe notwendig ist

Jeder Verbrenner hat eine optimale Drehzahl, bei der er das meiste Drehmoment entwickelt.

Wenn der Motor ohne Getriebe immer von Null auf Volllast durch das Drehzahlband hecheln muss, um alle möglichen Geschwindigkeiten abzudecken, läuft er ganz selten im optimalen Bereich - oder anders ausgedrückt: bei nur einer bestimmten Geschwindigkeit.

Ein Getriebe mit mehreren Gängen ermöglicht den Betrieb im oder nahe am optimalen Drehzahlbereich bei verschiedenen Geschwindigkeiten.

Und je mehr Gänge ein Getriebe bietet, desto kleiner sind die Drehzahlsprünge beim Schalten und desto besser gelingt der "Anschluss" und desto kleiner sind die Drehzahlsprünge.

Das ist der Grund, warum Elektro Motorräder wie die LiveWire kein Schaltgetriebe haben, da deren Drehmoment ab der ersten Umdrehung über alle Drehzahlen hinweg anliegt, es gibt von daher keinen Grund zu schalten.

Funktionsweise der Getriebe

Bei Harley-Davidson sind die Getriebe weitgehend ähnlich aufgebaut.

Die Factory hat sich Experimente wie Ketten- oder Ziehkeil-Getriebe erspart und von Anfang an auf Getriebe mit verschiebbaren Zahnrädern und/oder Schalt-Kupplungen - auch Schaltklauen genannt - gesetzt.

Unterschiede gibt es bei der Form der Schaltgabeln und wie die Zahnräder hin- und hergeschoben werden.

Handschaltung zusammen mit Kupplungspedal war bis in die 1950er Standard. Die Sportster Baureihe hatte immer nur Fußschaltung, die großen Twins erst ab 1980 ausschließlich.

Alle Getriebe von Harley-Davidson sind sequentiell, d.h. man kann immer nur einen Gang dem anderen einlegen, nicht wie beim Auto Gänge überspringen.

Evolution der Getriebe im Laufe der Zeit

Mitte der 1930er gab es die ersten Viergang-Getriebe, mit dem Modelljahrgang 1980 bekamen die großen Twins fünf Gänge (die Sportster erst zehn Jahre später), und seit Mitte der 2000er sind bei den großen Zweizylindern (Twin Cam und Milwaukee 8) sechs Gänge das Maß der Dinge.

Getriebevarianten und Rückwärtsgänge

Komplette Getriebe von Samwel für die 750er W-Modelle und von Baker für die Big Twins mit Viergang- und Fünfgang-Schaltung sind erhältlich.

Es gibt auch die Möglichkeit, einen Rückwärtsgang in eine Harley einzubauen.

Gerry von »Gerry’s Bakery« zeigt, wie man einen Rückwärtsgang in eine Harley baut.

Das Kit kommt mit allen notwendigen Kleinteilen, die für den Umbau des Getriebes benötigt werden und ist sowohl für Bowdenzug- als auch für Hydraulikkupplungen verfügbar.

Das Produkt ist aber als F5R auch für frühere 5-Gang-Getriebe verfügbar.

Beide sind so konzipiert, dass der Rückwärtsgang per Fußschaltung über die normale Gangschaltung geschaltet werden kann.

Revolution Max 1250 Motor

Der Revolution Max 1250 Motor, der 2021 in der Pan America debütierte, bietet folgende technische Merkmale:

  • Hubraum: 1.250 cm³
  • Leistung: 112 kW (152 PS)/8.750 U/min
  • Max. Drehmoment: 128 Nm/6.750 U/min
  • Drehvermögen: 9.500 U/min
  • Verdichtungsverhältnis: 13:1

Der Motor ist zugleich als tragendes Teil in das Chassis integriert, was zu Gewichtsersparnis und hoher Verwindungssteifigkeit führt.

Eine Flüssigkeitskühlung gewährleistet eine stabile Motor- und Öltemperatur.

Zugunsten von erhöhtem Fahrkomfort und Langlebigkeit eliminieren interne Ausgleichswellen die Motorvibrationen fast vollständig.

Der Motor und das Sechsganggetriebe sind in einem gemeinsamen Gehäuse untergebracht.

Die Anti-Hopping-Funktion verhindert beim Herunterschalten sowohl ein Überdrehen des Motors als auch ein Hinterradstempeln.

Weitere historische Entwicklungen

Um mehr Leistung als beim Einzylinder zu erzielen, konstruierte Harley-Davidson einen Zweizylinder mit 45° Zylinderwinkel.

Für das Modelljahr 1911 wurde der V2 grundlegend überarbeitet und verbessert.

Nun betätigte die Nockenwelle über eine Stößelstange auch das Einlassventil, das im Zylinderkopf über dem seitlichstehenden Auslassventil angeordnet ist (inlet over exhaust; ioe).

Seine Ventile wurden seitlich angeordnet, die Zylinderköpfe sind leicht zu demontieren. Der Flathead wird ständig weiter perfektioniert und wächst auf bis zu 1340 cm3 Hubraum und 34 PS.

Seinen Kosenamen „Knöchelkopf“ verdankt dieser bis zu 48 PS starke 1200er den charakteristischen Konturen seiner Zylinderkopfabdeckungen.

Als erster Harley Motor verfügt der Knucklehead über im Kopf hängende Ventile und eine Druckumlaufschmierung.

Neue Zylinderköpfe aus Aluminium, der hydraulische Ventilspielausgleich sowie eine verbesserte Schmierung und Kühlung zählen zu den wichtigsten Merkmalen des 1200er Panhead Motors. Sie machen ihn stärker, leichter und langlebiger.

Sein Name rührt von den Zylinderkopfabdeckungen her, die wie umgedrehte Pfannen aussehen.

1965 befeuert er mit ca.

Ein neuer Motor in der ursprünglichen Electra Glide läutet das moderne Touring Zeitalter ein.

Er verfügt unter anderem über neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, eine neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser.

Der erste mittels computergestützter Konstruktion (CAD) entwickelte Harley Motor.

1928 gab es bereits einen Harley-Davidson Big Twin mit zwei Nockenwellen: im Modell JHD. 1999 ist es wieder so weit.

Der Twin Cam kommt mit 1449 cm3 Hubraum, mehr Leistung und einer noch steiferen Verbindung zum Getriebe als seine Vorläufer.

Restauration und Wartung

Bei der Restauration eines Getriebes ist es wichtig, die Lager und Wellen im Inneren des Gehäuses eingehender zu begutachten.

Die äußere Haut sollte ihre Geschichte behalten, während die Innereien komplett überholt und erneuert werden.

Die Reinigung der Gehäuse kann mit einer Backpulverlösung erfolgen, um Verschmutzungen zu lösen und das Flair des Alten zu erhalten.

Es ist wichtig, die Wertschätzung gegenüber den Dingen, die uns durch das Leben begleiten, zu bewahren und zu versuchen, sie zu reparieren, anstatt sie achtlos wegzuwerfen.

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