Das Gewicht eines Fahrrads ist für viele Rennrad- und Gravelbike-Fahrer ein zentraler Faktor. Denn: Es beeinflusst die Fahrdynamik, die Beschleunigung und die generelle Agilität enorm. Die Optimierung des Gewichts betrifft dabei nicht nur den Rahmen, sondern nahezu jedes Bauteil eines Fahrrads, von den Reifen über die Laufräder bis hin zu Pedalen, Sätteln und der Kleidung.
Watt pro Kilogramm - das ist, was die Radleistung definiert. Zumindest in der „Königsdisziplin“: bergauf. Die Formel dabei ist einfach: Weniger Gewicht bei derselben Leistung bedeutet, dass man schneller ist. Die „einfachste“ Maßnahme dafür lautet demnach: Abnehmen. Die andere lautet: Gewichts-Tuning am Material - am Rahmen, der Gabel, den Laufrädern, den Komponenten, der Radbekleidung et cetera.
Systemgewicht und Leistung
Das Systemgewicht, das Gesamtgewicht aus Fahrer und Rad, ist entscheidend für die Leistung am Berg und bei der Beschleunigung. Laut einer Studie von Martin et al. aus 2018 benötigt ein Fahrer bei einem im Mittel acht Prozent steilen Anstieg pro Kilogramm Mehrgewicht rund sechs Watt mehr Leistung, um dieselbe Geschwindigkeit zu halten. Für einen 70 Kilogramm schweren Fahrer mit einem Acht-Kilogramm-Rennrad bedeutet dies, dass 500 Gramm Gewicht weniger am Rad rund drei Watt nötige Leistung „einsparen“ können.
Einfluss rotierender Masse
Besonders relevant ist das Gewicht der rotierenden Masse: Reifen und Laufräder haben aufgrund ihrer Bewegung einen höheren Einfluss auf die Dynamik als stationäre Teile wie der Rahmen. Dabei wirkt das Gewicht des Laufrades nicht nur statisch - als Masse - sondern verstärkt sich durch die Rotationsbewegung. Je schwerer ein Laufrad ist, desto mehr Energie benötigt man, um es in Schwung zu bringen und auch wieder abzubremsen.
Leichtere Laufräder bieten eine bessere Beschleunigung bergauf und können viel zur Agilität und Reaktivität eines Rades beitragen. Aluminium-Laufräder sind sehr robust und oft günstiger, aber häufig schwerer und weniger steif als Carbon-Modelle. Eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln aus 2021 zeigte, dass eine Reduzierung von 100 Gramm an den Laufrädern eine Verbesserung der Beschleunigung um rund 1,6 Prozent entsprach.
Rahmen und Gabel
Rahmen und Gabel stellen die Basis eines jeden Fahrrads dar und gehören somit natürlich zu den Teilen, bei denen das höchste Einsparpotenzial besteht. Ein Leichtgewichts-Beispiel ist etwa das Canyon Ultimate CFR, dessen Rahmen in der Größe M nur 730 Gramm auf die Waage bringt. Eine „Schallmauer“ wurde mit der Markteinführung eines neukonstruierten „Klassikers“ unter den Leichtgewichtsmodellen im November 2024 durchbrochen: die 600-Gramm-Marke. Das neue Scott Addict RC basiert in seiner Top-Variante Ultimate auf einem Carbonrahmen, der etwas weniger als 600 Gramm wiegt. Laut Scott ist es das leichteste Serien-Rennrad überhaupt.
Gewichtseinsparungen im Detail
Das Addict zeigt, wie weit man beim Thema Gewichts-Tuning gehen kann. Manche Rennrad-Einzelstücke sind sogar noch leichter - selbst Gewichte unter fünf Kilogramm sind mit Highend-Tuning-Modellen möglich. An offiziellen UCI-Radrennen darf man mit solchen Rennrädern nicht teilnehmen. Denn dafür existiert nach wie vor ein Mindestgewicht von 6,8 Kilogramm.
- Computer-Mount: 16 Gramm (24 Gramm leichter als das Scott-Vorgängermodell)
- Carbon-Sattelstütze: 10 Gramm Einsparung
- Vorbau-Spacer: Je 2,7 bis 5,3 Gramm leichter
- Vorbau-Cover: Rund 4 Gramm leichter
- Klemm-Expander: Um 8,4 Gramm leichter
- Gabel (XMX-SL): 270 Gramm (54 Gramm leichter als zuvor)
- Gabel (HMX): 295 Gramm (49 Gramm leichter als zuvor)
Beispiele für leichte Rennräder
Eines der leichtesten Modelle, das wir bisher getestet haben, ist das Canyon Ultimate CFR Di2. Das Modell, das wir im Rahmen unseres Vergleichstests für die Ausgabe 7/2024 getestet haben, wiegt in der Rahmengröße M 6,39 Kilogramm. Sein Preis: 9999 Euro.
Der Koblenzer Hersteller bietet drei verschiedene Rahmenversionen des Ultimate an: die Einstiegs-Version CF SL, darüber das CF SLX und die getestete Top-Variante CFR. Die Modelle unterscheiden sich hinsichtlich des Carbon-Layups und somit beim Gewicht. Der Rahmen wiegt 675, die Gabel 285 Gramm - das sind 184 Gramm weniger als beim Modell CF SLX.
Ein weiteres Beispiel ist das Benotti Fuoco. Sein Gewicht in der Rahmengröße 54: 6,6 Kilogramm. Sein Preis zum Testzeitpunkt: 6699 Euro. Die Ausstattungsvarianten können über den Benotti-Online-Konfigurator den individuellen Wünschen entsprechend ausgewählt werden.
Weitere Optimierungsmöglichkeiten
Effizient ist ein Gewichts-Tuning oftmals bei der rotierenden Masse - bei Laufrädern und Reifen. Tubeless-Systeme sind hier eine beliebte Wahl. Reifen wie der Schwalbe Pro One TLE wiegen in der Breite von achtundzwanzig Millimetern rund 260 Gramm - während klassische Drahtreifen mit einem Butylschlauch oft 330 bis 390 Gramm wiegen. Durch den Wechsel auf ein Tubeless-System können insgesamt bis zu zweihundert Gramm eingespart werden.
Laufräder
Weiteres signifikantes „Sparpotenzial“ bieten die Laufräder. Hochprofil-Carbon-Modelle wie die DT Swiss ARC 1100 Dicut DB wiegen in der Ausführung mit 38 Millimetern Profilhöhe nur rund 1300 Gramm. Im Vergleich dazu liegen Aluminium-Laufräder wie der Fulcrum Racing 3 bei einem Gewicht von 1600 Gramm. Günstige Modelle bringen teils sogar um zwei Kilogramm auf die Waage.
Zu den leichtesten Laufrädern des Marktes zählen etwa die Syncros Capital SL Aero 40, Ax-Lightness Ultra 30C Disc Ceramic oder die One-K RD Ultimate. Ihre Gewichte: 1170, 1050 und 935 Gramm pro Laufradsatz. Ihre Preise: 3998 und je 2999 Euro.
| Laufradmodell | Gewicht pro Satz (Gramm) | Preis (Euro) |
|---|---|---|
| Syncros Capital SL Aero 40 | 1170 | 3998 |
| Ax-Lightness Ultra 30C Disc Ceramic | 1050 | 2999 |
| One-K RD Ultimate | 935 | 2999 |
Das UCI-Limit und seine Auswirkungen
Mit einigen Rädern dieses Testfeldes könnte man unmöglich die Tour de France gewinnen. Denn: Sie sind zu leicht. 6,8 Kilogramm muss ein Rennrad mindestens wiegen, mit dem man an Lizenz- beziehungsweise Profi-Rennen teilnehmen will. So lautet die Regel des Welt-Radsport-Verbandes UCI.
Ein sehr großes Problem jedes Material-Gewichtstunings jedoch bleibt: der Preis. Denn je leichter ein Produkt ist, desto teurer ist es in der Regel auch. Viel Entwicklungsarbeit, teures Material, in der Regel Hightech-Carbonfasern und geringe Stückzahlen - dies sind Faktoren, die sich auf den Preis auswirken.
Das teuerste Rad dieses Testfeldes kostet enorme 15.500 Euro. Das Airstreeem Triple EEE SL ist ein custom-angefertigtes Sondermodell. Von diesem Rennrad wurden im Jahr 2020 nur 30 Stück produziert. Die Ausstattung: hochwertig und extrem leicht. Das Gewicht: 5,28 Kilogramm.
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