Ghost MTB 29 Zoll im Test: Ein umfassender Überblick

Ghost steht für ein vielfältiges Sortiment an Tourenrädern und Mountainbikes - Hardtails wie Fullys. Im Folgenden werden verschiedene Modelle von Ghost Mountainbikes hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Performance analysiert.

Ghost Kato 4 AL: Abfahrtsqualität und Kletterwillen

Das Kato trägt Downhill-Gene in sich. Breiter Lenker, die langhubige Gabel und der flache Lenkwinkel bescheren dem 29-Zöller die besten Abfahrtsqualitäten im Feld. Spurtreu findet es die Linie und vermittelt enorme Sicherheit. Bergauf wirkt sich diese Geometrie nicht nachteilig aus - das Vorderrad hält auch in Steilstücken guten Bodenkontakt, und trotz 36er-Ritzel klettert das Bike willig, da am Shimano-Antrieb vorn ein kleines 34er-Kettenblatt die Übersetzung ausreichend reduziert.

Einziges Manko: die schwach profilierten Rapid-Rob-Reifen von Schwalbe. Kein anderes Bike im Test läuft mit Shimano-E8000-Antrieb - er bietet ein tolles Mountainbike-Fahrgefühl. Außerdem ist es das leichteste Bike im Test!

Fazit: Das Ghost besitzt mit moderner Geometrie und der guten Gabel echte Nehmerqualitäten. Es bietet die beste Geländetauglichkeit im Testfeld.

Technische Daten des Ghost Kato 4 AL:

  • Preis: 2799 Euro
  • Motor: Shimano Steps E8000 250 W / Mittelmotor
  • Akku: Shimano BT-E8010, 504 Wh
  • Schaltung: Vorn 1x34, hinten 11fach Shimano Deore / 11-36
  • Gabel: SR Suntour Aion 35 SF 17
  • Reifen: Schwalbe Rapid Rob Active Line, 29 x 2,25 Zoll
  • Gewicht: 19,7 kg

Ghost RIOT Trail Full Party: Zwischen Trail-Party und Realität

Bereits der Name des GHOST RIOT Trail Full Party zeigt, was die Intentionen des Bikes sind. Mit der vollintegrierten EightPins-Sattelstütze und den serienmäßig verbauten Tire-Inserts hat das GHOST auch ein paar Tricks auf Lager. Schlichter Look trifft auf außergewöhnliche Formsprache: Der Rahmen des GHOST hat zwar einen dezenten Look, durch den besonderen Twin-Link-Hinterbau - vom Hersteller Traction Link genannt - zeigt es aber gleichzeitig einen auffälligen Schwung nach oben an der Kettenstrebe. Die RIOT-Rahmenplattform im Portfolio von GHOST umfasst das Trail-, AM- und Enduro-Modell. Unser getestetes RIOT Trail Full Party ist das kurzhubigste Bike der Serie und bietet 150 mm Federweg vorne und 140 mm hinten. Die Full Party-Bezeichnung deutet dabei immer auf die Top-Spec-Variante hin. Dennoch ist es mit einem Preis von 5.999 € eines der günstigsten Bikes im Test.

Ausstattung und Details

Die Züge des RIOT Trail Full Party verlaufen intern, sie treten seitlich hinter dem Steuersatz in den Rahmen. Allerdings sind die Ein- bzw. Ausgänge in den Rahmen weit hinten, wodurch die Züge einen großen Bogen machen und dem Bike einen unaufgeräumten Look geben. Zudem sind die Züge unzureichend geklemmt und im Rahmen nicht geführt, wodurch das Bike auf dem Trail laut und nervig klappert. Zu der Geräuschkulisse gesellt sich noch ein Schlagen der Kette, denn der Schutz der Strebe fällt nur dürftig aus. Vor allem am hinteren Ende der Strebe könnte es mehr Schutz vertragen. Dort könnt ihr easy mit etwas Slapper-Tape Abhilfe schaffen. Auf dem Unterrohr befinden sich ein Flaschenhalter und ein Toolmount an der Unterseite des Oberrohrs.

Das RIOT Trail Full Party 2023 ist die Top-Spec-Variante von GHOST und die Ausstattung sieht auf den ersten Blick nach High-End aus, was sich aber an einigen Stellen als Mogelei entpuppt. Die erste Mogelpackung ist direkt die verbaute FOX 36 Factory-Federgabel: Diese glänzt zwar durch ihre goldene Kashima-Beschichtung, hat aber die günstigere FIT4-Dämpfungskartusche verbaut. Sie spart zwar etwas Gewicht ein, weist aber eine deutlich schlechtere Trail-Performance auf als das Pendant mit GRIP2, was man bei der goldenen Beschichtung erwarten würde. Am Heck arbeitet der FOX FLOAT X Factory-Dämpfer, der hingegen an Trail-Bikes sehr häufig anzutreffen ist und eine sehr gute Arbeit macht. Die zweite Mogelpackung ist die Wahl der Schaltgruppe: Hier ist ein Mix aus Shimano XT und SLX verbaut. Das Schaltwerk - also das, auf was die meisten Leute schauen - stammt aus der hochwertigeren XT-Gruppe, während der Rest der Antriebskomponenten aus der günstigeren SLX-Reihe kommt. An sich funktionieren alle Parts solide. Das Problem ist aber, dass die Doppelshift-Funktion, die das XT-Schaltwerk bietet, mit dem SLX-Trigger nicht nutzbar ist. Das teurere Schaltwerk kann also seine Vorteile nicht ausspielen und glänzt so nur in der Spec-Liste.

Gebremst wird mit Formula Cura 4, die mit 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck kombiniert sind. Diese haben mit ihrem metallisch-silbernen Finish nicht nur einen edlen Look, sie bieten auch starke, gut dosierbare Bremspower. Einzig die Hebelweitenverstellung ist etwas fummelig und dadurch, dass Dropper und Schaltung an Extra-Schellen angebracht sind, ist das Cockpit unaufgeräumt. Die vollintegrierte H01-Dropper von EightPins ist mit einem Shimano-Trigger kombiniert und erfordert angenehm geringe Bedienkräfte. Sie wird direkt im Sattelrohr eingebaut, der Rahmen dient dabei als Tauchrohr und Gehäuse für die Sattelstütze. Sie bietet zwischen 150 und 175 mm Hub und lässt sich werkzeuglos auf die gewünschte Sitzhöhe einstellen. Allerdings benötigt der Rahmen ein langes Sitzrohr, damit die Stütze auch für Langbeiner genug Sattelauszug hat. Der verbaute DT Swiss M1900-Laufradsatz ist ein solides Einsteiger Alu-Modell, das von MAXXIS-Reifen geschützt ist: vorne ein ASSEGAI in weicher MaxxGrip-Gummimischung, hinten ein DISSECTOR in härterer MaxxTerra-Gummimischung. Beide kommen in EXO+ Karkasse, haben aber standardmäßig noch einen PTN-Tire-Insert verbaut. Das schützt eure Felgen vor harten Durchschlägen und erlaubt es euch, weniger Luftdruck für mehr Grip und Dämpfung zu fahren - nice!

Geometrie und Handling

Das GHOST RIOT Trail Full Party ist in vier Rahmengrößen von S bis XL erhältlich. Der Rahmen ist in allen Dimensionen sehr lang: In unserer getesteten Größe L kommt das RIOT mit einem Reach von 497 mm, kombiniert mit einem 465-mm-Sitzrohr. Letzteres muss für die vollintegrierte EightPins-Sattelstütze so lang sein, schränkt aber die Bewegungsfreiheit ein. Auch die Kettenstreben sind mit 455 mm extrem lang, in Rahmengrößen S und M sind sie mit 446 mm allerdings etwas kürzer. Durch die unterschiedlichen Längen passen sie im Verhältnis somit besser zum Reach und sollen Fahrern unterschiedlicher Größe eine gleichbleibende Balance auf dem Bike geben.

Tritt man das GHOST RIOT Trail Full Party in der Ebene oder bergauf, sitzt man komfortabel und aufrecht auf dem Bike. Obwohl man recht weit vorne positioniert ist, steigt die Front in steilen Passagen schnell an und man sollte sich aktiv nach vorne hängen, um weiterhin lenken zu können. Beim GHOST lohnt sich auf jeden Fall der Griff zum Climb Switch, um auf längeren Uphills Energie zu sparen. Durch die Inserts, die eine höhere rotierende Masse bedeuten, und den soften Hinterbau fühlt sich das Bike allerdings nicht sonderlich spritzig an. So ist der Uphill Mittel zum Zweck, anstatt Motivation für mehr Trails, wie es bei einem modernen Trail-Bike der Fall sein sollte.

Hier steht man zentral zwischen Vorder- und Hinterrad und das Gewicht ist schön gleichmäßig zwischen Händen und Füßen verteilt. Das Handling des GHOST ist intuitiv und es erfordert keine lange Zeit, sich an das Bike zu gewöhnen. Man steht jedoch hoch im Bike, anstatt schön integriert zu sein, was das GHOST etwas stelzig macht. Dafür bietet es ein einfaches Handling, ähnlich dem des MERIDA oder Mondraker, das es euch erlaubt, auch nach einem langen Tag auf dem Bike sicher den Berg runter zu kommen, ohne dass eine hohe Konzentration erforderlich ist. Lasst ihr es allerdings ordentlich fliegen, mangelt es an Laufruhe und in schnellen Stein- oder Wurzelfeldern wird das GHOST schnell unruhig. Gleichzeitig lässt es sich nur träge steuern und in engen Kurven fühlt man sich in etwa so, als ob man mit einem Wohnmobil durch die Altstadt fährt. Diese beiden Eigenschaften teilt sich das GHOST mit dem CUBE, denn keines der beiden Bikes schafft es, eine gute Laufruhe oder hohe Agilität zu erzeugen.

Das Fahrwerk des RIOT ist zudem sehr soft und vermittelt Sofa-Feeling. Dadurch gibt es undefiniertes Feedback vom Untergrund und liefert wenig Pop, um an Kanten abzuziehen. Das weiche Fahrwerk in Kombination mit dem weichen Vorderreifen und den verbauten Tire-Inserts liefert dafür eine starke Traktion in Kurven. Dennoch verpufft eine aktive Fahrweise zu großen Teilen im Federweg und es ist mühsam, Schwung durch Pumpen oder Pushen auf flowigen Trails zu generieren.

Die Ausstattung des GHOST RIOT Trail Full Party mit dem Factory-Fahrwerk und den verbauten Inserts spricht vor allem Rider an, die es ordentlich krachen lassen wollen. Wobei der Spec bei genauerer Betrachtung dennoch deutliche Schwächen aufzeigt - ein paar Blender-Komponenten wirken im Bikeshops vielleicht zunächst stark, liefern auf dem Trail allerdings nicht ab.

Das GHOST Riot Trail verspricht mit seinem Namen eine Trail-Party, entpuppt sich dann aber eher als ein träges an der Bar-Stehen-Bike als Abzieher-Bike. Die Ausstattung wirkt stark, täuscht aber an einigen Stellen mehr vor, als drinsteckt. Auf dem Trail bietet das weiche Fahrwerk zwar gute Traktion, aber wenig Gegenhalt und eine aktive Fahrweise verpufft darin. Zudem kann das RIOT Trail weder viel Agilität noch hohe Laufruhe bieten. Ein Lichtblick: Es bietet ein einfaches, einsteigerfreundliches Handling.

Ghost E-Teru Universal: Kletterer mit Abstrichen

Mit dem überdurchschnittlich guten Bosch Motor und der guten Reichweite zählt das E-Teru Universal zu den besseren Kletterern auf dem Markt. Damit unterstreicht es seinen Spaßfaktor bei Touren auf Waldwegen und leichten Trails. Dennoch geben die durchschnittliche SR Suntour Federgabel und die mittelmäßigen Schaltungskomponenten auch Anlass zur Kritik. So ehrlich muss man bleiben.

Ghost Ground Fiftyone Dia: Ausgewogenes Handling

Die voluminösen, kantigen Rohrformen machen das Racebike von Ghost zum Hingucker. Mit dem ausgewogenen Fahrverhalten gelingt das Handling des Bikes intuitiv. Die relativ hohe Front lässt einen aufrecht im Sattel Platz nehmen. Die Geometrie ist das Herzstück eines Mountainbikes. Ghost beweist hier für 1049 Euro mehr Herzblut als die Konkurrenz der selben Preisklasse.

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