Die Frage, ob man einen Gepäckträger am Gravelbike montieren will, kann lang und breit diskutiert werden. Die Frage, ob man einen Gepäckträger am Gravelbike montieren darf, ist hingegen schnell beantwortet: natürlich darf man. Und bestimmt gibt es viele Menschen mit guten Gründen dafür. Vor allem aber gibt es mittlerweile gute und praktische Lösungen.
Ortlieb Quick Rack: Eine flexible Lösung für Gravelbikes
Mit dem Quick Rack hat Ortlieb im letzten Jahr eine interessante und vor allem flexible Lösung für den schnellen Gepäcktransport vorgestellt. Und mit schnell meine ich tatsächlich nur wenige Sekunden, die es braucht, um den Träger am Rad zu befestigen. Zuvor sind nur ein paar einmalige Handgriffe nötig: man befestigt an beiden Seiten sogenannte QL3/3.1 Befestigungselemente.
Montage und Kompatibilität
Für die Montage der Bolzen sind Ösen (M5 oder M6 notwendig) an den Ausfallenden nötig. Dafür können die Gepäckträgerösen genutzt werden, die an den meisten Fahrrädern vorhanden sind. Aber Achtung bei Carbon-Rahmen: da die Klemme einiges an Druck auf die Sattelstrebe ausübt, sollte man das eher nicht in Betracht ziehen. Die Seat Stay Adapter werden mittels zwei Metallstreben pro Adapter an der Sattelstrebe montiert. Dafür müssen sie entsprechend gekürzt werden und bekommen eine Gummierung. Das ist alles sehr gut im Adapterpaket erklärt und einfach zu machen. Die Montage ist etwas fummelig, aber geht schon.
Für 26“ - 28“ geeignet (eingeschränkt geeignet für 29“ Räder - bis max. Ich habe den Träger am Bombtrack mit einem 29×2,0 Zoll bis 2,2 Zoll breiten Reifen montiert. Das passt, aber breiter sollten sie dann nicht sein. Bei breiteren Reifen gibt es aus meiner Sicht Platzprobleme, bzw. Zudem ist der Quick Rack bei Fahrräder mit Boost Standard nicht immer machbar.
Ortlieb weißt aber darauf hin: bei der Montage der Adapter gibt Ortlieb einen idealen Abstand der Sattelstreben von 125-155mm an. Bei den normalen Bolzen ist eine ideale Breite der Ausfallenden von 145-185mm empfohlen. Der Ortlieb Quick Rack ist daher meiner Meinung nach interessant für alle, die ein normales Gravelbike fahren und idealerweise (vor allem bei Carbon Rahmen) über die entsprechenden Ösen verfügen. Gut finde ich, dass der Träger laut Ortlieb auch für gefederte Räder zugelassen ist.
Quick Rack Light im Detail
Der Ortlieb Quick Rack Light wiegt 440 Gramm. An den Seitenstreben mit zehn Millimeter Durchmesser lassen sich Seitentaschen von Ortlieb und anderen Herstellern befestigen. Optisch ist der Quick Rack Light clean und dezent. Er passt für Bikes von 26 bis 28 Zoll; bei 29ern beträgt die maximale Reifenbreite 2,35 Zoll, also 59 Millimeter. Der Hersteller gibt an, dass der Gepäckträger auch an vollgefederten Fahrrädern verwendet werden kann. Hier steht der Praxistest noch aus.
Quick Rack vs. Quick Rack Light
Den Quick Rack gibt es in zwei Versionen: Light und Normal. Die normale Version sieht aus wie ein normaler Gepäckträger mit einer Auflagefläche oben. Die Light Version verzichtet auf die obere Fläche und bietet nur die seitliche Halterung. Ich habe bislang nur die Light Version verwendet. Beide Träger sind für Taschen mit Quick-Lock 1/2.1 und 3.1 Befestigungssystem vorgesehen.
Der wesentliche Unterschied: Das Quick Rack Light bietet lediglich Aufnahmen für Seitentaschen. Beim normalen Quick Rack hingegen bekommt ihr für fünf Euro Aufpreis eine zweite Aufnahmeebene für Seitentaschen sowie Streben oben am Gepäckträger. So könnt ihr auch hier eine Tasche platzieren. Oder gar einen Fahrradkorb … aber das wäre dann doch vielleicht ein bisschen too much.
Praxistest und Fazit
Ich habe den Quick Rack im Frühjahr 2022 bei meiner Tour in Dänemark genutzt. Montiert habe ich ihn dafür am Bombtrack Beyond. Als Taschen habe ich die Ortlieb Gravel Packs genutzt (Bericht folgt noch), die einiges an Platz boten. Der Träger ist auch mit Beladung stabil, bewegt sich nicht, hält auch im Gelände und auf Schotter sicher. Der Vorteil liegt auf der Hand: will man die Gepäckträgertaschen im Camp lassen und einfach so ohne Träger mal fahren, kann man diesen einfach und sekundenschnell abklemmen.
Auch im Alltag ist das sehr praktisch: muss ich doch mal ins Büro fahren, dann klicke ich den Träger einfach an. Mit dem Quick Rack hat Ortlieb ein aus meiner Sicht sehr interessantes Angebot für alle, die auch mal mehr mitnehmen möchten und dann nicht auf die nötige Flexibilität verzichten müssen. Oder auch für alle, die einen kleinen Rahmen fahren und dann ob keinen Platz für eine Satteltasche (Arschrakete) haben. Natürlich kann man immer auch einen normalen Gepäckträger klassisch anschrauben.
Am Ziel der Reise angekommen, war der Träger im Nu abgenommen und das Gravelbike bereit für den sportlichen Einsatz. Auch die dauerhaft montierten Auflagepunkte stören beim Fahren nicht. Ihr geringes Zusatzgewicht lässt sich ebenfalls verschmerzen. Die simple Lösung für dieses Problem: Wer das Quick Rack nicht mehrmals in der Woche nutzt, kann die Auflagepunkte natürlich wieder demontieren.
Aeroe Spider Rack: Eine Alternative für Gravelbikes ohne Ösen
Bikepacking-Taschen gibt es mittlerweile viele. Spannende Systeme mit den verschiedensten Ansätzen. Doch wie wirkt sich das System auf das Fahrgefühl aus? Und wie komfortabel lassen sich die Taschen nutzen? Nachdem ich auf meinem letzten Trip gefühlt mehrfach von meiner „Arschrakete“ überholt wurde, habe ich ein Auge auf fest am Rahmen montierte Alternativen geworfen.
Funktionsweise und Montage
Die Basis bildet das Gestänge, welches an den Sitzstreben am Hinterbau befestigt wird. So ähnelt es einem Gepäckträger. Dabei wird die stabil wirkende Konstruktion mit insgesamt vier Zugbändern an den Streben fixiert. Aeroe spricht damit Radreisende an, denen keine Anschraubpunkte am Rahmen zur Verfügung stehen. Das 120 Euro teure Grundsystem „Spider Rear Rack“ kommt direkt mit einer Spider-Aufnahme für eine Tasche daher. Optional können bis zu drei Halter an dem Gestänge montiert werden.
Konkret entscheide ich mich für einen weiteren Spider sowie einen Quick Mount Pod. Dabei handelt es sich um eine Tasche, die mit einem Drehverschluss am Rack befestigt wird. Insgesamt kann ich so also drei Taschen am Heck unterbringen. Die Tragekonstruktion selbst ist eine Verbindung der formschön gebogenen Metallstange und den Verbindungsteilen zum Rahmen, die aus speziellem Kunststoff gefertigt sind.
Material und Stabilität
Für die Stabilität sorgen verschiedene Werkstoffe. Das Gestänge ist mit vier Edelstahlschrauben pro Seite an den Halteaufnahmen befestigt. Durch diese Bauart lässt sich die Konstruktion ziemlich leicht am Hinterbau ausrichten. Die Aufnahme selbst wird mit vier Haltebändern aus Nylon am Rahmen fixiert. Die Nylonstraps verfügen über Halteösen an den Enden und sind mit einer gummierten Schicht versehen. Die Auflagefläche der Halteaufnahme schließt mit einer geriffelten Gummifläche ab, um Halt zu geben und den Rahmen vor Kratzern zu schützen. Zur Fixierung wird das System mit einer Inbusschraube gespannt. Der ganze Befestigungsvorgang ist in wenigen Minuten erledigt und das Tragegestänge sitzt fest.
Praxistest und Fahreindruck
Was mich an den beliebten “Arschraketen“ oft stört, ist die seitliche Bewegung bei Kurvenfahrten oder im Wiegetritt. Ein plötzlicher Richtungswechsel oder eine scharfe Kurve können einen spürbaren Hieb zur Folge haben. Die Touren zur Arbeit entpuppen sich als sehr angenehm. Es wirkt beinahe, als hätte ich einen richtigen Gepäckträger mit fest montierten Seitentaschen an Bord. Sprich: Ich spüre das Gewicht am Heck, aber es sitzt bombenfest. Auch die teils ziemlich rauen Schotterpisten, die ich auf den Fahrten mitnehme, bringen die Taschen nicht aus der Fassung. Keine Geräusche, keine Bewegung. Auch der eine oder andere Sprung vom Bordstein beeindruckt das System nicht. Wäre das Gewicht nicht, würde ich von den Packtaschen nichts spüren.
Fazit
Aeroe aus Neuseeland liefert mit dem Spider-System eine clevere und überzeugende Lösung - nicht nur für Räder ohne Anschraubpunkte. Beim abschließenden Check sitzen alle Halter und das Gestänge selbst fest und sicher am Rad. Nach der Demontage weist der Rahmen an den Kontaktstellen keinerlei Blessuren auf. Und die Taschen selbst konnten während der zahlreichen Testfahrten in allen Belangen überzeugen. Sprich: ein durchdachtes, stabiles, hochwertiges und zuverlässiges System.
Weitere Gepäckträger Optionen für Gravelbikes
Neben den bereits genannten Optionen gibt es noch weitere Gepäckträger, die sich für Gravelbikes eignen.
- Tubus Fly: Ein Gepäckträger zur Festmontage, der speziell für sportliche Fahrer entwickelt wurde.
- Topeak TetraRack: Ein vielseitiger Gepäckträger, der mit Klettbändern an den Rohren fixiert wird und für Topeak-Taschen mit dem Quicktrack MTX-System geeignet ist.
- Thule Tour Rack: Ein flexibler Gepäckträger, der sowohl vorne als auch hinten am Rad montiert werden kann.
- XLC RP-R06: Ein Gepäckträger, der mit einer Klemme und einem Schnellspanner-Prinzip an der Sattelstütze befestigt wird.
- SKS Infinity Universal: Ein Gepäckträger, der mit Bändern befestigt wird und über eine Adapterplatte für das MIK-System verfügt.
- Tubus Racktime Boost-it Tour 2.0: Ein flexibler und starker Gepäckträger, der mit Schrauben an den Sitzstreben befestigt wird und für das Snap-it 2.0 System geeignet ist.
Worauf man beim Kauf eines Fahrradgepäckträgers achten sollte
- Wie wird der Gepäckträger befestigt, sind am Fahrrad entsprechende Löcher vorhanden?
- Wie viel Gewicht darf der Fahrradträger tragen?
- Ist der ausgesuchte Träger kompatibel zu meiner Fahrradgröße (28 Zoll / 24 Zoll / 20 Zoll)
- Soll der Gepäckträger über Zusatzfunktionen wie z.B. ein Racktime System verfügen?
- Passen meine vorhandenen Taschen-Haken an den Durchmesser der Gepäckträgerstreben?
- Benötige ich einen Fahrradgepäckträger für die Sattelstütze, welchen Durchmesser hat diese?
Fahrradgepäckträger im Überblick
| Produkt | Traglast | Preis | Anbieter |
|---|---|---|---|
| Racktime 28" | 30 kg | 50,95 € | Amazon |
| ROCKBROS Sattelstange | 50 kg | 34,99 € | Amazon |
| XLC Carry More | 25 kg | 37,72 € | Amazon |
Die Rolle von Fahrradtaschen beim Bikepacking
Fahrradtaschen spielen eine entscheidende Rolle beim Bikepacking, da sie eine effiziente Möglichkeit bieten, Ausrüstung und Vorräte zu transportieren. Die Wahl der richtigen Taschen kann das Fahrgefühl und die Stabilität des Fahrrads erheblich beeinflussen.
Ortlieb Gravel-Pack: Eine robuste Option für Schotterpisten
Der ORTLIEB Gravel-Pack ist die perfekte Ergänzung für lange, ruppige Bikepacking-Touren. Auch bei schnellen Kurvenfahrten durch wegloses Terrain sitzen die ORTLIEB Gravel-Packs satt am Gepäckträger. Lange Mehrtagestouren bei unterschiedlichsten Untergründen - hier spielt der Gravel-Pack sein Stärken aus.
Leichtbau und Material
Gegenüber dem Schwestermodell Sport-Roller Classic bringt das Paar Gravel-Packs rund 400 Gramm weniger auf die Waage - und spart somit Kraft, die du an anderer Stelle gut brauchen kannst. Das Material ist ein Mix aus zwei unterschiedlichen PU-beschichteten Nylon-Geweben. Die grauen Partien bestehen aus dem etwas leichteren RS21R Ripstop-Material, die Seitenteile aus dem etwas stärkeren PS33-Gewebe.
Effektives Festklammern am Gestänge
Ob Lowrider - also Gepäckträger am Vorderrad - oder Hinterrad-Gepäckträger, der Gravel-Pack kann beides, je nach Radaufbau und persönlicher Präferenz. Das Fixieren am Lowrider senkt den Schwerpunkt, verändert allerdings auch etwas das Lenkverhalten - und birgt Kollisionsrisiko bei engen Trails.
Verschluss mit Doppelklick
Das dritte große Unterscheidungsmerkmal des Gravel-Pack zum normalen Sport-Roller ist das Verschlusssystem. Auch hier kommt zwar ein Rolltop zum Einsatz, was ihm die Schutzklasse IP 64, also dicht gegen Staub und Spritzwasser aus allen Richtungen, einbringt. Doch im Gegensatz zu den anderen „Rollern“ von ORTLIEB werden die Enden direkt in die jeweils seitlich anliegenden Verschlüsse geklickt.
Kein Schnickschnack
Auf ein gesondertes Innenleben wie bei den „großen Brüdern“ hat ORTLIEB wohlwissend, dass das hier keiner braucht, verzichtet. Kein Schnickschnack, voller Fokus auf Reduktion. Der Gravel-Pack ist mit seinen zwei Mal 12,5 Litern Ladevolumen - gekauft wird im Doppelpack - die perfekte Ergänzung zu den gängigen Bikepacking-Taschensystemen.
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