Gravel Bike Laufradsatz 28 Zoll Test: Alles, was Sie Wissen Müssen

Gravel ist längst Mainstream, und so gibt es so ziemlich jedes Produkt der Radbranche nun auch in einer Gravel-Version - Laufräder natürlich auch. Die Frage, was ein Laufrad Gravel-tauglich macht, lässt sich leicht beantworten: In erster Linie geht es ums Profil der Felgen.

Was macht ein Gravel Laufrad aus?

Los geht’s mit der Breite, besser gesagt mit der Maulweite, also dem Abstand der sogenannten Felgenhörner zueinander: Ist dieser in Relation zur Reifenbreite zu gering, wölbt sich der Reifen stark über die Felgenflanke hinaus. Der breite Reifen sitzt nicht gut auf der schmalen Felge; gerade bei etwas geringerem Luftdruck ist ein schwammiger Fahreindruck die Folge, was in der Kurve unangenehm ist.

Zu breit darf die Felge freilich auch nicht sein- wird schlauchlos gefahren, droht sonst bei starken Seitenkräften plötzlicher Luftverlust, das „Burping“. Bei ruppiger Kurvenfahrt mit Schräglage kann der Reifen nach innen gedrückt werden und sich dabei kurzzeitig von der Felgenflanke lösen.

Rennrad-Laufräder mit superschmaler Maulweite unter 15 mm gibt es praktisch nicht mehr. Bei Alu-Felgen sind heute 17 bis 18 mm das Minimum; aerodynamische Carbon-Laufräder haben teils Maulweiten von 20 mm und mehr. Auch Cyclocross-Pneus mit 33 mm Breite harmonieren gut; für einen richtigen Gravel-Reifen um 40 mm Breite müssen aber andere Felgen her: Hier spielt die Musik zwischen 22 und 25 mm Innenweite.

Letzteres ist nur für Reifen ab 35 mm empfehlenswert, stützt andererseits aber auch eine Zwei-Zoll-Walze problemlos ab; ersteres packt auch noch einen 28er Rennrad-Pneu - Stichwort „Allroad“.

Hookless-Felgen

Einen kleineren Vorteil beim Reifensitz haben die sogenannten Hookless-Felgen, bei denen das nach innen ragende Felgenhorn wegfällt, unter dem sich bei konventionellen Felgen der Reifen verkrallt. Die hakenlose Felge schnürt den Reifen etwas weniger ein und stützt ihn dadurch noch besser ab. Damit kann eine Hookless-Felge auch ruhig etwas schmaler ausfallen, was wiederum den Vorteil hat, dass sie mehr Spielraum bei der Reifenbreite bietet.

Allerdings gelten bei diesem Felgentyp geringere Maximaldrücke - bei 5 bar ist Schluss, sodass Reifen unter 28 mm Breite nicht gefahren werden können. Doch wer will das schon noch?

Tubeless-Kompatibilität

Der zweite wichtige Aspekt betrifft die Tubeless-Kompatibilität. Während gerade Rennradfahrer meist noch mit Schlauch im Reifen unterwegs sind, hat sich im Gelände Tubeless durchgesetzt. Vorteile sind der deutlich größere Pannenschutz, da es den klassischen Durchschlag nicht mehr gibt - dabei wird der Schlauch zwischen Felge und Fahrbahn eingeklemmt und meist gleich zweifach punktiert.

Das geringere Pannenrisiko erlaubt es, mit niedrigerem Luftdruck zu fahren, was wiederum Traktion, Stoß- und Vibrationsdämpfung und damit den Komfort verbessert; außerdem sinkt ohne Schlauch der Rollwiderstand, und etwas Gewicht spart man auch. Radsätze, die nicht Tubeless-kompatibel sind, findet man heute höchstens noch als Erstausstattung an einfachen Kompletträdern.

Gewicht

Solche Laufräder sind meist auch recht schwer, was ein weiterer wunder Punkt ist. Überschätzen muss man den Faktor Gewicht nicht - 50 Gramm an der Felge oder am Reifen machen keinen spürbaren Unterschied aus. Doch mehrere Hundert Gramm wirken sich merklich aufs Handling aus und machen natürlich auch das Rad insgesamt schwerer, was man etwa beim Tragen merkt. Auch aus Aluminium werden inzwischen sehr leichte, dabei robuste und verlässliche Laufräder fürs Gravelbike angeboten. Wenn es zusätzlich auch noch aerodynamisch sein soll, müssen freilich Carbonfelgen her; die können nämlich auch mit tiefen, breiten Profilen ziemlich leicht ausfallen. Skeptiker mögen einwerfen, dass man mit dem Gravelbike nur selten so schnell fährt, dass die Aerodynamik (der Laufräder) eine Rolle spielt.

Für unterschiedlichste Reifenbreiten geeignet, robust, leicht und aerodynamisch - kann man alles auf einmal bekommen? Die in unserer Bestenliste vorgestellten acht Laufradsätze machen Hoffnung. Diese Laufräder sind für eine Vielzahl von Geländearten geeignet, von glattem Schotter bis hin zu Waldwegen und Singletrails, und haben einige wichtige Eigenschaften. Fast alle Gravel-Laufradsätze sind für Scheibenbremsen geeignet. Sie sind Tubeless-fähig und drehen sich um Steckachsen.

Gravel-Racer und Bikepacker haben auch unterschiedliche Anforderungen an das Gewicht und die Haltbarkeit der Gravel Laufräder, aber dazu kommen wir später.

Ausgewählte Gravel Laufräder

Im Folgenden findest du unsere Auswahl der besten Gravel-Räder.

  • Die Zipp 101 XPLR Gravel-Laufräder sind am besten für Fahrer geeignet, die die meiste Zeit auf rauen und technischen Trails unterwegs sind. Der bewusste Flex der Felgen zielt darauf ab, Kontrolle und Grip in den Kurven zu bieten - und genau das tut er auch. Kombiniere diesen Flex mit einer 27-mm-Felgenbreite und du erhältst ein Gravel-Rad, das viel besser für das Fahren auf rauen Trails geeignet ist als viele seiner Konkurrenten.
  • Wenn du also auf der Suche nach einem Upgrade für dein Gravel-Rad bist, solltest du dir den DT Swiss GR1600 Spline Gravel Laufradsatz ansehen. Mit 500 € sind die DT Swiss GR1600 Spline Gravel-Laufräder auch nicht übermäßig teuer. Das Star Ratchet-Freilaufsystem mit seinen 20° Eingriff war für den größten Teil des Fahrens eigentlich nicht besonders auffällig.
  • Der 303 S ist einer der einzigartigsten Laufradsätze von Zipp, denn er wurde nicht ausschließlich für Straßenrennen entwickelt. Der 303 S hat eine innere Felgenbreite von 23 mm und eine hakenlose Lauffläche. Da es sich um ein Laufrad mit dem Zipp-Schriftzug auf der Felge handelt, sollte es nicht überraschen, dass es aerodynamisch optimiert ist.
  • ROSE GC-Forty Disc Carbon Gravel Laufradsatz. Mit einem mittelhohen Felgenprofil von 37 mm und einer Innenbreite von 24 mm bieten sie eine unschlagbare Kombination aus Rennleistung und Komfort, vor allem bei Fahrten auf rauem Untergrund. Erreicht wird dies durch ihre Dämpfungseigenschaften, die einen Großteil der entstehenden Vibrationen absorbieren. Testfahrten haben gezeigt, dass die Carbonfelgen unglaublich dynamisch und reaktionsschnell sind und auf jeder noch so anspruchsvollen Strecke sanfte Übergänge ermöglichen.
  • Hope aus Lancashire, Großbritannien, bietet hochgradig anpassbare Gravel-Laufradsätze an. Diese Gravel-Felgen aus Aluminium sind am besten für Reifen mit einer Breite von 25 bis 40 mm geeignet.
  • Die Gravel Laufräder G 1800 Spline sind eine tolle Budget-Option von DT Swiss und kosten knapp 350 Euro.

Weitere Optionen

  • Reynolds Allroad Center Lock Naben angebracht. Die GRX-Laufräder sind in den Größen 700c oder 650b erhältlich und wiegen 1.600 g bzw. 1.540 g.
  • Diese anpassbaren Laufräder des Londoner Laufradherstellers Stayer wurden auf Bestellung gebaut und waren die Wahl für James‘ Traum-Gravelbike. Die 24-mm-Innenfelgen sind am besten für Reifen mit einer Breite von 28-50 mm geeignet. Du kannst dich beim Aufbau für DT350 Naben von DT Swiss oder Hope RS4 oder PRO4 Naben entscheiden und zwischen 700c und 650b Laufradgrößen wählen.
  • ENVE sorgte für großes Aufsehen, als es auf der Dirty Kanza 2018 seine Gravel-Laufräder der G-Serie vorstellte. Es gibt 700c- und 650b-Varianten, die nach ihrem wichtigen Felgeninnendurchmesser G23 und G27 genannt werden. Mit nur 300 g ist die Carbonfelge superleicht.
  • Mit beachtlichen 1.481 g beweist das Ardennes SL Plus von HED, dass du keine Carbonfelgen brauchst, um einen leichten Laufradsatz zu bauen.
  • Wenn du einen superleichten Gravel-Laufradsatz suchst, solltest du dir die neuen Carbon Eroica von HED ansehen. Sie wiegen unglaubliche 1.340 g. Aber der Haken ist natürlich der Preis.

Neue Produkte auf dem Markt

  • Van Rysel VR 35 & VR 50: Preiswerte Carbon-Laufräder mit Aero-Optimierung.
  • DT Swiss GR 1600 SPLINE 25 DYN Laufradsatz mit Nabendynamo.
  • Pi Rope Felgen Test: Die Zukunft der Textilspeichen für ultimative Gravelbike-Performance.

DT Swiss GR1600 Spline Gravel-Laufradsatz Test

DT Swiss ist bekannt für seine hochwertigen Mountainbike-Laufradsätze. Als das Unternehmen den GR1600 Spline Gravel-Laufradsatz ankündigte, wurden Gravelfahrer*innen auf der ganzen Welt hellhörig.

Wenn du überlegst, welche Laufräder du für dein Gravelbike bauen oder aufrüsten sollst, musst du die Laufradgröße (700c oder 650b), die Tubeless-Kompatibilität, die vorgesehene Reifenbreite (in Verbindung mit der inneren Felgenbreite), die Haltbarkeit, die Kompatibilität mit dem Rahmen und vor allem das Budget berücksichtigen.

  • 700c war lange die Standardgröße für Rennrad-Laufräder, aber 650b (das Äquivalent von 27,5 Zoll beim Mountainbiken) wird für Gravel-Fahrten ziemlich beliebt.
  • Bei Gravelreifen solltest du auf eine innere Felgenbreite von 20-25 mm achten.
  • Die meisten der hier aufgeführten Gravel-Laufräder sind mit 12-mm-Steckachsen und einem Standard-Steckachsabstand von 100/142 mm kompatibel.

Carbon- und Aerolaufräder

Der Upgrade-Traum vieler Roadies, doch was bleibt nach Abzug der Marketingversprechen übrig? Tiefe Carbonlaufräder am neuen Rennrad - und dank perfekter Felgen- und Reifenkombination auch noch schneller? Kaum ein anderes Update verspricht so viel wie ein Satz begehrter Laufräder. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel.

Welcher Laufradsatz ist also der richtige und wie groß sind die Unterschiede? Ist teuer auch immer besser? Wir hatten die elf spannendsten und einzigartigsten Modelle im Laufrad-Test, waren auf der lokalen Feierabendrunde und fernen Anstiegen unterwegs und haben die Räder auf Herz und Nieren getestet. Doch gerade bei dem Performance-Upgrade schlechthin sind Zahlen und Fakten ebenso wichtig.

Bei uns messen sich Weightweenie-Träume mit Performance-Monstern, 60-mm-Aero-Felgen mit Allround-Endurance-Laufrädern und Allrounder mit Spezialisten.

Testkriterien

Wir testen Laufräder im „Allround”-Segment, heißt: Räder mit Aero-Anspruch, aber ohne das Gewicht zu vernachlässigen. In diesen Bereich fallen Laufräder, die sowohl auf schnellen, flachen Strecken als auch in den Bergen die richtige Wahl sind. Also keine 80-mm-Carbon-Bomber oder extreme Kletter-Spezialisten.

Weil alle getesteten Wheels für moderne Reifen, ob tubeless oder nicht, geeignet sein sollen, achten wir auf modern gewählte Felgenbreiten und Maulweiten.

Ebenfalls zur Felge gesellt sich das aktuell heiß diskutierte Hookless-Thema. In unserem Testfeld sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten. Und - Achtung Spoiler - einige der Hookless-Modelle sind ganz vorn mit dabei.

Fahrtest und Windkanal

Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht.

Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet.

Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich. Ja, Steifigkeit ist nicht gleich Compliance. Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt.

Allround soll auch klettern können, daher wurde jedes Laufrad ausgiebig am Berg getestet.

Windkanal-Ergebnisse

Wir waren mit den Laufrädern in Deutschlands neuestem radsport-spezifischen Windkanal. Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern. Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes.

Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet. Der Reifendruck im Test lag bei 5 bar.

Doch schon während der ersten Meter stellte sich heraus, es gibt zwar Ähnlichkeiten, doch kein Laufrad gleicht dem anderen. Und so zeigen sich auch im Fahrtest unterschiedlichste Charaktere. So kristallisieren sich beispielsweise die sehr leichten Lightweight Obermayer EVO als absolute Kletter-Freunde heraus.

Hier zeigt sich, wie schnell die Räder wirklich sind und ob die hochlobenden Marketing-Versprechen der Realität entsprechen.

Aerodynamische Belastung

Erstens: Der Wert der aerodynamischen Belastung, hier angegeben mit Cx*A (aus dem Englischen als CdA-Wert bekannt), gibt an, wie viel Luftwiderstand ein Objekt hat. In unserem Fall bezieht sich dieser Wert auf das Gesamtsystem Fahrrad. Da das Canyon Ultimate CFR, in dem die Laufräder verbaut werden, jedes Mal dasselbe ist, vergleichen wir lediglich die Unterschiede zwischen den Laufrädern.

Zweitens: Die im Radsport beliebte Kennzahl Watt. Beide Werte stellen über die gemessenen Gierwinkel gemittelt eine Vergleichbarkeit zwischen den Laufrädern dar.

Außerdem ist der Gierwinkel, aus dem Englischen als Yaw Angle bekannter Anströmwinkel, relevant. Dieser bezeichnet den Winkel, aus dem der Luftstrom auf das zu messende Objekt trifft, in unserem Fall das Bike mit den Testlaufrädern.

Schon mal vorweg: Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Zum Vergleich hatten wir ein Einsteiger-Alu-Laufrad im Windkanal, und im Schnitt lagen die Performance-Laufräder über 12 Watt weiter vorn. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede.

Ergebnisse und Erkenntnisse

  • Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab.
  • Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Roval und Reserve setzen an Front und Heck auf verschieden profilierte Felgen mit unterschiedlicher Tiefe.
  • Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR.
  • Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen.
  • Die Reserve 52|63-Laufräder sind die unangefochtenen Sieger der Herzen.

Weitere Erkenntnisse

  • Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance.
  • Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß.
  • Kurz gesagt gilt: je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind.
  • Die viel diskutierte Reifenbreite ist auch hier Thema und obwohl schmale Reifen im Windkanal schneller waren, sagen wir: breiter ist besser, und schneller!
  • Im Laufrad-Test hatten wir allerdings keine Probleme, ganz im Gegenteil: Die hakenlosen Räder funktionieren problemlos und teils besser als die behakte Konkurrenz.
  • Praktisch alle Hersteller bieten eine Garantieverlängerung sowie ein Crash Replacement über die gesetzlichen Ansprüche hinaus.

Custom-Laufradsatz fürs Gravelbike

Trotz der wachsenden Zahl an reinrassigen Gravel-Laufradsätzen namhafter Hersteller kann es für einen Custom-Laufradsatz viele Gründe geben. Viele Biker haben einfach Freude daran, jedes Einzelteil ihres Traumbikes selbst auszusuchen. Aber auch technisch kann der Selbstbau Vorteile haben, gerade für „Out-of-the-box-Denker“ mit spezifischen Vorlieben.

Schließlich beeinflusst kaum ein Bauteil das Fahrverhalten eines Rads so drastisch wie die Laufräder.

Mix it, baby!

Solche Scheuklappen solltest Du Dir gar nicht erst aufsetzen, wenn Du ein Gravel-Laufrad baust. Denn mit einem klugen Mix aus MTB-, Road- und Gravel-Komponenten kannst Du genau die Eigenschaften erreichen, die Du willst.

Kenne Deinen Einsatzbereich! In der Gravelwelt gibt es drei Extreme und alles dazwischen:

  1. Den Roadie, der keinen Bock mehr auf hupende Autos hat und auf schlecht asphaltierte Nebenstrecken ausweicht, ansonsten aber sein Gravelbike wie ein Rennrad fährt.
  2. Den Mountainbiker, der mit dem Gravelbike mehr Freude aus einfacheren Trails und Forstautobahn-Transfers herauskitzelt.
  3. Der Abenteurer, der in den entlegensten Ecken der Welt Kilometer um Kilometer abspult.

Klar ist, dass kein Laufradsatz in allen Feldern gleichermaßen brilliert. Du willst mit Deinem Gravelbike auch Wurzeltrails befahren? Dann wird Dein Custom-Laufrad in der Regel keine Gewichts- und Aerodynamikrekorde brechen. Überleg Dir also vorher, wo Du keinesfalls Kompromisse machen willst.

Laufradgröße: 650B oder 700C

Viele moderne Gravelbikes erlauben die Verwendung von 650B- und 700C-Laufrädern. 650B entspricht dabei 27,5 Zoll in der Mountainbike-Welt, zur Verwendung von Reifen mit einem ETRTO von 584 Millimetern. Das klassische Rennradmaß 700C entspricht 28 Zoll in der Straßen-, bzw. 29 Zoll in der Mountainbikewelt, zur Verwendung von Reifen mit einem ETRTO von 622 Millimetern.

Die kleineren Laufräder fahren sich agiler und erlauben oft den Einbau breiterer Reifen - was nicht nur beim Geländeeinsatz von Vorteil sein kann. In diesem Maß ist man allerdings auch weitgehend auf die Verwendung von MTB- oder Gravelfelgen angewiesen. Rennrad-Komponenten in 650B sind Mangelware.

Hier kann man sich aus dem (29 Zoll)-Mountainbike-Regal genauso bedienen wie aus dem (700C/28 Zoll)-Rennradsortiment - denn trotz des Bezeichnungschaos sind die Größen identisch. Die größeren Räder rollen besser, halten das Tempo hoch. Die Reifenfreiheit ist allerdings bei vielen Rahmen in dieser Dimension geringer und die größeren Laufräder sind oft schwerer bzw. flexen stärker als ihre kleineren Geschwister.

Breite Felgen, breite Reifen

Die maximale Reifenfreiheit ist eines der wichtigsten Merkmale eines Gravelbikes. Rennrad-orientierte Räder liegen hier ab Werk meist zwischen 30 und 40 Millimetern Reifenbreite. Das verspricht v. a. aerodynamische Vorteile, schränkt aber Dämpfung und Grip ein - und damit die Off-Road-Tauglichkeit.

In eher Gelände-orientierte Gravelräder passen deshalb auch deutlich voluminösere Reifen - teilweise über 50 Millimeter Breite. In der Mountainbike-Welt würde man sagen: 2,0 Zoll oder mehr.

Für Deinen persönlichen Gravel-Laufradsatz solltest Du zunächst ungefähr Deine gewünschte Reifenbreite festlegen. Es gibt zwei einfache Zusammenhänge zwischen der Innenbreite der Felge (auch Maulweite genannt) und der Reifenbreite.

  1. Ein und derselbe Reifen besitzt auf einer breiteren Felge ein größeres Volumen und eine höhere tatsächliche Breite.
  2. Je größer die Maulweite bei gleichbleibender Reifenbreite ist, desto „eckiger“ wird die Form des Reifens auf der Felge; je kleiner die Maulweite, desto „runder“.

Felgenform und -material

Neben der Felgenbreite ist die Felgenhöhe beim Gravelbike ein wichtiges Kriterium. Je nach Stirnfläche von Rad und Radler ist spätestens ab einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 15 km/h der Luftwiderstand höher als der Rollwiderstand.

Es gibt also auch am Gravelbike gute Gründe für aerodynamische Hochprofilfelgen aus dem Rennradbereich. Da allerdings Aero-Komponenten meist nicht mit breiten Reifen kombiniert werden (das wäre widersinnig, denn ein breiter Reifen erhöht den Luftwiderstand nennenswert), schränkt eine hochprofilige Felge die Auswahl bei der Felgenbreite etwas ein.

Keine Einschränkungen gibt es dagegen bei der Materialwahl. Egal ob Du Dich im MTB-, Road- oder Gravelregal bedienst, grundsätzlich kannst Du sowohl mit Alu-, als auch mit Carbonfelgen jede gewünschte Eigenschaft realisieren, wenn auch nicht immer in Kombination.

Carbonfelgen erlauben bei gleicher Steifigkeit die leichteren Laufräder, bzw. sind bei gleichem Gewicht in der Regel steifer als Laufräder mit Alufelgen. Aluminium ist dafür preisgünstiger und verzeiht auch kleinere Beschädigungen wie Dellen.

Vorder- und Hinterradnaben

Gravelbikes gibt es - je nach Grundausrichtung, s. o. - mit verschiedenen Maßen für Nabenbreiten und Achsdurchmesser. Klassische Neun-Millimeter-Schnellspannachsen in Naben mit 100 bzw. 135 Millimetern Einbaubreite sind allerdings selten geworden.

Bei den Off-Road-orientierten Gravelbikes kommen mitunter auch „Boost-Komponenten“ mit Einbaubreiten von 110 bzw. 148 mm und Achsdurchmessern von 15 bzw. 12 Millimetern zum Einsatz.

Die Speichenwahl

Gravel-Laufräder müssen ordentlich einstecken können. Schließlich fühlen sich die meist ungefederten Räder auch bei hohem Tempo und ruppigem Untergrund wohl. Bei der Anzahl der Speichen darfst Du Dich also getrost an XC-Mountainbikes orientieren und zu 28 oder 32 Speichen greifen. Der Gewichtsnachteil gegenüber 24 Speichen ist vernachlässigbar, die Stabilität dafür höher.

Welche Nabe für wen?

Mit einer gut gedichteten und robusten Nabe, wie sie auch für Mountainbikes verwendet wird, bist Du auf der sicheren Seite. Zudem ist im MTB-Sektor die Auswahl an Steckachs-Naben immer noch höher als im Rennradsektor.

Nabendynamo

Auf ins Abenteuer - oder ins Büro! Gravelbikes sind wie gesagt hervorragende Langstrecken- oder Adventure-Bikes. Egal, ob lange Runden auf verschiedensten Untergründen im unbekannten Hinterland oder epische Bikepacking-Abenteuer - hier ist Licht Pflicht, genauso wie hohe Stabilität und leichte Reparierbarkeit. Für Ersteres sorgt ein moderner Nabendynamo, der in Verbindung mit einem Ladegerät wie dem Plug5 Pure von cinq oder dem E-Werk von Busch & Müller sogar technische Geräte wie GPS oder Smartphone lädt.

Tabellen

Empfohlene Felgen-Reifen-Kombinationen laut ETRTO

Felgeninnendurchmesser bzw. ETRTO Französische Bezeichnung Zoll-Bezeichnung(en)
584 Millimeter 650B 27,5 Zoll
622 Millimeter 700C 28 Zoll, 29 Zoll

Ergebnisse Windkanal

Hersteller Felgenhöhe (mm) Gewichtete Leistung bei 35 km/h (Watt) Lenkmomentbeiwert
Leeze 40 15.6 Im grünen Bereich
DT Swiss 42 16.3 Geringstes Lenkmoment
Swiss Side 42 16.3 Geringstes Lenkmoment

Dieser Artikel wurde am 19. Juli 2024 veröffentlicht.

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