Die richtige Übersetzung für dein Gravel Bike: Eine umfassende Empfehlung

Die Wahl der richtigen Übersetzung ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Zusammenstellen eines Gravel Bikes. Während viele andere Komponenten wie Reifenbreite, Lenker, Vorbaulänge oder Sattel nachträglich angepasst werden können, ist die Übersetzung ein entscheidender Faktor für dein Fahrerlebnis.

1-fach oder 2-fach Kurbel: Eine Grundsatzfrage

Aktuell sind 1-fach Schaltungen ohne Umwerfer sehr beliebt und werden an ca. 80% der Gravel Bikes angeboten. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, und dieser Artikel soll dir eine möglichst objektive Beratung bieten, um die richtige Wahl zu treffen.

Vorteile der 1-fach Schaltung

  • Einfachheit und cleane Optik: Das sind definitiv gültige Vorteile.
  • Geringere Wartung und Fehlerquelle: Diese Argumente sind eher beim Cyclocross und Fahren im Schlamm relevant. Die Gefahr eines Kettenabwurfes an der Kurbel ist nahezu bei „Null“.

Nachteile und Überlegungen bei der 1-fach Schaltung

  • Preis und Gewicht: Der geringere Preis und das niedrigere Gewicht sollten nicht das entscheidende Argument sein. Eine 1-fach Schaltung benötigt normalerweise eine sehr große Kassette, die den Gewichtsvorteil vermindert.
  • Verschleiß: Zwar ist der Kettenschräglauf bei den hohen und tiefen Gängen einer 1-fach Schaltung höher und deutlich zu spüren, jedoch fährt man bei unachtsamer Fahrweise auch mit der 2-fach Kurbel sehr schräge Kombinationen.
  • Bandbreite und Gangsprünge: Mit einer 1-fach Schaltung lässt sich wunderbar „Graveln“. Jedoch ist entweder die Bandbreite reduziert oder die Gangsprünge sind sehr groß. Mit einem der beiden Einschränkungen müsst ihr leben.

Vorteile der 2-fach Schaltung

  • Kleine Gangsprünge: Kleine Gangsprünge sind wichtig bei Geschwindigkeiten, die längere Zeit konstant gefahren werden sollen. Das sind in der Regel flache Straßen oder Schotterwege. Hier ist eine ergonomische Drehzahl wichtig (ca. 90-95 rpm).

Im Schnitt sind die Gangsprünge bei 2-fach Schaltungen bei 12% (11-34 Kassette), bei 1-fach Schaltungen und geringer Bandbreite der Kassette bei 14% (10-33 Kassette) und hoher Bandbreite bei 16% (10-50 Kassette).

Empfehlungen für die Wahl zwischen 1-fach und 2-fach

1-fach Schaltungen sind modern und werden auch aufgrund der Optik gerne ver-/gekauft. Sie sind zu empfehlen, wenn du in der Regel alleine fährst und die Geschwindigkeit an den Gang anpassen kannst. Des Weiteren ist der fehlende Umwerfer vorteilhaft im schweren Gelände und Cyclocross.

Wirst du jedoch das Rad auch mit anderen Fahrern bei schnelleren Geschwindigkeiten (am Berg, im Flachen oder auch bergab) einsetzen, dann sind kleinere Gangsprünge und eine große Bandbreite notwendig. 2-fach ist auch bei einer Dual-Nutzung im Gelände und auf der Straße (ggf. mit einem 2. Laufradsatz) dringend zu empfehlen.

Ferner erfordert eine Teilnahme bei Gravel-Rennen auch eine 2-fach Kurbel, sofern die Platzierung wichtig ist. In der Praxis gibt es immer mehr 1-fach Fahrer, die sich einen Umwerfer wünschen als 2-fach Fahrer, die darauf dauerhaft verzichten möchten.

Fazit: Je mehr Straße (oder ein anderer fester, ebener Untergrund) und Fahrten mit anderen Sportlern, desto eher 2-fach. Je mehr welliges Gelände und Untergrund bei dem es auf die feine Abstufung der Gänge nicht ankommt, desto eher 1-fach. Wollt ihr euer Gravelrad im Gelände und auf der Straße verwenden, dann empfehlen wir euch 2-fach zu fahren.

Die Kassette bzw. Bandbreite

Ist die Entscheidung zur 1-fach oder 2-fach Schaltung gefallen, kannst du im geringen Umfang zusätzlich die Abstufung der Kassette aussuchen. Dazu gehört auch die Möglichkeit eine Kassette mit geringem Gewicht montieren zu lassen.

Die Übersetzung im kleinsten Gang sollte bei 1:1 oder leicht geringer sein (Untersetzung). Für schnelles Fahren mit dem Gravel Rad sind die 10er oder 11er Ritzel in der Regel auch mit 40er oder auch 38er Kettenblatt ausreichend.

Beispiele für verschiedene Kassetten

Hier sind einige Beispiele für verschiedene Kassetten der Gruppen (die fett gedruckten Kassetten sind Preis/Leistungsempfehlungen):

  • Shimano GRX 810 2x11-fach Schaltung mit 48/31 Zähne Kurbel:
    • SRAM 11-32 Kassette (196g)
    • Shimano 11-34 Kassette (355g)
    • SRAM 11-36 Kassette (366g)
  • Shimano GRX 810 1x11-fach Schaltung mit 40 Zähne Kurbel:
    • Shimano 11-42 Kassette (401g)
    • Shimano 11-46 Kassette (465g)
    • SRAM 10-42 Kassette (325g)
    • SunRace 10-46 Kassette (502g)
  • SRAM Force eTap 2x12-fach Schaltung mit 46/33 oder 43/30 Zähne Kurbel:
    • SRAM 10-33 Red Kassette (212g)
    • SRAM 10-36 Force Kassette (301g)
  • SRAM Force 1x12-fach Schaltung mit 36 bis 46 Zähne Kurbel:
    • SRAM 10-36 Force Kassette (301g)
    • SRAM 10-50 Eagle 1275 Kassette (450g)
    • SRAM 10-50 Eagle 1295 Kassette (355g)

Insider-Wissen Q-Faktor

Der Q-Faktor ist der Abstand der Pedale oder „wie breit die Pedale“ montiert sind. Am Rennrad ist ein Q-Faktor von 145-146mm der Standard. Unser Gravel Race Bike hat mit der SRAM Force 46/33 Kurbel 145mm Q-Faktor und ist unsere Empfehlung. Mit der „kleinen“ SRAM Force Wide Kurbel (43/30 Zähne) und allen Shimano GRX Kurbeln sind es 150-151mm, damit hiermit bis 45mm breite Reifen gefahren werden können.

Insider-Wissen Leistungsmessung

Auch am Gravel Bike ist für viele die Leistungsmessung wichtig. Hier gibt es bereits mehrere Möglichkeiten:

  1. STAGES GRX Kurbel - 400 Euro - einseitig
  2. iQsquare SPD Pedale - ab 230 Euro - ein-/beidseitig
  3. SRAM AXS QUARQ Powermeter Kurbel - 450 Euro - beidseitig

Besser geschützt sind jedoch Leistungsmesser in der Kurbel. Der QUARQ Leistungsmesser für die SRAM 1-fach und 2-fach Gruppen kostet bei uns 450 Euro Aufpreis und ist für alle ambitionierten Athleten ein Muss. Den Leistungsmesser (Spider) könnt ihr problemlos nachrüsten und auch wieder ausbauen und für mindestens 350-380 Euro verkaufen.

Elektronische oder mechanische Schaltung

Vorweg ist es wichtig zu wissen, dass beide Schaltungen perfekt funktionieren. Ein Argument für eine elektronische Schaltung gibt es bei der auf Funk basierenden SRAM eTap Schaltung. Hier entfallen alle mechanischen Züge durch den Lenker und Rahmen oder die Kabel und Verteiler der Di2 Schaltung. Die kabellose Technologie macht das Rad sehr robust und schick.

Die elektronische Schaltung kostet ca. 500-700 Euro mehr als eine mechanische Schaltung. Wer die Anschaffungskosten niedrig halten möchte, der wird natürlich mit einer mechanischen Schaltung auch glücklich und seinen Spaß haben.

SRAM oder Shimano

Wenn ihr jetzt bereits wisst, ob 1-fach / 2-fach und mechanisch / elektronisch könnt ihr die Vorteile der jeweiligen Konzepte von SRAM und Shimano genauer bewerten. Die Schaltbedienung beider Firmen sind unterschiedlich. Bei Shimano gibt es für den Umwerfer und das Schaltwerk je zwei Hebel/Taster. Bei SRAM je nur einen.

Elektronische Schaltung

Vorteilhaft bei der elektronischen SRAM Ein-Taster-Schaltung ist, dass man diese auch mit dicken Handschuhen im Winter bedienen kann. Auch ist die mittels Funk übertragenen Schaltsignale der SRAM deutlich vorteilhafter als die Kabel der Shimano Di2 Schaltung.

Preislich unterscheiden sich die elektronischen SRAM und Shimano Gruppen kaum. Die SRAM eTap Schaltung kann einfach und günstig von 1-fach auf 2-fach oder umgekehrt umgewandelt werden.

Zusammen gerechnet hat SRAM bei der elektronischen Schaltung, und besonders mit der im Mai 2020 vorgestellten neuen Gravel-Erweiterung, die Nase vorne. Hiermit hast du eine geniale 12-fach Schaltung für dein Gravel Bike, die dir bei jedem Schalten ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Das sind die Gründe warum wir euch als elektronische Schalt-/Bremsgruppe die SRAM 12-fach eTap Force AXS Gruppe empfehlen. Mit den 46/33 Kettenblättern und der 12-fach 10-36 Kassette bist du perfekt für alle Strecken ausgerüstet. Der QUARQ Kurbel Leistungsmesser kostet „nur“ 450 Euro Aufpreis und ist für alle leistungsorientierten Athleten nahezu perfekt.

Mechanische Schaltung

Ganz klar - hier hat Shimano mit der neuen für Gravel optimierten GRX Gruppe die Nase vorne. Natürlich kannst du auch mit SRAM Force/Rival oder 105/Ultegra Gruppe auf Feld- und Waldwegen fahren. Die GRX macht dabei einfach mehr Sinn und Spaß.

Einzigartig sind auch die Zusatzbremshebel für den Oberlenker, die nur mit der GRX Bremse möglich sind. Die beiden zusätzlichen Bremshebel (Frog-Legs) werden direkt neben dem Vorbau montiert. Wer viel und gerne am Oberlenker greift wird das sehr zu schätzen wissen.

Letzte Worte

Unsere Empfehlungen können nicht alle Umstände berücksichtigen und sollen euch bei der Auswahl helfen. Natürlich gibt es Umstände oder Gründe die entscheidender sind (z.B. Markentreue, gute Erfahrungen, Bedenken wegen der Umstellung oder das Aussehen). Das sind natürlich alles berechtigte Gründe.

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