Was ist ein Gravel-Bike? Definition, Eigenschaften und Einsatzbereiche

Der Trend ist kaum zu übersehen und macht offenbar vielen Biker:innen sehr viel Spaß. Was genau ist ein Gravel-Bike? Alle wichtigen Informationen zu dem Mountainbike-Rennrad-Mix findest du hier.

Vereinfacht beschrieben ist das Bike ein komfortables Rennrad, das sich auf unbefestigten Wegen am wohlsten fühlt. Ein Gravel Bike vereint die Welten zwischen Rennrad und Mountainbike. Daraus lässt sich auch der Name "Gravel" Bike ableiten. "Gravel" bedeutet übersetzt Schotter und deutet den Einsatzbereich bereits an.

Das erste offizielle Gravel-Bike ist von der Marke Salsa und kam 2012 in den USA auf den Markt. Wobei die Idee, auf dem Fahrrad Abenteuer fernab bekannter Straßen zu erleben, schon viel älter ist. Neu ist also nicht die Idee des „Schotterfahrens“, sondern die Technologie. Und die macht das Gravel-Bike zum Erfolg.

Definition und Eigenschaften

Die Übersetzung des Namens verrät uns schon mehr: Schotter-Rad. Es soll einen Kompromiss zwischen Rennrad und Mountainbike darstellen: Das Gravel-Bike, oder "Schotter-Rad".

Auf den ersten Blick sieht das Gravel-Bike zwar aus wie ein normales Rennrad, mit einem solchen ist die Fahrt abseits geteerter Straße aber nicht empfehlenswert. Das Gravel-Bike hingegen ist extra dafür entwickelt worden, auch auf unebenem Gelände, wie Waldstrecken, fahren zu können. Ein Gravel-Bike ist damit deutlich vielseitiger als ein Rennrad.

Graveln erfreut sich seit einiger Zeit extremer Beliebtheit. Das liegt nicht nur am grenzenlosen Fahrspaß, sondern auch an der enormen Vielseitigkeit des Rades. Zusammengefasste Definition: Ein Gravel Bike ist ein Fahrrad, das auf Vielseitigkeit ausgelegt ist und auf nicht zu schroffen Untergründen bestens funktioniert. Mit Rennlenker und (mittel)breiten Reifen gelingt dem Gravel Bike der Spagat zwischen Rennrad und MTB.

Merkmale eines Gravel Bikes

  • Reifen: An Gravel Bikes sind im Vergleich zu Rennrädern mit breiten Reifen ausgestattet. So kommen 30 bis 50 Millimeter breite Reifen zum Einsatz. Viele Gravel-Modelle sind Tubless-Ready, sodass mit wenigen Mitteln auf ein Fahren ohne Schlauch umgerüstet werden kann.
  • Rahmen: Das Oberrohr fällt stärker als bei Straßen-Rennrädern vom Steuerrohr in Richtung Sitzrohr ab.
  • Lenker: Mit Blick auf den Lenker lohnt sich eine weitere Gegenüberstellung zum Rennrad. Der Lenker bei den Schotter-Bikes ist breiter. Eine breitere Griffposition ermöglicht mehr Kontrolle über das Gravel Bike. Insbesondere beim fahren abseits befestigter Straßen fühlst du dich sicherer auf deinem Bike. Der Unterlenker der Dropbars ist leicht nach außen abgewinkelt. Bei Touren im Unterlenker auf Schotterpisten durch den Wald unterstützt die Lenkerform die Fahrsicherheit.
  • Bremsen: Einher mit dem Lenker gehen die Bremsgriffe. Die Shimano GRX Serie wurde speziell für für das Graveln entwickelt und sorgt für ein effektives und leicht ansprechendes Bremsverhalten.
  • Schaltung: Die Shimano GRX Reihe ist eine Kreuzung aus den bewerten Schaltsystemen der Mountainbike- und Rennradkomponenten.
  • Anbauteile: Am Rahmen befinden sich meist Ösen/Anschraubpunkte zum befestigen von Taschen, Gepäckträgern, Schutzblechen, Flaschenhaltern, etc. Durch die Vielzahl an Anbringungsmöglichkeiten wird das Gravel Bike schnell zum Alleskönner und ist vielseitig einsetzbar.
  • Material: Der Rahmen ist bei unseren Gravel-Modellen aus Aluminium. Das Alu-Modell punktet durch sein leichtes Gewicht. Die Gabel hingegen ist aus Carbon, die Schläge und Stöße kompensiert und dem Fahrkomfort zu Gute kommt.

Geometrie

Ein wichtiger Unterschied ist die gesamte Geometrie des Rahmens. Das Oberrohr (die horizontale Verbindungsstange zwischen Fahrradsattel und Lenker) und das Steuerrohr (das Verbindungselement zwischen Lenker und Rad) ist etwas länger. Das Tretlager ist etwas tiefer als bei einem Rennrad. Außerdem hat ein Gravel-Bike mit 28 bis 35 Millimeter wesentlich breitere Reifen als ein Rennrad.

Einsatzbereich

Der Einsatzbereich ist enorm Vielseitig. Gravel Bikes sind Allroad Bikes, das heißt sie spielen auf allen Straßenbegebenheiten ihr Können aus. Ausgelegt sind die Gravel-Renner für Asphalt, Schotterwege und leichte Trails. Natürlich spielt die richtige Reifenwahl hierbei eine wichtige Rolle. Somit bist du maximal flexibel bei deiner Routenauswahl.

  • Pendler lieben die schnelle und komfortable Art der Fortbewegung.
  • Am Wochenende und im Urlaub kannst du dein Gravel Bike super für lange Touren nutzen und neue Wege ohne Kompromisse erkunden.
  • Für viele Rennradfahrer:innen ist ein Gravelbike das optimale Wintertrainigsgerät. Mit profilierten breiten Reifen kannst du dich bei jeder Witterung auspowern.
  • Mi den hydraulischen Scheibenbremsen kommst du auch bei Regen und Matsch sicher und schnell zum stehen.
  • Mit dem Gravel Bike erlebst du tolle Mikroabenteuer beim Bikepacking und Touring. Spezielle Packtaschen lassen sich mit wenigen Handgriffen am Rahmen integrieren.

Mit einem Gravel-Bike kannst du lange Strecken fahren, auch wenn nicht unbedingt jeder Weg asphaltiert ist. Du bist somit viel flexibler und musst nicht sofort absteigen, wenn der Untergrund auf deiner Tour überraschend wechselt. Mit dem Gravel-Bike kannst du aber auch leicht hohe Geschwindigkeiten auf dem Asphalt erreichen.

Für das Wintertraining eignet sich ein Gravel-Bike optimal. Durch die dickeren Reifen ist die Sturzgefahr bei Schnee und vereisten Straßen deutlich geringer. Ein weiterer Vorteil des Gravel-Bikes ist, dass du sehr gut Fahrradtaschen oder einen Gepäckträger anbauen kannst.

Gravel Bikes mit Federung

Die Technologie der Gravel-Bikes entwickelt sich stetig weiter und inzwischen gibt es auch Gravel-Bikes mit Federung. Diese sind im Federweg natürlich viel geringer als Mountainbikes, aber die Vorteile auf ruppigem Untergrund sind groß. Die Federung „schluckt“ die Auswirkungen von Wurzeln und Steinen, die ohne Federung direkt in deine Arme oder dein Gesäß gehen.

Unterschiede zu anderen Fahrradtypen

Mountainbike

Ein Mountainbike ist für abenteuerliche Wege im Gelände konstruiert. Mountainbikes unterscheidet man in „Hardtails“ und „Fullys“. Ein Hardtail hat vorne eine Federgabel, der Hinterbau ist fest. Ein „Fully“ hat neben der Federgabel vorne auch hinten eine Federung in Form eines Dämpfers. Ein Gravel-Bike ist dagegen für weniger wilde Strecken im Gelände geeignet.

Jedoch deckt es nicht alle Einsatzmöglichkeiten beider Radtypen ab. Ein Gravel-Bike ist nicht für Mountainbike-Trails und reines Offroad-Fahren durch unwegsames Gelände geeignet.

Rennrad

Und wenn du nur auf asphaltierten Straßen fährst, ist ein richtiges Rennrad aufgrund des niedrigeren Gewichts und der eher horizontalen Sitzposition effizienter als ein Gravel-Bike.

Preisklassen

Gravel-Bikes gibt es in verschiedenen Preisklassen. Wie alle anderen Fahrrädern sind auch Gravel-Bikes in unterschiedlichen Preisklassen erhältlich. Wenn du ein echtes Premium-Modell möchtest, musst du aber mit über 2.500 Euro rechnen. Der wesentliche Unterschied neben der Qualität der Schaltung, Bremsen oder Laufräder liegt dabei im Gewicht der Räder. Bei den teureren Modellen wird meistens statt ein Aluminiumrahmen ein Rahmen aus Carbon verwendet. Dieser ist deutlich leichter - aber auch teurer.

Mieten von Gravel-Bikes

So wie du E-Bikes mieten kannst, kannst du auch ein Gravel-Bike mieten. Dafür musst du mit mindestens 20 Euro pro Tag rechnen. Für mehrere Tage am Stück gibt es bei vielen Vermieter:innen einen Rabatt. Vor einem Kauf lohnt es sich auf jeden Fall, ein Gravel-Bike für einige Tage erstmal zu testen. Denn das Wichtigste ist, dass du dich auf deinem Fahrrad wohlfühlst und die Geometrie zu dir passt.

Vor- und Nachteile

Ein Gravel Bike ist ein vielseitiges Fahrrad, das sowohl auf befestigten Straßen als auch auf unbefestigtem Terrain eine gute Figur macht. Es bietet eine Reihe von Vorteilen, aber es gibt auch einige Aspekte, die du berücksichtigem solltest. Hier sind die Vor- und Nachteile eines Gravel Bikes im Detail:

Vorteile

  • Vielseitigkeit: Ein Gravel Bike ist der Alleskönner unter den Fahrrädern. Es ermöglicht dir Fahrten auf verschiedenen Oberflächen, einschließlich Schotterwegen, Waldpfaden, Landstraßen und leichtem Gelände. Diese Vielseitigkeit eröffnet dir neue Möglichkeiten für Erkundungen und Abenteuer.
  • Komfort: Die Geometrie eines Gravel Bikes ist auf Komfort ausgelegt. Die aufrechtere Sitzposition und die breiteren Reifen absorbieren Stöße und Vibrationen, was längere Fahrten für dich angenehmer macht, insbesondere auf rauen Straßen und unbefestigten Wegen.
  • Reifen: Gravel Bikes sind mit speziellen Reifen ausgestattet, die sowohl auf Straßen als auch auf Schotterwegen gut funktionieren. Diese Reifen bieten ausreichend Grip und Dämpfung, damit du auf unterschiedlichem Gelände sicher fährst.
  • Geeignet für Bikepacking: Gravel Bikes sind oft mit Montagepunkten für Gepäckträger und Schutzbleche ausgestattet, was sie ideal für Bikepacking-Abenteuer macht. Du kannst mit deinem Gravler also ganz leicht zusätzliche Ausrüstung für längere Touren mitnehmen.
  • Scheibenbremsen: Die meisten Gravel Bikes sind mit Scheibenbremsen ausgestattet, die unabhängig von den Wetterbedingungen konstante Bremsleistung bieten. Dies ist besonders wichtig bei Fahrten auf unebenem Terrain.

Nachteile

  • Gewicht: Gravel Bikes sind in der Regel schwerer als reine Rennräder. Dies kann sich negativ auf die Geschwindigkeit und Agilität auswirken, insbesondere bei Anstiegen und auf glatten Straßen.
  • Weniger aerodynamisch: Aufgrund der aufrechteren Sitzposition und der breiteren Reifen sind Gravel Bikes weniger aerodynamisch als Rennräder. Wenn dir Geschwindigkeit und maximale Effizienz am Herz liegen, könntest du hier Kompromisse eingehen.
  • Keine vollwertige Federung: Obwohl einige Gravel Bikes über Dämpfungselemente verfügen, bieten sie nicht die volle Federung eines Mountainbikes. Für extrem anspruchsvolles Gelände solltest du daher eher zu einem Mountainbike greifen.

Fazit

Insgesamt ist ein Gravel Bike eine ausgezeichnete Wahl für Fahrer, die die Vielseitigkeit schätzen und sowohl auf befestigten Straßen als auch auf unbefestigtem Terrain unterwegs sein möchten. Es ist das ideale Fahrrad für Erkundungstouren, Bikepacking und lange Fahrten. Bevor du dich allerdings für ein Gravel Bike entscheidest, solltest du deine persönlichen Anforderungen und den geplanten Einsatzbereich sorgfältig abwägen, um sicherzustellen, dass das Bike zu deinen Bedürfnissen passt.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0