Jeder, der sich in der Motorradszene ein wenig auskennt, weiß sofort, welches Bike gemeint ist, wenn von der "Güllepumpe" die Rede ist: die Honda CX 500. Während viele Kurierfahrer die Honda CX 500 aufgrund ihrer besonderen Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit sehr schätzten, verlieh ihr ein deutscher Comic-Zeichner den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Güllepumpe“.
Modellgeschichte
Das Urmodell der Honda CX 500 wurde von 1977 bis 1980 verkauft. Die nächste Generation kam mit einer gründlichen Modellpflege. Honda brachte während der Bauzeit verschiedene Versionen der CX auf den Markt. Neben der anfänglichen Standard-CX, gab es eine „Custom“ (Chopper-Variante), „Euro Sport“, „SilverWing“ sowie „Turbo“ Ausführung. Das Motorrad wurde auch mit auf 668 ccm vergrößertem Hubraum als CX 650 bzw. GL 650 angeboten.
Technische Daten und Besonderheiten
Kraftquelle der Honda CX 500 ist ein flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-V-Motor mit 496 ccm Hubraum, Bohrung und Hub betragen 78 bzw. 52 mm. Die Nockenwelle ist oberhalb der Kurbelwelle verbaut und wird von einer Duplexkette angetrieben. Der OHV-Motor leistet in der offenen Version 50 PS bei 9.000 U/min. Das maximale Drehmoment von 43 Nm lag bei 7.000 Umdrehungen an. Honda bot ebenfalls eine auf 27 PS gedrosselte Variante an.
Zwei Keihin Zentralschwimmer-Unterdruckvergaser mit je 35 mm Durchlass versorgten die beiden Zylinder mit Kraftstoff. Die CX 500 Turbo bekam allerdings eine elektronische Kraftstoff-Einspritzung spendiert. Die Motorleistung übertrug ein 5-Gang-Getriebe sowie ein wartungsarmer Kardanantrieb zum Hinterrad. Honda nutzte den Motorblock der CX 500 als mittragendes Element in dem offenen „Diamond“-Stahlrohrrahmen.
Eine Teleskopgabel mit 33 mm Standrohren („Turbo“: 37 mm) nimmt das vordere Comstar-Rad mit Doppelscheibenbremse auf. Hinten sind eine konventionelle Schwinge mit verstellbaren Federbeinen und einer Simplex Trommelbremse (CX und GL 500) bzw. Einfachscheibenbremse („E“ und „Turbo“) verbaut. Bei einem Leergewicht von 217 Kg kam die Honda CX 500 somit auf ein Leistungsgewicht von 4,3 Kg pro PS. Die Honda CX 500 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 180 km/h (Turbo: 200 km/h) und war damit auch bei Tourenfahrern sehr gefragt.
Die CX 500 als Kultobjekt
Dennoch wurde die CX 500 aus dem Hause Honda eine Erfolgsgeschichte und erfreut isch heute einer wachsenden Fangemeinde. Ihre technischen Raffinessen und der durchzugsstarke Motor überzeugten Biker Ende der siebziger Jahre.
Die CX 500 polarisierte sofort - nein, eigentlich schlug ihr zunächst sogar viel Ablehnung entgegen. Das Design mit der seltsam wirkenden nach hinten abfallenden Linie und dem Knick stieß ebenso auf Kopfschütteln wie die etwas pummelig geratene Gesamterscheinung, vor allem mit dem seltsamen Plastik-Kühlergehäuse, das sich wie ein offener Trichter in den Fahrtwind reckte. Überhaupt: Ein fortschrittliches Motorrad sollte in diesen Zeiten doch wohl vier Zylinder und möglichst zwei oben liegende Nockenwellen haben ?!?
Die Motorjournalisten waren bei der Pressevorstellung Ende 1977 erstmal geschockt bis enttäuscht - und gute 500er hatte die Welt ohnehin schon, z.B. Aber die inneren Werte und nicht zuletzt die Fahrleistungen überzeugten dann auch die Skeptiker.
Als der Zeichner Rötger Feldmann alias Brösel 1985 im Semmel-Verlach den Comic „Eiskalt“ veröffentlichte, in dem Titelheld Werner den Kühlkreislauf einer CX 500 zum Pumpen von Flüssigmist benutzt, bleibt der Name kleben. Der heutige Bekanntheitsgrad der CX 500 dürfte auch Brösels Fäkalhumor zu verdanken sein.
Dabei ist die CX 500 der VW unter den Bikes: Sie läuft und läuft. Bis zu 150000 Kilometer mit einem Motor sind keine Seltenheit. Die CX erinnert mich an meine Jugend, wo ich von so einem Motorrad geträumt hatte. In der DDR aufgewachsen, war dieser Traum aber unerfüllbar.
Auch den Freunden der Veränderung gefällt die CX 500. Eine Güllepumpe lässt sich zum Café Racer, Cruiser oder Chopper umbauen. Seit sich Motorradfahrer an kantige Designs und wassergekühlte Naked Bikes gewöhnt haben, erscheinen ihre Formen in rosigerem Licht. Dass die Güllepumpe heute nicht mehr so abschreckend wirkt, liegt gerade am V-Motor, der als tragendes Teil im Rohrrahmen offen zur Schau gestellt wird. Außerdem ist das Teil unverwechselbar.
Beispiele für Umbauten
- So verwandelte Albert Weishäupl aus Österreich eine in die Tage gekommene „Güllepumpe“ aus dem Jahr 1978 in einen wunderschönen CX 500 Cafe Racer.
- „Blubber“ ist eine äußerst gelungene Kreationen der Custom-Schmiede „Ton-up Garage“.
- Ein echtes Kunstwerk schufen die beiden Brüder hinter Auto Fabrica mit ihrem Type 8 auf CX 500 Basis.
- Etwas schlichter, dafür aber sozius-tauglich fiel der Umbau von Moto-Mucci aus.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Wer sich eine Honda CX 500 kaufen möchte, sollte daran denken, dass bei den ersten Modelljahren 1977 und 1978 die Nockenwellenkette und deren manuell einzustellender Kettenspanner einen Schwachpunkt darstellten. Der Nockenwellenspanner bricht bei diesem Modelljahren häufig. Schlagende Geräusche aus dem Motorblock verraten eine gelängte Kette.
Honda hat dieses Problem mit der Modellüberarbeitung Ende 1982 in den Griff bekommen und einen automatischen Nockenwellenkettenspanner verbaut. Eingelaufene Nockenwellen und undichte Wasserpumpen können ebenfalls auftreten. Nach über 30 Jahren ist Korrosion keine Überraschung. Besonders gern rostete der Auspuff durch. Ansonsten tritt der übliche Verschleiß auf, der einen Wechsel des Kupplungsseils notwendig werden lässt.
Fazit
Alles in Allem, ist die Honda CX500 ein absolut problemloses Motorrad. Der zuverlässiger Motor und wartungsfreundliche Antrieb machen die 500er Honda heute zu einem Oldtimer, der immer noch mit „Dauerläufer“-Qualitäten punktet.
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