Die Hände sind eine unserer wichtigsten „Sinnesorgane“ und erfüllen eine Vielzahl an Funktionen, die wir im Alltag brauchen. Ist die Funktionalität und Sensibilität unserer Hände eingeschränkt oder gestört, können wir alltägliche Aufgaben nur schwer oder gar nicht mehr bewältigen. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Behandlungen und Präventionsmaßnahmen bei Handgelenkschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Radfahren.
Ursachen für Handgelenkschmerzen
Die Ursachen für Schmerzen im Handgelenk können sehr unterschiedlich sein. Genauso unterschiedlich sind die Methoden zur Behandlung von Handgelenkschmerzen. Verletzungen, Fehlbelastungen, Entzündungen oder degenerative Prozesse der Hand und des Handgelenkes können zu einem Verschleiß der Knorpelflächen führen.
Verletzungen
Verletzungen (etwa beim Sport oder durch einen Sturz) führen oft zu Schmerzen im Handgelenk. Es gehören dazu beispielsweise Knochenbrüche im Bereich des Handgelenks sowie Band- und Diskusverletzungen.
- Knochenbruch: Bei einem Sturz auf die Hand kann die Speiche nahe des Handgelenks brechen. Die Handgelenkschmerzen, die bei einem solchen "Handgelenkbruch" (distale Radiusfraktur) auftreten, machen sich besonders bemerkbar, wenn man die Hand auswärts oder den Unterarm dreht. Zusätzlich kann das Handgelenk anschwellen, unbeweglich werden und eine sichtbare Fehlstellung zeigen.
- Band- und Diskusverletzungen: Ein Sturz, bei dem man sich mit den Händen abstützt, kann auch die Bänder im Handgelenk verletzen: Sie können überdehnen oder sogar (ein-)reißen. Die Schmerzen im Handgelenk zeigen sich dann vor allem, wenn man sich mit der betroffenen Hand abstützt oder das Handgelenk bewegt bzw. dreht. Die Beweglichkeit des Handgelenks ist schmerzbedingt eingeschränkt. Zudem kann das betroffene Gelenk anschwellen.
Entzündungen
Akute oder chronische Entzündungen der Sehnenscheiden im Handgelenk können ebenfalls Handgelenkschmerzen verursachen. Besonders bei älteren Menschen löst meist eine Rheumatoide Arthritis die Entzündung aus.
- Sehnenscheidenentzündung: Eine Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk entsteht überwiegend durch chronische Überlastung. Die Betroffenen verspüren ein schmerzhaftes Ziehen im Handgelenk. Häufig schwillt das Gelenk auch an und wird heiß.
- Rheumatoide Arthritis: Schmerzt das Handgelenk vor allem bei Druck oder beim Beugen, kann dies auf eine Rheumatoide Arthritis („Rheuma“) hinweisen. Das Gelenk ist dann meist nur eingeschränkt beweglich. Typisch für die Rheumatoide Arthritis sind außerdem geschwollene Fingergelenke.
Arthrose
Charakteristisch für eine Arthose (Gelenkverschleiß) sind belastungsabhängige Schmerzen im Handgelenk. Meist ist das Radiokarpalgelenk von der Arthrose betroffen. Das ist die Verbindung zwischen dem Speichenknochen des Unterarms und den Handwurzelknochen. Eine Radiokarpalgelenksarthrose entsteht häufig, wenn ein Knochen in diesem Bereich nach einem Bruch nicht gerade zusammengewachsen ist.
Weitere Ursachen
Handgelenkschmerzen können noch andere Ursachen haben. Die Palette der Möglichkeiten reicht von einer Nervenkompression (Karpaltunnelsyndrom) bis hin zu absterbendem Knochengewebe (Lunatummalazie).
- Karpaltunnelsyndrom: Beim Karpaltunnelsyndrom wird ein wichtiger Armnerv (Nervus medianus) im Karpaltunnel an der Beugeseite des Handgelenks eingeengt (komprimiert). Die Nervenkompression kann entstehen, wenn das Band oder Gewebe im Karpaltunnel anschwillt. Anzeichen für ein Karpaltunnelsyndrom sind Schmerzen und Missempfindungen sowie Taubheitsgefühle in der betroffenen Hand bis in den zugehörigen Arm. Die Beschwerden treten meist nachts auf.
- Ganglion: Im Bereich des Handgelenks (vor allem am Handrücken) kann sich ein Ganglion entwickeln. Das ist ein gallertartiger, mit Flüssigkeit gefüllter, gutartiger Tumor, der mit dem Handgelenk oder mit einer Sehnenscheide verbunden ist. Ein Ganglion erkennt man an der typischen prall-elastischen, glatt begrenzten Schwellung. Die Schmerzen im Bereich des Ganglions können unterschiedlich stark sein.
- Lunatummalazie: Bei der Lunatummalazie (Morbus Kienböck) stirbt Knochengewebe des Mondbeins (Os lunatum; einer der acht Handwurzelknochen) ab. Zu den Symptomen gehören mehr oder weniger starke Schmerzen im Handgelenk. Besonders das Gewebe über dem Mondbein reagiert schmerzhaft auf Druck. Mit fortschreitender Erkrankung kann das Handgelenk zudem weniger beweglich werden.
Handgelenkschmerzen beim Radfahren
Das Karpaltunnelsyndrom kann beim Radfahren problematisch sein, da das ständige Aufstützen der Hände auf den Lenker zum Abknicken und somit einer erhöhten Belastung des Handgelenks führt. „Beim Radfahren ist vor allem ein Abknicken des Handgelenks ursächlich. Es gibt allerdings auch viele weitere Faktoren, wie zum Beispiel weitere Fehlhaltungen, einseitige Belastungen und Vibrationen“, sagt Dr. Kim Tofaute, Diplom-Sportwissenschaftler und Ergonomie-Experte bei Ergon. Auch, so Tofaute, seien Radler in höherem Alter (über 40) häufiger betroffen. Auch oder gerade bei E-Bike-Fahrern gäbe es Probleme mit dem Karpaltunnelsyndrom, weil hier mehr Gewicht auf den Händen laste, da durch die Motorunterstützung weniger Last von den Beinen übernommen werde.
Der beim Karpaltunnelsyndrom komprimierte Medianerv versorgt den Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Teile des Ringfingers. Die Symptome können von leichtem Kribbeln, Missempfindungen und Taubheitsgefühl im Finger (oder den Fingern) bis hin zu starken Schmerzen und Funktionsverlust reichen.
Behandlung von Handgelenkschmerzen
Wie die Schmerzen im Handgelenk behandelt werden, hängt von ihrer Ursache ab. Einige Beispiele:
- Karpaltunnelsyndrom: Ein Karpaltunnelsyndrom behandelt man meist konservativ, indem man das Handgelenk ruhig stellt und ggf. Kortison injiziert. Nur, wenn die konservative Therapie nicht hilft oder die Schmerzen im Handgelenk schon seit Monaten bestehen, muss operiert werden.
- Handgelenksbruch (distale Radiusfraktur): Bei einem Handgelenksbruch (distale Radiusfraktur) wird der gebrochene Knochen meist unter Kurznarkose wieder korrekt eingerichtet (reponiert) und dann für mehrere Wochen in einer Gipsschiene ruhiggestellt.
- Kahnbeinfraktur: Auch bei einer Kahnbeinfraktur müssen Betroffene im Allgemeinen für einige Zeit einen Gipsverband tragen.
- Lunatummalazie: Bei einer Lunatummalazie im Frühstadium wird das Handgelenk ruhig gestellt. In fortgeschrittenen Stadien muss operiert werden.
- Diskusriss: Ist ein Diskusriss für die Schmerzen im Handgelenk verantwortlich, muss die Knorpelscheibe genäht werden.
- Diskusschäden: Bei verschleißbedingten (degenerativen) Diskusschäden reicht dagegen meist eine konservative Behandlung. Dabei wird das betroffene Handgelenk gekühlt und ruhig gestellt. Außerdem kommen entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Wenn sich die Schmerzen im Handgelenk dadurch nicht bessern, kann der Diskus operativ entfernt werden.
Konservative Behandlung des Karpaltunnelsyndroms
- Handgelenkschienen: Diese helfen, das Handgelenk in einer neutralen Position zu halten und so den Druck auf den Medianusnerv zu reduzieren.
- Medikamente: Medikamente wie Ibuprofen können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
- Physiotherapie: Spezielle Übungen zur Stärkung der Hand- und Unterarmmuskulatur sowie Dehnungen können helfen, den Druck auf den Nerv zu verringern.
- Kortison-Injektionen: In schweren Fällen kann eine Injektion von Kortikosteroiden die Entzündung und Schwellung im Karpaltunnel reduzieren.
Chirurgische Behandlung (Karpaltunnel OP)
Wenn die konservativen Maßnahmen nicht wirksam sind oder die Symptome schwerwiegend sind, kann eine Karpaltunneloperation notwendig sein.
Vorbeugung von Handgelenkschmerzen beim Radfahren
Mit einem Karpaltunnelsyndrom musst du nicht unbedingt auf das Radfahren verzichten, jedoch ist es wichtig, auf deinen Körper zu hören und bestimmte Maßnahmen zu ergreifen, um die Symptome nicht zu verschlimmern. Dr. Kim Tofaute rät dazu, verschiedene, aktive und passive, Elemente beim Radfahren im Auge zu behalten. „Erholung und Entspannung durch Pausen sind wichtig, zudem der Wechsel der Hand- und Armhaltung“, sagt der Sportwissenschaftler. Auch das Ausschütteln der Arme und Ausgleichstraining dürfen nicht vernachlässigt werden. Unter passiven Elementen versteht Tofaute darüber hinaus, ergonomische Lenker und Griffe, sowie die richtige Positionierung des Fahrers auf dem Rad. Außerdem seien Armschienen und/oder Handgelenksbandagen eine gute Unterstützung beim Radfahren, wenn man schon unter Symptomen leide.
Zusammengefasst sollten Biker die folgenden Punkte beherzigen:
- Symptome ernst nehmen: Sobald du Schmerzen oder Taubheitsgefühle in den Händen spürst, solltest du eine Pause einlegen und den Körperteilen eine Erholung gönnen.
- Regelmäßige Pausen: Mache regelmäßige Pausen, besonders auf langen Fahrten. Das hilft, die Belastung der Handgelenke zu verringern.
- Handgelenke neutral halten: Vermeide es, die Handgelenke zu stark zu beugen, während du den Lenker hältst.
- Haltung ändern: Wechsel die Handposition regelmäßig, um die Belastung auf die Hand und die Unterarmmuskulatur zu reduzieren. Achte bei der Auflage der Hände auf den Lenker, dass der Druck auf die Handflächen gleichmäßig verteilt ist. Verwende Griffe, die eine neutrale Handgelenkstellung fördern.
Weitere Tipps zur Vorbeugung
- Bikefitting: Ein professionelles Bikefitting sorgt dafür, dass dein Fahrrad optimal auf deine Körperproportionen abgestimmt ist. Achte dabei besonders auf die Position des Lenkers und des Fahrradsattels, um den Druck auf die Handgelenke zu minimieren.
- Lenkerhöhe und -neigung: Ein zu niedriger Lenker führt dazu, dass mehr Gewicht auf die Hände und Handgelenke verlagert wird. Eine etwas höhere Position des Lenkers kann helfen, den Druck zu verringern. Hierzu kann oder muss eventuell der Vorbau eingestellt oder ausgetaucht werden. Auch der Backsweep (also die Biegung des Lenkers nach hinten zum Fahrer hin) kann eine Rolle spielen. Mit einem Lenker, der stärker nach hinten gebogen ist, wird oft die Gewichtsbelastung auf die Hände reduziert.
- Griffe oder Lenkerband: Viele Radfahrer winkeln ihre Handgelenke zu stark ab. Ergonomische Fahrradgriffe von Ergon können mit ihrer großen und ergonomisch geformten Auflagefläche hier gute Abhilfe schaffen oder auch vorbeugen. Wie zum Beispiel der Flügelgriff Ergon-Griff GP1 Evo, der, ist er einmal optimal eingestellt, die Hand des Radlers in eine ergonomische Haltung bringt. Und auch für Radler mit Dropbar (Rennlenker) gibt es Lösungen.
- Handschuhe mit Polsterung: Spezielle gepolsterte Handschuhe für Radfahrer absorbieren Vibrationen und reduzieren den Druck auf die Handnerven.
Unterstützung und Linderung von Schmerzen
Bei Schmerzen durch Überlastung kann eine zusätzliche Stabilisierung des Handgelenks helfen. Mit beispielsweise einer selbsthaftenden Bandage kannst du das Handgelenk ruhigstellen, damit es sich ausreichend erholen kann. Die Anwendung von Tape gegen Schmerzen im Handgelenk stellt ebenfalls eine einfache Möglichkeit dar, Beschwerden zu lindern. Ein Tape wird häufig bei Instabilität, einer Handgelenk-Überlastung und Beschwerden durch Prellungen, Sehnenscheidenentzündung oder Karpaltunnelsyndrom empfohlen. Es gibt eine Vielzahl an Anlegetechniken je nach Ursache der Beschwerden. Zudem können gezielte Übungen helfen, die Unterarmmuskeln zu stärken und so dein Handgelenk zu unterstützen.
Ist ein Sturz oder Unfall die Ursache der Schmerzen im Handgelenk, liegt also eine akute Verletzung vor, kann als Erstmaßnahme helfen, den betroffenen Bereich zu kühlen. So kannst du starken Schwellungen entgegenwirken und Schmerzen lindern.
Medikamentöse Behandlung
Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden:
- VoltaDexibu Schmerztabletten 200 mg Filmtabletten Wirkstoff: Dexibuprofen.
- Voltaren Dolo 25 mg überzogene Tablette Wirkstoff: Diclofenac-Kalium.
- Voltaren Dolo Liquid 25 mg Weichkapsel Wirkstoff: Diclofenac-Kalium.
- VoltaMed pflanzliche Schmerzcreme Wirkstoff: Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Rosmarinöl.
- Voltaren Schmerzgel 11,6 mg/g Gel Wirkstoff: Diclofenac-N-Ethylethanamin.
- Voltaren Actigo Schmerzgel 11,6 mg/g Gel Wirkstoff: Diclofenac-N-Ethylethanamin.
- Voltaren Schmerzgel forte 23,2 mg/g Gel Wirkstoff: Diclofenac-N-Ethylethanamin.
- Voltaren 24 Stunden Schmerzpflaster 140 mg wirkstoffhaltiges Pflaster Wirkstoff: Diclofenac-Natrium.
Hinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
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