Handschuhe für Radfahrer im Winter: Ein umfassender Test

Kalte Finger können das Mountainbike-Erlebnis erheblich beeinträchtigen. Bremsen, Schalten und Lenken werden mühsam und gefährlich. Daher haben wir zehn aktuelle Fahrradhandschuhe für den Winter getestet, um herauszufinden, welche wirklich warm halten und gleichzeitig einen sicheren Griff gewährleisten.

Die Testkandidaten

Folgende Winterhandschuhe wurden im Test berücksichtigt:

  • 45Nrth Nokken
  • Chiba City Liner
  • Craft ADV SubZ All Weather Glove
  • Endura MT500 Freezing Point Waterproof Glove
  • Giro Pivot 2.0
  • Gorewear C5 GTX Thermo Glove
  • GripGrab Ride Waterproof Winter Glove
  • Pearl Izumi Cyclone Glove
  • Roeckl Rapallo
  • Troy Lee Designs Swelter Glove

Ein nasser Winter zeichnet sich ab

Auffällig war, dass viele Hersteller wasserdichte Handschuhe zum Test geschickt haben, obwohl dies kein explizites Kriterium war. Dies könnte ein Zeichen für den Klimawandel und die zunehmend nasskalten Winter sein. Eine wasserdichte Membran im Handschuh muss jedoch kein Nachteil sein, da sich die Materialien in den letzten Jahren stark verbessert haben.

Die flexibleren Regenmembranen stören kaum beim Griff um den Lenker und erweitern den Einsatzbereich des Handschuhs enorm. Gerade die regenfesten Exemplare sind teils mit viel Reflex ausgestattet oder in gut sichtbarem Neongelb zu haben - perfekt zum täglichen Pendeln. Zusätzlich erhöht Primaloft-Futter oder anderes Iso-Material den Schutz vor Kälte.

Gleich sechs Modelle im Test setzen auf eine wasserdichte Membran.

Warm und klobig oder kühl aber griffig

Die Testkandidaten lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Modelle, die die Finger warm und trocken halten, aber aufgrund mehrerer Schichten an der Handfläche ein indirektes Griffgefühl vermitteln, und solche mit nur einer Materialschicht an der Handfläche, die ein direktes Gefühl beim Lenken, Bremsen und Schalten ermöglichen, aber weniger Schutz vor Kälte und Nässe bieten.

Zu viele Schichten an der Handfläche verschlechtern das Griffgefühl und den Halt am Lenker.

Wer einen taktilen Handschuh mit direktem Griffgefühl sucht, sollte bei Craft, Pearl Izumi oder Troy Lee Designs vorbeischauen - wirklich warm sind diese Modelle aber kaum.

Die Bewertung im Vergleich

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die getesteten Handschuhe und ihre Eigenschaften:

Handschuh Details Preis Fazit
45Nrth Nokken Wind-/wasserabweisend, Softshell, Merinofutter 79,99 Euro Komfortabler Handschuh, aber wenig wetterfest.
Chiba City Liner Wind-/wasserdicht, Primaloft-Futter, Touchfinger 40 Euro Wetterfest und warm, guter Grip.
Craft ADV SubZ Wind-/wasserdicht, Softshell-Handfläche, Silikonprints 44,95 Euro Guter Sitz, direktes Griffgefühl, aber wenig Schutz vor Kälte.
Endura MT500 Wasserdicht, Primaloft-Isolierung, Touchscreen-kompatibel 59,99 Euro Solider Allrounder mit guter Ausstattung.
Giro Pivot 2.0 Wind-/wasserdicht, Primaloft-Futter, Touchscreen-Finger 90 Euro Wasserdicht, aber nur mäßig warm.
Gore C5 GTX Thermo Gore-Tex, wind-/wasserdicht, Wischdaumen, Reflex 74,95 Euro Sehr hochwertig, top Wetterschutz, aber Abstriche beim Griffgefühl.
GripGrab Ride Wind-/wasserdicht, Membran, Reflex, isolierendes Futter 69,95 Euro Solider Allrounder, warm und wasserdicht.
Pearl Izumi Cyclone Reflex, Gel Pads, Ax-Suede Innenhand, Softshell 45 Euro Gutes Griffgefühl, aber wenig Wetterschutz und Isolation.
Roeckl Rapallo Wasser- und winddicht, Touchscreen-kompatibel, Silikon-Gripper 59,95 Euro Warm und wasserdicht, aber kein optimales Griffgefühl.
Troy Lee Designs Swelter Softshell mit Fleecefutter, Clarino-Innenhand, Silikon-Fingerspitzen 54,99 Euro Super Sitz, viel Kontrolle, aber kaum wärmer als ein normaler Handschuh.

Detaillierte Testberichte

Im Folgenden werden einige der getesteten Handschuhe detaillierter beschrieben:

45Nrth Nokken

Mit dem Nokken liefern die Kaltwetterexperten aus Minnesota einen komfortablen Handschuh für Temperaturen bis zum Gefrierpunkt. Trotz des weichen Merino-Futters an der Innenhand gibt der Nokken ein direktes Griffgefühl. Schalt- und Bremsfinger sowie die Handfläche sind schön griffig, auf dem Trail stören letztlich nur die etwas wulstigen Nähte an den Fingern. Touchscreen-Finger, Nasenputzfläche und das lange Neoprenbündchen sind weitere sinnvolle Details. Das Softshell-Material ist leicht wasserabweisend, die Verarbeitung gibt keinen Grund zur Kritik.

Chiba City Liner

Auch wenn City auf dem Chiba drauf steht, steckt doch eine ordentliche Portion Gelände in ihm. Die Winterhandschuhe sind absolut wetterfest und hält die Hände auch auf Dauer warm. Regen kann dem City Liner ebenso wenig anhaben - dank integrierter Membran. Die Passform ist typisch Chiba extrem gelungen, der Handschuh stark vorgeformt, das Tragegefühl ist sehr angenehm. Das Kunstleder erzeugt viel Grip am Griff und ein gutes Gefühl beim Bremsen und Schalten. Nur das Innenfutter rutscht im technischen Gelände etwas am Griff, beim Rausschlüpfen hält es aber.

Craft ADV SubZ All Weather Glove

Ein sehr direktes Griffgefühl und gute Passform sind die Stärken des ADV. Er unterscheidet sich beim Tragegefühl kaum von einem leichten Sommerhandschuh. Weil Craft dafür aber auch an der Isolierung spart, reicht der Einsatzbereich höchstens bis 5 Grad über Null. Zwar sind die Finger gut vor Wind und passabel vor Spritzwasser geschützt. Richtig kaltes Wetter oder gar Regenschauer verträgt der ADV aber nicht. Empfehlenswerter leichter Handschuh für Herbst und Frühjahr.

Endura MT500 Freezing Point Waterproof Glove

Solider Schlechtwetter-Winterhandschuhe für Temperaturen bis an den Gefrierpunkt. Der Einstieg in den bauschig gefütterten Handschuh ist etwas umständlich - trotz Klettverschluss. Sitzen erstmal alle Finger an der richtigen Stelle bietet der MT500 aber ein gutes und griffiges Gefühl am Lenker. Ausstattung und Verarbeitung sind gut. Leider nur in schwarz und ohne Reflex erhältlich.

Giro Pivot 2.0 Winterhandschuhe

Mit dem wind- und wasserdichten Pivot hat Giro einen soliden Allrounder im Programm. Trotz des Primaloft-Futters gehört der Giro zu den eher mäßig isolierten Kandidaten. Die Outdry-Membran hält das Material flexibel, sodass der Griff am Lenker kaum leidet. Am Ende der schmal geschnittenen Finger entsteht jedoch überschüssiges Material, das beim Handling stört, und auch die wulstige Naht des Touchscreen-Besatzes am Zeigefinger irritiert. Mit schwitzigen Händen kommt man nur schwer in den Handschuh, die Wischfläche ist schmal und mäßig saugfähig, dafür aber sehr lang, das Material ungewöhnlich raschelig.

Gore C5 GTX Thermo Winterhandschuhe

Der C5 ist einer der wärmsten Handschuhe im Vergleich und leistet sich bei der Ausstattung kaum Schwächen. Wind- und wasserdicht, zudem dick gefüttert trotzt er den Elementen. Auch die Verarbeitung ist top. Beim Griffgefühl punkten aber andere Modelle. Der Griff um den Lenker ist wenig direkt, die einzelnen Schichten rutschen aufeinander, was vor allem im technischen Gelände stört. Für leichtes Gelände und extremes Wetter ist der Gore aber eine solide Wahl.

GripGrab Ride Waterproof Winterhandschuhe

Die Dänen liefern einen soliden Allrounder, der sowohl bei Kälte als auch bei Regen schwer an seine Grenzen zu bringen ist. Die Passform ist für einen so dick gefütterten Handschuh erstaunlich gut, auch das Griffgefühl an den Armaturen geht in Ordnung, wenngleich man auch kleine Abstriche beim Schalten und Bremsen in Kauf nehmen muss. Besonders gut gefällt das lange bequeme Bündchen. Für einen wasserdichten Handschuh erstaunlich flexibel.

Pearl Izumi Cyclone Winterhandschuhe

Recht viel mehr als einen Schutz vor kaltem Wind bietet der Pearl Izumi nicht. Er ist weder stark gefüttert noch für Regenwetter gewappnet. Zudem sind die sperrigen Polster an der Handfläche sehr gewöhnungsbedürftig. Zumindest gibt der Cyclone dem Fahrer ein angenehm direktes Gefühl am Lenker. Hier trägt er sich fast wie ein leichter Sommerhandschuh. Dafür reicht sein Einsatzgebiet nicht über Herbst oder Frühjahr hinaus.

Roeckl Rapallo Winterhandschuhe

Roeckl schneidert einen hervorragend verarbeiteten und sauber geschnittenen Handschuh für kalte und regnerische Tage. Das Tragegefühl ist sehr gut, das Griffgefühl an Lenker und Armaturen könnte aber besser sein. Durch das Futter entsteht im technischen Gelände viel Bewegung im Handschuh. Ein etwas längeres Bündchen würde zur Jacke hin besser abschließen. Insgesamt ein top Modell für leichte Trail-Rides bei miesem Wetter. Es fehlt ein richtiger Wischdaumen.

Troy Lee Designs Swelter Winterhandschuhe

Wer einen leichten Übergangshandschuh mit top Passform und sehr direktem Griffgefühl sucht, ist hier richtig. Mit dem Swelter behält man auch in kniffligen Passagen die Kontrolle. Sobald Feuchtigkeit ins Spiel kommt oder die Temperatur unter zehn Grad sinkt, wird es aber unangenehm im Troy Lee. Bei Ausstattung und Qualität muss man leichte Abstriche in Kauf nehmen, auch Material und Verarbeitung machen keinen allzu hochwertigen Eindruck. Ausgerechnet an Zeige- und Mittelfinger fehlt der Silikon-Print.

Weitere Erkenntnisse aus dem Test

Der Test zeigt, dass gute Fahrrad-Winterhandschuhe nicht mehr als 30 Euro kosten müssen. Roeckls Handschuh kostet mehr, ist dafür einer der ersten mit Gores neuer, umweltfreundlicher ePE-Membran, Außenhaut und Futter bestehen aus Recyclingmaterial. Insgesamt fallen die Handschuhe trotz gleicher Größenangabe sehr unterschiedlich aus, auch die Schnitte unterscheiden sich - unbedingt vor dem Kauf anprobieren!

Worauf es beim Kauf von Winterhandschuhen ankommt

Der Kontrollverlust am Lenker durch klamme Finger schmerzt nicht nur, sondern kann sogar gefährlich werden, wenn man die Bremsen nicht mehr ebenso feinfühlig wie kraftvoll ziehen kann. Deshalb kommt dem passenden Winterhandschuh für warme Hände ein Bündel anspruchsvoller Aufgaben zu. Die wichtigste: Von der Außenhaut muss Wasser möglichst restlos und dauerhaft abperlen. Eine innenliegende Membran sollte mindestens wasserabweisend sein oder sogar wasserdicht. Wer jedoch leicht schwitzt, sollte bedenken, dass “waterproof” auch bedeuten kann, dass Schweiß nicht nach außen abzieht; dann werden die Finger feucht und schließlich klamm.

Die beiden roten Ausziehhilfen bei Pearl Izumi sind praktisch; nervig ist die nicht fixierte Innenhand beim Ausziehen.

Für die Isolierung gilt Ähnliches: Bei viel Dämm-Material kann sich die Wärme im Handschuh auch stauen. Das schränkt die Beweglichkeit der Finger ein und führt zu einem indirekten, wattigen Griffgefühl beim Schalten und Bremsen.

Dem Wunsch vieler Radler und Radlerinnen, berührungsempfindliche Displays mit angezogenen Handschuhen bedienen zu können, entsprechen die Hersteller mit “touchfähigen” Modellen, bei denen Daumen oder Zeigefinger mindestens an einer Hand mit kleinen leitfähigen Zonen ausgestattet sind. Um am Radcomputer die Aufzeichnung zu starten oder am Smartphone schnell einen Anruf anzunehmen, mag das von Nutzen sein; um durch eine App zu tippen und zu wischen oder ein Foto zu machen, muss man den Fahrrad-Winterhandschuh unserer Erfahrung nach trotzdem ausziehen.

Das Teddyfell im leichten Handschuh von Roeckl Sports wärmt gut und Regentropfen perlen außen komplett ab.

Sinnvolle Ausstattungsdetails sind reichlich vorhanden und gut verteiltes Reflexmaterial, griffige Gel-Prints an den Fingern und in der Innenhand, Klettriemen zur Weiteneinstellung, ein langer, wärmender Bund oder ein flauschig-weicher Daumen zum Naseputzen. Letzteres wünschten sich übrigens vor allem unsere männlichen Testfahrer; die Testerinnen griffen lieber zum Taschentuch.

Schlupfloch für Nässe

Allerdings haben wir bei unseren Tests festgestellt, dass die nasenfreundliche Partie bei manchen Modellen auch ein Schlupfloch für den Regen ist: Das flauschige Material saugt sich peu à peu voll, und die Feuchtigkeit dringt von dort in die Fahrrad-Winterhandschuhe, bis die Hände nass sind und kalt werden. Dieser Effekt trat bei wasserabweisenden und sogar bei als wasserdicht deklarierten Modellen auf - möglicherweise, weil die vielen Nahtstellen im Bereich der Daumenbeuge nicht vollständig dicht zu bekommen sind.

Die Testkriterien

Die Gesamtnote setzt sich zusammen aus vier Kriterien, die wir je nach Relevanz gewichtet haben. Alle Fahrrad-Winterhandschuhe wurden zu Testbeginn nach Anleitung in der Waschmaschine gewaschen:

  • Wetterschutz (30 %)
  • Handling (30 %)
  • Ausstattung (20 %)
  • Verarbeitung (20 %)

Die besten Winterhandschuhe im Detail

Im Folgenden werden einige der getesteten Handschuhe detaillierter beschrieben:

Castelli Espresso GT Glove

Mittellange Finger, mittellanger, etwas enger Bund, der nicht über besonders dicke Jackenärmel passt. Sehr guter Nässeschutz, insgesamt unkompliziert in der Handhabung; gutes Griffgefühl am Lenker, tadellos verarbeitet, lediglich ein Nasenwischer fehlt.

Triban Winter-Fahrradhandschuhe 900 F

Relativ lang geschnittene Finger, Daumen etwas breit; gutes Griffgefühl am Lenker, leicht an- und auszuziehen; die Trefferquote mit den Touchflächen auf dem Display ist mittelmäßig; sehr warmer Handschuh; die Außenhaut saugt sich am Daumen schnell mit Wasser voll.

Gorewear Gore-Tex Infinium Thermo Split

Fäustling mit separatem Fach für Zeige- und Mittelfinger, das etwas weiter sein dürfte; leicht schwammiges Griffgefühl, Schalten und Bremsen geht dennoch gut; sehr gut ausgestattet und verarbeitet, am Nasenwischer perlt Nässe schlechter ab als am Oberstoff.

Kinetixx Logan

Sehr gute Passform und gutes Griffgefühl; der lange Stoffbund wärmt die Handgelenke, muss aber unterm Jackenärmel getragen werden, da er sich schnell mit Wasser vollsaugt; etwas wenig Reflexmaterial, kein Nasenwischer.

Pearl Izumi AmFIB Gel Glove

Mit viel Primaloft-Futter ein sehr warmer Handschuh; sehr indirektes Griffgefühl wegen der dicken Innenhandpolsterung; beim Ausziehen stülpt sich die lose Innenhand leicht nach außen; Wetterschutz und Ausstattung sind überzeugend; geringe Treffsicherheit der Touchfunktion.

Proviz Classic Wasserdichte Radsport-Handschuhe

Passt am besten an breite Hände mit kurzen Fingern; die lose Innenhand erzeugt ein eher schwammiges Griffgefühl und kann sich beim Ausziehen nach außen stülpen.

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