Winter Fahrradhandschuhe Test: Welcher Handschuh ist der Richtige für Sie?

Fahrradhandschuhe für den Winter sind - entgegen manch heimlichen Erwartungen - keine eierlegenden Wollmilchsäue. Wie so oft geht es vielmehr darum, den besten Kompromiss aus teils widersprüchlichen Eigenschaften für den eigenen Einsatzbereich ausfindig zu machen. In unserem Vergleichstest mit acht aktuellen Modellen zeigen wir ihre jeweiligen Grenzen auf und verraten euch, welche Ansätze und Kompromisse wirklich Sinn ergeben.

Wer auch im Winter bei Regen und Kälte aufs Bike steigt, möchte seine Hände gut schützen. Der Markt für Fahrradhandschuhe für den Winter ist jedoch unübersichtlich, und die Möglichkeit, verschiedene Modelle vorab zu testen, oft eingeschränkt. Den Traum vom perfekten Fahrradhandschuhe für alle Fälle können wir gleich zu Beginn begraben.

Die Qual der Wahl: Welcher Handschuh für welchen Einsatz?

Der perfekte Winterhandschuh fürs Fahrrad hängt davon ab, was ihr beim Biken vorhabt: Geht es um warme und trockene Hände auf dem Weg zur Arbeit oder um maximalen Grip und Feingefühl auf den Hometrails? Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch, ob ihr mit oder ohne Motorunterstützung fahrt. In unseren Tests verschob sich die subjektive Komfortzone eines Handschuhs um etwa 5 ° bis 10 °C nach unten, wenn wir ohne Motorunterstützung unterwegs waren.

Kontrolle vs. Wärme: Ein Balanceakt

Wenig überraschend bedeuten dünnere Handschuhe in der Regel mehr Grip und Feingefühl, während dickere Handschuhe besser wärmen. Allerdings gibt es im Testfeld durchaus Unterschiede: Nicht alle dünnen Fahrradhandschuhe für den Winter liefern ähnlich viel Feingefühl, manch dicker Winterhandschuh verfügt sogar über mehr Grip als weitaus dünnere Modelle. Und unter den dünneren Modellen zeigt sich auch ein breites Spektrum an Isolationswirkung.

Die Hersteller von Fahrradhandschuhe für den Winter setzen deshalb auf Mischmodelle, sogenannte Trigger-Handschuhe. Diese kombinieren die Wärmevorteile von Fäustlingen mit einem gewissen Maß an Feingefühl: Mittel-, Ring- und kleiner Finger teilen sich eine gemeinsame Kammer, während Daumen und Zeigefinger eigenständig bleiben.

Testbedingungen und Testkriterien

Um die besten Winterhandschuhe zum Biken zu finden, haben wir alle Modelle über mehrere Herbst- und Winterwochen hinweg bei unterschiedlichsten Wetterlagen getestet. Der Fokus lag auf E-Bike-Fahrten mit mittlerer bis mäßiger Anstrengung: Pendelfahrten zur Arbeit, der Trip zum Bäcker oder eine Fahrt ins Kino. Doch auch bei sportlichen Wochenendtouren und gelegentlichen Abstechern auf die Hometrails mussten die Handschuhe ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Für noch mehr Testeindrücke griffen auch die Kolleginnen und Kollegen unserer Schwestermagazine ENDURO Mountainbike Magazin, GRAN FONDO und DOWNTOWN in die große Handschuhkiste und ergänzten den Praxistest mit ihren Erfahrungen.

Die Testkandidaten im Detail

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige der getesteten Modelle im Detail vor:

Roeckl Sports VILLACH 2

Der Roeckl Sports VILLACH 2 ist ein dicker, sauber verarbeiteter Winterhandschuh zum Radfahren, der auch bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts unsere Finger angenehm warm gehalten hat. Allerdings kann er in Sachen Wärmeleistung nicht ganz mit den beiden ebenfalls dicken Trigger-Modellen im Test mithalten, dem Gore-Tex isolierten Trigger Handschuh und dem KinetiXx Luzan. Dafür liefert er aber eine bessere Beweglichkeit aller Finger und damit für manche Fahrer ein höheres Kontroll- und Sicherheitsgefühl als die Trigger-Modelle.

Entscheidend beim Biken ist aber der Kontakt zum Cockpit: Hier bietet das Gripmaterial in der Innenhand einen rutschfreien Halt am Lenker, gleichzeitig sorgt die dickste Innenhandpolsterung im Test für viel Komfort, aber auch für ein etwas dumpfes Fahrgefühl. Der Tragekomfort der VILLACH-Winterhandschuhe ist dank des weichen Innenmaterials sehr hoch. Leider ist die Touchscreen-Bedienung nur eingeschränkt möglich, was auf unseren Rides etwas Mühe kostete.

GORE-TEX Isolierte Trigger Handschuhe

Die GORE-TEX Isolierte Trigger Handschuhe konnten auf all unseren Testfahrten durch ihre hervorragende Wärmeleistung auftrumpfen. Selbst bei sehr niedrigen Temperaturen bleiben die Finger angenehm warm - zusammen mit dem anderen Trigger-Modell im Test, dem KinetiXx Luzan, liefern die GORE Isolierte Trigger Handschuhe in Sachen Wärmeleistung die besten Ergebnisse. Dabei bietet das Trigger-Design eine gute Balance zwischen Wärme und Beweglichkeit: Das Greifen und Bedienen der Lenkersteuerung und der Hebel am Cockpit funktionierten problemlos.

Allerdings ist das Feingefühl beim Greifen kleinerer Gegenstände stark eingeschränkt und die Bedienung der Touchscreens nahezu unmöglich. Zudem wird das allgemeine Gefühl über die Kontrolle etwas eingedämmt, weil die einzelnen Isolationsschichten in den Handschuhen nicht fest miteinander verbunden sind: In der Folge liegt ein gewisses Spiel beim Greifen vor.

KinetiXx Luzan

Die KinetiXx Trigger-Winterhandschuhe Luzan sind dicke Fahrradhandschuhe für den Winter, die in Bewegung bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt sogar noch zu warm, auf dem E-Bike jedoch super angenehm sind. Zusammen mit dem GORE-TEX Isolierte Trigger Handschuhe sind sie die wärmsten Fahrradhandschuhe im Test. Dank des Trigger-Systems bleibt die Beweglichkeit des Daumens und des Zeigefingers gut erhalten, wodurch Schalten, Bremsen und das Greifen am Lenker problemlos möglich sind.

Die Polsterung der Innenhand stellt den überzeugendsten Kompromiss zwischen Komfort und Kontrolle im Test dar und ist mit gut funktionierenden Antirutsch-Streifen ausgestattet. Am Daumenrücken wird ein saugfähiges Material verwendet, mit dem bei Bedarf der Schweiß vom Gesicht aufgenommen werden kann. Die Bedienung von Smartphones ist mit dem KinetiXx Luzan nur sehr schwer möglich, und das Feingefühl ist stark eingeschränkt.

Canyon Winterhandschuhe

Die Canyon Winterhandschuhe erreichen in unserem Testfeld die Kategorie „mitteldick“ und eignen sich auf dem E-Bike für Temperaturen bis etwa 5 Grad. Die Fahrradhandschuhe sind im Finger- und Handballenbereich außergewöhnlich breit geschnitten, was die Beweglichkeit erhöht, jedoch das Feingefühl deutlich einschränkt. Allerdings dürfte der schmale, nicht verstellbare Gummizug am Handgelenk bei Personen mit breitem Handumfang problematisch sein. Einen weiteren Schwachpunkt stellt die lose Verbindung der inneren und äußeren Materialschichten dar, was das An- und Ausziehen der Handschuhe erschwert und das Feingefühl zusätzlich beeinträchtigt - die Vorteile des an sich griffigen Innenhandmaterials sind somit weitgehend neutralisiert.

Endura MT500 Freezing Point

Die Endura MT500 Freezing Point sind mitteldicke Fahrradhandschuhe für den Winter, die sich auf dem E-Bike für Temperaturen bis etwa 5 Grad eignen - und damit in denselben Komfortbereich fallen wie die Canyon Winterhandschuhe. Im direkten Vergleich halten die Finger im Endura MT500 Freezing Point unter Anstrengung angenehmer warm, da Schweiß und Wärme besser abgegeben werden. Die Beweglichkeit der Finger und das Feingefühl sind für mitteldicke Handschuhe gut, sodass sich Reißverschlüsse und Rucksackclips etwas besser bedienen lassen als mit den dickeren Handschuhen im Testfeld.

Der Klettverschluss am Handgelenk könnte optimiert werden: Das weiche Material klappt beim Schließen oft um und verdeckt dabei den Mechanismus. Zudem erweist sich die vermeintliche Grip-Schicht in Latexoptik auf einigen gängigen Mountainbikegriffen als überraschend rutschig.

SQlab SQ-Gloves ONE10

Die SQ-Gloves ONE10 von SQlab sind leichte Fahrradhandschuhe für den Winter, die sich nicht verstecken müssen, obwohl sie es perfekt können: Sie lassen sich nämlich mit einer optionalen Wind-/Regenhülle überziehen, die in einer Lasche auf dem Handrücken verstaut werden kann, wenn sie gerade nicht gebraucht wird. Die Fahrradhandschuhe bieten auf dem Rad eine gute Wärmeisolation bei Temperaturen zwischen 0 und 10 °C, wobei das optional Cover die Wärmeisolation spürbar verbessert und den Handschuhen die größte Einsatzbreite im Test beschert. In Sachen Feingefühl und Grip liegt er zwischen den anderen beiden dünnen Handschuhen an der Testfeld-Spitze: Einen Hauch besser sind nur noch die GORE Zone Thermo Handschuhe.

Die nach innen liegenden Nähte an den Fingerspitzen der SQ-Gloves ONE10 können beim Umklammern der Griffe allerdings in die Fingerkuppen drücken, wenn die Handschuhe zu eng sitzen. Apropos Tragekomfort: Die SQ-Gloves ONE10 sind die einzigen Fahrradhandschuhe im Test, die in einer weiten und einer schmalen Variante zu haben sind. Zudem kann in puncto Größenempfehlung einzig die von SQlAb richtig überzeugen. Der im Gegensatz zu den Klettverschlüssen vieler Kontrahenten funktionale Klettverschluss am SQ-Gloves ONE10 sorgt für einen sicheren Sitz, und das Wildlederimitat der Innenhand bietet ordentlich Grip.

ION Shelter Explore Unisex

Die ION Shelter Explore Unisex sind leichte und dünne Fahrradhandschuhe für den Winter, die besonders durch ihre sehr gute Fingerbeweglichkeit punkten. Für extreme Kälte sind sie allerdings weniger geeignet. Das Feuchtigkeitsmanagement dieser Handschuhe ist zudem nicht optimal: Bei intensiver Bewegung bleibt die Handinnenseite der Fahrer merklich feuchter als etwa bei den anderen beiden dünnen Fahrradhandschuhe im Test, den GORE Zone Thermo Handschuhe und den SQlab SQ-Gloves ONE10. Wie die beiden Letztgenannten lassen sich auch die ION Shelter Explore Unisex angenehm kompakt packen - sollte es also unterwegs wärmer werden, können sie in der Regel gut irgendwo im Rucksack, am Bike oder am Körper verstaut werden.

Insgesamt sitzen die Handschuhe allerdings etwas weiter als die beiden anderen dünnen Winterhandschuhe im Test, was etwas zu lasten des Grip und des Feingefühls geht. Fazit: Die ION Shelter Explore Unisex überzeugen als leichte, gut packbare Fahrradhandschuhe mit exzellenter Fingerbeweglichkeit und herausragender Touchscreen-Fähigkeit.

GORE Zone Thermo Handschuhe

Die GORE Zone Thermo Handschuhe sind leichte, dünne Fahrradhandschuhe für den Winter, die besonders bei Temperaturen zwischen 10 und 5 °C ihre Stärke zeigen. Bei kälteren Bedingungen auf einem E-Bike wird die Isolationsleistung für viele nicht mehr ausreichend sein. Das Feuchtigkeitsmanagement der GORE Zone Thermo Handschuhe ist das beste im Test: Die Hände werden auch bei starker Anstrengung nicht nass und das Innenfutter trocknet rasend schnell. Die Beweglichkeit der Finger ist sehr gut, und auch die Feinmotorik funktioniert verlässlich - beispielsweise das Schnüren von Schuhen. Ebenso zeigt sich die Touchscreen-Kompatibilität auf höchstem Niveau im Test.

Daher liegen sie am Handgelenk nicht perfekt an, was die Isolation an dieser Stelle naturgemäß beeinträchtigt.

Weitere wichtige Aspekte beim Kauf von Winterhandschuhen

  • Wetterschutz: Von der Außenhaut muss Wasser möglichst restlos und dauerhaft abperlen. Eine innenliegende Membran sollte mindestens wasserabweisend sein oder sogar wasserdicht. Wer jedoch leicht schwitzt, sollte bedenken, dass “waterproof” auch bedeuten kann, dass Schweiß nicht nach außen abzieht; dann werden die Finger feucht und schließlich klamm.
  • Isolierung: Bei viel Dämm-Material kann sich die Wärme im Handschuh auch stauen. Das schränkt die Beweglichkeit der Finger ein und führt zu einem indirekten, wattigen Griffgefühl beim Schalten und Bremsen.
  • Touchscreen-Bedienung: Die Hersteller entsprechen dem Wunsch vieler Radler und Radlerinnen, berührungsempfindliche Displays mit angezogenen Handschuhen bedienen zu können, mit “touchfähigen” Modellen, bei denen Daumen oder Zeigefinger mindestens an einer Hand mit kleinen leitfähigen Zonen ausgestattet sind.
  • Ausstattung: Sinnvolle Ausstattungsdetails sind reichlich vorhanden und gut verteiltes Reflexmaterial, griffige Gel-Prints an den Fingern und in der Innenhand, Klettriemen zur Weiteneinstellung, ein langer, wärmender Bund oder ein flauschig-weicher Daumen zum Naseputzen.

Testergebnisse im Überblick

Insgesamt schlagen sich unsere acht Test-Handschuhe gut bis sehr gut. Selbst die Schnäppchen von Decathlon oder Kinetixx für jeweils 30 Euro wärmen gut, trotzen Graupelschauern und bieten ein gutes Griffgefühl beim Schalten und Bremsen. Wird’s unterwegs richtig nass, punkten die wesentlich teureren Fahrradhandschuhe für den Winter von Roeckl und Castelli dank ihrer sehr wasserabweisenden Außenhaut.

Handschuh Preis Gesamtnote Wetterschutz Handling Ausstattung Verarbeitung
Castelli Espresso GT Glove 110 Euro 1,5 1,0 2,2 1,5 1,0
Triban Winter-Fahrradhandschuhe 900 F 30 Euro 2,1 3,1 1,8 1,0 2,0
Gorewear Gore-Tex Infinium Thermo Split 70 Euro 1,8 2,4 2,3 1,0 1,0
Kinetixx Logan 30 Euro 1,6 1,7 2,1 1,0 1,5
Pearl Izumi AmFIB Gel Glove 75 Euro 2,4 1,7 3,8 1,0 2,5
Proviz Classic Wasserdichte Radsport-Handschuhe 40 Euro 2,4 2,4 3,4 1,0 2,5

Die Gesamtnote setzt sich zusammen aus vier Kriterien, die wir je nach Relevanz gewichtet haben. Alle Fahrrad-Winterhandschuhe wurden zu Testbeginn nach Anleitung in der Waschmaschine gewaschen.

  • Wetterschutz (30 %): Alle Handschuhe lassen das Wasser gut abperlen.
  • Handling (30 %): Fahrrad-Winterhandschuhe vermitteln aufgrund ihrer wärmenden Fütterung im Vergleich zu ungefütterten Handschuhen ein mehr oder weniger schwammiges, indirektes Griffgefühl am Lenker.
  • Ausstattung (20 %): Hier liegen die acht Kandidaten auf hohem Niveau mit kleinen Unterschieden gleichauf. Selbst günstige Modelle wie die von Decathlon, Kinetixx oder Rose sind touchfähig, überzeugen mit weichen und langen Stulpen, oder teils sehr viel Reflexmaterial.
  • Verarbeitung (20 %): Die Verarbeitung haben wir im Neuzustand bewertet und nach insgesamt zehn Stunden in der Waschmaschine.

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