Hardtail Test: Die perfekten Racebikes bis 3000 Euro

Schnell, schnittig und mit "schmalem" Gewicht? Das war einmal, wenn man sich Mountainbikes des Jahrgangs 2022 anschaut. Bezahlbare Tourenfullys wiegen heute 14 Kilo statt einst zwölf, All-Mountains überbieten die 15-Kilo-Marke, und bei manchem Enduro fragt man sich, wie man so einen Brummer ohne Motor überhaupt den Berg hochtreten soll. Selbst XC-Racefullys, einst Synonym für Leichtbau am Rande des Exzesses, tragen nun Speck auf den Carbon-Rippen: weil ihre Federwege wachsen und damit auch die Gewichte der Federelemente (etwa durch dickere Standrohre). Das alles hat seinen Grund, die Berge werden zwar nicht höher, die Ansprüche an ein bergab performantes Bike aber schon - über alle Kategorien hinweg.

Oder doch nicht? Wer ein asketisches, im besten Sinne simples Bike sucht, das in der Ebene teuflisch Tempo macht und mit unvergleichlicher Leichtfüßigkeit buchstäblich gen Gipfel fliegt, dem wird hier und jetzt geholfen! Denn im klassischsten aller Segmente, bei sportlich geschnittenen Hardtails, gibt es sie noch: Bikes, die mit rund 3000 Euro in viele Haushaltspläne passen und die dennoch rund um die einst magische 10-Kilo-Marke wiegen.

Dank 29"-Laufrädern und sehr guter Federgabeln sind die Testbikes tempofest bergab, generell aber eher sehr agil im Handling.

Die Testkandidaten: Hardtails ab 2899 Euro

Ab 2899 Euro geht der Spaß los. Von über 20 angefragten Herstellern sagten leider nur BMC, Canyon, Giant, Radon und Stevens mit Bikes von 2899 bis 3599 Euro zu. Auch hier scheinen die Lieferschwierigkeiten der Branche immens zu sein. Oder ist es die Angst vor dem Vergleich in einer hart umkämpften Preisklasse? Dabei haben wir die zwei Direktvertriebler in diesem Test, Canyon und Radon, die ohne Händler via Onlineshop verkaufen, extra im Preis gedeckelt.

Was wir sonst einforderten? Das Standardmenü der Kategorie: 100-mm-Gabel, 29"-Laufräder, Carbon-Rahmen sowie einen Einsatzbereich, der vom ambitionierten Marathon bis zur schnellen Tour reicht. Das erfüllen alle fünf Bikes, aber bei den Parts trennen die Kandidaten teils Welten. So funkelt am Stevens eine hypermoderne Funkschaltung, während am Giant eine schwere, in der Gangbandbreite eingeschränkte, mechanische Gruppe (Sram NX Eagle) die Gänge wechselt. Auch bei den Anbauteilen von Lenker über Sattelstütze bis zu den für die Beschleunigung wichtigen Laufrädern reicht der Reigen von einfachen Alubis zu hochwertigen Carbon-Parts. Dabei muss man bei jedem Bike genau hinschauen, speziell am Giant ist quasi aus jedem Preisregal etwas dabei. So verzögert hier nur eine billige Shimano-MT-Bremse, während am Stevens edle XT-Stopper glänzen. Nur in Sachen Federgabel herrscht halbwegs Konsens. Alle Forken stammen von Rock Shox, bei vier Bikes kommt die aktuelle, exzellente Auflage der legendären SID zum Einsatz, bei Radon und Stevens sogar in zweitbester Güte ("Select+"). Am BMC führt eine preisgünstigere Reba über Stock und Stein. Das macht sie gut, an einem 3400-Euro-Rad erwarten wir dennoch mehr als eine Gabel, die über Jahre hinweg in der 2000-Euro-Liga der Carbonis Standard war. Konsequent wertig und vor allem stimmig schaffen es wieder nur Canyon und Radon, ihre Starrheckler zu bestücken.

Die Gewinner auf einen Blick

  • MOUNTAINBIKE-Testsieg: Das Radon Jealous 9.0 überzeugt mit seinem vergleichsweise geringen Gewicht und der guten Ausstattung. Zudem ist das Bike äußerst steif und direkt im Antritt und Handling.
  • Kauftipp: Das Canyon Exceed CF 7 sichert sich den Kauftipp, dank tollem Handling, der wertigen Ausstattung sowie der Wühlfühl-Geometrie.

Details zu den Testkandidaten

Radon Jealous 9.0

Steif, steifer, Radon. Das Jealous setzt jedes Wadenzucken gnadenlos in Vortrieb um, geizt aber auch etwas an Komfort.

Weniger überraschend wiegt das Radon mit exakt 9,88 Kilo am wenigsten.

Canyon Exceed CF 7

Da schau’ her! Wie kein anderer Carbon-Rahmen im Test erfreut der des Canyon mit vielen Detaillösungen und nahezu perfekter Verarbeitung.

Die Koblenzer schaffen den Spagat aus klassischer Geo (steiler 69°-Lenkwinkel) und Moderne am besten. So steht der Sitzwinkel tritteffizient steil, der Reach (grob gesagt die "Reichweite" im Stehen) fällt trendgerecht lang aus, das Heck kurz.

Die fast elf Kilo am Canyon verwundern. Schuld "trägt" der Carbon-Rahmen. Der ist toll verarbeitet, mit vielen Details (siehe Testbrief) gesegnet, aber auch schwer. Schade, denn neben den vielen Features gefällt am Canyon die Geometrie.

Giant

Teils trifft das auch auf das Giant zu, hier ist der Lenkwinkel aber (zu) steil, der Sitzwinkel flach.

BMC

Das Gegenteil bietet das BMC, das sich mit flachem Lenkwinkel und langem Reach stark an aktuellen Trailbikes orientiert. Das wird manche am Anfang überfordern, für uns ist es dennoch die Zukunft auch am Marathon-Hardtail.

Radon und Stevens

Radon und Stevens sind sehr konservativ-kurz gezeichnet, was vielen Marathonisti aber schmecken wird: Hier ist das Handling direkt und drehfreudig - wie in der "guten alten Zeit".

Alternativ-Hardtails: Das Formel-1-Segment

Marathon oder Cross-Country-Rennen sind dein Metier? Am Berg zählt für dich jede Sekunde und jedes Watt im Pedal? Die getesteten Marathon-Racer bieten eine ideale Basis für das erste Rennen. Du hast mehr Budget und willst die Formel 1 auf zwei Stollenrädern erleben? Dann bist du für diese Highend-Racebikes bereit. Los geht der rassige Rennspaß ab 3799 Euro.

Mondraker

Mit knapp 775 g fällt der Carbon-Rahmen superleicht aus, dank schmaler 27,2-mm-Sattelstütze und hauchzarter Kettenstreben generiert das Mondraker aber auch noch Komfort. Das gezeigte Carbon R unterbietet bereits für 5699 Euro die Neun-Kilo-Marke und kommt etwa mit Fox-Factory-Gabel, Sram-X01/GX-Eagle-Schaltung sowie Mavic-Carbon-Laufrädern.

Merida Big.Nine 9000

Das Big.Nine ist im Rennsport eine feste Größe, war es doch eines der ersten 29"-Bikes im Profizirkus. Der neueste Wurf von Merida verspricht beim Rahmengewicht 880 g in Größe M, gleichzeitig soll das Hardtail für Fahrergewichte bis 135 Kilo freigegeben sein. Die Geometrie ist mit 70°-Lenkwinkel und kurzem Reach konservativ gezeichnet. Das Topmodell (7199 Euro) begeistert nicht nur mit "Sparkling"-Lack, sondern auch mit Shimano-XTR-Parts sowie Rock-Shox-SID-Gabel.

Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1

Beim Scalpel HT ragt die Front buchstäblich heraus: Am 6999 Euro teuren Topmodell steht der Lenkwinkel mit 66,5° für ein XC-Hardtail ultraflach, die ikonische Lefty- Federgabel generiert 110 mm Hub. Der Carbon-Rahmen bricht mit 900 g keine Gewichtsrekorde, er schont aber dank flexender Sitz- und Kettenstreben sowie Komfortsattelstütze die Haltekräfte. Generell ist das mit vielen Shimano-XTR/XTParts bestückte US-Bike kein Leichtgewicht, im Bergab ist es im Race-Hardtail- Segment hingegen kaum zu schlagen.

Simplon Razorblade III SL XX1 AXS

Im Marathon sind die Vorarlberger eine Macht, und ihre "Rasierklinge" überzeugt seit jeher in unseren Tests. In der neuesten Evolutionsstufe besticht das Razorblade mit moderner Geo, spannend ist die Zugverlegung durch den Steuersatz, die Gewicht sparen soll. In der leichten SL-Variante wiegt der Rahmen nur 850 g. "Ohne SL" geht es ab 3899 Euro los, unsere Empfehlung kostet 6799 Euro, brilliert mit Sram-XX1-AXS-Funkschaltung. Bei Gabel und Laufrädern empfiehlt sich aber ein Upgrade via Online-Konfigurator.

Specialized Epic Hardtail Expert

Als eines der leichtesten Serien-MTBs stellte Specialized 2019 das Epic vor, dessen Rahmen in S-Works-Güte nur 795 g auf die Waage hauchen soll. Und das obwohl das Epic auf "alltagstaugliche" Standards wie BSA-Innenlager oder Postmount- Bremsaufnahme setzt. Das Topmodell samt Wattmesskurbel kostet wahnwitzige 11 500 Euro, das abgebildete Modell Expert mit etwas schwererem Rahmen, Rock-Shox-SID-Brain-Gabel, Carbon-Laufrädern und Sram-X01-Eagle- Schaltung ist da der attraktivere Deal.

Ergebnisse im Detail

Alle unsere Biketests bauen auf einer der jeweiligen Kategorie entsprechenden Punktewertung auf, die alle wichtigen Fahreigenschaften wie z. B. Handling, Vortrieb, Downhill und Uphill umfasst. Ein Drittel der Gesamtnote steuern Laborerhebungen wie Gewicht, Rahmen-Verarbeitung und Ausstattung bei. Hauptsächlich ergibt sich die Note aus umfangreichen Testfahrten auf einer zuvor festgelegten, der Kategorie angepassten Teststrecke. An den Testfahrten nehmen drei bis vier erfahrene Testfahrer mit teils Rennerfahrung oder technisch fundiertem Wissen teil. Bei den Marathon-Hardtails stehen vor allem die Vortriebs- und Uphill-Eigenschaften und natürlich das Gewicht im Fokus. Aber ganz außen vor ist die Performance bergab natürlich nicht. Die Bewertungen der Tester sowie die Punktevergabe aus dem Labor fließen in die Punktetabelle ein. Bei maximal 1000 Punkten ist das Bike mit den meisten Zählern der Testsieger.

Das Spinnennetz zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in einem der acht Bereiche, desto prägender der jeweilige Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind, wenn sinnvoll, bewusst gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welche Stärken das Bike besitzt.

E-MTB Hardtails

Was ist ein E-MTB Hardtail? Ein E-MTB Hardtail ist ein E-Mountainbike mit gefederter Frontgabel, aber ohne Hinterbaufederung. Diese Bauweise sorgt für eine direkte Kraftübertragung und ein geringeres Gewicht im Vergleich zu vollgefederten E-Mountainbikes (E-MTB Fullys). Besonders effizient sind Hardtail E-MTBs auf Anstiegen und im flachen Gelände. E-MTB Hardtail Modelle wie das Cube Reaction Hybrid stehen für Innovation, Zuverlässigkeit und ein breites Einsatzspektrum - von sportlichen Ausfahrten bis zum täglichen Pendeln.

E-MTB Hardtails sind die perfekte Wahl für dich, wenn du ein vielseitiges Bike suchst, das sowohl im Alltag als auch auf Touren und im Gelände überzeugt. Tipp: In aktuellen E-MTB Hardtail Tests schneiden Modelle mit Bosch Performance Line CX Motor und hochwertigen Akkus besonders gut ab.

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