Harley-Davidson 125 SST und Cagiva SST 125: Technische Daten und Modellgeschichte

Dieser Artikel beleuchtet die Zweitakt-Ära von Harley-Davidson und die Cagiva SST 125, wobei ein besonderer Fokus auf technische Daten und die jeweilige Modellgeschichte gelegt wird.

Die Zweitakt-Ära von Harley-Davidson

Von 1948 bis 1978 baute und bot Harley-Davidson zahlreiche Zweitakt-Modelle an. Von 1948 bis 1966 wurden Zweitakt-Modelle mit DKW-Motoren und bis 1978 mit Aermacchi-Technik gefertigt. Startschuss der 30 Jahre langen Zweitaktära von Harley waren Reparationen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Harleys deutschstämmige Zweitakter (1948 -1966)

Aus den DKW-Werken in Zschopau wurden Pläne der RT 125 und Maschinen unter den Alliierten verteilt. Harley-Davidson baute eine komplette Motorradreihe um den damals sensationell guten Motor und bohrte den Hubraum 1953 sogar auf 165 Kubik auf.

Harley-Davidson Model S 125

Das erste Modell war von 1948 bis 1952 das Model S 125, mit 3 PS und 3-Gang-Getriebe. Der Rahmen war starr, die Gabel eine Girder-Konstruktion mit Gummibanddämpfung. Ab 1951 setzte Harley eine hydraulische Telegabel ein. Kommerziell kann die S 125 als Erfolg gewertet werden: In den ersten 10 Monaten wurden 10.000 Stück verkauft, und die machten den meist jungen Kunden Lust auf größere Harleys.

Harley-Davidson Model 165

1953 vergrößerte Harley den RT-Motor auf 165 Kubik und steigerte die Leistung auf 5,5 PS. Das Chassis des Model 165 war gleich der S 125. Mit dem optionalen 7"-Scheinwerfer nahm das Model 165 im Ansatz die ikonische Front der Evo-Fat-Boy 37 Jahre vorweg. Das Model 165 blieb bis 1959 im Programm.

Harley-Davidson Hummer

1955 brachte Harley wieder eine 125er und nannte sie Hummer. Optisch wurde das Model S 125 etwas aufgefrischt und bis 1959 verkauft.

Harley-Davidson Super 10

1960 stellte Harley das Model 165 und die Hummer ein und brachte die Super 10. Technisch glich sie dem Model 165, und optisch war sie eine zweifarbig lackierte Hummer mit etwas breiteren Reifen. Nur ein Jahr blieb die Super 10 im Programm.

Harley-Davidson Pacer

1962 ersetzte die Pacer die Super 10. Weiterhin im gleichen Chassis verschraubt, wuchs der Motor auf 175 Kubik und 10 PS. Für 1963 baute Harley einen komplett neuen Rahmen mit Schwinge und gezogenem Federbein unter dem Motor. Bis 1965 blieb die Pacer im Programm.

Harley-Davidson Ranger

Nur im Jahr 1962 baute Harley auf Basis der 165er-Modelle mit Starrrahmen das Offroad-Modell Ranger. Ohne Licht und Schutzbleche, dafür mit einem riesigen Kettenrad mit 84 Zähnen. Nur 186 Stück wurden gebaut. Einer Legende zufolge baute Harley-Davidson die Ranger aus übrig gebliebenen Bauteilen der Super 10.

Harley-Davidson Scat

Auf Basis der Pacer kam 1962 die Scat. Ein Dual-Purpose-Bike mit hohem Auspuff, was heute als Scrambler bezeichnet werden würde. Optional gab es eine sehr kurze Untersetzung, ob so extrem wie bei der Ranger ist nicht bestätigt. 1962 noch mit Starrrahmen, ab 1963 ebenfalls mit Schwingenrahmen. Bis 1965 war die Scat im Programm. Es wurden zwischen 4.000 und 5.000 Stück produziert.

Harley-Davidson Bobcat/Bobtail

1966 kam mit der Bobcat oder Bobtail das letzte Modell auf Basis der alten "RT-Modelle". Das Chassis war das vollgefederte der Pacer ab 1963, der Motor der 175er-Zweitakter mit 10 PS. Die Karosse war vollständig aus Kunststoff, mit einer langen Doppelsitzbank. Die Form des Hecks nahm teilweise den Boat-Tail von 1971 vorweg. Es wurden nur 1.150 Stück hergestellt.

Zweitakter von Aermacchi

Der zweite Akt der Zweitakter-Geschichte von Harley-Davidson lief ab 1965 zeitgleich mit den RT-basierten Modellen. Zwischen 50 und 175 Kubik kamen Zweitakter auf Aermacchi-Basis als Harleys in die USA. Nach der Übernahme durch AMF kaufte Harley Aermacchi komplett und brachte ab 1970 größere Zweitakter in die USA.

Harley-Davidson MC 65

1972 begann der Einstieg in die Harley-Welt bei 65 Kubik in Form des Pocketbikes MC 65 Shortster. Der Motor stammte aus der M65 Legero von Aermacchi, der ganz im Stil einer Honda Monkey im Rahmen hing. Gut 8.000 Stück wurden gebaut.

Harley-Davidson X 90

Ebenfalls ein Pocketbike, allerdings mit mehr Hubraum und Leistung, war die X 90. Sie wurde von 1973 bis 1975 gebaut, hatte einen 90-Kubik-Motor und 8 PS. Knapp 17.000 Stück wurden gebaut.

Harley-Davidson Z 90

Ebenfalls aus dem Jahr 1972 stammt die angebotene Z90. Kein Pocketbike wie die MC 65 oder die X 90, sondern ein "echtes" Moped. Aus 90 Kubik holte die Z 90 immerhin 8 PS. Stückzahl: nicht bekannt.

Harley-Davidson SX(T) 125

Von 1976 stammt die angebotene Enduro SX 125. Sie nahm die Erfolge der reinen Sport-Enduro Baja 100 auf und brachte 13 PS aus 125 Kubik auf die Straße - oder ins Gelände.

Harley-Davidson SX 175

Zwischen 1974 und 1976 bot Harley mit der SX 175 ein nochmals stärkeres Zweitakt-Modell an. Ihr Motor leistete 17 PS, hatte 5 Gänge und brachte die SX auf 115 km/h. Geländegängig war sie mit ihren tiefen Fendern und dem tief montierten Auspuff nicht wirklich. In drei Jahren wurden 12.112 Stück produziert.

Cagiva SST 125 (1977-1981): Modellgeschichte

Die Cagiva SST 125 wird ab 1977 von der italienischen Marke Cagiva produziert. Sie basiert auf der Technik der übernommenen Marke Aermacchi und stellt eine klassische, luftgekühlte Zweitakt-Enduro dar. Die Produktion endet nach offiziellen Angaben 1981. Die SST 125 ist für den Einsatz auf befestigten und unbefestigten Straßen konzipiert und richtet sich an Einsteiger mit A1-Führerschein.

Baujahr 1977 - Markteinführung

1977 erscheint die Cagiva SST 125 als Teil der neuen SST-Baureihe. Sie ist mit einem luftgekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor ausgestattet, der über ein 6-Gang-Getriebe geschaltet wird. Der Motor stammt ursprünglich von Aermacchi und wird von Cagiva weiterentwickelt. Die Vorderradführung übernimmt eine konventionelle Teleskopgabel, hinten arbeitet eine Zweiarmschwinge mit zwei Federbeinen. Die Bremsanlage besteht serienmäßig aus Trommelbremsen vorne und hinten. Die Bereifung ist geländetauglich, mit 21 Zoll vorne und 18 Zoll hinten.

Baujahre 1978-1979 - optische Anpassungen

In den Jahren 1978 und 1979 erfährt die SST 125 kleinere optische Überarbeitungen. Die Lackierungen und Tankaufkleber werden modifiziert, technische Änderungen bleiben jedoch aus. Die Sitzbank ist flach und durchgehend, was eine aufrechte Sitzposition ermöglicht. Die Maschine ist für den Soziusbetrieb ausgelegt, mit serienmäßigen Beifahrerfußrasten und Haltegriff.

Baujahre 1980-1981 - letzte Modellpflege

Ab 1980 erhält die SST 125 ein überarbeitetes Tankdesign und neue Seitendeckel. Die technische Basis bleibt unverändert. Die Zündung erfolgt weiterhin über eine kontaktgesteuerte Unterbrecherzündung - eine elektronische CDI-Zündung ist bei der SST 125 nicht serienmäßig verbaut. Die Instrumentierung besteht aus einem analogen Tacho und Drehzahlmesser. Ein LC-Display ist nicht vorhanden. Die Beleuchtung entspricht den damaligen Zulassungsvorgaben. Ein Windschild ist nicht serienmäßig montiert und auch nicht verstellbar. Gepäcksysteme wie Koffer oder Topcases sind nicht vorgesehen.

Die Produktion der Cagiva SST 125 endet 1981. Als Nachfolger gilt die Cagiva Aletta Oro 125, die ab 1982 mit modernerem Design, Scheibenbremse vorne und neuem Fahrwerk auftritt.

FAQ zur Cagiva SST 125

  • Ist die Cagiva SST 125 für Anfänger geeignet? Ja, die Cagiva SST 125 ist aufgrund ihrer leichten Bauweise, des überschaubaren Leistungsgewichts und der einfachen Technik für Einsteiger mit A1-Führerschein geeignet.
  • Hat die Cagiva SST 125 ABS? Nein, die Cagiva SST 125 ist nicht mit einem Antiblockiersystem ausgestattet. Sie verwendet Trommelbremsen an Vorder- und Hinterrad.
  • Cagiva SST 125 vs. Aletta Oro 125 - Unterschiede? Die Aletta Oro 125 ist der direkte Nachfolger der SST 125. Sie bietet eine Scheibenbremse vorne, ein sportlicheres Design, ein überarbeitetes Fahrwerk und eine modernere Motorabstimmung.
  • Cagiva SST 125 Tankinhalt und Reichweite? Der Tankinhalt beträgt laut Hersteller 10 Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von etwa 3,5 Litern pro 100 Kilometer ergibt sich eine Reichweite von rund 280 Kilometern.
  • Kann man mit der Cagiva SST 125 zu zweit fahren? Ja, die SST 125 ist für den Soziusbetrieb ausgelegt.

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