Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution. Der „Evo“ verbraucht deutlich weniger und erzeugt zeitgleich deutlich mehr Drehmoment. On Top dreht er ruhiger und ist dadurch auch langlebiger.
Die Evolution des V2-Motors
Der berühmte V2 ist über Jahrzehnte das Erkennungszeichen des Harley-Motors. Nach wenigen Jahren als Einzylinder, gibt es schon seit dem Jahr 1909 nur noch diese Zylinderanordnung. Der Zweizylinder mit 45° Zylinderwinkel wird von Harley-Davidson konstruiert um mehr Leistung als bei den bis dato noch gängigen Einzylindern zu erzielen.
Frühe Entwicklungen
Die erste Harley-Davidson war nichts anderes als an einem Fahrrad-Rahmen montierter Einzylinder Motor mit 25 bis 37 cubic inch, der das Hinterrad über einen Riemen direkt antrieb. Die ersten Versionen verfügten weder über eine Kupplung noch über ein Getriebe. Für das Modelljahr 1911 wird der V-Twin Motor grundlegend überarbeitet und optimiert.
Ab sofort betätigt die Nockenwelle über eine Stößelstange das Einlassventil, welches im Zylinderkopf über dem Auslassventil angeordnet ist. Die flachen Zylinderköpfe verleihen dem 750er Flathead-Motor seinen Namen. Benannt nach seinen flach gewölbten Zylinderköpfen erschien der erste Flathead Motor 1929. Die Ventile wurden seitlich angeordnet.
Der Flathead Motor wird auf bis zu 1340ccm Hubraum und 34 PS optimiert. Der Knucklehead-Motor wurde von 36-47 produziert und war der erste Harley Motor mit Überkopfventilen und ist nicht zu unrecht der Wohl beliebteste Motor bei Harley Sammlern. Der Name erhielt der Knuckelhead von seinen Rockerboxen, die den Knöcheln einer menschlichen Faust ähneln.
Neue Zylinderköpfe aus Aluminium, der hydraulische Ventilspielausgleich sowie eine verbesserte Schmierung und Kühlung zählen zu den wichtigsten Merkmalen des 1200er Panhead Motors. Sie machen ihn stärker, leichter und langlebiger. Sein Name rührt von den Zylinderkopfabdeckungenher, die wie umgedrehte Pfannen aussehen. Wieder einmal verleiht der Look der Rockerboxen diesem Harley Motor seinen Namen. Die Zylinderkopfabdeckung erinnert an Schaufeln, deswegen auch Shovelhead.
Der Evolution Motor (1984-1999)
Der 1340 ccm 65 PS Motor hat neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser. Der erste mittels computergestützter Konstruktion (CAD) entwickelte Harley Motor. Alls Nachfolger des Shovelhead-Motors sind am Evolution-Triebwerk auch die Zylinder aus Leichtmetall statt wie vorher aus Grauguß.
Der Evo-Motor erhielt auch wegen strengerer Abgasbestimmungen und weniger klopffester Kraftstoffe eine geänderte Brennraumform. Obendrein rückten die über wartungsfreiefreie Hydrostößel bewegten Ventile enger zusammen und die elektronische Zündanlage regelt die Frühzündung variabel in zwei Stufen. Zusammen mit diversen anderen Änderungen ist der Evolution-Motor stabiler, in der Verbrennung ökonomischer und leichter als der Vorgänger.
Die mächtige Kurbelwelle trägt, um jeglichen Zylinderversatz zu vermeiden, auf dem einzelnen Hubzapfen ein Gabelpleuel. Im ersten Produktionsjahr 1984 waren die konischen Enden des Zapfens lediglich mit den Kurbelwangen verschraubt. Ab Baujahr 1985 bestehen Stumpf und Wange aus einem Stück. Die ersten beiden Modelle mit dem neuen Motor, die Softail FXST und die Sport Glide FXRT, hatten für das Baujahr 1984 noch eine Trockenkupplung, die dann im nächsten Jahr von einem in Öl laufenden Aggregat mit Tellerfeder ersetzt wurde. Effekt: leichteres Kuppeln und exakteres Schalten.
Ab 1985 hatten alle Bigblock-Modelle fümf Gänge statt der bisherigen vier und einen Zahnriemen als Sekundärantrieb - beides bereits Vorgriffe auf strengere Geräuschvorschriften. Obendrein hält ein Zahnriemen mindestens dreimal so lange wie ein konventioneller Kettensatz. Ab 1990 erhielten alle Motoren in den über 30 verschiedenen Modellen außerdem für noch besseres Ansprechverhalten statt des Drosselklappen-Vergasers eine Keihin-Gleichdruck-Gasfabrik.
Modelle mit Evolution-Motor
Der große Evolution-Motor mit 1340 cm3 befeuert seit Ende 1983 drei Modellreihen:
- Die FLH-Reihe: mit dert Electra Glide als riesigem, verkleideten Tourer-Flaggschiff.
- Die FXR-Reihe: mit der Low Rider und der Super - sowie Sport Glide für den tourensportlichen Einsatz zuständig.
- Die FXST-Reihe: deren Softail mit dem Starrrahmen-Design als populärste Spielart gilt, einen fabrikneuen Oldtimer zu fahren.
Die Softail-Familie
Bei der dritten Modellinie mit Bigblock-Motor handelt es sich um die Softail. Die neue FXST kokettierte ab 1984 mit der guten alten starren Hinterradführung ohne Federung. Harley hatte kurzentschlossen die Erfindung eines freiberuflichen Ingenieurs übernommen, der eine Dreiecksschwinge entworfen hatte, die wie eine starre Rahmenkonstrúktion aussieht. Unter dem an den Motor angeflanschten Getriebe verstecken sich innerhalb der Rahmenrohre zwei lange Gasdruck-Stoßdämpfer.
Softail Custom, Springer, Heritage Classic , Fat und Bad Boy sind in Deutschland die beliebtesten Modelle innerhalb der kompletten Harley-Familie. Die Harley-Davidson FXST Softail wird 1984 als erstes Modell der neuen Softail-Baureihe vorgestellt. Sie kombiniert die klassische Starrrahmen-Optik mit einem neu entwickelten Rahmen, der zwei unter dem Motorblock liegende Federbeine integriert. Damit bietet sie den Komfort einer Hinterradfederung bei traditioneller Optik. Im selben Jahr debütiert auch der neue luftgekühlte Evolution-V2-Motor mit 1340 cm³, der den Shovelhead-Motor ablöst. Die FXST ist damit das erste Serienmodell mit dem neuen Evo-Motor.
Weitere Modellentwicklungen
Mit der Vorstellung der Sturgis 1991 begann bei Harley für die bisherige FXR-Reihe, also die Modelle Wide, Super - und Sport Glide sowie die Low Rider eine neue Ära. Erstmals verwendete die Firma eine computererrechnete Konstruktion von Rahmen und Aufhängung, platzsparend und mit weniger Bauteilen als beim alten FXR-Rahmen. Er weist ein kräftiges, kastenförmiges Rückgratprofil auf und findet heute unter dem Kürzel FXD bei der Super und Wide Glide, der Dyna Glide Convertible und der Dyna Glide Low Rider Verwendung. Die Dyna Glide Modelle sind leicht zu erkennen an dem fehlenden häßlichen Interferrenzrohr zwischen den beiden Krümmern, das jetzt versteckt unauffällig am unteren Rahmenrohr verläuft.
Technische Details und Modifikationen
Mit vielen kleinen Änderungen, deren vollständige Aufzählung hier den Rahmen sprengen würden, bietet Harley bei der Touring-Familie heute die Modelle Road King, Electra Glide Standard, Classic und Ultra Classic, wobei außer der Standard alle Modelle ab 1996 als Vergaser- und Einspritz-Version angeboten werden. Seit ab 1990 hierzulande für die ABE auch Abgasgutachten unerläßlich wurden, mußten Ansaug- und Abgaswege Restriktionen über sich ergehen lassen. Konsequenz; Die Deutschlandversionen büßten bis einschließlich 1994 bis zu 20 PS gegenüber dem US-Original ein.
In der Konsequenz erwies sich für diese Leistung der fünfte Gang viel zu lang. Mit der Folge, daß die Höchstgeschwindigkeit mit Sozius auf Führerschein A1-Niveau sank. Auch darum hat sich Harley nur sehr zögerlich gekümmert, mit dem Ergebnis, daß viele Evolution-Treiber in Nachahmung des US-Originals ihrem Motor wieder unüberhlörbar Luft verschaffen.
Probleme und Kritik
Das Evolution Triebwerk ist - gemessen an seinem Vorgänger- zuverlässig geworden. Dennoch wird häufig immer noch ein mangelndes Zusammenspiel zwischen Regler und Drehstromlichtmaschine moniert. Trotz verschiedner Änderungen rüttelt sich die vertrackte Verbindung auf Dauer manchmal los, was auch die Lebensdauer der Batterie beeinträchtigt. Deutliche Kritik wird auch immer wieder an der Bremsleistung der FLH und FXR-Modelle laut, der die US-Firma trotz vornehmlich europäischer Klagen nie wirkliche Aufmerksamkeit schenkte.
Gebrauchtmarkt
Auf dem Gebrauchtmarkt stellt sich trotz einer verkauften Stückzahl von insgesamt 17 000 Big Twins und nocheinmal einer Dunkelziffer direkt aus USA importierter Teile die Lage für Gebrauchtkäufer preislich immer noch unbefriedigend dar. Trotz der sensationellen Preissenkung von Harley zum September 1996 - bei einzelnen Modellen um fast 2000 Mark - wird gelten: Selbst für zehn Jahre alte Modelle läuft unter 17 bis 18 000 Mark kaum etwas, auch nicht bei dem Einstiegsmodell Super Glide.
Die Nachfolger
1999 ist es wieder so weit. Der Twin Cam kommt mit 1449 cm3 Hubraum, mehr Leistung und einer noch steiferen Verbindung zum Getriebe als seine Vorläufer. In der Pan America debütiert 2021 der Revolution Max Motor mit 1250 ccm.
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