Harley Davidson Forty-Eight Reichweite Test: Ein detaillierter Überblick

Die Harley-Davidson Forty-Eight ist ein auf das Wesentliche reduzierter, wunderschöner Bobber mit viel Liebe zum Detail und brachialem Durchzug. Sie erinnert an die frühen Nachkriegsjahre und die damals aufkommende Custom- und Hot-Rod-Kultur. Die Reduktion bedeutet aber nicht, dass es an Feinheiten fehlen würde.

Die Sportster ist die erfolgreichste Baureihe von Harley-Davidson und umfasst sieben verschiedene Modelle. Eines von aktuell sieben Modellen ist die Forty-Eight. Mit authentischem Auftritt und überraschender Agilität eroberte sie die Herzen unserer Redakteure. Sie ist zwar nicht perfekt, aber irgendwie muss sie das nicht sein.

Design und Details

Schönheitsbewusstsein beweist die Marke aus Milwaukee nicht nur bei den Hebeln für Bremse und Kupplung. Sie harmonieren optisch perfekt mit den areodynamisch gestalteten Blinkerhaltern im Profil eines Flugzeugflügels sowie den ebenfalls schnörkellos massiven Bremsflüssigkeitsbehältern. Außeres Cockpit und Lenkerklemmen bilden eine absolut formschöne Einheit. Dort findet sich stolz "Milwaukee, USA" eingestanzt. Liebe zum Detail zeichnet auch den Öltank aus. Der verchromte Verschluss wird zum Nachfüllen heruntergedrückt, worauf er ein Stück nach oben schnellt und kann dann mit einer Vierteldrehung inklusive Messstab herausgenommen werden.

Motor und Leistung

49 kW (67 PS) aus 1.202 Kubikzentimetern Hubraum klingen nicht ganz nach '48, aber fast. Das reicht angeblich für 180 km/h Spitze, doch die sind für ein solches Motorrad ohnehin nicht von Bedeutung. Die entscheidende Zahl ist die 96. Mit so viel Drehmoment schiebt die Forty-Eight nämlich bei 3500 Umdrehungen in der Minute vorwärts. Unterhalb von 2.200 Touren stampft, rüttelt und schüttelt sich der immer noch lufgekühlte (!) 1,2-Liter-Motor wie der mächtige Einzylinder eines Lanz-Bulldog.

Zwischen 2.500 und 3.000 Umdrehungen in der Minute zeigt sich der V2 aber plötzlich überraschend geschmeidig. Dann liegen im zweiten Gang 50 bis 60 km/h an, im dritten 70 bis 80 km/h und im vierten 80 bis 95 km/h sowie im letzten Gang 95 bis 110 km/h. Jenseits von Tempo 140 ist wegen des starken Fahrtwindes ohnehin Schluss mit Fahrfreude. Das Getriebe arbeitet sauber, lediglich für den ersten Gang wünschte man sich hin und wieder eine Anti-Hopping-Kupplung. Und auch ein starker Unterarm kann beim Schalten nicht schaden.

Fahrverhalten und Agilität

Das üppige 130er-Vorderrad im 16-Zoll-Format macht sich durchaus bemerkbar und erfordert gewisse Einlenkkräfte. Dennoch lässt sich die Sportster erstaunlich flott durch die Kurve bewegen. Die Schleifnippel an den Fußrasten sind da keineswegs Spielerei und werden dem Namen der Baureihe gerecht. Die Vorderradbremse erfreut mit klarem Druckpunkt, und auch hinten verzögert die Forty-Eight kraftvoll mit linearem Druckaufbau und ohne schwammiges Gefühl im Fuß. Ungewöhnlich filigran fällt die Hinterradschwinge aus. Sie würde auch bei einer 250er nicht überdimensioniert wirken.

Typisch Harley ist das in die Blinker integrierte Rück- und Bremslicht. Das unterhalb des Lenkers montierte Rückspiegel nach Custom-Art nicht die schlechteste Wahl sind, haben wir auch schon an einigen wenigen anderen Motorrädern festgestellt. Schultern und Unterarme geraten da gar nicht erst störend ins Blickfeld.

Reichweite und Tankinhalt

Der lediglich 7,9 Liter Liter fassende Tank verlangt nach rund 100 Kilometern bereits die Suche nach einer Zapfsäule. Das ist der Preis für die Remineszens an 1948, dem Jahr in dem die erste Harley-Davidson mit dem so genannten "Peanut"-Tank (=Erdnuss) auf den Mark kam. Auf längeren Strecken stößt lediglich das Sitzfleisch an seine Grenzen. Leichtes Vorrücken bis fast auf den Tank oder nach hinten auf den Rand der Sitzmulde sorgt zwischendurch für Entlastung. Doch Pausen sind ohnehin unumgänglich.

Bei einem Verbrauch von 5,1 Litern Super geht bereits nach rund 120 Kilometern die Reserveleuchte an, nach spätestens 30 weiteren Kilometern heißt es dann schieben. Die Kraftstoff-Füllmenge beträgt 7,9 Liter, Pi mal Daumen kommt man auf eine Reichweite von ca. 150 Kilometern. Vergleicht man dies beispielsweise mit dem 9 Liter-Tank der Bobber Black, kommt die 48 ca. 50 km eher zum Stehen.

Das wichtigste und gleichzeitig fragwürdigste Attribut, dem nur 2,1 Gallonen (7,95 Liter) fassenden Peanut-(Erdnuss-)Tank genannten Benzinbehältnis. Eben dieser Tank begann seine Karriere 1948 als Treibstofflager der Harley-Davidson S 125. Und eben diese war nichts anderes als ein Nachbau der DKW RT 125, deren Konstruktionspläne als Reparationsleistung zu den Amis kamen. Die Optik des Winzlings kann überzeugen, bei der Funktionalität hingegen kommen leichte Zweifel auf.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Daten
Motor 45-Grad-V2, 1.202 ccm, luftgekühlt
Leistung 49 kW (67 PS) bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 96 Nm bei 3.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Tankinhalt 7,9 Liter
Sitzhöhe 710 mm
Gewicht (fahrbereit) 252 kg
Bereifung 130/90 B16 (vorne), 150/80 B16 (hinten)
Preis 12.435 Euro

Vergleich mit anderen Modellen

Dem Harley-Davidson Sportster XL 1200X Forty-Eight mit ihrem 4-Takt V 2-Zylinder-Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 1.202 Kubik steht die Yamaha MT-09 mit ihrem 4-Takt Reihe 3-Zylinder-Motor mit 847 Kubik gegenüber. Die Yamaha hat mit 115 PS bei 10.000 Umdrehungen einen mächtigen Leistungsvorsprung im Vergleich zur Harley-Davidson mit 67 PS bei 6.000 U / min. Das maximale Drehmoment der Sportster XL 1200X Forty-Eight von 96 Newtonmeter bei 3.500 Touren bietet ähnlich viel Schub als die 88 Nm Drehmoment bei 8.500 Umdrehungen bei der MT-09.

Mit einem fahrfertigen Gewicht von 255 kg ist die Harley-Davidson massiv schwerer als die Yamaha mit 193 kg. In den Tank der Sportster XL 1200X Forty-Eight passen 7,9 Liter Sprit. Bei der MT-09 sind es 14 Liter Tankvolumen.

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