Harley Davidson and the Marlboro Man: Eine Filmkritik

Die Lieblingskneipe vom knallharten Biker "Harley Davidson" (Mickey Rourke) und seinem nicht weniger toughen Cowboy-Freund "Marlboro Mann" (Don Johnson) steht kurz vor der Schließung. Für die beiden Biker eine mittelschwere Katastrophe.

Handlung

Als die Stammkneipe der Biker Harley Davidson (Mickey Rourke) und Marlboro Man (Don Johnson) Gefahr läuft zu schließen, entschließt sich das Duo, einen Geldtransporter zu überfallen, um das nötige Geld zum Erhalt aufzubringen. Doch als sie den Transporter öffnen, finden sie kein Geld, sondern eine neue Droge namens „Killertraum“ vor.

Kurzerhand entschließen sie sich, einen Geldtransporter zu knacken, um die nötige Kohle, immerhin 2,5 Millionen Dollar für die Verlängerung des Pachtvertrages aufzutreiben. Doch als sie den Transporter öffnen, müssen sie erkennen, dass dieser nur als Geldtransporter getarnt war und in Wahrheit die neuartige Droge "Killertraum" als Ware aufgeladen hat. Dies führt den mächtigen Drogenboss und Bankpräsident Chance Wilder (Tom Sizemore) auf die Spur der beiden. Wilder entsendet seine Killer auf Davidson und den Marlboro Man.

Kritik

Im Herzen ist HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN ein Neo-Western über zwei einsame Outlaws, die sich nicht an die Gegenwart anpassen. Dann ist es ein waschechter Buddy-Movie mit kernigen Sprüchen und einer langjährigen Freundschaft.

Die eigentliche Anomalie in diesem Genremix ist das Science-Fiction-Genre, denn die Handlung spielt in der Zukunft, dem Jahr 1996. Eine Art nostalgische Nah-Zukunft ist zu sehen, mit schmalen Maschinengewehren, kugelsicheren Mänteln, kristallblauen Superdrogen und einen schnittigen Hubschrauber wie aus der TV-Serie AIRWOLF (1984-1986).

Wenn man den Film einfach nicht ernst nimmt, funktioniert der Streifen wunderbar: Rourke und Johnson ergeben ein wunderbares Team, dass sich wundervolle Wortduelle liefert.

Kultig nicht nur wegen seiner beiden Hauptdarsteller, sondern von der Lässigkeit beseelt wie Anfang der 1990er-Jahre Filme erzählt und inszeniert wurden.

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN sieht man sein Alter an, das Zukunftsszenario wird kaum thematisiert und alles wirkt wie: das habe ich schon einmal gesehen. Aber dennoch, das Motto des Films passt, es ist cool.

Ein Unfall, in dem vieles Ungewöhnliches, Geschichtliches und wunderbar Naives entdeckt werden kann. Auch wenn in der deutschen Synchronisation das Wort „Schwuchtel“ mindestens zweimal als Schimpfwort benutzt wird - heute zu Recht ein absolutes No-Go - erweckt der Eindruck eine sehr „harmonische Männerbeziehung“ zu sehen. Frauen sind in der Handlung nur schickes Beiwerk wie die passende Sonnenbrille. Über ihre wahren Gefühle reden Marlboro und Harley ausschließlich vertraut unter vier Augen.

Beide haben auch je ein Laster abgelegt. Harley trinkt nicht mehr und Marlboro raucht nicht - die unangezündete Kippe steckt ihm dennoch stets im Mundwinkel.

Sie sprechen offen miteinander über ihre emotionalen Narben aus der Vergangenheit, haben sich legalen Rauschmitteln entzogen, behandeln alle Frauen im Film auf Augenhöhe und kämpfen für die Unterschicht. Vom selbstbewussten äußerlichen Stil ganz zu Schweigen. Rourke kommt aus den engen Lederhosen nie raus und Johnson trägt seinen Hut charmant würdevoll.

Harley ist der Motorradexperte, der einen Nahkampf gegen Riesen überlebt, jedoch im Schießen eine totale Null ist. Marlboro schießt wie ein Lucky Luck, fährt Motorrad wie der Wind, hat aber ein permanentes Alkoholproblem.

Der Killertrupp mit den SS-Mänteln erinnert an Androiden ganz im Stile von TERMINATOR oder ROBOCOP. Deren Waffen (Steyr AUG A1) sind immer wieder prominent in Actionfilmen Ende der 80er und Anfang der 90er zu finden (RUNNING MAN, PREDATOR, STIRB LANGSAM, ROBOCOP).

Marlboros Affäre mit der Polizistin Virgina Slim (Chelsea Field) bringt Einblick in das Wohnen der Zukunft (viel Mauerwerk und helle Innenräume) und zeigt die neusten Police Motorcycles (zu viel Plastik).

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN bewegt sich lieber in Orten ohne Kultur und denen des Vergessens, wie der Flugzeugfriedhof zum Ende des Films.

Es gibt glaub ich nur zwei Möglichkeiten: entweder man verachtet die coolen Helden, findet ihre Sprüche ätzend und den Film zum kotzen oder man liebt ihn für seine Helden, lacht über die Dialoge und gibt dem Film den Daumen hoch … muß jeder für sich finden.

Ein gescheiterter Vollblut-Vertreter seiner Zeit. Nach dem Flop an der Kinokasse erarbeitete sich HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN seinen Liebhaberstatus in den Videotheken bei manchem Motorrad- und 1990er-Jahre-Actionfilmfan.

Nicht nur sehenswert, wegen der „Zukunftsvision“, sondern auch mit ein paar Freunden an einem lockeren Filmabend, wo Unterhaltung vor Bewusstseinserweiterung steht.

Männlichkeit und Ideologie

Gedeutet wird der Mann hier als Subkultureller Bestandteil einer ehrbaren Ideologie, zumindest, wenn man das ehrbar nennen will. Harley Davidson und sein Kumpel Robert Lee Edison sind Männer. Und laut dem Film sind sie also Männer, weil sie ihren Lebtag in einer Bar oder Kneipe zubringen, trinken, Frauen beim Poledance beobachten, oder auch mal mehr tun. Sie sind Männer, weil sie Motorrad fahren, Lederjacken oder Cowboy-Outfits tragen. Sie sind Männer, weil sie sich nicht abschrecken lassen oder vor dem Tod fürchten. Sie können kämpfen, nehmen jede Bedrohung mit einem Schulterzucken entgegen. Erstaunlicherweise sind sie vor allem dann treu, wenn es darum geht ihre Bar, also einen Ort, wo sich andere Männer tummeln, zu retten.

In Sachen Liebe ist vor allem Robert Lee Edison ein Mann, weil er sich der Liebe zunächst verschließt und sich ihr dann öffnet. Nun mag das wohl nur zu Teilen die ironisierte Definition eines Mannes durch Herbert Grönemeyer widerspiegeln, gleichwohl hebt sich der Film damit auf eine Ebene, in der die Figuren kaum noch eine nennenswerte Substanz aufweisen. Sie sind diese lebendig gewordenen Vorstellungen vergangener Tage, die aber ob des gesamten Szenarios und der gesamten Prämisse kaum zugänglich erscheinen. Ja, man kann Harley-Davidson & The Marlboro Man kaum ernst nehmen und vielleicht sollte man das auch nicht.

Am Ende erheben sich Harley Davidson und Robert Lee Edison gegen einen Unternehmer. Eine Bank soll dabei ausgeraubt, ein Kleinunternehmer gerettet und die Moral auf der richtigen Seite manifestiert werden. Das ist natürlich dann zunächst eine charmante David-gegen-Goliath-Geschichte, die der Film hier präsentiert. Gleichwohl ist das natürlich auch ein modernes Problem, daß durch einen Kapitalismus befeuert wird und der Film damit aufgreift. Denn frei nach dem Motto „Support your local Hero“ gehen die Figuren dem Idealismus des Kleinbürgertums nach. Inszeniert wird das dabei in Form eines Westerns, in dem die Figuren nicht auf Pferden, aber auf Motorrädern durch die „Prärie“ reiten.

Fazit

HARLEY DAVIDSON AND THE MARLBORO MAN ist ein absurder Spaß, der die Männlichkeit propagiert und darüber hinaus als kreativer Neo-Western alte mit neuen Welten vergleicht.

Aspekt Details
Genre Action, Buddy-Movie, Neo-Western
Regisseur Simon Wincer
Hauptdarsteller Mickey Rourke, Don Johnson
Budget 23 Millionen Dollar

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