Harley Davidson Street 750: Detaillierter Testbericht zu Höchstgeschwindigkeit und Performance

Vor einigen Jahren unternahm Harley-Davidson den Versuch, mit der Baureihe Street im mittleren Hubraumsegment Fuß zu fassen und eine jüngere Käuferschicht anzusprechen. Das in Indien gefertigte 750er-Einstiegsmodell namens Street 750 überzeugte jedoch in Sachen Qualität und Material zunächst nicht. Der Kostendruck war zu offensichtlich.

Die Harley-Davidson Street 750 wird erstmals 2014 vorgestellt und bleibt bis einschließlich 2020 im offiziellen Modellprogramm von Harley-Davidson. Sie gehört zur sogenannten "Street"-Baureihe, die speziell für urbane Einsatzzwecke und Einsteiger konzipiert ist. Die Street 750 ist das erste neue Modell von Harley-Davidson mit flüssigkeitsgekühltem V-Twin-Motor seit der V-Rod und wird im Rahmen der "Dark Custom"-Linie positioniert.

Die Street 750 wird in den USA und auf internationalen Märkten angeboten, wobei die Produktion für den US-Markt zunächst im Werk Kansas City erfolgt. Für den internationalen Markt, insbesondere für Asien und Europa, wird das Modell im Werk Bawal, Indien, gefertigt. Die Modellbezeichnung bleibt in allen Märkten identisch: Harley-Davidson Street 750.

Technische Ausstattung und Besonderheiten

Die Street 750 ist mit einem flüssigkeitsgekühlten Revolution X V-Twin-Motor ausgestattet. Die Sitzposition ist aufrecht und relativ niedrig, was sie insbesondere für kleinere Fahrerinnen und Fahrer zugänglich macht. Die Soziustauglichkeit ist gegeben, ein Soziussitz mit Haltegriffen ist serienmäßig vorhanden. Die Federung ist auf Komfort im Stadtverkehr ausgelegt, mit einer Telegabel vorn und zwei Federbeinen hinten.

Ab Werk ist die Street 750 mit einem analogen Tachometer mit integriertem LC-Display ausgestattet, das unter anderem Kilometerstand, Tageskilometerzähler und Tankanzeige anzeigt. Ein verstellbarer Windschild ist nicht serienmäßig verbaut und wird auch nicht als offizielles Zubehör von Harley-Davidson angeboten.

Gepäcklösungen wie Satteltaschen oder ein Gepäckträger sind über das Harley-Davidson-Zubehörprogramm erhältlich, jedoch nicht serienmäßig. Die Bereifung variiert je nach Markt leicht, in der Regel sind jedoch Michelin Scorcher Reifen ab Werk montiert. Die Felgengröße beträgt vorn 17 Zoll und hinten 15 Zoll.

Die Bremsanlage besteht aus einer Einzelscheibe vorn und hinten, ab Modelljahr 2017 ist ABS serienmäßig verbaut. Zuvor ist ABS nur in bestimmten Märkten verfügbar.

Modellpflege und Änderungen

Zwischen 2014 und 2020 bleibt die Street 750 technisch weitgehend unverändert. Die auffälligste Änderung erfolgt 2017 mit der Einführung von serienmäßigem ABS in vielen Märkten. Zudem wird die Bremsanlage überarbeitet, nachdem frühere Modelle wegen unzureichender Bremsleistung kritisiert wurden.

Die Bremssättel und Bremsleitungen werden verbessert, was offiziell von Harley-Davidson dokumentiert ist. Die Farbpalette variiert über die Jahre, darunter Farben wie Vivid Black, Denim Black, Velocity Red Sunglo und Bonneville Salt Pearl. Sondereditionen oder limitierte Versionen sind für die Street 750 nicht offiziell dokumentiert.

Die Produktion der Street 750 endet 2020. Harley-Davidson nimmt das Modell aus dem globalen Programm, auch im Zuge einer strategischen Neuausrichtung des Modellportfolios. Eine direkte Nachfolgerin mit gleichem Konzept wird nicht vorgestellt.

Fahrverhalten und Ergonomie

All das will sich der Autor an dieser Stelle klemmen und versuchen, die neue Harley Davidson Street Rod XG750 A - so viel Zeit muss sein - als das zu beschreiben, was sie laut der Idee der US-amerikanischen Motorradschmiede ist: ein Einsteiger-Bike für Leute, die ihren Weg zur Arbeit zum "Abenteuer" machen wollen.

Ja, abenteuerlich ist jede Fahrt auf einem motorisierten Zweirad, denn wer hier nicht immer auch für seine vierrädrigen Kollegen im Verkehr mitdenkt, hat schnell verloren. Natürlich meinten die Jungs in Milwaukee, die die neue Street Rod ersonnen haben, etwas anderes. Das 240 Kilogramm schwere Gerät mit seinem wassergekühlten V2 ist keine Reisemaschine. Vielmehr ist sie eine Mischung aus Sportler und Cruiser für die Kurzstrecke, zum Beispiel für den eben erwähnten Weg zur Arbeit, der sich beim Autor one way auf 35 Kilometer erstreckt.

Eine Distanz, die im ersten persönlichen Empfinden durchaus hätte länger sein können, denn mit 1,75 Metern Körperhöhe hat man auf der 76,5 Zentimeter hohen Sitzbank eine geradezu perfekte Position. Der Knieschluss am Tank ist bündig, an der Kreuzung stehen beide Füße stabil auf dem Boden und der Körper, der dank des Drag-Bar-Lenkers in Richtung Vorderrad gezogen wird, sorgt gefühlt für zusätzliche Dynamik bei der Kurvenfahrt.

Allerdings darf man es mit der Neigung nicht übertreiben, denn der Winkel beträgt rechts 37,3 Grad, links sind es 40,2 Grad. Aber Achtung, das alles stimmt nur für kleine Fahrer. Wer ab circa 1,87 Meter auf die Street Rod steigt, wird über mangelnde Balance, einen zu spitzen Anstellwinkel der Knie und eine recht bucklige Haltung zum Lenker klagen. Auch die Abstellposition der Füße auf den Rasten dürfte hochaufgeschossenen Personen wenig entgegenkommen. Alle anderen sollten sich hier zügig zurechtfinden.

Obgleich die Fußstellung auf der rechten Seite zum Bremspedal hin schon gewöhnungsbedürftig ist. So ganz ideal ist der Abstand für keinen Fahrer und selbst der Autor suchte während der Fahrt häufiger nach der besten Position. Die sucht der Fahrer übrigens auch, wenn er sich doch mal über die 100-Kilometer-Distanz mit der Street Rod wagt, denn über eine solche Strecke wird der Po auf dem Polster ganz schön breit.

Das Gefühl kann so drückend werden, dass man sich mit zunehmender Zeit ab und an aus dem Sattel heben muss, um sich neu zu positionieren. Aber noch mal: Die Einsteiger-Harley ist kein Tourer und wer mit ihr Strecke machen will, der muss halt öfter eine Kaffeepause einschieben.

Spartanisch ist das Rundinstrument der Street Rod 750 und dennoch sind alle notwendigen Informationen da. Ansprechend hingegen ist das Fahrverhalten. Der kleine High Output Revolution X V-Twin schiebt mit 71 PS und einem maximalen Drehmoment von 65 Newtonmeter ordentlich an.

Allerdings stehen alle Pferde erst ab 9000 Kurbelwellenumdrehungen auf der Koppel. Dazu ist es während des Tests übrigens nicht gekommen, denn am besten fährt sich die Street untertourig. Wer ab 3000 Umdrehungen schaltet, hat ausreichend Schub, um im Verkehr gut voranzukommen.

Und wer es tatsächlich krachen lassen will, der zieht den Gashahn mal richtig auf, bekommt bei 4000 Umdrehungen das maximale Drehmoment und hämmert, wenn der digitale Drehzahlmesser die 6000 streift, den nächsthöheren Gang rein.Wer so fährt, gewinnt nicht nur den Ampelstart, sondern ist in wenigen Sekunden auf Tempo 140 gesprintet. Die erfahrene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180.

Aber Achtung: Wenn man sonst recht lässig auf dem in Indien gebauten Ami reiten kann, muss das Körpergewicht ab 120 km/h immer weiter nach vorne verlagert werden. Zum einen, um dem drückenden Fahrtwind entgegenzuwirken, zum anderen, um mehr Gewicht auf das Vorderrad der 2,13 Meter langen Street Rod zu bringen.

Mehr Spaß am Fahren und vor allem am Klang des V2 hat man beim gepflegten Gang über Landstraßen, durch Innenstädte und unter Brücken, wenn sich das martialische Brummen und Brabbeln vervielfacht. Freunde behaupteten jedenfalls, dass man deutlich hören würde, um welche Motorrad-Schmiede es sich hier handelt.

Dennoch, die kleine Street Rod 750, die im Übrigen wesentlich erwachsener geworden ist als ihre Vorgängerin, klingt lange nicht so wuchtig wie die großen Brüder. Das ist auch gut so, denn eigentlich fällt der Sport-Cruiser deutlich aus dem Portfolio heraus.

Und von der Harley-Fahrer-Gemeinde wird man, wenn man mit dem Einsteiger vorfährt, eher belächelt als zum Bier eingeladen. Aber bei den restlichen Zweiradfreunden kommt die "kleine Harley" gut an. Grüße von denen, die vorbeifahren und gehobene Daumen am Straßenrand waren schon ein erhebendes Gefühl. Optisch liegt das wohl auch an den schwarzen 17-Zoll-Leichtmetallrädern mit 120er Pneus vorn und 160er Gummis hinten.

Schick auch die Blinker und das Rücklicht, die beide mit LED-Licht strahlen. Wichtig auch, dass die US-Amerikaner bei ihrem Einsteiger technisch aufgerüstet haben. Vorne beißen die Zweikolben-Schwimmsattel in zwei Scheiben, hinten in eine.

Das serienmäßige ABS verhindert, dass bei eingeschlagenem Lenker und festem Bremseingriff über die Handbremse das Vorderrad blockiert. Wichtig vor allem dann, wann sich der Fahrer auf sandige, abschüssige Wege verirrt, die für den kleinen Sport-Brocken eigentlich nicht geschaffen sind.

Was die Street Rod und damit der Fahrer auch gar nicht mögen, ist grobes Kopfsteinpflaster. Obgleich auch hier im Vergleich zum Vorgänger ordentlich nachjustiert wurde ruckelt einen die Amerikanerin immer noch ordentlich durch.

Das geht so weit, dass sich die Vibration in die Gashand überträgt und ordentliche Schläge über die Gabel für ein ruckeliges Gefahre sorgen, das vor allem nach außen furchtbar albern aussehen muss. Auf glatter Straße liegt die Street Rod hingegen fast schon feinnervig auf dem Asphalt, gibt sich ruhig und spurstabil, lässt sich sanft in die Kurve legen und richtet sich problemlos wieder auf.

Was nicht so ihr Ding ist, sind Kreisverkehre, also enge Radien. Hier will sie durch den Fahrer streng geführt werden.Was der Pilot aber wirklich gar nicht mag, ist der Umstand, dass der Feuerstuhl an diversen Stellen echt Hitze entwickelt. Auf langer Tour wird der Lufteinlass auf der rechten Seite recht warm, im Stand an der Kreuzung strahlt der V2 ordentlich nach oben ab, rechts muss der Fahrer aufpassen, dass er sich die Wade nicht am höllisch heißen Auspuff versengt und links den Oberschenkel am hinteren Zylinderblock.

Wer das weiß, kann sich darauf einstellen und sich beim Stillstand entsprechend zurechtrücken. Aber eigentlich sollte das nicht Ziel der Übung eines Motorradfahrers sein.

Vergleich mit der Harley-Davidson Sportster Iron 883

Ein Vergleich mit der Harley-Davidson Sportster Iron 883 zeigt deutliche Unterschiede. Fahrwerksseitig liegt die Harley Davidson Sportster Iron 883 eine Nuance satter auf der Straße, wirkt homogener abgestimmt. Den Begriff Komfort zu verwenden wäre allerdings falsch. Die 92 Millimeter Federweg vorn respektive 41 Millimeter hinten sorgen gerade mal dafür, dass das Gebiss nicht rausfliegt, wenn man einen Bahnübergang überquert.

Dagegen wirkt die Harley-Davidson Street 750 mit ihren vergleichsweise üppigen Federwegen von 140 Millimetern vorn und 90 hinten fast wie eine Sänfte und offeriert etwas mehr Komfort, wobei sowohl das Federbein als auch die Gabel tendenziell mehr Dämpfung vertragen könnten.

Seit 2014 kommt in den Harley-Modellen ein neues ABS zum Einsatz, mit dem die Harley-Davidson Sportster Iron 883 ebenfalls bestückt war (Aufpreis: 500 Euro). Doch die Bremsanlagen unterscheiden sich nicht nur durch das fehlende ABS, sondern auch in der Hardware. Und vor allem der Wirkung. So ist in puncto Bremsleistung bei der Harley-Davidson Street 750 noch viel Luft nach oben: Ihre Vorderradbremse wirkt stumpf, verlangt nach viel Handkraft und hat keinen klaren Druckpunkt. Die Wirkung der Hinterradbremse ist okay. Mehr aber auch nicht.

Das Gegenteil ist bei der Harley-Davidson Sportster Iron 883 der Fall. Hier stimmt alles. Die Verzögerung ist mit beiden Bremsen sehr gut und der Druckpunkt klar definiert. Einzige Schwachstelle beim Verzögern sind die Reifen: Die montierten Michelin Scorcher 31 sind im Nassen nicht nur beim Übertragen der Bremskraft eine Katastrophe, sondern auch bei geringer Schräglage, denn sie rutschen schnell weg. Diesbezüglich verhält sich der auf der Harley-Davidson Street 750 montierte Michelin Scorcher 11 bei Nässe etwas besser. Allerdings läuft er jeder Rille hinterher.

Technische Daten im Vergleich

Hier ein Vergleich der technischen Daten der Harley-Davidson Sportster Iron 883 und der Street 750:

Merkmal Harley-Davidson Sportster Iron 883 Harley-Davidson Street 750
Motor Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor Zweizylinder-Viertakt-60-Grad-V-Motor
Hubraum 883 cm³ 749 cm³
Leistung 39,0 kW (53 PS) bei 5750/min 42,0 kW (57 PS) bei 8000/min
Drehmoment 70 Nm bei 3750/min 60 Nm bei 4000/min
Radstand 1510 mm 1535 mm
Sitzhöhe 750 mm 720 mm
Gewicht vollgetankt 258 kg 231 kg
Tankinhalt 12,5 Liter 13,1 Liter
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 170 km/h

Street 750 vs. Street Twin

Der Harley-Davidson Street 750 mit ihrem Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 749 Kubik steht die Triumph Street Twin mit ihrem 4-Takt Reihe mit Hubzapfenversatz 2-Zylinder-Motor mit 900 Kubik gegenüber. Das maximale Drehmoment der Street Twin von 80 Newtonmeter bei 3.800 Touren bietet ordentlich mehr Schmalz als die 60 Nm Drehmoment bei 3.500 Umdrehungen bei der Street 750.

Bei der Street 750 federt vorne eine Telegabel konventionell. Die Street Twin setzt vorne auf eine Telegabel konventionell von Kayaba mit 41 Millimeter Standrohr-Durchmesser und hinten arbeitet auf ein in Federvorspannung verstellbares Stereo-Federbeine von Kayaba.

Für die notwendige Verzögerung sorgt auf der Harley-Davidson vorne eine Einzelscheibe Zweikolben-Zange und hinten eine Scheibe Zweikolben-Zange. Die Triumph vertraut vorne auf eine Doppelscheibe mit 310 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo. Hinten ist eine Scheibe mit 255 mm Durchmesser und Zweikolben-Zange von Nissin verbaut.

Bei der Bereifung setzt Street 750 auf Schlappen mit den Maßen 100 / 80 - 17 vorne und 140 / 75 - 15 hinten. Für Bodenkontakt sorgen auf der Street Twin Reifen in den Größen 100/90-18 vorne und 150/70-17 hinten.

Der Radstand der Harley-Davidson Street 750 misst 1.535 Millimeter, die Sitzhöhe beträgt 710 Millimeter. Die Triumph Street Twin ist von Radachse zu Radachse 1.450 mm lang und ihre Sitzhöhe beträgt 765 Millimeter.

In den Tank der Street 750 passen 13,1 Liter Sprit. Bei der Street Twin sind es 12 Liter Tankvolumen.

Der aktuelle Durchschnittspreis der Harley-Davidson Street 750 beträgt in unserer Neu- und Gebrauchtmotorradbörse 6.227 Euro und ist damit günstiger als der Preis der Triumph Street Twin mit 6.973 Euro im Durchschnitt. Von der Harley-Davidson Street 750 gibt es aktuell 7 Inserate am 1000PS Marktplatz, von der Triumph Street Twin sind derzeit 14 Modelle verfügbar.

Fazit

Ab 8465 Euro ist die Harley Davidson Street Rod 750 preislich ein super Einstieg in die Welt einer legendären Marke und gleichzeitig ein echtes Angebot im Vergleich mit anderen Herstellern. Und das einmal mehr, weil sie ob ihrer Sportlichkeit eigentlich keine typische Harley ist.

Deshalb verzeiht man ihr auch, dass die Qualität der verarbeiteten Materialien an einigen Stellen nicht an die der größeren Geschwister heranreicht.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0