Gut geölte Fahrradketten verschleißen langsamer und setzen keinen Rost an. Um herauszufinden, welche Schmierstoffe die besten sind, wurden elf Kettenöle für Ganzjahrespendler im Labor getestet.
Darum muss die Kette geölt werden
Fahrradketten verschleißen und längen sich bei jedem gefahrenen Kilometer - das lässt sich nicht aufhalten. Dennoch kann der Verschleiß enorm reduziert werden, indem die Kette regelmäßig gereinigt und anschließend wieder geölt wird.
Ist die Kette aber zu lang geworden oder aufgrund von mangelnder Schmierung versteift, leiden auch die Kettenblätter und Zahnkränze.
Den gesamten Antrieb auszutauschen kostet dann deutlich mehr Geld, als lediglich die Kette zu wechseln oder zu pflegen.
Überdies drohen verschlissene Ketten zu reißen, was zu einem Sturz führen und somit gefährlich werden kann.
Ohne Reparaturwerkzeug ist die Fahrt bei gerissener Kette zwangsläufig zu Ende - sehr lästig, besonders in Gegenden, wo keine öffentlichen Verkehrsmittel als Notlösung bereitstehen.
Letztlich führt eine gut geschmierte Kette dazu, dass weniger Kraft beim Pedalieren verloren geht - man fährt also leichter und schneller!
Vielfältige Schmiermittel
Möchten Radfahrer ein Fläschchen Kettenöl kaufen, werden sie von der Vielfalt geradezu erschlagen.
Zum Beispiel gibt es Dry Lubes, die zwar sehr gut schmieren und wenig Schmutz anziehen, aber nur wenig resistent gegen Nässe sind und sich somit nur für Schönwetterbikes eignen.
Wet Lubes sind Öle für nasse Bedingungen. Sie lassen sich vom Regen nicht so einfach wegspülen und schützen besser vor Rost.
Allroundöle versuchen, einen Kompromiss aus den beiden Ölgattungen zu bilden.
Kettenöle sind in Spray- und Tropfflaschenform erhältlich. Sprays haben den Nachteil, dass sie das Schmiermittel meist zu großflächig verteilen, sodass viel Öl auf dem Boden, auf den Kettenaußenseiten oder gar auf der Felge beziehungsweise Bremsscheibe landet.
Letzteres beeinträchtigt die Bremsleistung sehr stark. Mit den fein zu dosierenden Tropfflaschen kann das nicht passieren.
Öl auftragen, aber wie?
Bevor Sie das Kettenöl auftragen, sollte die Kette vom gröbsten Dreck gereinigt werden, denn Sand wirkt wie Schmirgelpapier.
Anschließend kann das Öl tröpfchenweise auf die Kette gegeben werden. Drehen Sie hierfür die Kurbel langsam rückwärts.
Seien Sie mit dem Öl sparsam, da zu viel davon zu einer höheren Schmutzanhaftung führt. Drehen Sie die Kurbel nach dem Auftragen zur besseren Ölverteilung noch ein paar Umdrehungen weiter. Entfernen Sie anschließend mit einem Lappen das überschüssige Öl von den Kettenaußenseiten.
Sand im Getriebe ist niemals gut, er erhöht den Verschleiß enorm.
Das macht ein gutes Kettenöl aus
Wir haben elf Kettenöle im Labor von Bremer & Leguil getestet. Hierbei entschieden wir uns für Öle, die für den Allround-Einsatzzweck oder für nasse Bedingungen ausgelegt sind.
Ein gutes Kettenöl reduziert die Reibung und somit den Verschleiß. Es sorgt es dafür, dass die Kettenglieder beweglich bleiben und sich gut um die Zahnkränze legen.
Fahrradkettenöle haben jedoch außerdem mit äußeren Einflüssen zu kämpfen. So müssen sich die Öle gegen Wasser behaupten.
Tatsächlich haben wir im Test festgestellt, dass diejenigen, die laut Etikett für besonders nasse Bedingungen geeignet sein sollen, nicht zwangsläufig bei Nässe besser abschneiden.
Überdies sollen gute Öle natürlich möglichst wenig Schmutz anziehen und sich gut handhaben lassen - also beispielsweise nicht heruntertropfen.
Die Kettenöle im Überblick
Hier ist eine Übersicht der getesteten Kettenöle mit ihren Preisen pro 100 Milliliter und den entsprechenden Bewertungen:
| Kettenöl | Preis pro 100 Milliliter | Note |
|---|---|---|
| Antidot Kettenöl | 17,90 Euro | sehr gut |
| Brunox Top-Kett | 11,72 Euro | gut |
| Dr. Wack F100 Kettenöl | 17,98 Euro | gut |
| Dynamic All Round Lube | 9,40 Euro | befriedigend |
| Finish Line Cross Country Kettenöl | 6,66 Euro | gut |
| Hanseline MTB Kettenöl | 4,40 Euro | befriedigend |
| Muc-Off Kettenöl für Nässe | 9,13 Euro | befriedigend |
| Shimano Wet Lube | 7,96 Euro | gut |
| SKS Lube your chain | 17,32 Euro | gut |
| WD-40 Bike Kettenöl Wet | 10,49 Euro | sehr gut |
| Zéfal Extra Wet Chain lube | 8,29 Euro | gut |
Wertungen im Detail
Eine detaillierte Auflistung der Testergebnisse für jedes Kettenöl, einschließlich Verschleißtiefe, Verschleißschutz, Korrosionsschutz, Schmutzresistenz, Kriechfähigkeit und Handhabung, finden Sie in der folgenden Tabelle:
| Kettenöl | Preis pro 100 Milliliter | Verschleißtiefe | Verschleißschutz | Korrosionsschutz | Schmutzresistenz | Kriechfähigkeit | Handhabung | Punkte gesamt | Note |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Antidot Kettenöl | 17,90 Euro | 3,34 Mikrometer | ★★★★★★★★½☆ | ★★★★☆ | ★★★★★★★★★★ | ★★☆☆☆ | ★★★★★★★☆☆☆ | 92 | sehr gut |
| Brunox Top-Kett | 11,72 Euro | 10,26 Mikrometer | ★★☆☆☆½ | ★★★★☆ | ★★★½☆ | ★★★★☆ | ★★★★½ | 74 | gut |
| Dr. Wack F100 Kettenöl | 17,98 Euro | 18,79 Mikrometer | ☆☆☆☆ | ★★★★☆ | ★★★½☆ | ★★★★★★★★★★ | ★★☆☆☆ | 65 | gut |
| Dynamic All Round Lube | 9,40 Euro | 26,29 Mikrometer | ★★★★☆ | ★★★★★★★★☆☆ | ★★★½☆ | ★★★★☆ | ★★★★½ | 52 | befriedigend |
| Finish Line Cross Country Kettenöl | 6,66 Euro | 7,64 Mikrometer | ★★☆☆☆ | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★½☆☆ | ★★★★★★★★½☆ | 76,5 | gut |
| Hanseline MTB Kettenöl | 4,40 Euro | 16,49 Mikrometer | ★★☆☆☆ | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★☆ | ★★★½☆ | 62 | befriedigend |
| Muc-Off Kettenöl für Nässe | 9,13 Euro | 16,32 Mikrometer | ★★★½☆ | ★★★★☆ | ★★★★½☆☆☆☆☆ | ★★★★★★★★½☆ | ★★★★★★★★½☆ | 63,5 | befriedigend |
| Shimano Wet Lube | 7,96 Euro | 9,02 Mikrometer | ★★★☆☆ | ★★★★★★★★★★ | ★★★½☆ | ★★★★★★★★½☆ | ★★★½☆ | 77 | gut |
| SKS Lube your chain | 17,32 Euro | 13,56 Mikrometer | ★★★★☆ | ★★★★★★★★★★ | ★★★½☆ | ★★★★★★★★½☆ | ★★★★★★★★½☆ | 67,5 | gut |
| WD-40 Bike Kettenöl Wet | 10,49 Euro | 6,95 Mikrometer | ★★★½☆ | ★★★★★ | ★★★½☆ | ★★★★★★★★½☆ | ★★★★★★★★½☆ | 82 | sehr gut |
| Zéfal Extra Wet Chain lube | 8,29 Euro | 9,69 Mikrometer | ★★★½☆ | ★★★☆☆ | ★★★½☆ | ★★★★★ | ★★★½☆ | 69 | gut |
Fazit
Die Testergebnisse zeigen, dass das Antidot Kettenöl mit einem besonders guten Schutz vor Verschleiß überzeugt und sich den Testsieg holt. Das WD-40 Bike Kettenöl Wet ist beim Korrosionsschutz überragend und reduzierte den Verschleiß am zweitbesten.
Ein wichtiger Aspekt ist außerdem, dass die meisten Öle aus nicht abbaubarem Mineralöl bestehen und somit umweltschädlich sind. Doch es gibt auf dem Markt auch viele Bio-Öle.
Um den Begriff „biologisch leicht abbaubar“ nutzen zu dürfen, müssen 60 Prozent der Inhaltsstoffe innerhalb von 28 Tagen abgebaut sein.
Fahrrad-Kettenöle: Bio im Trend
Der Bio-Trend macht auch vor Schmierstoffen für Fahrradketten nicht halt. Die gute Nachricht: In Sachen Leichtlauf, Korrosions- und Verschleißschutz können Bio-Öle mit konventionellen Schmierstoffen konkurrieren.
Der Begriff “Bio” ist dabei dehnbar wie Kaugummi, und nicht alle Öle erfüllen hier die gleichen Anforderungen.
Als biologisch leicht abbaubar - und das ist die Grundvoraussetzung, die ein modernes Bio-Schmiermittel erfüllen muss - gelten Produkte, die spätestens nach 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sind.
Nicht alle Produkte im Test entsprechen diesen Anforderungen. Das Bio-Antriebsöl von Wash’n Roll und das Pedro’s Go! etwa bestehen zu einem großem Teil aus Weißöl, einem Produkt aus Erdöl.
Die übrigen Kandidaten in unserem Test setzen auf umweltfreundliche Rohstoffe bei der Zusammensetzung und verwenden zum Teil auch Recycling-Materialien für Tropffläschchen und Etiketten - ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Das wichtigste Argument aber, in Zukunft auf Bio-Schmierstoffe zu setzen, sind die Ergebnisse unseres aufwendigen Tests: Die besten Bio-Produkte schmieren nämlich mindestens so gut wie die Gewinner aus unserem früheren Vergleich in TOUR 12/2020.
Was ist Bio?
Der Begriff “Bio” ist nicht geschützt. Damit gekennzeichnete Produkte sind daher nicht zwangsläufig umweltfreundlich.
Ein Schmierstoff ist für die Umwelt weniger gefährlich, wenn er sich bei Kontamination des Erdreichs in kurzer Zeit biologisch abbaut.
Dafür muss der Schmierstoff durch Oxidation mit Sauerstoff unter Mithilfe von Wasser und Bakterien zu CO2, Wasser und Biomasse umgewandelt werden.
Gemäß OECD 301 (A-F) muss der Schmierstoff innerhalb von 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sein, um als leicht biologisch abbaubar zu gelten.
Bei den Grundölen unterscheidet man Mineralöle, synthetische Öle und Pflanzenöle. Wobei synthetische Öle sowohl auf Mineralölbasis als auch auf Pflanzenbasis erzeugt werden können.
Um das Siegel “Bio” zu verdienen, sollte ein Schmiermittel natürlich nach OECD 301 biologisch leicht abbaubar sein. Zudem sollte es keine Farb- und Duftstoffe enthalten und ungefährlich für die Natur sein.
Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sollten Verpackung und Label aus einem Rezyklat bestehen, also aus recyceltem Kunststoff.
Ein Tropfen Öl kann 600 bis 1000 Liter Wasser verunreinigen. Die Fahrradkette sollte daher immer - egal mit welchem Öl - so sparsam wie möglich geölt werden.
Fahrrad-Kettenöl: Mineralisch vs. ökologisch
Vergleicht man die besten Kettenöle aus dem aktuellen und unserem vergangenen Test in TOUR 12/20, wird klar: Es gibt keinen vernünftigen Grund mehr, zum Schmieren der Kette auf Mineralölprodukte zu setzen.
Der aktuelle Testsieger Antidot schneidet beim Reibungskoeffizienten minimal besser ab als Tunap. Atlantic erzielt ebenfalls einen hervorragenden Wert, jedoch fällt der wichtigere Verschleißschutz deutlich geringer aus.
Mit gutem Korrosionsschutz und optimaler Handhabung überzeugen die Bio-Öle von Antidot und Dr. Wack auf ganzer Linie. Muc Off, Rohloff und Toniq füllen ebenfalls hervorragende, umweltschonende Schmiermittel ab.
So hat BIKE BILD das Kettenöl getestet
Die Schmierfähigkeit und der Reibverschleißschutz wurden mithilfe einer hochwertigen Schwingungs-Reibverschleiß(SRV)-Maschine im Labor von Bremer & Leguil (Antidot) in DIN-Norm-Anlehnung untersucht.
Hierbei bearbeitet eine Kugel zwei Stunden lang eine mit Öl bedeckte Scheibe. Der anschließend gemessene Verschleiß geht zu 40 Prozent in das Testergebnis ein.
Um den mit 25 Prozent gewichteten Korrosionsschutz zu testen, verwendete das Labor genormte, mit Öl bedeckte Graugussspäne, die auf Filterpapier gelegt wurden.
Mit Wasser beträufelt waren so Rostflecken in unterschiedlicher Stärke zu sehen. Für die Bestimmung der mit 15 Prozent gewichteten Schmutzresistenz wurden in Öl getränkte, abgetropfte Kettenabschnitte mit Quarzsand bestreut und mit einer Feinwaage gewogen.
Je leichter die Kette war, desto besser schnitt das Öl ab. Die Handhabung wurde von den Testern subjektiv bewertet und ging ebenfalls zu 15 Prozent ein.
Dabei war uns wichtig, dass das Öl problemlos gleichmäßig aufgetragen werden konnte. Damit die Kette lange hält und möglichst wenig verschleißt, sollte die Fahrradkette regelmäßig geölt werden.
Verwandte Beiträge:
- Fahrradkette Nieten: Anleitung & Tipps für die Reparatur
- Rostige Fahrradkette: So retten Sie Ihre Kette vor Rost und Korrosion
- Fahrradkette ohne Öl: Funktioniert das? Tipps & Tricks
- Die besten Navigations-Apps für Radfahrer im Test – Top Tools für stressfreies Bike-Abenteuer!
- E-Bike oder Normales Fahrrad? Die Ultimative Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile!
Kommentar schreiben