Stahlflex-Bremsleitungen für Motorräder: Ein umfassender Test

Wer stets sicher zum Stehen kommen will, sollte bei seinem Motorrad nicht nur die Bremsflüssigkeit, sondern auch die Leitungen im Auge behalten. Der Umbau auf Stahlflex-Bremsleitungen steht an, wenn die Original-Bremsleitungen zu alt sind.

Vorteile von Stahlflex-Bremsleitungen

Stahlflex-Bremsleitungen bieten im Vergleich zu herkömmlichen Gummileitungen zahlreiche Vorteile:

  • Verbesserte Bremsleistung: Die Stahlflex-Konstruktion eliminiert die Gefahr von Ausdehnung, was zu einer sofortigen und präzisen Bremsreaktion führt.
  • Konstanter Druckpunkt: Im Gegensatz zu herkömmlichen Gummileitungen behalten Stahlflex-Bremsleitungen auch bei anhaltender Belastung einen präzisen, konstanten und optimal dosierbaren Druckpunkt bei.
  • Längere Lebensdauer: Stahlflexleitungen werden nicht aus Gummi, sondern aus alterungsresistentem Teflon hergestellt und sind mit einem flexiblen Drahtgewebeschlauch ummantelt, der die Leitung vor Beschädigungen wie Knicken oder Scheuern schützt. Einmal montiert, müssen die Stahlflexleitungen nie mehr gewechselt werden.
  • Hitzebeständigkeit: Selbst unter extremen Temperaturen der Bremsflüssigkeit bleiben Stahlflex-Bremsleitungen unverändert.
  • Individuelle Anpassung: Vorkonfigurierte Kits sind exakt auf verschiedene Motorradmodelle abgestimmt, um eine perfekte Passform zu gewährleisten.

Auswahl des richtigen Herstellers

Stahlflex ist aber nicht gleich Stahlflex und man sollte schon wissen, worauf man sich einlässt. Es gibt Bremsleitungen, die nur nach Stahlflex aussehen, aber auch bei Stahlflex-Leitungen gibt es extrem große Unterschiede. HEL Performance setzt auf Edelstahl Fittinge und nicht auf Aluminium. Dadurch ist der bestmögliche Schutz vor Abrieb und Korrosion gegeben. Die Verbindung zu den Stahlflex-Leitungen wird verpresst und nicht verschraubt, dadurch ergibt sich eine sichere Verbindung zum Schlauch.

HEL-Performance bieten ihre Leitungen u.a. mit alternativer Verlegeart und mit gültiger ABE an. Andere Hersteller bieten ihre Leitungen auch mit ABE an, doch für die alternative Verlegeart gilt diese meist nicht. HEL bietet hier verschiedene Möglichkeiten an. In diesem Fall habe ich mich für die Variante F für eine Yamaha R6 Bj 2005 entschieden. Im Original gehen die Leitungen von der Bremspumpe zum einem Verteiler und von dort zu den Bremsen. Mit der Variante F gehen sie direkt von der Bremspumpe zu den Bremsen ohne dabei noch einmal unterbrochen oder geteilt zu werden.

Alternative Verlegung mit ABE

Dadurch, dass die Bremsleitung nicht noch mal unterbrochen wird, minimiert man die Stellen an denen sich Luftblasen festsetzen können. Eine Luftblase im Bremssystem verhindert ein sauberes und sattes Bremsgefühl. Etwas an Gewicht spart man sich auch ein, wenn man die Variante F verwendet. Im Custombereich kann dies wichtig sein. Hier gibt es auch die Möglichkeit ein Kit zu bestellen das von der Pumpe zur ersten Bremse geht und von da direkt zur Zweiten.

Bei allen Leitungen bekommt man ein Komplettset, mit allem was gebraucht wird. Also Leitungen inkl. Schrauben und Dichtungen. Die Farben der Anschlüsse und der Leitung kann man sich ohne Aufpreis aussuchen. Die Leitung selbst ist mit einem PVC-Schutzmantel überzogen. Die Edelstahl-Anschlüsse werden mit 13 Farbschichten überzogen, dadurch wird eine einheitliche, satte und UV-beständige Färbung erreicht.

Einbau von Stahlflex-Bremsleitungen

Unsere vorkonfigurierten und anbaufertigen Kits ermöglichen eine unkomplizierte Installation, ohne dass spezielle Werkzeuge oder Fachkenntnisse erforderlich sind. Beim Austausch der Leitungen selbst sind Stahlflexleitungen geradezu alternativlos. Komplettkit: hier von Lucas/TRW mit allen Dichtungen und ABE.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vorbereitung: Bremsflüssigkeit ist stark ätzend, deshalb sollten alle Fahrzeugteile, die sich in der Nähe der Bremsanlage befinden, gegen Spritzer und austretende Flüssigkeit gut abgedeckt werden. Zum Schutz der Haut unbedingt Handschuhe tragen.
  2. Bremsflüssigkeit entfernen: Als Erstes wird die Bremsflüssigkeit im Ausgleichsbehälter mit einer Spritze etc. vollständig abgesaugt. Bei dieser Gelegenheit kann man den Behälter falls nötig mit einem sauberen nicht fusselnden Lappen reinigen.
  3. Alte Bremsleitungen demontieren: Nun werden die beiden Hohlschrauben der Bremsleitung am Verteiler und danach die Hohlschraube an der Handbremspumpe herausgedreht und alle drei Teilstücke der Bremsleitung entfernt. Die Anschlüsse werden mit Bremsenreiniger und sauberen nicht fusselnden Lappen sorgfältig gereinigt.
  4. Neue Bremsleitungen montieren: Vor der Montage der neuen Leitungen werden diese mit den alten Leitungen verglichen und erst lose angelegt, um zu prüfen, ob sie auch genau passen. Dabei auf Länge, Winkel und auf die Dicke der Ringanschlüsse achten. Selbstverständlich werden zur finalen Montage neue Dichtscheiben verwendet, die dem Kit in der Regel auch beiliegen.
  5. Spannungsfreie Verlegung prüfen: Nach dem Anschrauben der Halterungen an den Haltepunkten der Gabel prüft man die spannungs- und scheuerfreie Verlegung auch unter Belastung und federt die Gabel dazu kräftig ein. Ohne die Ringanschlüsse zu verdrehen, werden diese jetzt erst handfest und dann mit dem angegebenen Drehmoment (35 Nm bei der Sevenfifty) angezogen.
  6. Entlüften der Bremsanlage: Im Anschluss daran wird der Ausgleichsbehälter mit frischer Bremsflüssigkeit (richtige DOT-Klasse beachten) befüllt. Das Stahlbusventil am linken Bremssattel wird 1,5 Umdrehungen geöffnet und steht damit in der Position „Befüllen/Wechseln“. Das Ventil des rechten Sattels bleibt noch geschlossen. Sind keine Blasen mehr im Schlauch erkennbar, Ventil zudrehen und den Vorgang am rechten Bremssattel wiederholen.

Optionale Verbesserungen

Stahlbusventile

Zum leichteren Befüllen und Entlüften der Bremsanlage kann man auf Stahlbusventile zurückgreifen, die gegen die serienmäßig verbauten Entlüftungsventile ausgetauscht werden. Sie bieten mehrere Vorteile. Das normale Entlüftungsventil ist während des Entlüftungsvorgangs im geöffneten Zustand am Gewinde meist nicht 100-prozentig dicht. Beim Stahlbusventil dichtet der eingebaute O-Ring dagegen perfekt ab und es kann keine Luft durch das Gewinde des Ventils in das Bremssystem eindringen. Durch das integrierte Rückschlagventil entfällt beim Entlüften außerdem das aufwendige Auf- und Zudrehen des herkömmlichen Ventils.

Kostenübersicht

Hier eine Übersicht der Materialkosten für den Umbau auf Stahlflex-Bremsleitungen und den Einbau von Stahlbusventilen:

Produkt Preis (ca.)
Stahlflexleitungssatz vorn (z. B. von Lucas/TRW) 130 Euro
Stahlflexleitung hinten (z. B. von Probrake) 35 Euro
3 Stahlbusventile je 22,90 Euro
3 Alu-Kappen je 5,99 Euro
Vakuum-Entlüftungshilfe 8,95 Euro
Bremsflüssigkeit 6,99 Euro

Hinweis: Die Arbeitskosten in einer Werkstatt betragen ca. 100 Euro für die Doppelscheibe vorn und ca. 70 Euro für hinten, zuzüglich Material.

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