Die Suche nach dem besten Motorradhelm ist nicht einfach, denn die Auswahl verschiedener Helmarten am Markt ist groß. Als Motorradfahrer ist man erhöhten Gefahren ausgesetzt, anders als etwa ein Autofahrer. Das Tragen eines Motorradhelmes verringert laut aktuellen Studien die Rate an Schädel-Hirn-Traumata um mehr als 70%. Bereits seit 1976 besteht in Deutschland für Kraftradfahrer eine Helmpflicht.
Warum ein Motorradhelm Pflicht ist
Seit 1976 gilt in Deutschland auf dem Motorrad die Helmpflicht. Sie ist im § 21a Absatz 2 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) verankert und sieht vor, dass sowohl Führende von Krafträdern mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h als auch Beifahrer:innen (Sozius) einen Helm tragen müssen. Da Motorräder nicht über eine Knautschzone und in der Regel auch nicht über Airbags verfügen, soll der Helm bei Verkehrsunfällen Verletzungen und schwere Schädelhirntraumata verhindern.
Die Helmpflicht gilt nicht nur für das Motorrad, sondern umfasst grundsätzlich alle motorisierten, nicht überdachten Zwei-, Drei und Mehrräder. Wer trotz Helmpflicht ohne Kopfschutz von der Polizei kontrolliert wird, droht ein Verwarngeld von mindestens 15 Euro. Auch das Nichtschließen des Kinnriemens am Helm kann in Deutschland als "Nichttragen" des Kopfschutzes mit 15 Euro Bußgeld geahndet werden.
Sicherheitsnormen bei Motorradhelmen
Motorradhelme müssen aktuellen Sicherheitsnormen entsprechen und durchlaufen dafür ein mehrstufiges Prüfverfahren. In diesem testet die Prüfbehörde, ob der Helm den Mindestanforderungen entspricht. Viele Jahre galt die Sicherheitsnorm ECE-R 22.05, seit 2022 wird jedoch nach der neuen und strengeren Norm ECE-R 22.06 getestet. Schutzhelme, die der alten Norm entsprechen, dürfen allerdings noch immer getragen werden.
Grund für die neue Norm für Motorradhelme sind verschärfte Testanforderungen, die ein erweitertes Prüfprogramm mit neuen Testverfahren und zusätzlichen Prüfungen enthält, um die Sicherheit zu erhöhen. Die Prüfungen umfassen unter anderem Tests bei Temperaturen von minus zehn bis plus 50 °C, Aufpralltests bei verschiedenen Szenarien mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und einen Rotationstest, um die Drehung des Kopfes bei einem potenziellen Aufprall nachzuvollziehen. Zudem muss das Visier dem Beschuss mit einer 216 km/h schnellen Stahlkugel standhalten. Auch Tests zu Kinnriemen und Verschluss des Motorradhelms, sowie verschiedene Abstreiftests gehören zum Prüfprogramm.
Hersteller sind dazu verpflichtet, die erfüllte ECE-Prüfnorm im Helm anzugeben. Der entsprechende ECE-Einnäher trägt mehrere Kennzeichen. "E1" gibt beispielsweise die deutsche Zulassung an, "E3" etwa bedeutet eine Genehmigung in Italien. Die Sicherheitsnorm ECE-R 22.05 ist an der Angabe "05" im Etikett zu erkennen, die neue Sicherheitsnorm ECE-R 22.06 mit "06" angegeben.
Verschiedene Arten von Motorradhelmen
Die Auswahl verschiedener Helmarten am Markt ist groß. Die Entscheidung wird durch die große Auswahl erschwert. Die einzelnen Helmtypen haben ihre individuellen Vor- und Nachteile sowie ihre ganz besonderen Charakteristika, welche jeder Fahrer entsprechend seinen Fahrgewohnheiten in die Kaufentscheidung miteinbeziehen sollte.
Integralhelm
Mit ihrer festen Kinnpartie und verschließbarem Visier bieten sie aufgrund ihrer Bauart den bestmöglichen Schutz für Motorradfahrer. Nicht nur aus diesem Grund werden die Integralhelme auch als Vollvisierhelme bezeichnet. Die Helmart der Wahl für Tourenfahrer und besonders sicherheitsbewußte Motorradfahrer ist der Integralhelm. Breites Einsatzspektrum von Alltagsfahrten bis hin zur Rennstrecke.
Vorteile:- Beste Sicherheit, weil aus einem Guss
- Fahrtwindgeräusche sind am leichtesten gering zu halten
- Kann ein beengtes Tragegefühl vermitteln
- Auf- und Absetzen bisweilen mühsam, vor allem für Brillenträger
Klapphelm
Der Typus Klapphelm ist eine Variation des Integralhelmes. Bei ihnen lässt sich die Kinnpartie hochklappen. Universell einsetzbar und besonders passend für Brillenträger. Tourenfahrer schwören auf diesen Helmtypen.
Vorteile:- Einfach praktisch, vor allem für Brillenträger
- Nach Unfall von Laien leichter abzunehmen
- Oft schwerer als ein nicht klappbarer Integralhelm
- Beim Kinnaufprall je nach Qualität des Verschlusses mit leichten Einschränkungen in der Schutzwirkung
Jethelm
Jethelme sind offene Helme ohne Kinnteil. Doch in den letzten Jahren ließen besonders Retro-Fans diesen Helm-Klassiker wiederaufleben. Beliebt bei Besitzern von City-Rollern und im Sommer.
Vorteile:- Der Jethelm bietet ein subjektiv "freieres" Fahrgefühl
- Ein intensiveres Fahrerlebnis schon bei niedriger Geschwindigkeit
- Mehr Luft, großes Sichtfeld, relativ niedriges Gewicht
- Größtes Manko eines Jethelms ist der fehlende Kinn- und Gesichtsschutz
- Hinzu kommt, dass sie - gerade mit Motorradbrille - schon mal recht laut sein können
Crosshelm und Endurohelm
Wer öfters im Gelände unterwegs ist, braucht etwas Sportlicheres. Crosshelme und Endurohelme eignen sich hierfür besonders gut. Mit ihrer leichten Bauweise und dem fehlenden Visier zur besseren Belüftung sind sie wie gemacht für den sportlichen Einsatz abseits der Straße. Aufgrund des fehlenden Visiers sollten Enduristen bei der Fahrt eine Schutzbrille tragen. Für sportliche Fahrer mit Ambitionen im Gelände.
Vorteile:- Hervorragende Belüftung, unverzichtbar bei Anstrengungen im Gelände
- In Dreck, Staub und Schlamm der Lösung mit Visier überlegen
- Schlechter Schutz bei Regen und Kälte, Gesicht wird nass
- Häufig hohes Geräuschniveau
- Umständlich anzuziehen
- Bei hohem Tempo erhöhter Druck auf die Nackenmuskulatur durch schlechte Aerodynamik
Multihelme
Die Multihelme werden auch Modularhelme oder Hybridhelme genannt. Sie verfügen über verschiedene Umbaumöglichkeiten, wodurch sie auch als Integralhelme oder Jethelme verwendet werden können. Für alle, die flexibel sein möchten und neben Stadtfahrten auch längere Ausfahrten mit höheren Geschwindigkeiten planen.
Materialien der Motorradhelme
Moderne Motorradhelme aus Thermoplasten oder Duroplasten hergestellt.
- Thermoplaste: Sind anfälliger für Außeneinflüsse und müssen regelmäßig erneuert werden.
- Duroplaste: Sie weisen eine enorme Stabilität auf und entsprechen so den höchsten Sicherheitsstandards. Sie verfügen auch über ein leichteres Gesamtgewicht als Helme aus Thermoplasten und verleihen daher hohes Tragekomfort.
Motorradhelm-Visiere
Motorradhelm-Visiere bestehen aus dem Kunststoff Polycarbonat, welches äußerst schlagfest und wasserabweisend ist. Es schützt den Fahrer so vor Steinschlag oder anderen Außeneinflüssen.
- Pinlock-Visiere: Diese besonderen Visiere verfügen über eine separate Scheibe mit Silikondichtung, die das Beschlagen verhindern sollen. Dem Vorteil der Beschlaghemmung steht allerdings die doppelte Lichtbrechung gegenüber.
Die richtige Passform
Wichtig ist - und das ganz unabhängig von der Helm-Art - dass der Helm ideal und sicher sitzt. Nur so kann er letztlich den benötigten Schutz bieten. Ein Helm darf nicht zu eng sein, aber auch nicht zu groß. Wenn er zu eng ist, kann schon nach kurzen Fahrten ein Kopfschmerz einsetzen.
Pflege von Motorradhelmen
Generell gilt, bei der Pflege des Motorradhelms spezielle Reinigungsmittel oder sanfte Haushalts-Reinigungsmittel wie Seife zu verwenden, um das Material und die Helm- und Visierbeschichtung nicht zu beschädigen. Die Helmschale wird mit einem Tuch und sanften Reinigungsmittel abgewaschen und so von Insekten, Ölresten sowie Straßenschmutz befreit.
Das Helm-Innenpolster kann man im Regelfall aus dem Helm herausnehmen und bei 30 Grad in der Waschmaschine oder per Hand waschen. Festes Innenfutter kann man absaugen und mit speziellem Schaumspray einsprühen. Zunächst baut man das Visier und - falls vorhanden - das Pinlock-Innenvisier aus. Die Außenseite kann man unter fließendem Wasser oder mit einer milden Seifenlauge und einem Lappen reinigen und so von Schmutz und Insekten befreien.
So lange ist ein Motorradhelm haltbar
Unabhängig von Pflege, Gebrauchsintensität und Witterung beträgt die Haltbarkeit und Nutzungsdauer eines Motorradhelms in der Regel fünf Jahre. Spätestens nach diesem Zeitraum sollte der Helm durch einen neuen ersetzt werden, weil er durch Materialermüdung nicht mehr den nötigen Sicherheitsschutz bietet.
Kauf-Tipps: Welcher Motorradhelm passt?
Helmgrößen orientieren sich grundsätzlich nicht an Größen für Damen und Herren, sondern am Kopfumfang. Diesen sollte man im Bereich der Stirn über den Ohren um den Hinterkopf herum messen. Trotzdem unterscheiden sich die Helme der Hersteller in ihren Größen, weshalb eine Anprobe im Fachgeschäft ratsam ist. Bei der Auswahl des Designs ist es empfehlenswert, eine helle Lackierung zu wählen, um im Straßenverkehr besser gesehen zu werden.
Bei der Passform ist es wichtig, dass der Helm am ganzen Kopf ordentlich sitzt. Die Helmpolsterung muss auf dem Oberkopf vollständig aufliegen. Dabei sollte der Helm nicht drücken. Der Kinnriemenverschluss sollte nicht am Unterkiefer drücken oder am Kehlkopf aufliegen. Hat man einen passenden Helm gefunden, empfiehlt es sich, ihn vor dem Kauf mindestens zehn Minuten zu tragen, um mögliche Druckstellen auszumachen oder Hautunverträglichkeit des Futters zu erkennen.
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