So setzen Sie einen Motorradhelm richtig auf

Mit dem richtigen Motorradhelm tun Sie viel für Ihre Sicherheit, denn bei einem Unfall schützt er Ihren Kopf vor lebensbedrohlichen Verletzungen.

Nützliche Tipps zum Aufsetzen

Beim Aufsetzen eines Integralhelms gibt es ein paar Dinge zu beachten, besonders wenn man vorher einen Klapphelm hatte. Manchmal knachst der Helm etwas beim Aufziehen, und man fragt sich, ob das normal ist. Hier sind einige Tipps, die helfen können:

  • Klappen Sie das Visier hoch.
  • Ziehen Sie die Riemen auseinander.
  • Setzen Sie die hintere Kante zuerst hinten etwas höher als der Haaransatz an.
  • Drücken oder kippen Sie ihn dann langsam nach vorne übers Gesicht.
  • Stülpen Sie den Helm schräg von hinten über den Kopf.
  • Platzieren Sie die Daumen an der Innenseite und ziehen Sie den Helm damit etwas auseinander.

Tipps für den Helmkauf

Daher ist er kein Zubehör, das man mal eben im Vorbeigehen kauft. Diese Aspekte sollten Sie auf der Suche nach dem idealen Helm beachten:

  • Planen Sie für den Kauf unbedingt genügend Zeit ein.
  • Suchen Sie Fachhändler auf, die möglichst viele Helmmarken im Angebot haben.
  • Die ungefähr passende Helmgröße ermitteln Sie, indem Sie Ihren Kopfumfang im Bereich der Stirn, über den Ohren und am Hinterkopf messen.
  • Der Kopfumfang in Zentimetern entspricht üblicherweise der numerischen Helmgröße.
  • Ihr Helm muss am ganzen Kopf fest sitzen, ohne zu drücken.
  • Sie erkennen den richtigen Sitz daran, dass sich die Kopfhaut an der Stirn beim Drehen des Helms mitverschiebt.
  • Die Innenausstattung gibt bei der Nutzung noch etwas nach, wählen Sie den Helm daher nicht zu groß.
  • Fragen Sie Ihren Händler nach einer individuellen Innenausstattung des Helms.
  • Die Helmpolsterung sollte auch an Ihrem Oberkopf im Bereich des Scheitels vollständig aufliegen.
  • Ihr Helm darf sich bei geschlossenem und korrekt eingestelltem Kinnriemen auch mit hohem Kraftaufwand nicht nach vorn vom Kopf abziehen lassen.
  • Der Kinnriemen sollte nicht auf dem Kehlkopf aufliegen, das Kinnriemenschloss nicht am Unterkieferknochen drücken.
  • Wenn Sie Brillenträger sind, sollten Sie Ihre zum Motorradfahren genutzte Brille im Helm aufsetzen.
  • Statt einer Sonnenbrille unter dem Helm wählen Sie lieber Helme mit eingebauter Sonnenblende.
  • Tragen Sie den Helm im Laden mindestens zehn Minuten.
  • Nutzen Sie unbedingt die Möglichkeit, den Helm für eine Probefahrt auszuleihen.
  • Bevorzugen Sie Helme in hellen, leuchtenden Farben.
  • Achten Sie darauf, dass der Luftaustausch bei geschlossenem Visier ausreichend ist.
  • Prüfen Sie die Visier-Eigenschaften wie Beschlagneigung und optische Qualität bei vollständig geschlossenem Visier.
  • Achten Sie darauf, dass das Innenfutter zur Helmpflege herausnehmbar ist.
  • Lesen Sie die mitgelieferte Gebrauchsanleitung genau.
  • Denken Sie beim Kauf an den Service.

Die unterschiedlichen Helmformen

Motorradhelme werden in verschiedenen Bauarten angeboten. Das sind die Formen im Überblick:

  • Geschlossener Integralhelm (Full Face Helmet): klassische Bauform mit festem Kinnbügel, Kopf immer vollständig umschlossen, hat unter Motorradhelmen den größten Marktanteil
  • Klapphelm (Flip Up Helmet): wie geschlossener Integralhelm, aber mit hochklappbarem Kinnbügel, Kopf nur mit heruntergeklapptem Kinnteil vollständig umschlossen
  • Crosshelm (Off Road Helmet): geschlossen wie klassischer Integralhelm, meistens ohne Visier, alternativ Crossbrille erforderlich, mit Helmschirm
  • Jethelm (Open Face Helmet): Helm ohne Gesichtsschutz, Kopf nicht vollständig umschlossen, Gesicht frei, wird überwiegend von Rollerfahrern und Fahrern von Retro- und Classic-Bikes genutzt
  • Modularer Helm (Crossover Helmet): Bauform kann den Anforderungen entsprechend variiert werden, Kopf wird entweder vollständig oder nur teilweise umschlossen, hat nur geringen Marktanteil
  • Brain-Caps: einfache Kunststoffschale mit Kinnriemen, ohne ECE-Prüfung, niedriges Schutzpotenzial, einige Bereiche des Kopfes unbedeckt, nur für Show-Zwecke geeignet, erfüllt die Anforderungen der StVO nicht

Helmpflicht

In Deutschland besteht seit 1976 Helmpflicht für Motorradfahrer, seit 1978 auch für Moped- sowie Mokickfahrer. Selbst Mofafahrer müssen seit 1985 einen Helm tragen. Seit August 1980 wird eine Zuwiderhandlung zudem mit Verwarnungsgeld geahndet.

Seit 2006 steht im Paragraph 21a der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern mit Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h einen "geeigneten Schutzhelm" tragen müssen. Damit ist also das Benutzen von Arbeits-, Feuerwehr- oder Militärhelmen ohne ausreichende Schutzwirkung untersagt.

Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit Juni 2022 geprüft wird. Seit Juni 2023 dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden.

Nach ECE 22.05 geprüfte Helme dürfen natürlich weiterverwendet werden. Hier gibt es keine Austauschpflicht. Bei einer Neuanschaffung sollte man aber auf die aktuellste Prüfnorm achten.

Obwohl in Deutschland das Tragen eines ECE-Helms nicht zwingend vorgeschrieben ist (nur "geeigneter Schutzhelm"), sieht es im europäischen Ausland und ganz besonders in Italien anders aus: Wer dort als Motorradfahrer keinen ECE-geprüften Helm trägt, wird ziemlich schnell zum Fußgänger.

Wichtiger Hinweis für die Pflichtkennzeichnung von ECE-Motorradhelmen: Auf dem Prüflabel muss nicht "ECE" oder "ECE-R 22" stehen. Die Kennzeichnung mit dem E in dem Kreis und der Prüfnummer verweist ausreichend auf die Anwendung der Prüfnorm ECE-R 22.

So schützen die Motorradhelme

Die zwei Materialien der Helmschalen

Zur Helmschalen-Herstellung werden zwei Werkstoff-Gruppen genutzt: thermoplastische Kunststoffe und Duroplaste. Thermoplaste wie Acrylnitril-Butadien-Styrolt (ABS), Polycarbonat oder Polyamid sind unter Hitze leicht formbar. Sie eignen sich deshalb fürs Spritzguss-Verfahren, weil sich damit leicht große Helmmengen kostengünstig herstellen lassen.

Duroplaste und Verbundwerkstoffe (z.B. Aramidfasern, Glasfaserverstärkter Kunststoff, Carbon) erfordern dagegen ein aufwendiges Laminat-Verfahren. Schalen dieser Materialien sind besonders hart und bruchfest, aber teurer.

Wie Langzeit-Materialtests beweisen, altern Duroplaste weniger schnell. Bei guter Pflege währt ihre Lebensdauer mindestens acht Jahre.

Die ADAC Fachleute raten dringend, wegen nachlassender Schutzwirkung solche Helme nach rund fünf Jahren auszutauschen. Dieser Fünf-Jahres-Austauschzeitraum ist allerdings bei starker Nutzung für Helme aller Bauarten empfehlenswert, da auch das Dämmmaterial nachgibt und der Helm dann nicht mehr optimal sitzt.

Nach Aufprall: Austauschen

Motorradhelme schützen doppelt. Die Außenschale verteilt, unabhängig vom Material, eine punktuelle Krafteinwirkung durch hohe elastische Verformungsenergie und soll das Eindringen spitzer oder kantiger Gegenstände verhindern. Die eigentliche Dämpfung übernimmt das Innenmaterial zwischen Außenschale und Futter. Das wird in der Regel aus besonderen EPS-Hartschaummaterialen der Styropor-Familie hergestellt, die Aufprall-Energie absorbieren.

Aber: Ein Aufprall führt zu einer Komprimierung und damit bleibender Verformung des Materials. Deshalb müssen Helme nach Unfällen oder Stürzen ausgetauscht werden, selbst wenn sie äußerlich scheinbar unbeschädigt sind. Die ADAC Experten raten dringend dazu, diese Herstellervorschrift zu befolgen.

Ganz wichtig: Motorradhelme sollten nicht beklebt oder lackiert werden. Im Klebstoff oder in der Farbe enthaltenes Lösungsmittel kann die Stabilität der Helmschale beeinträchtigen.

Praktische Tipps zur Helmpflege

Moderne, hochwertige Helme altern deutlich langsamer als Helme früherer Baujahre. Deswegen und wegen der Anpassung der aktuellen Prüfnormen sollten Sie keine Motorradhelme mehr verwenden, die nicht mindestens nach ECE-R 22.05, besser ECE-R 22.06 zugelassen wurden.

Das Innenpolster von Helmen setzt sich bei regelmäßiger Verwendung des Helmes. Dadurch kann der ursprünglich straffe und sichere Sitz des Helmes am Oberkopf beeinträchtigt sein. Wenn möglich und vom Hersteller laut Gebrauchsanleitung so vorgesehen, sollten Sie dann das Innenfutter herausnehmen und reinigen.

Unbedingt die Herstelleranweisungen beachten und im Zweifelsfall den Händler mit diesen Arbeiten betrauen. Nach der Reinigung und der richtigen Montage des Futters sitzt der Helm im günstigsten Fall so straff wie beim Kauf.

Unabhängig vom Reinigungszustand des Helmfutters sollten Sie von Zeit zu Zeit den Sitz des Helms und die Länge des Kinnriemens prüfen. Beides kann sowohl beim (schnellen) Fahren als auch bei einem Unfall entscheidenden Einfluss auf Ihre Sicherheit haben.

Wenn ein Helm allerdings an einem Unfall beteiligt war, sollte er - unabhängig vom äußeren Zustand - unbedingt ersetzt werden.

Alle Dichtungen - besonders die Visierdichtungen - am Helm regelmäßig prüfen.

Nach langen Regenfahrten Helme gut trocknen lassen. Dabei möglichst keine Wärmequellen (Heizung) verwenden.

Klapphelme dürfen rein formal nur geschlossen genutzt werden. Ausgenommen sind Helme, deren Kinnteil gemäß Bedienungsanleitung entfernt werden oder z.B. komplett hinter den Helm geschoben werden kann - aber nur dann, wenn sie eine zusätzliche Zertifizierung als Jet-Helm haben. So enthält die ECE-R 22-06 auch die P/J-Norm, die auf dem meist am Kinnriemen festgenähten Prüfnorm-Label vermerkt ist. P/J steht für eine Freigabe als Integral- und auch als Jethelm, also für das "legale" Fahren mit geöffnetem Kinnteil.

Visiere: Alles, was man wissen muss

Die Angebotspalette an Visieren ist groß, und der technische Fortschritt für Motorradfahrer oftmals verwirrend. Die meisten dieser Scheiben bestehen aus Polycarbonaten, die namhaftesten Markennamen sind Makrolon und Lexan. Für einen durchsichtigen Kunststoff sind sie sehr hart, schlag- und splitterfest.

Laut der europäischen Norm für Motorradhelme (ECE-22-06) wird neben Größe, optischer Qualität, Größe des Gesichtsfeldes und Oberflächengüte auch die Kratzfestigkeit von Visieren geprüft.

Verspiegelte und stark getönte Visiere müssen für den Straßenverkehr ein E-Prüfzeichen besitzen und dürfen nur bei Tageslicht und guten Wetterbedingungen genutzt werden.

Da Visiere nicht nur bei Regen leicht beschlagen, sollten Sie beim Helmkauf Modelle mit Doppelscheiben-Visieren mit permanenter Antibeschlag-Beschichtung wählen.

Einige Hersteller bieten gegen das Beschlagen zusätzlich Innenvisiere an. Günstigere Wechselvisiere ohne Spezialbeschichtungen beschlagen vor allem bei regnerischem Wetter schnell.

Auf längeren Touren empfiehlt sich eine regelmäßige Reinigung, z.B. während der Pausen.

Tabelle: Übersicht der Helmtypen

Helmtyp Beschreibung Eigenschaften
Integralhelm Klassische Bauform mit festem Kinnbügel Kopf vollständig umschlossen, hoher Schutz
Klapphelm Integralhelm mit hochklappbarem Kinnbügel Flexibel, aber Kinnteil muss geschlossen sein für vollen Schutz
Crosshelm Geschlossener Helm mit Helmschirm Meist ohne Visier, benötigt Crossbrille
Jethelm Helm ohne Gesichtsschutz Kopf nicht vollständig umschlossen, geringerer Schutz
Modularer Helm Variierbare Bauform Kopf kann vollständig oder teilweise umschlossen sein
Brain-Caps Einfache Kunststoffschale Geringes Schutzpotenzial, nicht für den Straßenverkehr geeignet

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