Der Augusttag im Sommer 2001 sollte für Hermann Maier alles verändern. Nach seinem Konditionstraining fuhr er auf seiner Maschine zurück vom Olympiastützpunkt Obertauern nach Flachau, etwa 70 Kilometer südlich von Salzburg.
Kurz vor seinem Heimatort überholte er ein paar Autos. Plötzlich scherte ein Mercedes neben ihm unerwartet aus, ohne zu blinken. Der Wagen erfasste Maier.
Bei einem unverschuldeten Motorradunfall im August 2001 zog sich Maier eine schwere Beinverletzung zu. Die Fortsetzung der Karriere des Österreichers stand lange auf der Kippe, zeitweilig drohte sogar eine Amputation des Beins.
Die Folgen des Unfalls
Er hat schwere Prellungen am Gesäß und der rechte Unterschenkel ist gebrochen. Das ganze rechte Bein ist offen, Gewebe abgetrennt. Ein Anblick, bei man sofort an Amputation denkt, in jedem Fall nicht mehr an Motorrad- oder gar Skifahren.
"Das Bein muss erhalten bleiben. Ich will wieder gehen können", soll Maier noch am Unfallort gefleht haben.
Siebeneinhalb Stunden war der 28-Jährige nach seinem Unfall am Freitagabend operiert worden. Knochen geraten. Außerdem hatte sich Maier bei dem Zusammenstoß mit einem Auto in Radtstadt nahe seines Elternhauses in Flachau großflächige Hautabschürfungen, Prellungen, Muskelquetschungen und Gesichtsverletzungen zugezogen und zwei Zähne verloren.
Nach der Operation war der dreimalige Gesamt-Weltcupsieger kurzzeitig in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden, aus dem er am Samstagmittag auf der Intensivstation wieder erwachte.
Am Sonntag konnte Maier immerhin schon wieder die Zehen bewegen.
Die Salzburger Polizei hatte die Schuld an dem Unfall zunächst einem 73 Jahre alten Autofahrer aus München zugeschrieben, weil dieser angeblich unerlaubt plötzlich links abgebogen sei.
Wegen fahrlässiger Körperverletzung muss sich ein Rentner vor dem Amtsgericht verantworten, der mit seinem Mercedes am 24. August 2001 den "Herminator" auf dessen Motorrad beim Abbiegen rammte.
Die medizinische Behandlung
In einer siebenstündigen Operation können die Ärzte im Unfallkrankenhaus Salzburg das Bein retten. Doch die sportliche Karriere scheint an diesem 24. August 2001 zu Ende zu sein.
"Man sollte sich keine Gedanken über sein Comeback machen, sondern darüber, dass das Bein von Hermann Maier überhaupt wieder gesund wird", meinte der behandelnde Arzt Arthur Trost nach dem Eingriff in Salzburg.
"Wir können wohl ausschließen, dass Hermann im anstehenden Winter auf die Piste zurückkehren wird", betonte Trost.
Statt den Unterschenkelbruch zu richten und dann in Gips zu legen, haben die Ärzte eine so genannte Osteosynthese mit der völlig neuartigen Locking Compression Plate (LCP) angewandt.
"Damit ist erstmals die Behandlung von komplizierten und porösen Brüchen möglich", erklärt Professor Michael Wagner, Leiter der Traumatologie am Wilhelminenhospital in Wien. Das revolutionäre Verfahren wurde nach einjähriger Testphase an Kliniken in Österreich und der Schweiz jetzt weltweit zugelassen. Es kann die Heilungszeit um mehrere Monate verkürzen.
Bei der LCP handelt es sich um einen anatomisch vorgeformten Fixateur (Metallplatte). Er wird nicht wie früher mit Hilfe von herkömmlichen Knochenschrauben, sondern mit so genannten winkelstabilen Kopfverriegelungsschrauben am Knochen befestigt.
Zum anderen wird die Platte nicht mehr, wie früher, auf den Knochen gepresst, sie berührt ihn nicht einmal mehr. "Das und der erstmals mögliche minimal-invasive Eingriff verkürzen den Heilungsprozess erheblich", so der Experte. "Das Knochengewebe wird gut durchblutet, die lädierten Nerven regenerieren besser."
Schon wenige Tage nach dem Eingriff dürfen die Patienten den gebrochenen Knochen wieder teilweise belasten. "Nach drei bis vier Wochen ist Vollbelastung möglich", sagt Privatdozent Dr. Michael Schutz, der die innovative Methode jetzt auch an der Charité in Berlin anwendet.
Der lange Weg zurück
Doch Maier ist ein Stehaufmännchen mit eisernem Willen. Schon einmal zuvor war der Skiprofi so schwer gestürzt, dass niemand mehr mit ihm gerechnet hatte: bei den Olympischen Winterspielen im japanischen Nagano 1998.
Doch Maier kämpfte sich zurück in die Weltspitze. Der Gesamtweltcup 2004 war sein erster großer Titel nach der Verletzung. 2005 sollte noch WM-Gold in Bormio im Riesenslalom folgen.
Am 14. März 2004 wollte der "Herminator" gerade ein Nachmittagsschläfchen machen, wie er später sagte, als er erfuhr, dass der Riesenslalom beim Weltcup-Finale in Sestrière abgesagt wurde.
Da das Rennen ersatzlos gestrichen wurde, hatte sein Landsmann Benjamin Raich keine Chance mehr, Maier in der Gesamtwertung noch einzuholen. Am Ende hatte Maier 1265 Punkte auf dem Konto und lag damit 42 Zähler vor Stephan Eberharter.
"Dieser Sieg ist mindestens so hoch einzuschätzen, wie mein erster Olympiasieg, wenn nicht noch höher", wurde Maier in der "FAZ" zitiert. Das hat seine Gründe.
Die Kollegen aus dem Ski-Weltcup waren derweil tief bestürzt. "Ein Wahnsinn, wie schnell so etwas passieren kann. Für mich ist es schlimm, auf so eine Art den härtesten Gegner zu verlieren", meinte Riesenslalom-Weltmeister Michael von Grünigen aus der Schweiz zum Weltcup-Aus von Maier.
Gerichtliches Nachspiel
Der Motorradunfall des Skistars Hermann Maier im Jahr 2001 hat am Donnerstag ein gerichtliches Nachspiel in München.
Vor dem Amtsgericht München wurde der 75-Jährige am Donnerstag wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 15 Tagessätzen von jeweils 50 Euro verurteilt.
Der Rentner hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl mit einer die Geldstrafe von 2750 Euro eingelegt und einen Monat Fahrverbot nicht akzeptiert.
Er hatte am 24. August 2001 mit seinem Wagen den "Herminator" auf dessen Motorrad beim Abbiegen auf einer österreichischen Bundesstraße gerammt. Der Rentner habe "seine Rückschaupflicht verletzt", argumentierte der Münchner Richter.
Allerdings habe Maier "trotz unübersichtlicher Verkehrslage" überholt.
Comeback und Erfolge
Maier, 30, stammt aus Flachau im Salzburger Land. Der gelernte Maurer und Skilehrer gewann 41 Weltcup-Rennen, dreimal die Weltcup-Gesamtwertung, dazu je zweimal Gold bei Olympia 1998 und bei den Weltmeisterschaften 1999.
SPIEGEL: Herr Maier, vorletzten Samstag haben Sie sich mit Platz sieben auf der schwierigen Abfahrt von Wengen in der Weltklasse zurückgemeldet. Welchen Wert hat dieses Resultat für Sie?
Maier: Einen größeren als viele meiner Siege. In meiner besten Zeit bin ich ja nur noch auf der Suche nach dem perfekten Rennen gewesen. Das Maß war nicht der Sieg, sondern der Abstand zum Zweiten. Da wird man teilweise größenwahnsinnig. Vor Wengen hatte ich nicht mal drei Wochen auf Ski gestanden. Deshalb war Rang sieben eine große Leistung.
Es war der 54. Weltcupsieg, ein besonderer in der langen Reihe von Ski-Märchen, die der Maurer aus Flachau geschrieben hat.
Am Sonntag wird Maier 36 Jahre alt. An diesem Tag gastiert der Skizirkus in Beaver Creek.
Maier war erst vor zwei Tagen vom Sommertrainingslager in Chile nach Österreich zurückgekehrt.
Hermann Maier, ansonsten einem schönen Schmäh nicht abgeneigt, saß brav inmitten seiner Kameraden und klagte. Er klagte, aber er jammerte nicht. Es hatte ihn böse erwischt. Eine hartnäckige Bronchitis hatte das ganze Sommertraining praktisch erstickt.
Maier, der sich "wie 26 gefühlt hatte", fühlte sich jetzt schwach und ein bisschen alt. Das Gefühl trog nicht. Er, der jahrelang den schneidigsten Schwung gefahren war, konnte sich nicht mal für den zweiten Lauf des Riesenslaloms qualifizieren.
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