Körperliche Aktivität ist für die Gesundheit sehr wichtig und kann Krankheiten, wie z. B. der koronaren Herzkrankheit (KHK), vorbeugen. Doch auch für bereits erkrankte Menschen lohnt sich regelmäßige Bewegung. Es konnte nämlich gezeigt werden, dass das Sterberisiko bei Patienten mit KHK sank, wenn diese vermehrt körperlich aktiv waren: Je fitter die Patienten waren, desto niedriger war das Sterberisiko.
Die Bedeutung von Bewegung für KHK-Patienten
Körperliche Bewegung ist somit gerade auch für KHK-Patienten enorm wichtig. So kann das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit durch Ausdauersport verlangsamt, zum Teil gestoppt und in Einzelfällen sogar zurückgebildet werden. Regelmäßiger Ausdauersport gehört zu den besten Möglichkeiten, sich vor Herzerkrankungen zu schützen, den Blutdruck zu senken oder ein angeschlagenes, schwaches Herz zu stärken.
Radfahren als schonendes Ausdauertraining
Ein besonders schonendes Ausdauertraining ist Fahrradfahren. Radfahren - egal ob auf dem normalen Fahrrad, dem E-Bike oder dem Fahrradergometer - fördert die Fitness: Es trainiert Herz und Lunge, verbessert die Ausdauer und kräftigt die Gesäß- und Beinmuskulatur. Zugleich ist Radfahren gelenkfreundlich: Da das meiste Körpergewicht auf dem Sattel lastet, werden Hüft- und Kniegelenke geschont. Die Tretbewegung fördert zudem die Versorgung der Gelenkknorpel mit Nährstoffen. Auch unterstützt regelmäßiges Fahrradfahren ein gesundes Körpergewicht.
Treten Sie eine halbe Stunde in die Pedale, verbrennen Sie bei einer Geschwindigkeit von 15-20 km/h in ebenem Gelände etwa 150 bis 250 Kilokalorien, bei höheren Geschwindigkeiten oder Anstiegen entsprechend mehr (bei 30 km/h ca. 450 Kilokalorien in 30 min).
E-Bikes: Eine hilfreiche Unterstützung?
Um mögliche Hürden und Schwierigkeiten z. B. beim Fahrradfahren zu überwinden, könnten Elektrofahrräder hilfreich sein. Fahrräder mit einem Elektromotor, der bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h den Fahrer unterstützt (sog. Pedelecs -landläufig meist als E-Bike bezeichnet) sind in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. In der Stadt wie am Berg ziehen junge und alte Menschen damit inzwischen überall ihre Runden.
Studie zur Belastung bei E-Bike-Nutzung
Genau dieser Frage gingen fünf Forscher aus Belgien nach. Sie untersuchten hierzu 15 KHK-Patienten (13 Männer und 2 Frauen) mit einem durchschnittlichen Alter von 64 Jahren. Vorab wurden Herz-Lunge-Belastungstests durchgeführt. Anschließend fuhren die Patienten eine vorgegebene, 10 km lange Strecke mit dem Rad. Dabei verwendeten sie entweder ein klassisches Fahrrad (ohne elektronische Unterstützung), ein Elektrofahrrad mit wenig Unterstützung oder ein Elektrofahrrad mit viel Unterstützung. Über eine spezielle Atemmaske wurde kontinuierlich die Sauerstoffaufnahme (VO2) und die Kohlendioxidabgabe (VCO2) aufgezeichnet.
Ergebnisse der Studie
Patienten, die ein Elektrofahrrad nutzten, das stark unterstützt wurde, nahmen während des Radfahrens weniger Sauerstoff auf (durchschnittlich 1721 ml/min) als Patienten, dessen Elektrofahrrad nur wenig unterstützt wurde (durchschnittliche 1890 ml/min) oder die mit einem klassischen Fahrrad (durchschnittlich 1846 ml/min) fuhren. Patienten mit einem Elektrofahrrad, das stark unterstützt wurde, empfanden das Training als weniger anstrengend als Patienten, die ein klassisches Rad oder ein Elektrofahrrad mit wenig Unterstützung fuhren.
Die KHK-Patienten erreichten auch mit den Elektrofahrrädern moderate Trainingsintensitäten (durchschnittlich 6,6 MET unter Verwendung von Elektrofahrrädern mit starker Unterstützung und 6,0 MET unter Verwendung von Elektrofahrrädern mit wenig Unterstützung). Selbst wenn zum Radfahren Elektrofahrräder statt klassische Räder verwendet wurden, war die Intensität und der Umfang des Trainings bei KHK-Patienten hoch genug, um einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf erzielen zu können.
Dieser Frage sind Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer Studie nachgegangen. 1250 E-Biker und 629 konventionelle Fahrradnutzer wurden dazu mit Aktivitätstrackern ausgestattet, um Zeit, Distanz und Herzfrequenz beim Radfahren über vier aufeinanderfolgende Wochen bei insgesamt am Ende fast 60.000 Fahrten zu messen.
E-Biker waren im Schnitt 135 Minuten pro Woche unterwegs. Zwar erreichten weniger E-Biker als “Normalradler” dabei die von der WHO geforderte Belastungsintensität (mindestens 150 Minuten mit moderater Belastung). Dennoch war das bei immerhin knapp einem Viertel der Nutzer von E-Bikes der Fall. Etwa ein Drittel der E-Bikefahrer hat Vorerkrankungen, etwa Bluthochdruck oder es liegt bereits ein Herzinfarkt vor.
Eine Befragung ergab, dass sie häufiger als normale Radfahrer offenbar bereit sind, das Auto zugunsten des Rads stehen zu lassen. Viele werden erst durch das E-Bike (wieder) zum Radfahrer.
Radfahren zur Vorbeugung von Herzerkrankungen
Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, kann sein Risiko für die koronare Herzkrankheit um etwa 50 Prozent senken. „Bereits 33 km Radfahren pro Woche - das entspricht bei einer 5-Tage-Arbeitswoche einer Strecke von 6,6 km täglich - genügen, um das Risiko für die koronare Herzkrankheit zu halbieren", erläutert Dr. Norbert Smetak.
Radpendler sind seltener übergewichtig und leiden weniger häufig an zu hohen Blutdruck- und Cholesterinwerten sowie an Typ-2 Diabetes als die Autofahrer. Nur wenig Aufwand braucht es, um gesünder zu leben und um damit auch das Risiko für einen Herzinfarkt zu verringern. Täglich zweimal zehn Minuten zügiges Radfahren reichen aus, um sich fit zu halten.
Zwei skandinavische Studien zeigen jetzt, dass sich die Parameter für die Herzgesundheit am meisten verbesserten, nachdem Berufstätige vom Auto oder von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf das Rad umgestiegen sind. Wer diese Gewohnheit über viele Jahre hinweg regelmäßig beibehielt, konnte den herzschützenden Effekt dann zwar nicht wesentlich steigern, wohl aber ihn erhalten.
Berufstätige, die ihr Verhalten änderten und vom Auto bzw. von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf das Rad umsattelten, schnitten noch besser ab. In den ersten fünf Jahren nach dem Wechsel erreichten sie ein um 25 % geringeres Risiko für die koronare Herzerkrankung als alle anderen, die Nichtradler blieben. Rund 10 Minuten Radfahren auf den Hinweg und 10 Minuten auf den Rückweg reichten schon aus, um diesen Schutz gegen die koronare Herzerkrankung auszulösen.
Herzmuskeltraining: Radfahren stärkt das Herz
Radfahren kräftigt den Herzmuskel und verbessert seine Effizienz. Durch die gleichmäßige Bewegung pumpt das Herz effektiver und arbeitet ökonomischer. Dies führt zu einer besseren Durchblutung des gesamten Körpers und fördert die langfristige Herzgesundheit.
Blutdruck regulieren durch regelmäßiges Radeln
Die regelmäßige Bewegung auf dem Fahrrad hält die Blutgefäße flexibel und trägt dazu bei, den Blutdruck zu regulieren. Elastische Gefäße sind entscheidend für einen gesunden Blutkreislauf. So kann Radfahren helfen, Bluthochdruck vorzubeugen oder zu verringern.
Cholesterinspiegel positiv beeinflussen
Aktives Radfahren kann den Cholesterinspiegel verbessern. Das „böse“ LDL-Cholesterin, das als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt, wird gesenkt. Gleichzeitig steigt das „gute“ HDL-Cholesterin, das schützend auf die Gefäße wirkt.
Stress reduzieren auf zwei Rädern
Radfahren fördert die Ausschüttung von Endorphinen - den Glückshormonen - und senkt das Stresshormon Cortisol. Dies führt zu Entspannung und Wohlbefinden. Weniger Stress bedeutet weniger Belastung für das Herz und eine insgesamt bessere Gesundheit.
Wichtige Hinweise für Herzkranke
Herzkranke sollten generell, bevor sie in die Pedale treten, ihr Herz von einem Kardiologen untersuchen lassen. „Der Arzt kann mit Hilfe eines Belastungselektrokardiogramms (Belastungs-EKG) die individuelle Belastbarkeit des Herzens sowie den passenden Trainingspuls ermitteln. Zudem kann er den Einfluss von Herzmedikamenten auf das Herz-Kreislauf-System und die körperliche Leistungsfähigkeit überprüfen“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Scharhag.
„Für Menschen mit Herzkrankheiten ist es zudem empfehlenswert, mit einem Pulsmesser aufs Fahrrad zu steigen, um die Herzfrequenz im Blick zu behalten und so einer Überlastung des Herzens vorzubeugen. Wer doch mal ohne Pulsmesser mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder auf dem Fahrradergometer unterwegs ist, kann sich an folgendem Ratschlag orientieren: Radfahren ohne Keuchen. Ein beschleunigter und tiefer Atem ist beim Radfahren sowie bei anderen Sportarten normal.
Beginnen Sie allerdings, auf dem Sattel zu keuchen und können sich nicht mehr unterhalten, ist das Training zu intensiv. Schalten Sie einen Gang runter. Eine gute Faustregel ist, die Intensität so zu wählen, dass Sie zwar ins Schwitzen kommen, sich aber noch unterhalten können.
Die Deutsche Herzstiftung e.V. empfiehlt ein moderates Ausdauertraining von mindestens 30 Minuten, fünfmal pro Woche (insgesamt > 150 Minuten/Woche). Generell gilt aber: Jedes Mehr an Aktivität wirkt sich positiv auf Ihre Gesundheit aus! Nutzen Sie daher das Fahrrad für den Weg auf die Arbeit, radeln Sie zum Bäcker und nutzen Sie den Feierabend für eine kleine Fahrradtour - so erreichen Sie Ihr tägliches Sportpensum fast nebenbei.
Bewegungsmangel setzt im Körper viele zerstörerische Prozesse in Gang und schadet dem Herzen.
Zusammenfassende Tabelle: Vorteile des Radfahrens für die Herzgesundheit
| Aspekt | Vorteile |
|---|---|
| Herzmuskel | Stärkung und verbesserte Effizienz |
| Blutdruck | Regulierung und Vorbeugung von Bluthochdruck |
| Cholesterinspiegel | Senkung des LDL-Cholesterins, Erhöhung des HDL-Cholesterins |
| Stress | Reduzierung durch Ausschüttung von Endorphinen |
| Gewicht | Unterstützung eines gesunden Körpergewichts |
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