Eigenständig waren die E-Mountainbikes von Husqvarna immer schon. 2018 stieg die Marke mit einem Bike mit beweglichem Akku ins E-MTB-Geschäft ein. Das Credo von Beginn an: Der Motor soll nicht versteckt werden, sondern einen prominenten Part in der Formensprache der Husqvarna-Bikes einnehmen.
Die Fakten zum Husqvarna MC5
Das MC5 ist Husqvarnas Allrounder für mittelschweres Gelände. Seit 2022 gibt's das Bike erstmals in Carbon und neuerdings auch noch mit dem neuen Shimano-Motor EP801.
- Motor: Shimano EP801, 85 Nm max. Drehmoment
- Akku: 720 Wh (entnehmbar)
- Rahmenmaterial: Carbon
- Federweg: 150 Millimeter
- Laufradgröße: 29 / 27,5 Zoll (Mullet)
- Rahmengrößen: M, L, XL
- Preis: 6999 Euro
- Gewicht: 23,5 kg (Testbike in Größe L, EMTB-Messung, ohne Pedale)
- Zulässiges Gesamtgewicht (Herstellerangabe): 130 Kilogramm
Neu mit Shimano EP801: Motor und Akku im Husqvarna MC5
Schon auf der Eurobike 2022 zeigte Shimano den neuen EP801-Antrieb. Aber was der japanische Motor nach dem Update genau kann, wurde erst nach und nach deutlich. Da ist zum einen ein spürbares Leistungsplus gegenüber dem Vorgänger, zum Anderen bringt der neue Motor eine neue Elektronik mit. Damit ist der EP801 auch mit den neuen elektronischen Schaltungen von Shimano kompatibel. In der Praxis zeigt sich der Antrieb kräftig und gut dosierbar, in Sachen Nachlauf und Dynamik muss sich Shimano aber nach wie vor den besten am Markt geschlagen geben. Das Fahrgeräusch fiel in unserem Testbike eher laut aus.
Mit dem neuen MC (Abkürzung für Mountain Cross) hält seit 2022 erstmals ein Rahmen aus Carbon Einzug ins Produktportfolio. Und auch der ist ebenfalls alles andere als gewöhnlich. Eine dominante zweite Strebe verstärkt hier die Verbindung von Hauptrahmen und Sitzrohr und unterstützt die gerade Linienführung. Der gelochte Kunststoff unter dem Steuerrohr-Logo und die Zierleisten am Hauptrahmen erinnern an Husqvarnas Motorräder.
Eine Spezialität des Husqvarna ist der eigene Akku, der in Zusammenarbeit mit Simplo entwickelt wurde. Er wird von unten ins Unterrohr eingeschoben und kann ohne Werkzeug entnommen werden. Leider ist die Sicherungsschraube für das Akku-Cover etwas schwergängig. In unserem Testbike klapperte der Akku außerdem massiv, denn der eigens entwickelte Klemmmechanismus erlaubt dem Akku deutliches Spiel im Unterrohr. Mit 4445 Gramm ist die 720-Wattstunden-Batterie des Husqvarna zudem schwerer als ein Powertube 750 von Bosch (4,3 kg) und deutlich schwerer als ein 726er Akku für das Shimano-System von Darfon (3,9 kg). Die Reichweite des Bikes fällt mit 1648 Höhenmetern in unserem Standard-Testprozedere und hoher Durchschnittsgeschwindigkeit gut aus, an die Bosch-Bikes mit oft 2000 Höhenmetern reicht das Husqvarna trotz des schweren Akkus aber nicht heran.
Die Geometrie des MC5 - gutmütig und tourenorientiert
Husqvarnas Mountain Cross war schon immer ein unkompliziertes Bike mit tourenorientierter statt übermäßig aggressiver Geometrie. Trotz des neu designten Carbon-Rahmens bleibt sich das Bike hier treu. Der Radstand ist mit 1250 Millimetern eher auf der kompakten Seite, kurze Kettenstreben (444 Millimeter) sollten das Husqvarna handlich machen. Ein tiefes Tretlager begünstigt eine gute Kurvenlage, der für moderne Verhältnisse steile Lenkwinkel von 65,4 Grad ein direktes Einlenkverhalten.
EMTB-Messwerte im Überblick (Rahmengröße L)
- Sitzrohrlänge: 452 mm
- Radstand: 1250 mm
- Reach: 472 mm
- Stack: 650 mm
- Lenkwinkel: 65,4 Grad
- Sitzwinkel: 76,4 Grad
- Kettenstrebenlänge: 444 mm
Die Ausstattung des Husqvarna MC5
Gerne hätten wir auch das Topmodell MC6 zum Test gebeten, das ganz oben auf der Wunschliste unserer Leser für diesen Test stand. Aufgrund mangelnder Verfügbarkeit konnte Husqvarna aber nur das MC5 liefern, das mit 6999 Euro immer noch ein stolzes Preisschild hat. Echte High-End-Komponenten bleiben in dieser Preisregion aber klassischen Preis-Leistungs-Marken vorbehalten. Für das Husqvarna gilt: Das Fox-Fahrwerk aus der Performance-Serie ist grundsolide, gerade die ältere G2-Bremse von Sram und die mechanische GX-Eagle lassen in dieser Preisklasse aber noch Luft nach oben. Die Newmen-Laufräder hingegen sind wertig, die Schwalbe-Reifen bewährte Tourenklassiker, wenn auch im Grenzbereich wenig traktionsstark.
- Gabel / Dämpfer: Fox 36 Performance / Float Performance
- Schaltung: Sram GX Eagle (mechanisch)
- Bremsen: Sram G2 R
- Laufräder: Newmen E.G 35 Evolution SL
- Reifen vorne / hinten: Schwalbe Nobby Nic Evo Supertrail Soft / Speedgrip
Praxistest: So fährt sich das Husqvarna MC5
Die Hüfte nicht zu weit vorne, der Oberkörper leicht gestreckt: Auf dem Husqvarna sitzt man, wie man es von klassischen Tourenbikes kennt. Das ist angenehm auf längeren und flacheren Strecken, zu denen auch der bequeme Sattel passt. In steilen Anstiegen könnte man sich jedoch etwas weiter nach vorne wünschen. Zumal beim Husqvarna mit kurzen Kettenstreben an steilen Rampen die Front schnell mal leicht wird und man so aus der Spur gerät. Das Heck steht bergauf sehr stabil im Hub, ohne zu Pumpen oder einzusacken. Viel Grip am Hinterrad bietet das Bike aber nicht, woran auch der moderat profilierte Nobby-Nic-Reifen von Schwalbe seinen Anteil hat. Gerade in fiesen Uphills kommt das Husqvarna dadurch recht früh ans Limit, auf technisch weniger anspruchsvollen Touren ist es mehr in seinem Element.
Beim Fahrspaß kann das Bike hingegen überzeugen. Hier kommen dem Husqvarna die kurzen Kettenstreben und das tiefe Tretlager zu Gute. Handlich lässt sich das Bike über flache Kurse steuern und kleine Sprungeinlagen gehen leicht von der Hand. Ausgewogen und unkompliziert lässt sich das MC5 durchs Gelände steuern. Je fieser das Gelände wird, desto stärker muss man mit dem Husqvarna die Bremsen anziehen. Die kompakte Geometrie mit steilem Lenkwinkel vermittelt auf anspruchsvollen Strecken nicht gerade massig Sicherheit, auch die Reifen können nicht genug zu Traktion und Laufruhe beisteuern. Der Hinterbau arbeitet sehr progressiv und kann Schläge nicht so komfortabel dämpfen, wie andere Fahrwerke in dieser Hubklasse. Große Hindernisse reicht er teils deutlich an den Fahrer durch. Trotz weichem Setup konnten wir den Hub des Dämpfers kaum ausnutzen. Ein linearerer und komfortablerer Hinterbau würde dem tourenorientierten Bike besser stehen. Die Nobby Nic Reifen rollen gut, greifen im Gelände aber nur mittelmäßig, die G2-Bremse von Sram braucht auf steilen und langen Abfahrten zu viel Handkraft. Auch das laute Akku-Klappern dämpft die Freude über das spaßige Handling.
EMTB-Bewertung des Husqvarna MC5
Die Geometrie des MC meidet das Extreme, das Bike profitiert aber neuerdings vom erstarkten Shimano EP801 Antrieb und bleibt für ein modernes E-Mountainbike vergleichsweise leicht.
Stärken:
- Fahrspaß auf gemäßigten Trails
- Unkompliziertes Handling
- Eigenständiger Look
Schwächen:
- Wenig Fahrsicherheit in schwerem Gelände
- Akku klappert
- Hinterbau zu progressiv
Die Downhill-Wertung fällt für ein All Mountain mit 150 mm eher schwach aus, auch im Uphill lässt das MC5 Federn. Mit ordentlichen Allround-Qualitäten schafft es das Husqvarna knapp auf ein sehr gut.
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