Hydrophobiertes Leder: Die richtige Pflege für Ihre Motorradbekleidung

Lederkombis und -stiefel sind eine Investition, die bei guter Pflege viele Jahre Freude bereiten kann. Besonders wichtig ist die richtige Pflege von hydrophobiertem Leder, das speziell behandelt wurde, um wasserabweisend zu sein. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Motorradbekleidung aus diesem Material optimal pflegen.

Warum Lederpflege wichtig ist

Das Leder muss einen ausgeglichenen Fett- und Feuchtigkeitshaushalt haben. Regenfahrten, Schwitzen und Hitze wirken sich darauf aus. Selbst Wartungsmuffel haben irgendwann kapiert, dass Lederkleidung Pflege sehr dankbar annimmt. Auf jeden Fall ab und zu mal Lederfett / Balsam drauf.

Meine Lederklamotten sind auch nicht neu, Hose und Jacke ca. 30 Jahre jung und noch nix kaputt, außer bei der Jacke die Taschen, aber nur weil ich da immer Schrauben drin habe. Ich gönne meinen Lederkombis regelmäßig Lederplege. 2-3x pro Saison sauber machen (feuchter Lappen mit lauwarmem Wasser) und danach mit Lederbalsam/fett einreiben.

Der Mythos vom Fetten: Was Experten sagen

Eine Sattlerin hat folgendes zum Thema Lederpflege zusammengefasst:

  1. Womit sollte ich mein Leder reinigen? Am besten mit destilliertem Wasser. Warum das in keinem Bericht zu lesen ist? Weil fast alle Produkte zur Lederpflege auf destilliertem Wasser basieren, teilweise sogar nur daraus bestehen und die Firmen sonst keine Pflegemittel verkaufen würden.
  2. Warum kein Wasser aus dem Hahn? Dieses kann zu Flecken, Rändern führen und die enthaltenen Mineralstoffe lagern sich oberflächlich ab und nehmen dem Leder seine Atmungsaktivität.
  3. Was kann ich als Reinigungsmittel / Zusatz verwenden? 10%ige Kernseifenlösung (einfach Kernseife mit destilliertem Wasser 1:10 mischen). Natürlich könnt ihr auch Waschzusätze für Motorradbekleidung nehmen, aber erstens ist das ein teurer Spaß und zweitens sind manche Produkte zu alkalisch und können die Zurichtung beschädigen und Farbstoff, Gerbstoff abziehen!
  4. Waschmittel als Zusatz? Waschmittel ist generell sehr alkalisch (pH-Bereich ca. 12). Dadurch kann es zu Entgerbung, Entfärbung und Entfettung kommen!!!!
  5. Warum soll ich mein Leder NICHT fetten? Das Fett verschließt die Lederoberfläche, dadurch sinkt die Wasserdampfdurchlässigkeit, also die Atmungsaktivität und die Wasserdampfaufnahme (Schweißaufnahme) sowie die Leitfähigkeit, d.h. bei Kälte friert ihr in eurem Kombi wie ein Schlosshund.
  6. Was macht Fett denn dann auf dem Leder? Fettungsmittel enthalten viel Wasser welches beim trockenen (einziehen) verdunstet. Das Fett welches durch das Einreiben mechanisch in den Narben (sehr dünne obere Schicht des Leders) eingewalkt wird verstopft die Diffusionswege . Es kann aber nicht ins Lederinnere eindringen. Dadurch kann das Leder kein Wasser mehr aufnehmen und es verdurstet von innen heraus.
  7. Fazit trockenes Leder Leder ist trocken, spröde weil ihm Wasser fehlt! Im Übrigen ist Wasser das billigste Schmiermittel des Gerbers und sorgt ebenfalls für die Weichheit!!!
  8. Warum denkt der Verbraucher, dass er fetten muss? Früher wurden vor allem Wichsleder (Rindoberleder deren Fleischseite geschliffen und nach außen verarbeitet wurde) für Schuhe benutzt. Da diese geschliffen = billiger waren und unedel aussahen, wurden sie gewichst = mit Fett zugeschmiert und poliert um einen feinen Glattschuh zu imitieren. Dieses Fetten sitzt heute noch in den Köpfen. Den Soldaten sind früher übrigens die Füße im Stiefel abgefroren, WEIL sie die Stiefel gefettet haben = verringerte Leitfähigkeit!
  9. Warum kann es doch sein, dass ich Rückfetten muss? Wenn ihr das Leder ÜBERPFLEGT habt, starke Reinigungsmittel oder sogar organische Lösemittel eingesetzt habt und somit Fett abgezogen wurde.
  10. Wie kann ich Rückfetten? Mit sogenannter „Ledermilch“, „Lederöl“ diese bestehen normalerweise aus destilliertem Wasser, kleinen Anteilen von Rückfettungsmitteln und Tensiden. Die Produkte sind zwar maßlos überteuert aber leider kenne ich keine anderen (auf dem freien Markt) erhältlichen Produkte.
  11. Silikate / Wachse? Nein, bitte nicht einsetzen, da diese ebenfalls die Oberfläche verstopfen.
  12. Bürsten? NEIN, bitte seid sehr sanft zum Leder. Die Zurichtung (wie der Lack der Motorradverkleidung) wird es Euch danken. Immer schön den Lappen mit destilliertem Wasser, Kernseifenlösung oder… befeuchten und dann sanft reiben.
  13. Mit was soll ich imprägnieren? Besser nicht mit Silikonen/Silikaten/Wachsen, diese führen zu Verharzungen und somit wie das Fett zur Oberflächenversiegelung. Nehmt Fluorcarbonharze, diese umhüllen die Faser ohne die Oberfläche zu verschließen aber bitte das Leder VORHER reinigen! Ich weiß, dass viele Hersteller keine Inhaltsstoffe auszeichnen aber es gibt sie.
  14. Kann ich nicht hydrophobiertes Leder (nicht imprägniert) nachträglich imprägnieren? Ja, wie oben beschrieben mit Fluorcarbonharzen und auch hier bitte VORHER reinigen.
  15. Kombi in der Waschmaschine? Grundsätzlich (max. 30°C, kein Schleudergang) kann man Leder in die Waschmaschine stecken. Leder werden ja auch im Fass gegerbt und gefärbt. Wichtig sind: die Echtheiten des Leders, es kann also sein, dass Farbe rausgewaschen wird wenn schlechter Farbstoff eingesetzt wurde bzw. dieser schlecht fixiert wurde. die Waschzusätze, dürfen nicht alkalisch (pH 12) sein, bzw. in zu hoher Konzentration, da sonst Gerbstoff, Farbstoff abgezogen werden kann.
  16. Trocknen! Leder bitte bei Raumtemperatur trocknen. Ansonsten werden die Leder eventuell hart, weil ihnen zu viel Wasser entzogen wird. Bekleidungsleder hat einen Wassergehalt von 12 - 18% der somit unterschritten wird. Vergesst ihr eine Kombi an der Heizung kann der Gehalt theoretisch unter 5% sinken, d.h. ihr habt irreversibel getrocknet = bekommt ihr nie wieder weich!!!
  17. Probleme + Lösungen:
    • Kombi ist trocken / hart und wurde mit Waschmittel gewaschen: Täglich mit destilliertem Wasser einreiben, zusätzlich Ledermilch für die Rückfettung dazu geben. Ist die gewünschte Weichheit erreicht abschließend mit Fluorcarbonharzen imprägnieren.
    • Stark gefettet, Oberfläche ist zu: Sehr vorsichtig mit Schwerbenzin im Verhältnis 1:20 mit destilliertem Wasser, besser noch 1:30 mischen und sanft das Leder reinigen. Die Lösung jedoch nicht direkt aufs Leder aufgeben sondern auf das Putztuch. ABER dadurch erreicht man nicht nur eine oberflächliche Entfettung, was bedeutet, dass man mit Ledermilch rückfetten muss, man muss auch unbedingt mit Fluorcarbonharzen nachimprägnieren. Aber es ist zu sagen, dass sich dadurch die Lederfarbe verändern kann, weil sie teilweise abgezogen wird. Das Ganze ist leider sehr aufwendig!
  18. Schwitzen im Sommer, frieren im Winter? Schuld daran ist entweder euer GEFETTETER Kombi, dessen Leitfähigkeit durch das Fett verringert wurde oder das Innenfutter oder billiges Leder welches stark zugerichtet (Lackiert) wurde. Aber nicht das Leder an sich!!!!
  19. Leder vs. Textil Leder schützt besser wie Textil und hat von Grund auf Eigenschaften die in der Summe von keiner Textile erreicht werden:
    1. die Ledermembran bringt Wasserdampfdurchlässigkeit und Aufnahme mit.
    2. Leder ist Wasserwiderstandsfähig
    3. hält im Sommer kühl und im Winter warm
    4. Das WICHTIGSTE ist jedoch bei Motorradbekleidung die dreidimensionale Faserverflechtung. Das kann ein Textil nicht, ist 2-dimensional.
  20. Wasserfest / Waterproof
    • Wasserfest - sagt im Normalfall nur etwas über die Wassertropfenechtheit aus, ist also nicht unbedingt wasserdicht.
    • Waterproof - steht für wasserdicht!
  21. Zusammenfassung:
    • Reinigen = destilliertes Wasser, eventuell zusätzlich mit 10%iger Kernseifenlösung, NICHT mit der Bürste sondern mit Tuch, Flüssigkeiten nicht auf Leder sondern aufs Tuch auftragen.
    • Fett? = NEIN, außer bei Rückfettung, hier dann mit Ledermilch
    • Imprägnierung = KEINE Silikate oder Wachse, nur Fluorcarbonharze

Hydrophobiertes Leder: Was ist das eigentlich?

Hydrophobiertes Leder (= die Hautporen sind komplett versiegelt und nehmen daher kein Wasser auf = das Leder quillt nicht) kann man einfach waschen und trocknen, fertig. Im wasserabweisenden oder hydrophobierten Leder ist der Schutz vor Nässe bereits eingebaut. Die Technik dafür existiert schon seit mehreren Jahrzehnten, doch bisher beschränkte sich die Herstellung auf Material für robuste Stiefel.

Doch durch verbesserte, moderne Verfahren gibt es mittlerweile auch elegantes, leichtes Leder in wasserabweisenden Varianten. Hydrophobiertes Leder wird bereits bei der Herstellung so behandelt, dass es längere Zeit wasserfest oder wasserresistent ist. Eine Imprägnierung vor dem ersten Tragen ist im Gegensatz zu normalem Leder nicht nötig. Die hydrophoben Eigenschaften erhält das Leder schon im Gerbungsverfahren.

Dafür gibt es verschiedene Methoden, bei denen Kombinationen aus bestimmten Paraffinen, Polymeren, Silikonen und Fluorverbindungen verwendet. Diese werden chemisch in den Fasern gebunden und stoßen das Wasser ab. Die Oberflächenspannung der Lederfasern wird erhöht und verhindert so, dass Feuchtigkeit eindringen kann. Allerdings ist hydrophobiertes Leder nicht zwangsläufig wasserdicht.

Einige Hersteller bezeichnen ihr Produkt als wasserabweisend. Der Unterschied zwischen wasserdicht und wasserresistent bzw. wasserabweisend liegt in der Zeitspanne, in der das Material das Wasser nicht durchlässt. Regulär als wasserdicht bezeichnetes Material bleibt länger trocken als wasserabweisendes Leder.

Vorteile von hydrophobiertem Leder

  • Atmungsaktiv wie normales Leder
  • Schnellere Trocknung
  • Bessere Wärmeregulierung
  • Keine Wasserränder oder Flecken
  • Pflegeleichter, da Schmutz nicht ins Material eindringt
  • Längere Formbeständigkeit
  • Schutz vor Lederbruch und vorzeitiger Alterung

Pflege von hydrophobiertem Leder

Auch wenn es so klingt, als würde sich hydrophobiertes Leder praktisch selbst trocknen und pflegen, braucht es hin und wieder Ihre Unterstützung. Durch das Tragen wird mit der Zeit die Oberfläche des Leders abgenutzt und die ursprüngliche Imprägnierung lässt nach. Dann wird es Zeit, mit Pflegemitteln und Imprägniersprays nachzuhelfen.

Und ist ein Imprägnierspray für hydrophobiertes Leder überhaupt nötig? Ganz klar, ja. Mit der Zeit wird die Umhüllung der hydrophobierten Fasern nämlich abgetragen. CARBON PRO ist ideal, um die Imprägnierwirkung aufzufrischen und zu unterstützen. Ein gleichmäßiges Ergebnis erhalten Sie, wenn sie in einem Abstand von 30 cm sprühen. Mit regelmäßiger Auffrischung sind Ihre neuen Lieblingsschuhe auch in der nächsten Saison noch für jedes Wetter bereit und halten sowohl Nässe als auch Schmutz mühelos stand.

Weitere Tipps zur Lederpflege

  • Wenn man nur mit Lederfett arbeiten will, dann hilft es das Lederfett warm/heiß zu machen und flüssig aufzutragen. Dann zieht es leichter ein und schließt nicht die Poren. Mit meiner Winterklamotte handhabe ich das genauso.
  • Lederfett aus der Tube, das mit dem Fön heiß machen, hilft auch für die Motorradstiefel, bzw. wenn man Wanderstiefel mit Obermaterial aus Leder hat.
  • Selbst wenn ich mit Leder durch Regen fahre,( was ja ab und zu unvermeidbar ist ) lasse ich das Leder langsam trocknen, ohne direkte Sonne. Na gut , das dauert je nach Nässe halt so 2-3 Tage, dann im feuchten Zustand leicht einfetten, wenns trocken ist nochmal leicht einfetten.
  • Ich nehme kein Lederfett mehr sondern nur eine Pflegemilch! Mein Sattler um die Ecke meint mit Lederfett schmiert man vom Leder die Poren zu so das es nicht mehr atmen kann und nach gewisser Zeit spröde wird! Es geht auch nur um die Poren im Leder die eigentlich wichtig sind ! Sicherlich wird das Leder mit Fett geschmeidig und weich die Poren sind trotzdem zu.

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