Jakobsweg mit Fahrrad: Erfahrungen und Tipps für eine unvergessliche Pilgerreise

Der Jakobsweg, einer der berühmtesten Pilgerwege der Christenheit, zieht seit Jahrhunderten Menschen an. Das heilige Grab des Jakobus in Santiago de Compostela im spanischen Galizien ist neben Rom und Jerusalem eines der drei großen Pilgerziele der Christen. Der Jakobsweg ist ein riesiges Netz aus Pilgerwegen, das ganz Europa überzieht. Für die meisten Menschen ist der Camino Francés der klassische Jakobsweg.

Die Gründe, sich auf diesen Weg zu begeben, sind vielfältig: Neugier, Inspiration, Abenteuer, Spiritualität, Hilfe, Entschleunigung. Jeder Mensch hat seinen eigenen Grund, diesen Weg zu gehen. Auch ich hatte meine Gründe diesen Weg zu gehen, hatte ich doch vor etwa einem halben Jahr meinen Radpartner und Freund verloren und war noch nicht wieder ganz in der Spur. Ein zufällig aufgeschlagenes Buch im Bad meines Studienfreundes Stefan brachte mich auf den Jakobsweg.

Drei Gebirgszüge müssen auf dem Jakobsweg überwunden werden: die Pyrenäen, die Montes de Leon und das Kantabrische Gebirge. Zwischen Burgos und León befindet man sich auf der Meseta, einer riesigen Hochebene in der Mitte und im Norden Spaniens. Ich war 11 Tage unterwegs. Dadurch, das etwa alle 10 km eine Herberge zu finden ist, kann man auch gerne kürzere oder längere Etappen fahren.

Verfahren kann man sich nicht, überall sind Schilder, Pfeile, Markierungen, sei es auf der Straße oder auf dem Feldweg. Der Radfahrer kann nicht hundert Prozent dem Fußweg folgen, aber auch auf der Straße sind die Zeichen immer zu sehen. Die beste Reisezeit ist sicher das Frühjahr oder der Herbst. Im Frühjahr ist alles frisch und grün, im Herbst eher vertrocknet und karg. Ich denke jede Jahreszeit hat seinen Reiz, wobei ich den Sommer vermeiden würde, da die Temperaturen, besonders in der Meseta, wo es selten Schatten gibt, sehr heiß werden können.

Man braucht keine Angst haben, diese Tour alleine zu fahren oder zu gehen. Auf dem Jakobsweg ist man definitiv nicht alleine. Jeden Tag kann man vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern begegnen. Im Jahr 2018 sind über 300.000 Menschen in Santiago angekommen. Aber keine Sorge. Auch wenn der Weg sich immer größerer Beliebtheit erfreut, kann man unterwegs immer noch genügend Einsamkeit finden, jedenfalls im Herbst.

Kulinarisch darf man keine Highlights erwarten. Die Pilgermenüs sind oft einfach und nicht immer lecker, aber man verhungert auch nicht. Literatur zum Jakobsweg gibt es zuhauf. Auch das Internet ist voll von Informationen. Ich habe mich für die Tour an den Bruckmanns Radführer: “Der spanische Jakobsweg” gehalten, der extra für Radfahrer konzipiert wurde. Alle Etappen sind dort detailliert beschrieben und es wird darauf hingewiesen, wann man auf dem Fußcamino fahren kann und wann lieber nicht.

Es folgt nun mein Reisebericht dieses bedeutungsvollen, geschichtsträchtigen Weges, inklusive An- und Abreise. Ich würde ihn beim nächsten Mal nicht mehr mit dem Rad fahren, den zwei Wochen sind eigentlich zu kurz um sich vollkommen auf den Weg, sich selbst und die anderen Menschen einzulassen. Aber für einen intensiven Vorgeschmack reicht es aus.

Erfahrungsbericht einer Jakobsweg-Radtour durch Frankreich

Die Miam Miam Dodo Wanderführer begleiten Pilger auf den Jakobswegen seit 25 Jahren.

Tag 1: Trier nach Vigy (9. August 2024)

Um 8 Uhr fuhren Klaus und ich mit den Rädern zu meinen Eltern. Dort luden wir die Räder auf den Fahrradträger und fuhren gemeinsam nach Trier. Nachdem wir die Stadt noch auf Asphalt-Radwegen verlassen hatten, fuhren wir schon bald über Feldwege. Der Weg durch den Wald zum GALLO-RÖMISCHER TEMPELBEZIRK AUF DEM METZENBERG, ging sehr steil im anspruchsvollen Gelände hinauf. Die Ortlieb Gepäcktaschen in Kombination mit dem armseligen Gepäckträger auf diesem Rad, führten schon bald zu erheblichen Problemen. Die Halteklemme vom Metallbügel und die Gepäcktasche hing herab.

Nach kurzer Zeit brachen bereits die ersten Halteösen an der Ortlieb Halterung ab. Auch das Handling des extrem schweren Fahrrades und die Gewichtsverteilung führten dazu, das Klaus im Gelände heute 5x das Rad nicht mehr halten konnte und es umwarf. An den SHIMANO Goretex Stiefeln mit Boa Verschluss für UVP 300 €, riss das Kunststoffseil. Das ist natürlich auf einer Radtour normal, zumal wir ja nicht auf der Landstraße auf Asphalt fahren. Die Schwachstellen machen sich schnell bemerkbar.

Wir stoppten beim Rewe und ich konnte beim Deichmann meinen Akku laden. Ich kaufte im Rewe ein paar Getränke, Skyr und Teilchen ein um auch die Energie meines Akkus wieder aufzufüllen 😉. Wir mussten extrem matschige Feldwege mit sehr tiefen Wasserbecken durchfahren. Beim schieben am Rand einer sehr tiefen Pfütze, rutschte Klaus seitlich weg und fiel mit dem Rad seitlich in den Matsch. Ich suchte nach einer Unterkunft und fand im Outdoorbuch die Adeppa Vigy in Vigy. Diese war noch 10 km entfernt. Klaus Akku zeigte 15%, also eigentlich machbar.

Als wir an einem Bauernhof abbogen, fiel plötzlich der Motor aus, und der Akku zeigte 0 % an. Während das Rad gut 30 Minuten am Ladegerät hing unterhielten wir uns mit den zwei sehr nett. Nachdem wir wieder starteten, fiel nach 4 km wieder der Motor aus. Um 19:00 Uhr erreichten wir die Unterkunft. Jedoch war die Rezeption nur bis 18:00 Uhr verfügbar. Wir bekamen zwei Zimmer mit Frühstück für 30 € klar. Auf der Terrasse gab es einen großen Gartenschlauch, wo wir dann erst einmal die Räder vom Matsch gründlich reinigen konnten. Dann machte ich noch bei mir die Bremsbacken etwas nach, da diese etwas schleiften und ölte nochmal die Kette.

Tag 2: Vigy nach Metz (10. August 2024)

In der Unterkunft gab es um 7.30 Uhr ein kleines Frühstück mit Cornflakes, Baguette, Nutella, Orangensaft und Jogurt. Bei RH bikes half uns der Mechaniker mit einem Imbusschlüssel aus, da Flyer natürlich Sondergrößen an Klaus E-Bike verbaute. Damit konnten wir das Schutzblech befestigen. Es wurde noch der Sattel tiefer und etwas mehr nach hinten verstellt, damit Klaus im Gelände beim Auf- und Absteigen einen besseren Halt findet. Klaus sendete seine defekten SHIMANO Schuhe zurück.

Beim Weg aus Metz raus fuhren wir noch in den Decathlon. Hier kaufte Klaus noch eine Fahrradweste und ein neues Paar Schuhe zum Fahrradfahren. Im McDonald’s, direkt nebenan machten wir einen kurzen Stop, da wir bereits 13 Uhr hatten. Es war schon unglaublich heiß zu diesem Zeitpunkt. Der Weg führte am Moselkanal entlang, der uns mit einem massiv von Wurzeln übersäten Weg begrüßte. Die weiteren Feldwege die sich mit Radwegen abwechselten, waren mit groben Steinen bedeckt. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt, kämpften sich aber überall tapfer durch.

Da Klaus nicht so zufrieden mit den Schuhen auf den Pedalen war, tauschten wir die Schuhe problemlos im Laden gegen ein anderes etwas robusteres Modell um. Nach dem Check in schlossen wir unsere Räder im Hotel ab.

Tag 3: Metz nach Rigny Saint Martin (11. August 2024)

Kurz nachdem wir unser Hotel verlassen hatten, kamen wir zum Glück direkt an einer kleinen Bäckerei vorbei. Hinter Liverdun fuhren wir dann durch ein Naturschutzgebiet. An der Brücke sah ich einen Eisvogel, der unter der Brücke auf der wir standen herflog. Durch die Sonnenstrahlen konnte ich sein schimmernd blau glänzendes Gefieder wunderbar sehen. Wir wurden ordentlich durchgerüttelt. Bei Tagestemperaturen bis 38 Grad, waren wir über jeden Abschnitt im Schatten dankbar. Wir passierten noch eine alte Bunkeranlage von 1899.

Ich machte einige Fotos von der Kathedrale. Außen an der Kathedrale waren jedoch keinerlei Heiligenfiguren zu sehen. Alle Plätze waren leer, wie man auf meinen Fotos gut erkennen kann. In Rigny Saint Martin, gab es auf dem Friedhof extra einen Wasserhahn mit Trinkwasser. Hier füllten wir unsere Wasservorräte auf und kühlten unsere Köpfe ab. Wir waren in der Nähe von Jeanne d’Arc. Ganz in der Nähe liegt nämlich ihr Geburtsort, das Haus kann besichtigt werden. In einer Boulangerie machten wir unsere Mittagspause. Während wir am Tisch etwas aßen und tranken, luden wir innen drin unsere Akkus am Strom etwas auf.

Also fuhren wir nach Coussey und folgten erneut den Jakobsweg Symbolen. Wir kamen am Schloss Montbras vorbei und besichtigten kurz das Anwesen. Wir fanden das Restaurant "À la Ducasse", für 60 € das Doppelzimmer. Zu Essen gibt es jedoch im ganzen Ort leider nichts.

Tag 4: Rigny Saint Martin nach Logis Hôtel la Grange du Relais (12. August 2024)

Heute früh starteten wir ohne Frühstück. Die 23 km auf der Landstraße, um wieder zurück auf unseren Jakobsweg zu kommen waren grauenhaft Langweilig. Niemals würde ich mit dem Fahrrad nur auf der Straße fahren wollen, erst recht nicht mit einem eBike, dann kann man gleich mit einem Moped fahren. In Domremy angekommen, fanden wir leider auch keine Bäckerei, also setzten wir uns auf eine Bank und aßen Müslieriegel. Es folgte unwegsames Gelände mit sehr vielen Ästen, Steinen und matschigen Traktor Spurrillen.

Bei La Houpette hatte Klaus dann seinen ersten Platten am Hinterrad. Wir suchten uns einen schattigen Baum, wo er in Ruhe den Schlauch wechseln konnte. Die Temperatur betrug nämlich nun schon bereits deutlich über 35° und die Sonne knallte erbarmungslos auf uns nieder. Der Reifenwechsel ging recht fix von statten und wir konnten weiterfahren. In Joinville angekommen sind wir dann zum Lidl gefahren und haben Bananen, Orangensaft und Jogurt zum Essen eingekauft. Auf einer kleinen Mauer setzten wir uns hin und machten erst mal eine Mittagspause.

Da Klaus eBike eine Restreichweite von 30 km anzeigte, es jedoch noch 23 km bis zum Hotel waren, wollten wir die Akkus sicherheitshalber nochmal laden. Ambonville fanden wir eine Gite, wo wir die Akkus laden und etwas trinken konnten. Hier trafen wir einen Deutschen der als französisch Lehrer in Köln arbeitet. Er war von Köln aus zu Fuß gestartet. Nach einer halben Stunde setzten wir unsere Tour fort. In Bouzancourt sahen wir beim überfahren einer Brücke ein paar Einheimische, die im Fluss badeten. Wir machten daraufhin hier auch eine kurze Pause, da Klaus in den Fluss wollte um sich zu erfrischen.

Die letzten 12 km hatten es nochmal in sich. Die letzten 3 km war dann Klaus Akku leer, obwohl wir beide insgesamt zusammen 1.250 Wh haben. Mein Bosch, hatte immer noch 45 km Restreichweite 💪. Das Flyer eBike mit dem Pinion Motor, verbraucht also massiv mehr Akku als meine Bosch Kombination. Die letzten Kilometer musste ich Klaus den Berg hinaufziehen, während er in die Pedale trat. Im Logis Hôtel la Grange du Relais hatten wir ein Zimmer im Erdgeschoss mit zwei Etagen.

Nachdem wir die Fahrräder abgestellt hatten, befreiten wir sie vom Matsch. Um 19 Uhr konnten wir dann ins Restaurant.

Tag 5: Logis Hôtel la Grange du Relais nach Kim chi (13. August 2024)

Im Hotel gab es ein sehr leckeres Frühstücksbuffet. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir dann gestartet. In den Weinrebenfeldern der Champagne, bogen wir in ein Waldstück ab. Die Forstwege waren mit unzähligen Ästen übersäht, zum Teil war kein Weg mehr zu erkennen und wir mussten die Räder schieben. Wegkennzeichnungen waren jedoch vorhanden. Nach einem Stück kamen wir wieder auf einen Kiesweg zurück, Klaus hatte jedoch nach ein paar hundert Metern hinten einen Platten.

Nachdem der Reifen entfernt und der Schlauch geflickt wurde konnten wir weiter fahren. Kurze Zeit später trafen wir einen Deutschen Pilger mitten im Wald, mit dem wir uns kurz unterhalten haben. Ein Baum versperrte uns die Zufahrt zum Weg und wir mussten die Räder darüber heben. Klaus Akku war nämlich wieder nur bei 25%, während ich gerade einen komplett vollen 625 Wh Akku eingesetzt hatte. Heute hatten wir nur Temperaturen um die 30°, im Gegensatz zu gestern war es also etwas kühler.

Wir haben Triathleten aus Dortmund getroffen, der mit seinem Zelt von dort gestartet ist. Er war sogar schon mit seinem Fahrrad und Zelt am Nordkap. In einem weiteren Waldstück mussten wir ein längeres Stück durch tiefe Spurrillen fahren, hier verlor Klaus den Halt und stürzte mit seinem Fahrrad. Nachdem Klaus sein Fahrrad wieder aufgestellt hatte feststellen, verlor er sein Portmonee, da die Rahmen Tasche beim Sturz auf dem Boden fiel und sich öffnete.

In Étourvy suchte ich dann ein Hotel in Tonnerre heraus. Klaus Akku hatte jedoch nur noch eine Restreichweite von 18 km, also suchten wir im Ort nach einer Unterkunft, um nochmals eine Ladepause einzulegen. Nach Nachfrage die Akkus laden konnten. Wir bekamen sogar noch mit Eiswürfeln gekühltes Wasser serviert, um unsere Körper etwas herunter zu kühlen. Unsere Fahrräder konnten wir in einem Raum abschließen. In der Nähe gingen wir ins Kim chi essen.

Tag 6: Kim chi nach Vézelay (14. August 2024)

In unserem Zimmer war es die ganze Nacht brutal heiß und wir schwitzen wie die Hölle. Gegen 2 Uhr fing es dann an zu regnen. Wir sahen dunkle Wolken und immer noch ein leichter Regen. Somit planten wir die Route um, damit wir auf der Straße fahren konnten. Im Gelände wäre es heute einfach zu gefährlich. Es gab ein Frühstücksbuffet welches jedoch im Gegensatz zu gestern deutlich schlechter war. Zum satt werden hat es jedoch gereicht.

Wir gaben die letzten 20 km Vollgas um vor 12 Uhr anzukommen, denn dann macht der Laden Mittagspause. Ich brauchte neue Schrauben für meine Bremshebel, da diese ausgelutscht waren. Das Geschäft war sehr groß und hatte extrem viele Shimano Teile, aber auch in ihrer gesamten Werkstatt ließ sich keine Schraube finden. Bei Klaus tauschte der Mechaniker am Fahrradständer die Halteschraube aus, um die Höhe zu regulieren. Klaus suchte sich noch einen neuen Sattel aus, da ihn sein Sqlab 60x Infinergy Sattel enorm schmerzte. Ich kaufte mir noch ISO Getränkepulver.

Bis nach Vézelay waren es jetzt noch 20 km. Wir fuhren durch schöne Sonnenblumenfelder und machten ein paar Fotos. Die Fahrräder konnten wir unter der Treppe parken. Gegenüber in der Eisdiele holte ich mir noch ein Eis, musste aber aufgrund der Schlange fast 15 min anstehen. Auf dem Weg zum Abendessen kam ich noch an einer Galerie mit Blechfiguren vorbei, die sehr schön gearbeitet waren.

Tag 7: Vézelay nach Nevers (15. August 2024)

Etwas weiter die Straße runter hatte bereits eine Bäckerei geöffnet. Hier bestellte ich ein Baguette mit Salami und Gürkchen und eine leckere Orangina. Direkt zum Start führte der Weg über massive Schotterpisten, mit zum Teil Fußballgroßen Steinbrocken, in Kombination mit bis zu 14% Steigung. An bestimmten Stellen, mussten wir die Fahrräder mit der Motor-Schiebehilfe nach oben schieben. Für die Schwalbe Nobby Nic Super Trail Addix Reifen alles kein Problem. Wirklich genial dieser Reifen.

Leider habe ich selten die Möglichkeit und Muse, während diesen extrem Geländepassagen anzuhalten und Fotos zu machen. In Nevers übernachten wir im The Originals City Hôtel Nevers Centre Gare für 70 € das Doppelzimmer. Morgen Früh werden wir 5 km zum Decathlon fahren. Direkt daneben befindet sich auch noch ein großes Fahrradgeschäft.

Beim Wechseln fanden wir heraus, dass der Klebe Patch auf dem Schlauch undicht war. Auch die meisten Restaurants waren heute geschlossen.

Tag 8: Nevers nach Ainay-le-Château (16. August 2024)

Neben unserem Hotel gab es eine Bäckerei wo wir etwas frühstücken konnten. Danach fuhren wir 4 km zu Cycl'Espace einem Fahrradgeschäft, welches um 9 Uhr öffnete. Hier bekam ich zum Glück meine Schrauben um die Bremshebel entlüften zu können. Da ein Kabel an Klaus Motor, durch den Ast der durch die Motorabdeckung drang, beschädigt war, musste dieses noch abisoliert werden.

Danach fuhren wir noch zu Decathlon knapp 1 km entfernt. Hier kaufte ich eine neue Trinkflasche und Klaus Flickzeug fürs Rad und einen neuen ZIP Longsleeve Pullover. Der Weg verlief zuerst am Kanal entlang, wo viele Boote zu sehen waren. An der Schleuse mussten wir fast 700 Meter das Rad schieben. Dann folgte ein schönes Waldstück mit flowigen Trails. Klaus Fahrradtaschen flogen alle 100 m von dem Gepäckträger😂. Die Halterung ist wirklich extrem schlecht.

Dann folgten ungefähr gut 25 km auf Wiesen direkt neben dem Kanal. Dieser Untergrund war einfach nur grausam zu fahren. Auch hatten wir gut über 35 Grad und die Sonne knallte auf uns nieder. Deshalb wollte ich auf die andere Seite des Kanals im Schatten fahren. Und plötzlich gab es rechts keinen Halt mehr, das Fahrrad brach hinten rechts weg und ich fiel rückwärts komplett mit dem Fahrrad in den Kanal.

Ich tauchte komplett unter, schluckte Wasser und versuchte mich irgendwie aufzustellen. Aufgrund der Packtaschen schwamm das Rad mit dem Heck auf dem Wasser. Ich entfernte den Ortlieb Trunk-Bag und warf ihn auf den Weg. Dann entfernte ich einzeln die hinteren Taschen, wodurch das Rad nun komplett abtauchte. Ich hielt mich an den Gras-Schilfhalmen fest und konnte so hochklettern. Nachdem ich wieder alles aufs Rad verladen hatte, fuhren wir ganz normal weiter. Aufgrund der Temperatur waren gut 30 min später, meine gesamte Kleidung abgetrocknet.

Als ich eine Pause machte, entfernte ich den Akku und fand nur ein paar Wassertropfen im Gehäuse. Bis wir Ainay-le-Château erreichten, wo wir endlich mal eine Pause mit Essen und Trinken am Supermarkt machen konnten, dauerte es gut 20 km. Da wir Radpilger waren bekamen wir das Frühstück und Mineralwasser kostenlos. Auch das Abendessen im Gasthof war sehr gut.

Jakobsweg: Mehr als nur Wandern

Der Jakobsweg wird schon seit über 1000 Jahren begangen. Aber die meiste Zeit dieser 1000 Jahre war das Gehen notwendig. Natürlich sind wir heute nicht mehr darauf beschränkt, zu Fuß zu gehen, aber die Tradition ist geblieben, und die große Mehrheit der Camino-Pilger" macht den Weg heute zu Fuß. Aber wissen Sie, was die anderen 8 % taten? Den Camino zu wandern mag etwas Besonderes sein, aber es ist nicht wirklich einzigartig. Hunderttausende von Menschen machen ihn jedes Jahr. Den Camino zu radeln?

Es hat sich herausgestellt, dass es auch praktische Vorteile hat, in die Pedale zu treten:

  1. Das Wichtigste: Wenn Sie zu Fuß gehen, stolpern Sie wahrscheinlich gegen Abend in Palas de Rei, Samos und O Cebreiro ein (wahrscheinlich knochenmüde und mit wahrhaft epischen Blasen). Wenn Sie mit dem Fahrrad unterwegs sind, geht es schneller und Sie erreichen Ihr nächtliches Ziel oft mit viel Zeit zum Entspannen. Nehmen Sie eine Dusche (bevor das heiße Wasser in der Herberge ausgeht) und machen Sie ein Nickerchen.
  2. Abhängig von der Größe Ihrer Kniesehnen ist dies von Person zu Person unterschiedlich. Das Radfahren auf dem Camino ist auf jeden Fall schonender für die Gelenke. Bergauf zu radeln mag hart sein, aber 100 Kilometer über hügeliges Terrain zu wandern, ist hart für Knie und Knöchel.
  3. Der Camino ist wunderschön, aber er ist ziemlich geradlinig. Die meisten Reisenden besuchen die großen Städte (Pampolona, Burgos, Leon usw.) und folgen so ziemlich demselben ausgetretenen Pfad. Da man mit dem Fahrrad mehr Strecke zurücklegen kann, kann man auch kleinere Städte besuchen, die die meisten "Pilger" nie zu Gesicht bekommen. Orte wie die Burgruine von Clavijo (18 Kilometer südwestlich von Logroño) oder das Kloster Santo Domingo de Silos bei Burgos. Wenn Sie diese Abstecher zu Fuß machen, können Sie Ihre Reise um einige Tage verlängern. Mit dem Fahrrad?
  4. Dies ist ein wichtiger Punkt. Der Erfolg des Camino als Touristenziel ist großartig für die Städte entlang der Route, aber es ist ein bisschen wie der Bau einer Autobahnumgehung: Es gibt Dutzende von schönen, historischen Städten direkt am Camino, die nie einen einzigen Touristen-Dollar sehen.
  5. Der ultimative Grund, den Camino zu radeln? Sie bekommen buchstäblich mehr Camino für Ihren Dollar. Ein "Wanderpilger" muss mindestens 100 Kilometer zurücklegen, um sein Compostela-Zertifikat zu erhalten, und die meisten Leute werden nicht viel mehr als das zurücklegen (es sei denn, sie sind Hardcore-Masochisten). Um das Zertifikat für Radfahrer zu erhalten, müssen Sie mindestens 200 Kilometer zurücklegen. Das bedeutet, dass man von weiter weg startet. Es ist eine rundere Camino-Erfahrung, und es verteilt die finanziellen Auswirkungen dorthin, wo sie am meisten gebraucht werden.

Planung und Vorbereitung

Unsere Cycle The Camino Tour hat eine körperliche Bewertung von 4/5, was bedeutet, dass sie ein angemessenes Maß an Fitness erfordert. Das liegt zum Teil an der schieren Länge der Strecke: Du legst während der gesamten Reise 200 Kilometer zurück (die längste Tagesetappe beträgt etwa 70 Kilometer). Du musst in der Lage sein, jeden Tag zwischen drei und fünf Stunden im Sattel zu sitzen. Wenn du mit dem Fahrrad zur Arbeit fährst, nimm eine längere Strecke in Kauf.

Der Camino ist ein welliger, hügeliger und manchmal bergiger Weg. Es geht nicht ständig bergauf, aber er ist auch nicht flach.

In den meisten Städten entlang des Camino gibt es ein sogenanntes "Pilgermenü", das normalerweise eine kleine Schüssel Nudeln oder Salat, etwas Hühnchen, Obst und Joghurt enthält. Es ist schnell, einfach und lecker (und reduziert die Lebensmittelverschwendung).

Persönliche Reflexionen

Jeden Tag brechen wir aufs Neue auf. Es geht immer weiter geradeaus, ohne zurückzuschauen. Es fühlt sich an, als laufen wir davon. Jeden Tag ändert sich unser Ziel. Jedes Mal, wenn wir irgendwo ankommen, ist es schon im nächsten Moment wieder meilenweit weg. Zuerst wollen wir aus Katalonien heraus, um weiter nördlich auf den Jakobsweg zu stoßen. Dann machen wir uns auf den Weg nach Pamplona, Asturien, Santiago de Compostala. Die Landschaft, das Klima, die Architektur und sogar die Sprache verändern sich mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit zwischen 11 und 15 Kilometern pro Stunde, im selben Rhythmus in dem auch wir uns verändern, vorankommen, und gleichzeitig einen Teil von uns zurücklassen.

Pilgern wir oder fliehen wir vor etwas? Ich glaube beides. Ich bin mir sicher, die meisten Pilgerwege führen nicht nur auf einem kartographierten Weg entlang, sondern auch ins Innere. Jeder Mensch hat seine eigenen, nicht unbedingt religiösen Gründe, um sich auf den Jakobsweg zu begeben. Natürlich kann man den Jakobsweg auch durchgeplant und abgesichert mit Reservierung der Herbergen “abpilgern”. Aber meinem Empfinden nach verzichtet man dann auf den Zauber, den die Erlebnisse unterwegs einem bringen können.

Vor drei Monaten sind wir mit vollgepackten Fahrrad einfach über die Schwelle der Haustür hinaus ins Abenteuer gefahren. Nur Andreu und ich und unsere Fahrräder. In der Nacht vor unserer Abfahrt konnte ich vor Nervosität kaum schlafen. Wir hatten nur für die allererste Nacht ein Hotelzimmer in Collbató gebucht. Mir war mulmig, weil ich mir absolut nicht sicher war, ob ich diese 80 km gleich an unserem ersten Tag schaffen würde. Und überhaupt, wie weit würden wir kommen? Würden wir schaffen, was wir uns vorgenommen hatten oder würden wir “versagen”? Gedanken daran, was alles schieflaufen könnte mit unseren klapprigen Mountainbikes.

Vier Wochen lang sind wir durch den Norden Spaniens bis nach Santiago de Compostela geradelt. Nur drei Mal haben wir in dieser Zeit zwei Nächte am selben Ort geschlafen. Als wir am Ende des Jakobswegs, in Santiago angekommen sind, zog es uns weiter in den Süden. An der portugiesischen Küste entlang fuhren wir bis ins Alentejo, wo wir eine Fahrradpause eingelegt und ein paar Wochen bei einem Workaway Projekt gearbeitet haben.

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