Viele Motorradfahrer, besonders Führerscheinneulinge, stehen vor der Frage, ob und wie sie ihr Wunschmotorrad drosseln können, um es legal mit dem A2-Führerschein zu fahren. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Möglichkeiten der Motorrad-Drosselung, die damit verbundenen Kosten und rechtlichen Aspekte.
Grundlagen der Motorrad-Drosselung
Mit dem A2-Führerschein dürfen nur gedrosselte Motorräder mit maximal 48 PS (35 kW) gefahren werden, wobei die offene Leistung des Motorrads nicht mehr als 95 PS (70 kW) betragen darf. Nach Lesart der aktuellen EU-Führerscheinrichtlinie, die Anfang 2013 in Kraft trat, dürfen alle Motorräder, die serienmäßig nicht mehr als 70 kW (95 PS) leisten, auf A2-konforme 35 kW (48 PS) gedrosselt werden.
Besitzstandschutz
Wer seinen A2-Führerschein vor dem 27. Dezember 2016 gemacht hat, darf weiterhin auf 48 PS gedrosselte Maschinen fahren, deren serienmäßige Ausgangsleistung 95 PS überstieg. Aber Vorsicht: Bei Fahrten ins EU-Ausland drohen möglicherweise Schwierigkeiten mit den Behörden. Der Industrieverband Motorrad (IVM) rät deshalb ausdrücklich davon ab.
Technische Möglichkeiten der Drosselung
Es gibt verschiedene Methoden, um ein Motorrad zu drosseln, abhängig vom Modell und Baujahr:
- Mechanische Drosselung: Bei Vergasermotoren werden Gasschieberanschläge und Drosselblenden verbaut, um die Luftzufuhr zu verringern. In Einspritzaggregaten kommen Gaswegbegrenzer zum Einsatz, die den Vollgas verhindern.
- Elektronische Drosselung: Für Euro-4-Modelle gibt es MCR-Module (Micro Controlled Restriction), die ein verändertes Signal an das Seriensteuergerät weitergeben. Diese Module sind fahrzeugspezifische Eigenentwicklungen.
Alpha Technik als Marktführer
Alpha Technik aus dem bayerischen Stephanskirchen ist Marktführer in Sachen Drosselungen und bietet rund 400 lieferbare Drosselkits an.
Kosten der Drosselung
Die Kosten für das Drosseln eines Motorrads variieren je nach Hersteller und Modell. Hier eine Übersicht am Beispiel einiger Hersteller:
- BMW: 80 - 100 Euro für Arbeitszeit plus Eintragung (ca. 70 Euro).
- Triumph: 138 Euro für einen neuen elektronischen Gasgriff, plus Arbeitszeit und Eintragung.
- Yamaha: Für 700er-Modelle ca. 65 Euro für Ansaugstutzen, plus Arbeitszeit und Eintragung. Bei neuen A2-Modellen der 900er-Reihe dauert das Aufspielen der Software gut 15 Minuten, plus Eintragung.
- Kawasaki: Um die 150 Euro für die Software, plus Arbeitszeit und Eintragung.
- Harley-Davidson: Knapp 50 Euro Arbeitszeit, plus Umtragung beim Händler für 50 Euro.
Zusätzlich zu den reinen Material- und Arbeitskosten kommen noch die Gebühren für die Änderungsabnahme bei einer technischen Prüforganisation (TÜV, Dekra) und die Eintragung in die Fahrzeugpapiere hinzu.
Ablauf der Drosselung
- Einbau des Drosselsatzes: In der Werkstatt wird der passende Drosselsatz von Alpha Technik oder einem anderen Anbieter eingebaut.
- Änderungsabnahme: Nach dem Einbau erfolgt die Änderungsabnahme bei einer technischen Prüforganisation.
- Eintragung in die Fahrzeugpapiere: Mit der Prüfbescheinigung geht es zur Zulassungsstelle, um die Änderungen in den Fahrzeugpapieren eintragen zu lassen.
Vor- und Nachteile der Drosselung
Vorteile:
- Legales Fahren mit dem A2-Führerschein.
- Geringere Versicherungskosten.
- Anfängertauglichkeit durch reduzierte Leistung.
Nachteile:
- Kosten für Drosselsatz, Einbau und Eintragung.
- Leistungsverlust im Vergleich zur offenen Version.
- Mögliche Schwierigkeiten bei Fahrten im EU-Ausland (bei gedrosselten Big-Bikes).
Hersteller von Drosselsätzen
Neben Alpha Technik gibt es weitere Anbieter von Drosselsätzen, wie zum Beispiel 3P. Diese bieten Drosselkits für verschiedene Modelle an und legen Wert auf einfache Montage und Qualität.
Alternativen zur Drosselung
Anstatt ein Motorrad zu drosseln, kann man auch direkt ein Modell wählen, das bereits die passende Leistung für den A2-Führerschein hat. Dies kann eine kostengünstigere und unkompliziertere Lösung sein.
Fazit
Das Drosseln eines Motorrads ist eine gängige Praxis, um es legal mit dem A2-Führerschein zu fahren. Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, die je nach Modell und Baujahr variieren. Die Kosten für Drosselsatz, Einbau und Eintragung sollten jedoch berücksichtigt werden. Alternativ kann man auch direkt ein passendes Motorrad wählen.
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