Kardanantrieb beim Motorrad: Vor- und Nachteile

Der Motorblock eines Motorrades sollte das Hinterrad antreiben. Dafür ist eine Verbindung zwischen der Antriebswelle des Motorblocks und dem Hinterrad notwendig. Dies kann auf verschiedene Arten erfolgen.

Die meisten Motorräder stellen die Verbindung zwischen Getriebe und dem Hinterrad mit einem Kettentrieb her. Dabei sitzt auf der Getriebe-Ausgangswelle ein kleineres Zahnrad, ein sogenanntes “Ritzel” und am Hinterrad ist ein größeres Zahnrad (Kettenrad/ -blatt). Beide werden durch eine Kette verbunden.

Am gebräuchlichsten sind Motorräder mit Zahnrädern und einer Kette. Einige Motorräder haben einen Kardan-Antrieb. Anstelle einer Kette ist dies eine sich drehende Welle mit Zahnrädern. Manchmal sieht man auch einen Zahnriemen-Antrieb. Warum werden Motorräder mit einem bestimmten Antrieb hergestellt? Wir erklären es Ihnen.

Beim Motorrad gibt es drei gängige Antriebskonzepte für den Kraftschluss zwischen Getriebe und Rad: die Motorrad Kette, den Riementrieb und die Kardanwelle.

Die Funktionsweise des Kardanantriebs

Der Kardanantrieb ist ein Antriebssystem, das die Kraft vom Motor auf das Hinterrad überträgt, ohne dabei die Vorteile des Federungskomforts zu hemmen. Dies geschieht durch eine Kombination aus einer Kardanwelle mit einem Winkelgetriebe.

Die Kardanwelle, oft auch als Kardantriebswelle bezeichnet, ist das Herzstück des Kardanantriebs. Sie besteht aus mehreren miteinander verbundenen Rohren und Gelenken, die die Drehbewegung vom Getriebe zum Hinterradantrieb übertragen. Das Kardangelenk ermöglicht die notwendige Winkeländerung, um Unebenheiten in der Straße auszugleichen, während die Kraft gleichmäßig übertragen wird.

Vor- und Nachteile des Kardanantriebs

Vorteile:

  • Direkte Kraftübertragung: Ein Kardan-Antrieb hat eine direktere Übertragung, da sich die Welle nicht wie eine Kette dehnt.
  • Wartungsarmut: Ähnlich wie beim Riemen erfordert ein Kardan im Alltag keine Pflege und Justage - auch das Hinterrad bleibt immer sauber.
  • Langlebigkeit: Langlebiges und äußerst wartungsfreundliches Antriebskonzept.
  • Sauberkeit: Wenn eine Kette ein offenes System ist, ist eine Kardanwelle ein geschlossenes System.

Nachteile:

  • Hohes Gewicht: Ein Nachteil ist das hohe Gewicht.
  • Komplexität: Der Kardanantrieb ist zwar robuster, aber auch komplexer.
  • Trägheit: Der Kardanantrieb kann zu einer Trägheit in den Bewegungen des Motorrads führen, insbesondere beim Einlenken und Herausbeschleunigen aus Kurven.
  • Leistungsverlust: Kardan hat gut 12-15% Leistungsverlust!
  • Begrenzter Winkel: Aufgrund seiner starren Lagerung ist der Winkel, in dem die Hinterradschwinge arbeiten kann, allerdings begrenzt.

Alternativen zum Kardanantrieb

Ketten-Antrieb

Die meisten Motorräder sind mit einer Kette ausgestattet. Eigentlich kann man schlichtweg sagen, dass das so ist, weil eine Kette viel günstiger und einfacher ist, dann ein Kardan-Antrieb. Eine Kette und Zahnräder sind einfacher und preiswerter herzustellen. Darüber hinaus ist es einfacher, dies auf verschiedene Motorräder zu implementieren.

Ein Motorrad mit einer Kette läuft ruhiger als eine Kardanwelle, verliert aber mehr Energie. Ein großer Vorteil einer Kette ist, dass diese viel leichter ist als eine Kardanwelle. Ein Nachteil ist, dass eine Kette mehr Wartung erfordert. Es wird empfohlen, die Kette alle 400 km zu schmieren oder wenn man häufig bei Regen fährt nach 250km. Außerdem verschleißt eine Kette schneller, so dass sie gelegentlich ersetzt werden muss. Eine Kette von Zeit zu Zeit zu reinigen ist ein Muss für eine lange Lebensdauer.

Zahnriemen-Antrieb

Ein Zahnriemen-Antrieb ähnelt ein bisschen dem Ketten-Antrieb. Es ist ein Zahnriemen, der über zwei Zahnräder gespannt ist. Wenn ein Zahnriemen richtig gespannt ist, sodass er genügend Spiel hat und keiner ungleichmäßigen Belastung ausgesetzt ist, hält ein Zahnriemen-Antrieb viel länger als eine Kette. Da eine Kette aus Stahl besteht, nutzen sich die Zahnräder auch schnell ab, sodass die Zahnräder immer mit ausgetauscht werden müssen. Dies ist bei einem Zahnriemen-Antrieb nicht der Fall. Ein weiterer Vorteil eines Zahnriemen-Antriebs ist, dass dieser nicht geschmiert werden muss.

Heutzutage sind Zahnriemen-Antriebe so gut verarbeitet, dass sie manchmal das Motorrad überdauern. Darüber hinaus kann ein Zahnriemen-Antrieb die Flexibilität einer Kette bieten, ist jedoch leiser, leichter und sauberer.

Warum nutzt dann nicht jeder einen Zahnriemen-Antrieb? Das hat zwei Gründe. Erstens kann ein Zahnriemen-Antrieb plötzlichen Belastungen nicht gut standhalten. Daher ist es keine gute Kombination mit einem Zahnriemen-Antrieb plötzlich stark zu beschleunigen oder Wheelies zu fahren. Zweitens ist es mit einer Kette einfacher, Anpassungen am System vorzunehmen.

Wartung und Pflege des Kardanantriebs

Planen Sie eine regelmäßige Wartung des Kardanantriebs alle 12.000 bis 15.000 Kilometer oder einmal im Jahr ein. Bei aggressiver Fahrweise oder häufigen Langstreckenfahrten kann eine häufigere Inspektion erforderlich sein. Überprüfen Sie bei der Wartung die Ausrichtung der Kardanwelle, den Zustand der Gelenke und die Schmierung.

Verwenden Sie hochwertige Schmiermittel wie vollsynthetische Getriebeöle mit geeigneter Viskosität (z. B. SAE 85W-140). Solche Schmiermittel bieten eine verbesserte Temperaturbeständigkeit und Schutz vor Verschleiß. Beachten Sie die empfohlenen Schmierintervalle und halten Sie die Antriebskomponenten sauber und gut geschmiert.

Performance und Fahrerfahrung

Der Kardanantrieb sorgt für eine direkte Übertragung der Motorleistung auf das Hinterrad, was eine sofortige Beschleunigung und eine ausgewogene Fahrdynamik gewährleistet. Dies führt zu einer stabilen Performance in verschiedenen Fahrsituationen.

Im Vergleich zu Ketten- und Riemenantrieben bietet der Kardanantrieb den Vorteil einer geringeren Wartungsintensität. Dies bedeutet weniger Aufwand für die Instandhaltung und mehr Zeit, um die Fahrt zu genießen.

Technologische Entwicklung und Zukunftsaussichten

Die zukünftige Entwicklung des Kardanantriebs könnte auf verbesserten Materialien und leistungsstärkeren Dämpfungssystemen beruhen, um Vibrationen zu minimieren und das Gesamtfahrerlebnis zu optimieren. Leichtbau könnte ebenfalls eine größere Rolle spielen um Gewicht zu sparen.

Der Kardanantrieb wird wohl weiterhin in Touring- und Cruisermotorrädern eine bedeutende Rolle spielen, da er sich als zuverlässiges, wartungsarmes System etabliert hat. Gleichzeitig könnten Innovationen den Kardanantrieb auch für andere Motorradtypen attraktiver machen.

Vergleich der Antriebsarten

Welches Antriebskonzept das richtige ist, hängt stark vom Einsatzzweck, den persönlichen Vorlieben und dem Wartungsaufwand ab, den man bereit ist zu investieren.

Hier ist ein kurzer Vergleich der drei Antriebsarten:

Antriebsart Vorteile Nachteile Typische Vertreter
Kette Preiswert, schnell gewechselt, geringes Gewicht Häufige Kontrolle erforderlich, braucht viel Pflege, verdreckt das Motorrad Sportler, Allrounder, Enduros, Chopper und Cruiser
Kardanwelle Sauber (geschlossenes System), wartungsfreundlich, im Vergleich langlebig Aufwendige Konstruktion, hohes Gewicht, kostet Leistung BMW, Moto Guzzi, hubraumstarke Tourer oder Cruiser
Zahnriemen Wartungsarm, lange Lebensdauer, sauber (keine Schmiermittel) Braucht viel Platz, umständlicher Austausch, aufwendiges Einstellen Harley-Davidson, Buell

Motorräder mit Kardangetriebe

  • BMW: BMW ist bekannt dafür, Kardanantrieb in vielen seiner Motorradmodelle einzusetzen, insbesondere in den Touren- und Adventure-Bikes wie der BMW R 1250 GS und der BMW K 1600 GT.
  • Ducati: Obwohl Ducati hauptsächlich für seine sportlichen Motorräder bekannt ist, verwenden sie auch in einigen Cruiser-Modellen wie der Ducati XDiavel den Kardanantrieb.
  • Moto Guzzi: Der italienische Hersteller Moto Guzzi ist berühmt für seine Cruiser- und Touring-Modelle, die oft den Kardanantrieb verwenden, wie die Moto Guzzi California oder die Moto Guzzi Audace.
  • Yamaha: Yamaha hat den Kardanantrieb in einigen seiner Touring- und Cruiser-Modelle wie der Yamaha Royal Star Venture und der Yamaha Star Venture eingesetzt.
  • Triumph: Triumph setzt Kardanantrieb in einigen seiner klassischen Modelle ein, darunter die Triumph Bonneville T120 und die Triumph Thruxton.
  • Honda: Während Honda hauptsächlich Kettenantrieb verwendet, haben sie auch in einigen ihrer Modelle wie der Honda Gold Wing den Kardanantrieb eingesetzt.
  • Harley-Davidson: Harley-Davidson verwendet oft Kardanantrieb in seinen Touring-Modellen wie der Harley-Davidson Electra Glide und der Harley-Davidson Road King.

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