Obwohl beim Felgenmaß derzeit so etwas wie ein Glaubenskrieg herrscht, sind die meisten Fahrräder noch immer auf 26 Zoll unterwegs. Vor allem Bequem- und Alltagsgräder sind mit dieser Bereifung ausgestattet, und nur wer ein Mountainbike sucht, sieht sich mit bis zu vier Felgengrößen (26 Zoll, 27,5 Zoll, 28 Zoll und 29 Zoll) konfrontiert. Der Freizeitbiker sieht sich allenfalls vor die Wahl gestellt, statt auf das marktbeherrschende 26er-Laufrad doch auf die größeren 28-Zöller zurückzugreifen, wenn er nur wüsste, was - abgesehen von den rund 5 Zentimetern Differenz im Durchmesser - den Unterschied bei den Fahreigenschaften begründet. Testberichte.de gibt einen Überblick.
Rollwiderstand und Fahrverhalten
Der viel diskutierte Rollwiderstand spielt dabei eine geringere Rolle: Wie viel Walkarbeit ein Reifen und damit der Fahrer leisten muss, ist zwar generell auch am Rollwiderstand zu messen - verstanden als Kraft, die beim Abrollen des Rades entsteht und der Bewegung entgegen gerichtet ist. Das kleinere 26-Zöller hat aber nur bei identischem Luftdruck einen höheren Rollwiderstand, weil sich die Reifenverformung hier im Verhältnis stärker auswirkt. Generell gilt: Der Rollwiderstand ist nur ein Teilaspekt des Gesamtwiderstandes, den der Fahrer mit seiner Körperkraft überwinden muss.
Viel entscheidender als das Felgenmaß ist der Einfluss des Luftdrucks - verkürzt formuliert in dem Sinne, dass der Rollwiderstand sich reduzieren lässt, indem der Reifen mit hohem Druck gefahren wird. Das gilt allerdings nur für die Straße, denn die Radgröße wirkt sich auf jedem Untergrund anders aus. Wenn es um puren Speed geht, kann ein 28-Zöller tatsächlich besser sein als ein 26er-Rad; auf gerölligen Trails oder weichen Waldböden hingegen ist ein 26-Zoll-Rad mit geringerem Luftdruck vorne mit dabei, da das Gesamtsystem dann anpassungsfähiger wird.
Daraus folgt, dass sich bei der Wahl des Felgenmaßes wie stets die Frage nach dem Nutzerprofil stellt - es geht um die Einsatzzwecke Straße oder Gelände oder darum, unter welchen Bedingungen ein Rad meistens gefahren wird.
26-Zöller versus 28-Zöller: Ein Vergleich
Das führt sogleich zur ersten Antwort: Das typische Trekking- oder Alltagsrad, wie es von den meisten Freizeitradlern gefahren wird, stellt mit einem Felgenmaß von 26 Zoll einen guten Kompromiss dar. 26-Zöller bieten ein akzeptables Zusammenspiel aus Traktion, Kurvenhalt, Steifigkeit und Rollwiderstand, sind leichter als 28-Zoll-Räder und die richtige Wahl für normale Körpergrößen in normalen Rahmenhöhen. Doch die kleineren Laufräder fallen schneller in Schlaglöcher hinein, überrollen Unebenheiten mit einem spitzeren Winkel und haben grundsätzlich weniger Grip als ein größeres Laufrad - solange man den Einfluss des Luftdrucks vernachlässigt.
Auch die Körpergröße spielt eine Rolle: Ein größerer Fahrer sitzt auf einem größeren Rahmen bequemer, wenn auch das Felgenmaß größer ist, weil sich dann die Differenz zwischen Lenker- und Sattelhöhe in tolerablen Grenzen bewegt. Doch für größere Mountainbiker ist der Sachverhalt immer noch unklar: Soll es ein 29-Zoll-Rad sein oder reicht die neue Zwischengröße von 27,5 Zoll, das viele Experten für das neue Maß aller Dinge halten und dem alten Felgenmaß von 26 Zoll eine generelle Überlegenheit attestieren?
Vorteile der 26-Zoll-Räder
- Gute Versorgungslage für Ersatzteile (Schlauch, Reifen, Felgen)
- Größere Stabilität infolge des dichteren Speichengeflechts
- Günstigerer Winkel der Speiche zur Felge
- Experten rechnen vor, dass infolge ihres sechs Zentimeter kleineren Durchmessers gegenüber 28 Zoll die 26-Zöller um rund 30 Prozent stabiler seien.
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