Kesselberg Motorrad Öffnungszeiten: Aktuelle Regelungen und Hintergründe

Seit Jahren wird versucht, die Raser auf der Kesselbergstrecke auszubremsen. Die Kesselbergstrecke der B11 zwischen Kochel und Walchensee (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist vor allem bei Motorradfahrern beliebt.

Temporäre Sperrung für Motorradfahrer

Die Verkehrsexperten haben Daten der vergangenen fünf Jahre ausgewertet und nun mit einer temporären Sperrung für Motorradfahrer reagiert: Vom 1. April bis 31. Oktober ist die Auffahrt auf den Kesselberg täglich zwischen 15 und 22 Uhr nicht mehr erlaubt. Dies gilt auch an Wochenenden und Feiertagen.

Die Regelung, die von diesem Samstag, 1. April, an in Kraft tritt, gilt vorerst für einen Probezeitraum bis 31. Oktober 2024. Dann sollen die Effekte analysiert werden.

Anlieger können gegebenenfalls ausgenommen werden; sie müssen sich im Landratsamt melden. Um Motorradfahrer frühzeitig auf die Sperrung aufmerksam zu machen, werden die bestehenden Hinweisschilder beibehalten.

Aus Schlehdorf und Benediktbeuern kommend wird wieder an den Ortseingängen von Kochel mit Schildern auf Sperrzeiten und Umleitungen hingewiesen. Zusätzlich werden Umleitungsmöglichkeiten angezeigt.

Dauerhafte Beibehaltung der Sperrzeiten nach Testphase

Nach der Testphase ziehen Polizei und Behörden zufrieden Bilanz: Die Zahl der Unfälle mit Motorrädern hatte sich 2023 und 2024 gegenüber den Vorjahren deutlich verringert. Die Unfallkommission kam zu dem Schluss, dass sich die erprobte verkehrsrechtliche Anordnung bewährt hat. Aus diesem Grund wird die Anordnung nun dauerhaft beibehalten.

Dies gaben die Verantwortlichen am Mittwoch (15. Januar) im Bad Tölzer Landratsamt bekannt. Wie das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen mitteilt, tritt die Regelung ab dem 1. April 2025 wieder in Kraft.

Details zum Fahrverbot

Folgendes gilt seit Januar 2025:

  • Das Motorrad-Fahrverbot betrifft konkret die Strecke von Kochel in Richtung Walchensee.
  • Das Motorrad-Fahrverbot gilt jährlich zwischen 1. April bis 31. Oktober.
  • In diesem Zeitraum gilt das neue Motorrad-Fahrverbot von Montag bis Freitag zwischen 15:00 und 22:00 Uhr.
  • An Wochenenden und Feiertagen ist das bestehende ganztägige Motorrad-Fahrverbot zwischen 22:00 und 15:00 Uhr aufgehoben.

Unterm Strich: Es gilt zwischen Kochel am See in Richtung Kesselberg täglich ein Fahrverbot für Motorräder zwischen 15:00 Uhr und 22:00 Uhr.

Unfallzahlen und Gründe für die Sperrung

Die Anpassung der Streckensperrung und die Testphase zwischen dem 1. April 2023 und dem 31. Oktober 2024 waren eine direkte Reaktion auf die Unfallstatistik. Die zeigte, dass die meisten schweren Unfälle am Nachmittag und Abend passieren. Daher entschied sich der Landkreis für ein neues jährliches Fahrverbot für Motorräder.

Die kurvenreiche Bundesstraße 11 am Kesselberg zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Strecken für Motorradfahrer in der oberbayerischen Alpenregion. Allerdings war sie lange Zeit auch ein Unfallschwerpunkt. „In den allermeisten Fällen waren die Motorradfahrer die Verursacher der Unglücke“, betonte der Landratssprecher. Vor der Einführung der täglichen Sperrzeiten galt bereits ein Fahrverbot an Wochenenden und Feiertagen.

Laut Landkreis ereignen sich in den Sommermonaten pro Jahr im Schnitt 30 mittelschwere sowie schwere Unfälle. Mit der Testphase gingen die Unfälle um 40 Prozent runter.

Die Zahl der von Motorrädern verursachten Unfall auf dem B11-Abschnitt zwischen Urfeld und Altjoch habe sich in der Probephase fast halbiert, rechnet Simon Neubert vom Staatlichen Bauamt vor. 2018 bis 2022 gab es im Schnitt 28,4 Unfälle jährlich, 20,8 Crashs wurden von Bikern verursacht. Trauriger Höhepunkt: 29 verunglückte Biker in 2021. Zum Vergleich: Mit der Sperrzeit waren es 2023 noch 23 Unfälle (zwölf Biker). 2024 zählte die Straßenbehörde insgesamt elf Unfälle, alle mit Motorrädern.

Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt: "Die zeitlich begrenzte tägliche Sperrung der Bundesstraße für Motorradfahrer über ein halbes Jahr hinweg ist aus Sicht der Unfallkommission gleichzeitig verhältnismäßig. Sicherlich verhalten sich viele Motorradfahrer vernünftig auf der Straße, aber Fakt ist eben auch, dass sich Unfälle mit Motorrädern zu 78 Prozent zwischen 15 und 22 Uhr ereigneten. Schwere Unfälle wurden zu 91 Prozent von Motorradfahrern verursacht. Da kann und darf man aus unserer Sicht nicht länger zuschauen."

Weitere Maßnahmen zur Lärmreduzierung

Weil nicht nur die vielen Unfälle am Kesselberg ein Problem sind, sondern auch die Belastung für die Anwohner durch den Motorradlärm, sollen im Mai Lärmmessgeräte aufgestellt werden, die ähnlich funktionieren wie Geschwindigkeitsmessgeräte. Statt subjektiv wahrgenommener Lärmbelastung könne man so auf tatsächliche Zahlen zurückgreifen.

Flankierend dazu gibt es eine Aktion des ADAC, an der sich die Gemeinden Kochel, Benediktbeuern und eventuell Schlehdorf beteiligen: Unter dem Motto "Leise kommt an", sollen Banner und Schilder mit entsprechenden Appellen an den Zufahrtsstraßen aufgestellt werden.

Bisherige Maßnahmen zur Streckenentschärfung

Seit dem 17. Juni 1978 ist die aktuelle Streckensperrung auf der B 11 südwärts ab Kochel am See in Kraft. Immer wieder wurde in dieser Zeit versucht, die unfallträchtige Strecke zu entschärfen. Die Geschwindigkeit ist schon lange auf 60 km/h begrenzt.

2014 baute der Landkreis die umstrittenen Rüttelstreifen an. Die senken per se nicht das Tempo, sondern sollen vor Kurven den Fahrkomfort senken, um so die Geschwindigkeit zu verringern. Genützt hat das wohl wenig, denn 2018 wurden die Streifen wieder entfernt, da laut Behörde kein Rückgang der Unfallzahlen festgestellt wurde. Geblieben sind hingegen die zusätzlich montierten Mittelleitschienen mit Warnbaken, die das Schneiden und Überholen in Kurven weiterhin unterbinden sollen.

Ausweichrouten und Verlagerung des Problems

Das Kochler Sperrzeiten-Modell hat das Interesse anderer Regionen geweckt. Denn so positiv die Situation am Kesselberg nun ist. Das Biker-Problem hat sich verlagert.

Im gleichen Zeitraum nahmen laut Polizeipräsidium Oberbayern die Belastungen des Motorradverkehrs an anderen Strecken deutlich zu. Die Unfallzahlen verdoppelten sich gut 70 Kilometer entfernt, am Sudelfeld. Auch die B13 zum Sylvensteinspeicher wird immer mehr zur beliebten Ausweichroute, gerade für Tourenfahrer.

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