Antriebsketten gehören zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen von Motorrädern. Früher oder später verschleißen sie alle. Bei entsprechender Pflege lässt sich ihr Exitus jedoch beträchtlich hinauszögern. Richtig gepflegt hält eine Motorradkette gerne mal 50.000 Kilometer, während vernachlässigte Motorradketten kaum 10.000 Kilometer schaffen.
Wie lange hält eine Motorradkette?
Die durchschnittliche Lebensdauer von Motorradketten liegt bei etwa 20.000 Kilometern. Vernachlässigte Motorradketten erreichen wiederum kaum die 10.000er-Marke. Wer sich regelmäßig um korrekte Spannung kümmert, penibel reinigt und ordentlich schmiert, den belohnt das Verschleißteil mit teilweise weit über 50.000 Kilometern Laufleistung - in Abhängigkeit von Fahrzeugtyp und Fahrstil.
Doch auch bei bester Pflege ist irgendwann die Verschleißgrenze erreicht und Ersatz unumgänglich. Jetzt heißt es, aus dem riesigen Zubehörangebot eine geeignete Kette auszuwählen. Die Palette reicht von Standardketten über O-Ring-, X-Ring-, XW-Ring- bis hin zu Quadringketten.
Nur noch ganz wenige Motorräder - fast ausnahmslos Oldtimer - sind mit Standardketten ausgerüstet. Alle anderen verwenden abgedichtete Ketten mit Dauerfettfüllung, sogenannte O-Ring-Ketten. Hierbei sind die Reibflächen zwischen Bolzen und Hülsen mit Schmierstoff versehen und mit O-Ringen (egal welcher Ausführung) nach außen abgedichtet. Ketten dieser Bauart weisen geringere Reibungsverluste auf und halten beträchtlich länger als die Standardversionen - geschmiert werden wollen sie dennoch. Vor allem die Berührflächen zwischen Kettenrad/Ritzel und den einzelnen Kettengliedern verlangen nach von außen aufgetragener, verschleißmindernder Schmierung.
Bei allen Arbeiten rund um das Thema Motorradkette erweisen sich Motorräder mit Hauptständer als äußerst segensreich. So lässt sich das Hinterrad frei drehen, und alle Kettenglieder sind problemlos erreichbar. Bei Zweirädern, die lediglich einen Seitenständer aufweisen, helfen Montageständer.
Wem der ganze Pflegeaufwand zu groß erscheint, kann auf ein Motorrad mit Kardanantrieb umsteigen. Eines sollte dabei aber nicht vergessen werden: Kettenantrieb hat viele Vorteile. Beispielsweise sind die Reibungsverluste deutlich geringer als beim technisch sehr aufwendigen und dadurch teuren Kardanantrieb, die Kraftübertragung erfolgt direkter, und ganz nebenbei ist es ein Kinderspiel, für die Rennstrecke die Übersetzung zu ändern.
Warum ist die Reinigung der Motorradkette wichtig?
Kettenreinigung gehört zu den wenig beliebten Pflegemaßnahmen am Motorrad. Viele Zweiradbesitzer sind überzeugt, es genügt, die Kette regelmäßig zu schmieren und die Reinigung dem Regen zu überlassen. Während die auf den Außenlaschen befindlichen Schmutzpolster kaum Auswirkungen auf Lebensdauer und Funktion haben, schmirgeln die zwischen den Laschen sitzenden Schmutz- und Sandpartikel die O-Ringe flach, und die Dauerfettfüllungen gehen flöten. Außerdem erhöht auf den Rollen und zwischen den Außen- und Innenlaschen sitzender Schmutz die Reibung.
Stark verbackene Kettenglieder erkennt auch der Laie daran, dass die Kette schwergängig läuft und Knicke bildet, weil sich die Glieder nicht mehr richtig bewegen. Dann ist es meist schon zu spät für eine Kettenreinigung.
Wie oft sollte ich die Motorradkette reinigen?
Etwa alle 2.000 Kilometer, bei im Gelände bewegten Fahrzeugen deutlich häufiger, sollten spezielle Reinigungsmittel zum Einsatz kommen - scharfe Reinigungsmittel oder gar Benzin können die O-Ringe zerstören.
Die Anwendung von Kettenreinigern ist sehr einfach: auftragen, eventuell mit Pinsel oder Bürste nacharbeiten, einwirken lassen und anschließend abwischen oder gegebenenfalls abspritzen. Erst nachdem die Kette wieder völlig trocken ist, kommt Kettenfett zum Einsatz.
Die Richtige Vorgehensweise bei der Kettenreinigung
- Motorrad auf einen geeigneten Montageständer aufbocken, damit das Hinterrad frei beweglich ist.
- Eine Auffangwanne oder Zeitungspapier unter die Kette legen, damit der restliche Dreck darauf landet.
- Die Motorradkette mit einem Reiniger einsprühen. Dabei sollte man die Anfangspunkte markieren, um Produkt zu sparen.
- Nach Betriebseinleitung den Reiniger ca. 15 Minuten einwirken lassen.
- Mit einem Pinsel oder einer Zahnbürste den Dreck von der Kette entfernen. Falls noch Schmutz vorhanden ist, sollte man das Vorgehen wiederholen.
- Nun müssen Sie die Kette gründlich polieren, gegebenenfalls mit einem Tuch oder einem Lappen.
- Abschließend müssen Sie die Kette mit einem Fettspray einschmieren.
Fast jeder Schmierstoffhersteller bietet Kettenreiniger für Motorradketten an. Bei den Spraymitteln empfiehlt es sich, mit einer Bürste oder einem Pinsel den Reinigungseffekt zu unterstützen. Mindestens eine halbe Stunde sollten sich putzwillige Zweiradfahrer für die Reinigung Zeit nehmen und reichlich Zeitungspapier oder Kartons zum Unterlegen bereithalten. Nach kurzer Einwirkzeit wischt man die Kette mit einem Lappen ab, um überschüssiges Reinigungsmittel und nicht abgetropften Schmutz zu entfernen oder spritzt die Motorradkette mit einem Wasserstrahl ab (unbedingt Waschanlage mit Schmutzabscheider aufsuchen). Vorsicht: Dampfstrahler gefährden die O-Ringe. Wer versucht, eine uralte, verklebte und verbackene Kette zu reinigen, der hat Pech. Wunder vollbringen kann keines der Mittelchen.
Wie lange ist die Einwirkzeit von Kettenspray?
Alle Motorradketten benötigen regelmäßig eine Portion Schmiermittel, um nicht frühzeitig zu verschleißen. Sicherlich gehört das Aufsprühen von Kettenspray zu den am häufigsten angewendeten Pflegemaßnahmen, was nicht zuletzt am einfachen Prozedere und dem geringen Zeitaufwand liegt. Wer sich geschickt anstellt, macht sich dabei nicht einmal die Finger schmutzig.
Das Einsprühen selbst benötigt weniger als eine Minute, die Einwirkzeit beträgt je nach Produkt bis zu 15 Minuten. Wir empfehlen: Das Motorrad-Kettenspray sollte minimal 30 Minuten ablüften. Grundsätzlich gilt: lieber häufig und sparsam auftragen als selten und dick. Zu viel Kettenfett fliegt ohnehin in kürzester Zeit davon und verklebt Ketten- und Ritzelkasten, Felgen und Reifen. Unnötige Schmierereien durch falsche Anwendung lassen sich bereits beim Auftragen vermeiden: nicht zu seitlich gegen die Kettenglieder sprühen und niemals gegen den Reifen.
Die Richtige Vorgehensweise bei der Schmierung
- Motorrad auf einen geeigneten Montageständer aufbocken, damit das Hinterrad frei beweglich ist.
- Nun müssen Sie die Kette nach ihrem Zustand überprüfen. Das neue Kettenfett darf nur auf eine saubere Grundlage aufgetragen werden.
- Eine „Kettenumdrehung“ lang das Kettenspray auf die Innenseite der Kette sprühen. Dabei sollten Sie nicht zu viel auftragen, da das Fett sonst am ganzen Motorrad haften bleibt.
- Eine „Kettenumdrehung“ lang das Kettenspray auf die Außenseite der Kette sprühen. Dabei sollten Sie nicht zu viel auftragen, da das Fett sonst am ganzen Motorrad haften bleibt.
- Nach Betriebsanleitung das Fett ca. 15 Minuten einwirken lassen.
Die Kettenglieder bei langsam drehender Kette innen so einsprühen, dass der Strahl nicht auf den Hinterreifen treffen kann. Wem das zu viel Aufwand ist, der kann sich auch ein vollautomatisches Kettenschmiersystem zulegen. Dieses wird fest am Motorrad installiert und sorgt für eine ständige Schmierung.
Fetthaltig oder fettfreies Kettenspray - Wie gut sind Dry-Lube-Kettensprays?
Die eher pragmatisch und technikorientierte Fraktion greift meist zu fetthaltigen Sprays. Vorteile: gutes Schmiervermögen, bestmöglicher Korrosionsschutz, möglichst lange Pflege-Intervalle und ordentliche Sichtbarkeit beim Aufsprühen. Nachteile: Durch abgeschleudertes Schmiermittel vollgeferkelte Felgen und Schwingen, Fettklumpen, die sich bei etwas nachlässiger Pflege zum Dauerschmodder hinter Ritzelabdeckung und Kettenrad entwickeln.
"Trockene" Kettensprays, neudeutsch "Dry Lube" haben aber gewaltig auf- und ihre fettigen Mitbewerber teilweise sogar überholt. Wie kommt’s? Zum einen hat sich in Sachen Rohstoff-Angebot eine Menge getan. Zum anderen haben aber wohl viele Chemiker eine Menge Hirnschmalz investiert, um neue Rezepturen zu entwickeln, die es schaffen, die zum Teil gegensätzlichen Anforderungen unter einen Hut zu bringen - der Marktdruck hat es möglich gemacht. Besonders bei der Schmierleistung, und dabei insbesondere beim Verschleißschutz.
Motorradkette spannen
Ein Kettenriss gehört zu den unangenehmsten Defekten beim Motorradfahren. Prinzipiell gibt es ganz unterschiedliche Gründe für das Versagen einer Kette, von denen sich manche nicht verhindern lassen. Gegen eine fehlerhafte Kettennietung ist der Motorradfahrer ebenso wenig gefeit wie gegen einen zwischen Kette und Ritzel geschleuderten Kieselstein. Die Fehlerquellen Kettenspannung, -verschleiß und Schmierung kann er hingegen vermeiden. Ungefettete Ketten überhitzen leicht und verschleißen schneller, die Gefahr eines Risses steigt fast ebenso wie durch falsche Kettenspannung. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Kette zu locker oder zu straff eingestellt ist.
Was passiert, wenn die Motorradkette zu locker oder zu straff ist?
Zu lockere Ketten (meist alte, übermäßig verschlissene Exemplare) können von den Kettenblättern/Ritzeln rutschen, sich verklemmen und dadurch abreißen. Zu straff gespannte Ketten halten die extrem hohen Belastungen vor allem bei Einfederbewegungen des Fahrzeugs nicht dauerhaft aus und bersten. Außerdem leiden die Getriebeausgangslager sehr stark unter zu straffen Ketten, was im Extremfall zu Undichtigkeiten und Getriebeschäden führt. Deshalb: Kettenspannung regelmäßig kontrollieren, gegebenenfalls einstellen und alte, verschlissene Ketten rechtzeitig austauschen.
Unbedingt die Kettenspannung in beladenem Zustand prüfen. Die Kette muss noch Spiel aufweisen.
Wann muss eine Motorradkette getauscht werden?
Eine Motorradkette ist spätestens dann reif für den Müll, wenn sie sich bis zu den Zahnspitzen des Kettenblatts abheben lässt oder sich sogenannte Haifischzähne gebildet haben. Kette, Ritzel und Kettenrad übrigens immer gemeinsam tauschen, sonst verschleißen die neuen Teile viel schneller, das kurzfristige Sparen entpuppt sich als Reinfall.
Wie straff muss die Motorradkette gespannt sein?
Wie die Kettenspannung richtig eingestellt wird und wie viel Spiel vorhanden sein muss, steht in jedem Fahrzeughandbuch. Enduros mit viel Federweg benötigen meist viel mehr Spiel im Antriebsstrang als Sportbikes. Als Faustregel gilt jedoch immer: In voll eingefedertem Zustand muss noch minimales Spiel vorhanden sein, dann kann nichts schiefgehen.
Es spielt keine Rolle, ob die Verstellung per Exzenter oder Schieber erfolgt, die Einstellwerte müssen auf beiden Seiten der Schwinge identisch sein, damit das Rad nicht schief steht. Skalierungen zu beiden Seiten an der Schwinge und den Exzentern beziehungsweise Schiebern erleichtern diese Aufgabe.
Die Richtige Vorgehensweise beim Spannen
- Motorrad auf einen geeigneten Montageständer aufbocken und darauf achten, dass die Maschine gerade steht.
- Wenn nötig die Kette reinigen und von Fett entfernen.
- Danach müssen Sie die Achsmutter und Kontermutter der Kette lockern. Die Muttern nicht entfernen!
- Nun die Einstellschraube kleinschrittig bewegen und die Umdrehungen mitzählen.
- Kontermutter wieder anbringen und vorsichtig festziehen.
- Dann müssen Sie die Achsmutter wieder anbringen und stark anziehen, damit der Halt gewährleistet ist.
- Sie müssen nun die Kettenspannung prüfen. Die Kette darf nicht zu fest sitzen, eher ein bisschen lockerer.
- Führen Sie im Anschluss eine Probefahrt durch, um zu schauen ob alles passt.
Nach der Justage gehören alle Schrauben festgezogen und die Kettenspannung geprüft - und zwar an mehreren Stellen (Rad drehen), da der Kettendurchhang gelegentlich variieren kann. Das liegt entweder an unterschiedlich verschlissenen Kettenabschnitten oder an nicht völlig zentrisch gebohrten Kettenblättern.
Die Bedeutung der Regelmäßigen Kettenpflege
Die Motorradkette ist ein Bauteil, das oftmals vernachlässigt wird. Ehrlich gesagt nervt die Kettenpflege auch ein wenig, da es eben keine saubere Sache ist. Trotzdem solltest du die Kettenreinigung und das Ölen bzw. Schmieren der Kette in keinem Fall vernachlässigen. Dies verspricht eine deutlich längere Lebensdauer der Kette und Antriebskomponenten und spart am Ende Geld oder verhindert sogar Schäden am Fahrzeug selbst.
Wie oft eine Kette beim Motorrad gepflegt werden muss, ist von extrem vielen Faktoren abhängig. So ist es zum Beispiel nicht unerheblich, ob du nur bei Schönwetter oder auch im Regen fährst. Nässe schadet dem Kettenöl bzw. Kettenfett und die Kette muss somit öfter gewartet werden. Auch der Untergrund spielt eine Rolle. Offroadfahrer sollten ihre Kette öfter warten, als reine Straßenfahrer. Zudem ist die Wahl des Schmiermittels maßgeblich für den Wartungsintervall verantwortlich. Neben diesen Faktoren spielt aber auch die Kettenbauart eine Rolle. Ganz allgemein kann man von einem gesunden Wartungsintervall von 250-500 Kilometern ausgehen. In einigen Handbüchern der Fahrzeuge ist aber auch von 1.000 Kilometern die Rede, was wir aber für deutlich zu lange halten.
Die Gefahren einer Vernachlässigten Kette
Erstens ist eine gut gepflegte Kette für die Sicherheit unerlässlich. Die Kette ist ein wesentliches Element des Antriebssystems und sorgt für die Übertragung der Motorleistung auf das Hinterrad. Eine schlecht gewartete Kette kann reißen oder überspringen, was zu einem plötzlichen Verlust der Antriebskraft führen kann. Dies kann besonders gefährlich sein, wenn du gerade in einer Kurve fährst oder beschleunigst, da es zu einem Kontrollverlust über das Motorrad kommen kann. Außerdem ist es möglich, dass die gerissene Kette schwerwiegende Schäden am Fahrzeug hervorruft. Darüber hinaus kann eine verschlissene Kette die Gesamtleistung des Motorrads beeinträchtigen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass eine schlecht gepflegte Kette Schmutz, Staub und Ablagerungen ansammeln kann. Um diese Gefahren zu minimieren, sollte die Kettenpflege zu einem festen Bestandteil deiner Motorradwartungsroutine gehören.
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