Fahrradkettenöl im Test: Alles, was Sie wissen müssen

Gut geölte Fahrradketten verschleißen langsamer und setzen keinen Rost an. Quietschend rattert die rostbraune Fahrradkette über die Kettenblätter und Ritzel - normaler Alltag bei vielen Citybikes. Während einige Radfahrer das Geräusch als Hilferuf der Kette verstehen, wird es von anderen kaltblütig ignoriert - auf Kosten des Antriebs. Dessen schnelleres Ableben lässt sich jedoch vermeiden, wenn regelmäßig Kettenöl aufgetragen wird.

Warum muss die Kette geölt werden?

Fahrradketten verschleißen und längen sich bei jedem gefahrenen Kilometer - das lässt sich nicht aufhalten. Dennoch kann der Verschleiß enorm reduziert werden, indem die Kette regelmäßig gereinigt und anschließend wieder geölt wird. Ist die Kette aber zu lang geworden oder aufgrund von mangelnder Schmierung versteift, leiden auch die Kettenblätter und Zahnkränze.

Den gesamten Antrieb auszutauschen kostet dann deutlich mehr Geld, als lediglich die Kette zu wechseln oder zu pflegen. Überdies drohen verschlissene Ketten zu reißen, was zu einem Sturz führen und somit gefährlich werden kann. Ohne Reparaturwerkzeug ist die Fahrt bei gerissener Kette zwangsläufig zu Ende - sehr lästig, besonders in Gegenden, wo keine öffentlichen Verkehrsmittel als Notlösung bereitstehen. Letztlich führt eine gut geschmierte Kette dazu, dass weniger Kraft beim Pedalieren verloren geht - man fährt also leichter und schneller!

Vielfältige Schmiermittel

Möchten Radfahrer - weil sie die Sinnhaftigkeit des Kettenöls eingesehen haben - ein Fläschchen davon kaufen, werden sie von der Vielfalt geradezu erschlagen. Zum Beispiel gibt es Dry Lubes, die zwar sehr gut schmieren und wenig Schmutz anziehen, aber nur wenig resistent gegen Nässe sind und sich somit nur für Schönwetterbikes eignen.

Wet Lubes sind Öle für nasse Bedingungen. Sie lassen sich vom Regen nicht so einfach wegspülen und schützen besser vor Rost. Allroundöle versuchen, einen Kompromiss aus den beiden Ölgattungen zu bilden.

Kettenöle sind in Spray- und Tropfflaschenform erhältlich. Sprays haben den Nachteil, dass sie das Schmiermittel meist zu großflächig verteilen, sodass viel Öl auf dem Boden, auf den Kettenaußenseiten oder gar auf der Felge beziehungsweise Bremsscheibe landet. Letzteres beeinträchtigt die Bremsleistung sehr stark. Mit den fein zu dosierenden Tropfflaschen kann das nicht passieren.

Öl auftragen, aber wie?

Bevor Sie das Kettenöl auftragen, sollte die Kette vom gröbsten Dreck gereinigt werden, denn Sand wirkt wie Schmirgelpapier. Anschließend kann das Öl tröpfchenweise auf die Kette gegeben werden. Drehen Sie hierfür die Kurbel langsam rückwärts. Seien Sie mit dem Öl sparsam, da zu viel davon zu einer höheren Schmutzanhaftung führt. Drehen Sie die Kurbel nach dem Auftragen zur besseren Ölverteilung noch ein paar Umdrehungen weiter. Entfernen Sie anschließend mit einem Lappen das überschüssige Öl von den Kettenaußenseiten.

Wir haben im Labor untersucht, wie stark der Quarz-Sand an den geölten Ketten haftet. Sand im Getriebe ist niemals gut, er erhöht den Verschleiß enorm.

Das macht ein gutes Kettenöl aus

Wir haben elf Kettenöle im Labor von Bremer & Leguil getestet. Hierbei entschieden wir uns für Öle, die für den Allround-Einsatzzweck oder für nasse Bedingungen ausgelegt sind. Ein gutes Kettenöl reduziert die Reibung und somit den Verschleiß. Es sorgt es dafür, dass die Kettenglieder beweglich bleiben und sich gut um die Zahnkränze legen. Fahrradkettenöle haben jedoch außerdem mit äußeren Einflüssen zu kämpfen. So müssen sich die Öle gegen Wasser behaupten.

Tatsächlich haben wir im Test festgestellt, dass diejenigen, die laut Etikett für besonders nasse Bedingungen geeignet sein sollen, nicht zwangsläufig bei Nässe besser abschneiden. Überdies sollen gute Öle natürlich möglichst wenig Schmutz anziehen und sich gut handhaben lassen - also beispielsweise nicht heruntertropfen.

Die Kettenöle im Überblick

Hier ist eine Übersicht der getesteten Kettenöle:

Kettenöl Preis pro 100 Milliliter Note
Antidot Kettenöl 17,90 Euro sehr gut
Brunox Top-Kett 11,72 Euro gut
Dr. Wack F100 Kettenöl 17,98 Euro gut
Dynamic All Round Lube 9,40 Euro befriedigend
Finish Line Cross Country Kettenöl 6,66 Euro gut
Hanseline MTB Kettenöl 4,40 Euro befriedigend
Muc-Off Kettenöl für Nässe 9,13 Euro befriedigend
Shimano Wet Lube 7,96 Euro gut
SKS Lube your chain 17,32 Euro gut
WD-40 Bike Kettenöl Wet 10,49 Euro sehr gut
Zéfal Extra Wet Chain lube 8,29 Euro gut

Wertungen im Detail

Antidot Kettenöl: Das Antidot Kettenöl schont die Umwelt und überzeugt mit einem besonders guten Schutz vor Verschleiß. Damit holt es sich den Testsieg!

Brunox Top-Kett: Das Brunox Top-Kett ist ein gutes Kettenöl, das lediglich im Punkt Handhabung größere Schwächen zeigt, ansonsten aber vollends überzeugt.

Dr. Wack F100 Kettenöl: Das Dr. Wack F100 Kettenöl lässt sich gut auftragen und schützt gut vor Rost. Bei der Schmierfähigkeit besteht jedoch Verbesserungspotenzial.

Dynamic All Round Lube: Das sehr dünnflüssige Dynamic All Round Lube konnte beim Verschleißschutz nicht überzeugen. Rost hat bei diesem Öl aber immerhin wenig Chancen.

Finish Line Cross Country Kettenöl: Das Finish Line Cross Country Kettenöl überzeugt mit einem guten Verschleißschutz. Leichte Schwächen liegen beim Verhindern von Rost. Preis-Leistungs-Sieg!

Hanseline MTB Kettenöl: Das biologisch abbaubare Hanseline MTB Kettenöl lässt sich gut auftragen, weist aber keinen guten Verschleiß- und Korrosionsschutz auf.

Muc-Off Kettenöl für Nässe: Das Muc-Off Kettenöl für Nässe schützt vor Korrosion. Besonders schmutzresistent ist es hingegen nicht. Der relativ hohe Verschleiß kostet im Test viele Punkte.

Shimano Wet Lube: Das Shimano Wet Lube ist ein rundum gutes Öl, das kaum Schwächen zeigt und mit einer sehr guten Schmutzresistenz punktet.

SKS Lube your chain: Das in einer praktischen Flasche verkaufte SKS Lube your chain schützt sehr gut vor Rost, zieht jedoch andererseits extrem viel Dreck an.

WD-40 Bike Kettenöl Wet: Das WD-40 Bike Kettenöl Wet ist beim Korrosionsschutz überragend. Außerdem reduzierte es den Verschleiß am zweitbesten. Platz zwei im Test!

Zéfal Extra Wet Chain lube: Das Zéfal Extra Wet Chain lube ist ein gutes Kettenöl, das in unserem Test jedoch nicht bei Nässe überzeugen konnte. Schließlich liegt es beim Korrosionsschutz im hinteren Testfeld.

Bio-Kettenöle im Test

Ein wichtiger Aspekt ist außerdem, dass die meisten Öle aus nicht abbaubarem Mineralöl bestehen und somit umweltschädlich sind. Doch es gibt auf dem Markt auch viele Bio-Öle.

„Der Bio-Begriff ist hierbei jedoch nicht geschützt, sodass theoretisch jeder sein Produkt so nennen kann“, erklärt uns Markus Gottschlich, Schmiermittelspezialist bei Bremer & Leguil. Anders sehe das beim Begriff „biologisch leicht abbaubar“ aus. Um diesen nutzen zu dürfen, müssen 60 Prozent der Inhaltsstoffe innerhalb von 28 Tagen abgebaut sein. Schmierungstechnikexperte Prof. Dr. Wilfried J. Bartz spricht sogar davon, dass ein Teil Mineralöl eine Million Teile Trinkwasser ungenießbar mache. Ein Grund mehr, in der Zukunft auf biologisch abbaubare Öle zu setzen, die, wie unser Test zeigt, keinesfalls schlechter sein müssen.

So hat BIKE BILD das Kettenöl getestet

Die Schmierfähigkeit und der Reibverschleißschutz wurden mithilfe einer hochwertigen Schwingungs-Reibverschleiß(SRV)-Maschine im Labor von Bremer & Leguil (Antidot) in DIN-Norm-Anlehnung untersucht. Hierbei bearbeitet eine Kugel zwei Stunden lang eine mit Öl bedeckte Scheibe. Der anschließend gemessene Verschleiß geht zu 40 Prozent in das Testergebnis ein.

Um den mit 25 Prozent gewichteten Korrosionsschutz zu testen, verwendete das Labor genormte, mit Öl bedeckte Graugussspäne, die auf Filterpapier gelegt wurden. Mit Wasser beträufelt waren so Rostflecken in unterschiedlicher Stärke zu sehen.

Für die Bestimmung der mit 15 Prozent gewichteten Schmutzresistenz wurden in Öl getränkte, abgetropfte Kettenabschnitte mit Quarzsand bestreut und mit einer Feinwaage gewogen. Je leichter die Kette war, desto besser schnitt das Öl ab.

Die Handhabung wurde von den Testern subjektiv bewertet und ging ebenfalls zu 15 Prozent ein. Dabei war uns wichtig, dass das Öl problemlos gleichmäßig aufgetragen werden konnte.

Bio Kettenöl Test: So schneiden antidot, Atlantic & Co. im Labor ab

Beim Reibungswert hatte das antidot Kettenöl mit 0,080 die Nase vorn. Es folgte Atlantic mit 0,085, Dr. Wack mit 0,088 und Hanseline mit 0,092. Deutlich stärker fallen die Unterschiede beim Verschleißschutz aus: antidot zeigte mit 2,45 µm die geringste Verschleißtiefe, Dr. Wack folgt mit 6,36 µm. Atlantic (15,56 µm) und Hanseline (16,93 µm) schnitten deutlich schlechter ab.

Laborwerte der getesteten Bio-Kettenöle

  • antidot Kettenöl
    • Durschnittlicher Reibungskoeffizient: 0,080
    • Verschleißtiefe Gesamt: 2,4537
    Fazit: Überzeugt mit starker Performance und durchdachter Bio-Formulierung. Ideal für Viel- und Ganzjahresfahrer.
  • Atlantic Bio-Kettenöl
    • Durschnittlicher Reibungskoeffizient: 0,085
    • Verschleißtiefe Gesamt: 15,5613
    Fazit: Für Alltagsfahrer in trockenen Bedingungen gut geeignet. Im harten Einsatz mit Einschränkungen.
  • Dr. Wack F100 Bio
    • Durschnittlicher Reibungskoeffizient: 0,098
    • Verschleißtiefe Gesamt: 6,3591
    Fazit: Eine ausgewogene Wahl mit guten Allroundeigenschaften. Geeignet für Touren und Stadtverkehr.
  • Hanseline Bio-MTB Öl graphitiert
    • Durschnittlicher Reibungskoeffizient: 0,106
    • Verschleißtiefe Gesamt: 16,9303
    Fazit: Kommt bei hoher Belastung an seine Grenzen, bietet aber solide Schmierung für entspannte Alltagsfahrten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0