Die Kette meines Tourenbegleiters quietscht erbärmlich im monotonen Einklang der Tretbewegung. Meine Ohren leiden. Ich muss zugeben: Die Arme tut mir wirklich leid! Wie gerne würde ich sie erlösen und jetzt meinem Kollegen eine schmieren. Keine Frage, die Fahrradkette ist ein technisches Meisterwerk und hoch beansprucht. Eine ungepflegte Kette strapaziert nicht nur die Nerven von Radkollegen. Sie macht den Antrieb bezüglich Kraftübertragung und Funktion auch ineffizient.
Die schiere Flut an Produkten für die Fahrradkette lässt Köpfe wie Kurbeln kreiseln. Obendrein bieten manche Hersteller inzwischen auch noch Öle und Schmiermittel auf Nano-Partikel-Basis sowie Spezial-Produkte mit Zauber-Zutaten wie Graphen. Kostenpunkt: schlappe 129,95 Euro für 140 Milliliter. Doch brauchen Ketten wirklich all diese Spezial-Mittelchen, um geschmeidig über die Kassette zu gleiten und den Verschleiß am Antrieb so gering wie möglich zu halten?
Wir gehen der Frage auf den Grund und testen 18 Allround-Schmierstoffe für die Fahrrad-Kette der wichtigsten Hersteller am Markt. Unser aufwändiger Labortest gibt Aufschluss über die tatsächlichen Qualitäten der Schmiermittel und zeigt: gute Schmierung muss nicht teuer sein. Schon ab 4,40 Euro pro 100 Milliliter finden sich am Markt hochwertige Produkte, die der Kette ein langes Leben ermöglichen.
Grundlagen der Kettenschmierung
Wikipedia schreibt dazu: „Die Tribologie befasst sich mit der wissenschaftlichen Beschreibung von Reibung, der Berechnung und Messung von Reibungskoeffizienten, dem Verschleiß und der erforderlichen Schmierung zwischen aufeinander einwirkenden, in Relativbewegung befindlichen Oberflächen. Als Basisstoff kommen synthetische, biologische Öle oder Wachse zum Zug. Diese werden mit Zusätzen wie PTFE (Teflon), Wachs, Keramik, Graphit, MOS2 (Molybdändisulfid) angereichert, um spezielle Eigenschaften zu erzielen.
Testverfahren für Kettenöle
Um den Verschleißschutz zu testen, setzen wir auf einen Brugger-Test. Den Testaufbau dazu erarbeitete unser Testlabor der Dr. O.K. Hierbei kann man das Kettenöl auf einen genormten Reibkörper in Form eines Stahlrings aufbringen, damit es ausreichend Zeit zum Ablüften bekommt. Einen ebenfalls genormten Prüfblock setzen wir mit 400N Anpressdruck auf. Ein Computer steuert den Testablauf und nimmt verschiedene Daten wie die Temperatur auf.
Beim Korrosionstest reinigen und benetzen wir genormte, blanke Metallplättchen. Dann bekommen diese eine Stunde zum Ablüften. Die Kochsalzlösung wirkt wie ein Zeitraffer. Das Verhalten ist ähnlich wie bei einer winterlichen Ausfahrt auf mit Salz bestreuter Straße. Um die Schmutzanhaftung eines Öls festzustellen, reinigen wir die blanken Metallplättchen, benetzen sie mit Öl und hängen sie nach einer definierten Ablüftzeit in Normsand. Die Sandentnahme messen wir auf 1/100 Gramm.
Bei der Untersuchung zur Kriechfähigkeit kann das Öl nach Aubringung auf der Schnittstelle von zwei Glasplatten 15 Minuten einziehen. In der Praxis spielt die Kriechfähigkeit eine eher untergeordnete Rolle. Denn Kettenöl sollte generell viel Zeit zum Einwirken bekommen. Öle aus Tropfflaschen benötigen meist etwas mehr Zeit zum Einziehen. Da viele Öle mit flüchtigen Stoffen versetzt sind, haben wir die reelle Ergiebigkeit getestet. Dazu sind alle Gebinde komplett entleert worden. Anschließend haben wir die Ölmenge gleich nach der Entleerung sowie 20, 50 und 70 Stunden später gemessen.
Bezüglich der Anwendung haben wir Tropf- und Aerosolflaschen getrennt bewertet. Tropfflaschen bringen 100 Prozent des Öls auf die Kette, sind direkt und punktgenau aufzutragen. Dagegen besitzen Aerosolflaschen eine meist höhere Kriechfähigkeit, kürzere Einwirkzeiten und das Öl ist einfacher aufzubringen.
Bewertungskriterien und Gewichtung
Um alle Kettenöle bestmöglich miteinander vergleichen und die jeweiligen Kriterien in Relation zur Praxis werten zu können, nehmen wir eine Gewichtung vor. Bei der Humanverträglichkeit geht es um die Toxikologie von Schmierstoffen. Diese können Organismen angreifen, die Haut reizen, wassergefährdend, entzündlich oder entflammbar sein.
Die Komplexität eines Kettenöls im Test abzubilden, war gar nicht so einfach. Doch die Ergebnisse lassen sich gut miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die jeweiligen Testkriterien zu. Im Detail gibt es oft große Unterschiede, die wir teils selbst nicht erwartet hätten.
Testergebnisse und Empfehlungen
Die Öle von Holmenkol und MucOff gehören bei Verschleißschutz und Schmierverhalten zur absoluten Spitze und heimsen dadurch eine Empfehlung ein. Den Preis-Leistungstipp erarbeitet sich bei den Tropfflaschen Atlantic, bei den Aerosolflaschen TipTop. Testsieger in beiden Kategorien mit nur minimalen Abzügen im Detail werden die Öle von F100.
Testsieger bei den Tropfölen wurde bei der GTÜ mit dem Prädikat „sehr empfehlenswert“ das F100 Kettenöl von Dr. Wack, gefolgt vom ebenfalls sehr empfehlenswerten Dynamic Kettenschmierstoff, der in der Kategorie Tropföle zusätzlich als Preis-Leistungssieger ausgezeichnet wurde. Als empfehlenswert stuften die Tester die punktgleichen Finish Line Kettenöl synthetisch und Rohloff Spezial Kettenschmierstoff ein sowie dahinter Muc-Off Hydro Dynamic Chain Lube und Woodman’s finest Bicycle Care Mango-Syrup Chainlube. Mango-Syrup? Das Woodman’s riecht tatsächlich Mango-fruchtig und kommt als einziges der getesteten Produkte in einer Glasflasche mit Pipette daher.
Die Hitliste der Kettensprays nennt drei sehr empfehlenswerte Produkte: Platz 1 für Brunox Top-Kett mit der höchsten Gesamtpunktzahl im Test. Platz 2 erreichte das Motorex Oil of Switzerland Wet Protect Performance Lube, das zugleich den Preis-Leistungssieger bei den Kettensprays stellt. Dritter auf dem Siegertreppchen wurde Ballistol BikeCer Keramik-Kettenöl.
Unter anderem ging es um die Frage: Wie beeinflussen die Öle Verschleiß und Schmierung der Kette? Die Antwort lieferte ein Laborversuch mit dem „Cross-Cylinder-Tester“, einer Entwicklung des „Kompetenzzentrums Tribologie“ der Hochschule Mannheim. Das Gerät setzt einen mit den Testölen benetzten Metall-Prüfring einer definierten Reibungsbelastung aus. Ermittelt wird die Verschleißfläche, die unter einem 200-fach vergrößernden Mikroskop genau vermessen werden kann.
Gute Kettenschmiermittel sollten zudem gegen Rost wirken. Dazu wurden mit dem Testöl beaufschlagte Metallplättchen für 24 Stunden in eine fünfprozentige Salzlösung getaucht und dann die Korrosion der Plättchen beurteilt. Auch die Prüfung der Schmutzanhaftung erfolgte mit Hilfe von ölbenetzten Testplättchen. Je weniger Testsand an ihnen haften blieb, desto besser.
Neben der umfangreichen Wirkungsprüfung der Kettenschmiermittel ging es aber auch um Fragen der Anwendung. Wie informativ ist die Bedienungsanleitung, wie gut sind die Gebinde zu handhaben und zu dosieren? Grundsätzlich stellten die GTÜ-Tester fest: Sprays zur Schmierung von Fahrradketten liefern durch die Bank bessere Ergebnisse in Sachen Kriechfähigkeit. Sie sind auch bequemer anzuwenden als Tropföle. Andererseits sind sie nicht so sparsam und präzise aufzutragen.
Bio-Kettenöle im Fokus
Ein Tropfen Erdöl kann 600 bis 1000 Liter Wasser verunreinigen. Wir Biker sollten daher umdenken und umweltfreundliche Schmierstoffe für die Fahrradkette verwenden. Wenn sich die Motorsäge durchs Unterholz frisst, wird ihre Kette dabei fast immer von umweltfreundlichem Öl geschmiert. Schon 2003 lag der Anteil biologischer Kettensägenöle im Markt bei über 80 Prozent.
Wenn Biker durch den Wald fräsen, läuft ihre Kette zwar meist geschmeidiger und leiser, aber viel zu selten auf einem Schmierfilm aus biologischem Öl. Das Angebot an Öko-Fahrradkettenölen wächst zwar, doch nur langsam. Wir haben 14 als “Bio” ausgelobte Schmierstoffe getestet.
Der Begriff Bio ist dabei dehnbar wie Kaugummi und nicht in jedem Öl steckt ausreichend davon. Als biologisch leicht abbaubar - und das ist die Grundvoraussetzung, die ein modernes Bio-Schmiermittel erfüllen muss - gelten Produkte, die spätestens nach 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sind. Die Prüfnorm OECD 301 ist dabei auch wesentliche Grundlage für die Vergabe anerkannter Umweltzeichen wie das EU-Ecolabel oder der Blaue Engel. Nicht alle Produkte im Test entsprechen diesen Anforderungen.
Das Bio-Kettenöl von Wash ’n’ Roll etwa besteht zu großem Teil aus Weißöl, ein Produkt aus Erdöl, das Pedro’s Go! ebenfalls. Beide sind nicht leicht biologisch abbaubar und nach aktueller Ansicht auch nicht klimafreundlich. Darum haben wir beschlossen, dass sie ohne eine Endwertung im Test mitlaufen. Ein Spezialfall ist das Öl von Motorex. Es trägt zwar das OECD-301-Siegel, basiert jedoch auf PAO und Mineralöl, wie der Hersteller auf Nachfrage mitteilt. Polyalfaolefine (PAO) werden zwar als biologisch abbaubar ausgelobt, doch im Grunde bestehen auch sie aus Erdöl. Ihre maximale biologische Abbaubarkeit liegt bei nur 30 Prozent. Der Rest verbleibt jahrelang in der Erde.
Die übrigen Kandidaten im Schmiermittel-Test setzen nicht nur auf umweltfreundliche Rohstoffe bei der Zusammensetzung, sondern verwenden zum Teil auch Recycling-Materialien für Tropffläschchen und Etiketten - ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das wichtigste Argument für Biker aber, in Zukunft auf Bio-Schmierstoffe zu setzen, sind die Ergebnisse aus unserem aufwändigen Test: Die besten Bio-Produkte schmieren nämlich mindestens so gut wie die Gewinner aus unserem letzten Vergleich 2020 - und, kleiner Seitenhieb auf die Forst-Fraktion, auch deutlich besser als Kettensägenöl.
Definition von "Bio" bei Kettenölen
Der Begriff Bio ist nicht geschützt. Nur, weil ein Produkt als umweltfreundlich angepriesen wird, ist es noch lange nicht unbedenklich.
- Das sagt die Norm - OECD 301 (A-F): Ein Schmierstoff ist für die Umwelt weniger gefährlich, wenn er sich bei Kontamination des Erdreichs in kurzer Zeit biologisch abbaut.
- Die unterschiedlichen Basisöle: Bei den Grundölen unterscheidet man Mineralöle, synthetische Öle und Pflanzenöle. Wobei synthetische Öle sowohl auf Mineralölbasis als auch auf Pflanzenbasis erzeugt werden können.
Um das Siegel “Bio” zu verdienen, sollte ein Fahrrd-Kettenöl natürlich nach OECD 301 biologisch leicht abbaubar sein. Zudem sollte es keine Farb- und Duftstoffe enthalten und ungefährlich für die Natur sein. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sollten Verpackung und Label aus einem Rezyklat bestehen, also aus recyceltem Kunststoff.
Testmethoden für Bio-Kettenöle
Im Labor von Bremer & Leguil, dem Hersteller von Antidot, haben wir alle Schmierstoffe auf einer Optimol-SRV5-Prüfmaschine testen lassen. Dabei werden Reibwert, Schmierungskoeffizient und Verschleiß in Anlehnung an DIN ermittelt. Eine Kugel oszilliert bei 30 °C unter 300 N Last 60 Minuten lang auf einer Prüfscheibe, auf der der Schmierstoff aufgetragen ist. Bei Abbruch (Schmierfilmriss) wurde der Vorgang wiederholt.
Eine definierte Menge Schmierstoff wird auf die Kante zweier entfetteter, leicht versetzt aufeinanderliegender Glasplatten aufgetragen. Durch Kapillarkraft wandert der Schmierstoff 15 Minuten lang zwischen die Platten. Die benetzten Flächen haben wir auf Papier von 95 g/m² übertragen und die Stücke gewogen.
Im Labor von Bremer & Leguil wurden in Anlehnung an DIN ISO 7120 zylindrische Prüfkörper aus Stahl 24 Stunden lang in einem Gemisch aus 300 ml des zu prüfenden Öls und 30 ml 0,5-prozentiger NaCl-Lösung getaucht. Der entstandene Rost wurde abgewischt und die korrodierten Flächen per Augenschein klassifiziert.
Mehrere Testpersonen haben die praktische Handhabung beim Auftragen der Schmierstoffe bewertet. Die Mittel und Verpackungen unterscheiden sich dabei stark voneinander. Gute Urteile gab es für eine angepasste Viskosität, die die Tropfen stabil auf der Kette auftreffen und kontrolliert einsickern lässt, dünnwandige Flaschen, die gute Dosierbarkeit bei geringem Fingerdruck erlauben oder Tropfverschlüsse mit langer Tülle und kleiner Auslassöffnung, die die Tropfenabgabe fein kontrollierbar machen.
Interview mit Experten
BIKE: Sind Bio-Kettenöle völlig unbedenklich für die Umwelt?
Stefan Mitterer: Nein. Die offiziellen Tests zur Abbaubarkeit (z. B. OECD, CEC) sollen keinen Freischein darstellen. In Fällen wie Schlauchplatzern an Maschinen oder Verlustschmierung (Kette, Motorsäge) sind diese in der Umwelt besser abbaubar, sollten dennoch nicht in größerer Menge ins Erdreich oder Wasser gelangen. Sollte dies passieren, werden durchaus Gegenmaßnahmen, wie Ausheben des Erdreichs, durchgeführt. Aktuell werden Überlegungen in der Industrie angestellt, die Tests zur Abbaubarkeit von Schmierstoffen weiter zu verbessern.
BIKE: Sind Attribute wie “kennzeichnungsfrei” oder “frei von Gefahrstoffen” Merkmale eines Bio-Produkts?
Stefan Mitterer: Nein, frei von Gefahrstoffen bedeutet nicht automatisch unbedenklich für die Umwelt. Auch biologisch abbaubar bedeutet nicht gleich unbedenklich für die Umwelt oder Lebewesen. Kennzeichnungsfrei heißt lediglich, dass toxikologische Untersuchungen einen gewissen Schwellenwert nicht überschritten haben und deshalb kein Gefahrensymbol auf dem Produkt erforderlich ist.
BIKE: Manche Kettenöle bestehen nachweislich zu einem großen Teil aus Weißöl und werden trotzdem als Bio deklariert.
Stefan Mitterer: Da der Begriff Bio in diesem Zusammenhang nicht geschützt ist, sollte geprüft werden, ob die Auslobung “Bio” mit einem entsprechenden Test oder Erfüllung eines offiziellen Standards einhergeht (Prüfung des Etiketts, Datenblattes). Ansonsten kann man lediglich marketing-technische Gründe nicht ausschließen.
BIKE: Wie ist die biologische Abbaubarkeit der Polyalphaolefine (PAO) einzuschätzen?
Stefan Mitterer: Es gibt Schmierstoffe, welche PAO-basiert sind und Abbaubarkeitstests erfüllen. Doch auch hier gilt, dass dies nicht mit „unbedenklich für die Umwelt“ gleichzusetzen ist.
BIKE: Im Test schneiden viele der Bio-Produkte sehr gut ab. Gibt es auch Nachteile gegenüber mineralischen Ölen?
Stefan Mitterer: Je nach Aufbau des Schmierstoffs können sogenannte Bio-Schmiermittel eher zum Verharzen führen und sind in der Industrie oftmals teurer als klassische Mineralöle. Aufgrund des Aufbaus Richtung Umweltverträglichkeit sind die Öle tendenziell anfälliger für Abbaureaktionen. Diese können auch an der Kette ablaufen und dann zum Verharzen führen. Aber, wie in der Frage erwähnt, bieten die Bio-Schmierstoffe oft auch technische Vorteile.
Detaillierte Ergebnisse des Kettenöl-Tests
Im Folgenden werden die Ergebnisse einiger getesteter Kettenöle detailliert dargestellt:
- Antidot Kettenöl: Vorbildliche Schmierfähigkeit und passabler Korrosionsschutz, angenehme Viskosität, aber geringe Kriechfähigkeit.
- Atlantic Bio-Kettenöl: Mäßiger Verschleißschutz und geringer Korrosionsschutz, bei geringen Kräften solide und anhaltende Schmierleistung.
- Danico Biotech Ketten Kaiser: Schmierstoff auf Basis von Sonnenblumenöl. Bei Reibung und Verschleiß im Mittelfeld, überzeugend bei Korrosionsschutz. Hohe Viskosität mit mäßigem Kriechverhalten.
- Dr. Wack F100 Bio Kettenöl: Durchgehend solider Reibwert und sehr guter Verschleißschutz. Schützt noch gut vor Korrosion, kriecht aber nur mäßig.
- Dynamic Bio Allround Lube: Bei Schmierfähigkeit nur im hinteren Bereich, auch der Verschleiß ist eher hoch. Dafür schützt das Öl zuverlässig vor Korrosion. Kriecht trotz geringer Viskosität nur mäßig.
- Hanseline Bio MTB Oil: Der Reibwert ist sehr gut, doch die unruhige Messkurve deutet auf unharmonische Schmier-Performance hin. Mäßiger Verschleißschutz, dafür top Korrosionsschutz.
Weiterer Kettenöl-Test
Ohne eine gut geölte Kette läuft am Mountainbike buchstäblich nichts. Aber ist das teuerste Öl auch das beste? Wir haben 16 Kettenöle in Labor und Praxis getestet. Dabei entschieden wir uns für Kettenöle, die für nasse Bedingungen geeignet sind, insofern der jeweilige Hersteller diese im Programm führt. Warum? Ganz einfach, beim Mountainbiken sind Matsch und Nässe zumindest in unseren Gefilden einfach sehr häufig gegeben. Dünnflüssige Öle für trockenes Wetter sind eher für Rennradfahrer interessant. Auch die Hersteller selber raten eher zu dickflüssigen Ölen. Wir testeten außerdem ausschließlich Tropfflaschen. Mit diesen gelingt die Dosierung besser und sie sind effektiver. Alle Ergebnisse aus dem Labor- und Praxistest findest du hier. Zudem haben wir das Preis-Leistungs-Verhältnis der Öle errechnet.
Die Testmethoden
- Praxistest: Da es auf dem Trail schwer ist, vergleichbare Bedingungen herzustellen, haben wir den Praxistest auf die Handhabung beschränkt. Im Fokus: die Dosierbarkeit.
- Labortest: In unserem Auftrag testete das Labor der NOLD Hydraulik und Pneumatik GmbH in Bad Waldsee die 16 Kettenöle auf ihre Schmierfähigkeit und den Verschmutzungsgrad.
Kettenöl für nasse und trockene Bedingungen
Nass-Kettenöle sind für den Einsatz bei schlechtem Wetter optimal. Ein dickeres Grundöl ist mit Haftvermittlern versehen. Die Kette wird mit einemSchutzmantel umgeben. Nachteil: Auch Schmutz haftet besser an der Kette.
Öl für trockenes Wetter (nicht zu verwechseln mit Trockenschmiermittel) ist dünner, dringt besser in die Laschen und Glieder ein. Es ist weniger sichtbar, wäscht sich aber auch schnell wieder ab.
Bewertungsmatrix
Anhand einer Auswertungstabelle wird die Punktezahl für jedes Öl errechnet und somit die Endnote bestimmt. Zum Endergebnis trägt die Schmierfähigkeitsprüfung zu 60 Prozent bei, der Reinheitstest zu 15 Prozent und die Handhabung zu 25 Prozent. Anhand der Punkte kannst du erkennen, wie weit entfernt das Produkt von der nächsten Note liegt.
Die richtige Kettenpflege
Eine Fahrradkette braucht Pflege, mit dem richtigen Kettenöl wird dies zum Kinderspiel. Damit die Kette lange hält und möglichst wenig verschleißt, sollte die Fahrradkette regelmäßig geölt werden. Vor dem erneuten Einölen sollte die Fahrradkette gereinigt werden. Dazu kann ein normaler Lappen genutzt werden, mit diesem wird die Fahrradkette abgeputzt.
Kettenöl mit PFAS
PFAS − per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen − bauen sich in der Umwelt extrem langsam ab und können sich auch im Körper von Menschen und Tieren anreichern. Für einige PFAS sind Gesundheitsrisiken nachgewiesen. „Think Chemicals“, eine Initiative des dänischen Verbraucherrats, hat im Jahr 2023 in etlichen Kettenölen PFAS nachgewiesen.
Silca, MSpeedWax, Optimize, R.S.P, FinishLine und Rex versicherten uns, dass ihre Produkte heute PFAS-frei seien. Der Umwelt zuliebe raten wir, bereits gekaufte Produkte mit PFAS nicht zu verwenden. In der Liste der Inhaltsstoffe sollten Begriffe wie „Fluoropolymer“, „Fluorinated compound“ und auch „Teflon“ nicht auftauchen.
Zusammenfassung
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Kettenöle für Fahrräder, einschließlich verschiedener Testmethoden, ökologischer Aspekte und Empfehlungen für die richtige Pflege. Durch die Berücksichtigung dieser Informationen können Radfahrer die Lebensdauer ihrer Kette verlängern und gleichzeitig die Umwelt schonen.
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