Wenn Biker durch den Wald fräsen, läuft ihre Kette zwar meist geschmeidiger und leiser, aber viel zu selten auf einem Schmierfilm aus biologischem Öl. Das Angebot an Öko-Fahrradkettenölen wächst zwar, doch nur langsam. Wir haben 14 als “Bio” ausgelobte Schmierstoffe getestet.
Ein Tropfen Erdöl kann 600 bis 1000 Liter Wasser verunreinigen. Wir Biker sollten daher umdenken und umweltfreundliche Schmierstoffe für die Fahrradkette verwenden. Wenn sich die Motorsäge durchs Unterholz frisst, wird ihre Kette dabei fast immer von umweltfreundlichem Öl geschmiert. Schon 2003 lag der Anteil biologischer Kettensägenöle im Markt bei über 80 Prozent.
Was bedeutet "Bio" bei Kettenölen?
Der Begriff Bio ist dabei dehnbar wie Kaugummi und nicht in jedem Öl steckt ausreichend davon. Nur, weil ein Produkt als umweltfreundlich angepriesen wird, ist es noch lange nicht unbedenklich. Der Begriff Bio ist nicht geschützt.
Als biologisch leicht abbaubar - und das ist die Grundvoraussetzung, die ein modernes Bio-Schmiermittel erfüllen muss - gelten Produkte, die spätestens nach 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sind. Die Prüfnorm OECD 301 ist dabei auch wesentliche Grundlage für die Vergabe anerkannter Umweltzeichen wie das EU-Ecolabel oder der Blaue Engel. Nicht alle Produkte im Test entsprechen diesen Anforderungen.
Gemäß OECD 301 (A-F) muss der Schmierstoff innerhalb von 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sein, um als leicht biologisch abbaubar zu gelten. Dafür muss der Schmierstoff durch Oxidation mit Sauerstoff unter Mithilfe von Wasser und Bakterien zu CO2, Wasser und Biomasse umgewandelt werden.
Bei den Grundölen unterscheidet man Mineralöle, synthetische Öle und Pflanzenöle. Wobei synthetische Öle sowohl auf Mineralölbasis als auch auf Pflanzenbasis erzeugt werden können. Synthetische Öle fossilen Ursprungs sind nach heutigem Stand der Technik NICHT leicht biologisch abbaubar. Mineralöle per se nicht. Trotzdem werden z. B. Weißöle unter dem Begriff Bio vermarktet. Für weitere Informationen zur Zusammensetzung eines Kettenöls können auch Endkunden das jeweilige Sicherheitsdatenblatt des Herstellers einsehen.
Um das Siegel “Bio” zu verdienen, sollte ein Fahrrd-Kettenöl natürlich nach OECD 301 biologisch leicht abbaubar sein. Zudem sollte es keine Farb- und Duftstoffe enthalten und ungefährlich für die Natur sein. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sollten Verpackung und Label aus einem Rezyklat bestehen, also aus recyceltem Kunststoff. Nachfüllgebinde oder Nachfüllstationen bei Fahrradhändlern tragen ebenso zum Schutz der Umwelt und zur Vermeidung von Plastikmüll bei.
Das Bio-Kettenöl von Wash ’n’ Roll etwa besteht zu großem Teil aus Weißöl, ein Produkt aus Erdöl, das Pedro’s Go! ebenfalls. Beide sind nicht leicht biologisch abbaubar und nach aktueller Ansicht auch nicht klimafreundlich. Darum haben wir beschlossen, dass sie ohne eine Endwertung im Test mitlaufen.
Ein Spezialfall ist das Öl von Motorex. Es trägt zwar das OECD-301-Siegel, basiert jedoch auf PAO und Mineralöl, wie der Hersteller auf Nachfrage mitteilt. Polyalfaolefine (PAO) werden zwar als biologisch abbaubar ausgelobt, doch im Grunde bestehen auch sie aus Erdöl. Ihre maximale biologische Abbaubarkeit liegt bei nur 30 Prozent. Der Rest verbleibt jahrelang in der Erde.
Die übrigen Kandidaten im Schmiermittel-Test setzen nicht nur auf umweltfreundliche Rohstoffe bei der Zusammensetzung, sondern verwenden zum Teil auch Recycling-Materialien für Tropffläschchen und Etiketten - ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das wichtigste Argument für Biker aber, in Zukunft auf Bio-Schmierstoffe zu setzen, sind die Ergebnisse aus unserem aufwändigen Test: Die besten Bio-Produkte schmieren nämlich mindestens so gut wie die Gewinner aus unserem letzten Vergleich 2020 - und, kleiner Seitenhieb auf die Forst-Fraktion, auch deutlich besser als Kettensägenöl.
Die Testkriterien
Im Labor von Bremer & Leguil, dem Hersteller von Antidot, haben wir alle Schmierstoffe auf einer Optimol-SRV5-Prüfmaschine testen lassen. Dabei werden Reibwert, Schmierungskoeffizient und Verschleiß in Anlehnung an DIN ermittelt. Eine Kugel oszilliert bei 30 °C unter 300 N Last 60 Minuten lang auf einer Prüfscheibe, auf der der Schmierstoff aufgetragen ist. Bei Abbruch (Schmierfilmriss) wurde der Vorgang wiederholt.
- Schmierfähigkeit: In der SRV5-Prüfmaschine werden alle Schmierstoffe auf Reibwert, Schmierwirkung und Verschleiß getestet.
- Kriechfähigkeit: Eine definierte Menge Schmierstoff wird auf die Kante zweier entfetteter, leicht versetzt aufeinanderliegender Glasplatten aufgetragen. Durch Kapillarkraft wandert der Schmierstoff 15 Minuten lang zwischen die Platten. Die benetzten Flächen haben wir auf Papier von 95 g/m² übertragen und die Stücke gewogen.
- Korrosionsschutz: Im Labor von Bremer & Leguil wurden in Anlehnung an DIN ISO 7120 zylindrische Prüfkörper aus Stahl 24 Stunden lang in einem Gemisch aus 300 ml des zu prüfenden Öls und 30 ml 0,5-prozentiger NaCl-Lösung getaucht. Der entstandene Rost wurde abgewischt und die korrodierten Flächen per Augenschein klassifiziert.
- Handhabung der Schmierstoffe: Mehrere Testpersonen haben die praktische Handhabung beim Auftragen der Schmierstoffe bewertet. Die Mittel und Verpackungen unterscheiden sich dabei stark voneinander. Gute Urteile gab es für eine angepasste Viskosität, die die Tropfen stabil auf der Kette auftreffen und kontrolliert einsickern lässt, dünnwandige Flaschen, die gute Dosierbarkeit bei geringem Fingerdruck erlauben oder Tropfverschlüsse mit langer Tülle und kleiner Auslassöffnung, die die Tropfenabgabe fein kontrollierbar machen.
Interview mit Stefan Mitterer, Geschäftsleiter bei OELCHECK GmbH
BIKE: Sind Bio-Kettenöle völlig unbedenklich für die Umwelt?
Stefan Mitterer: Nein. Die offiziellen Tests zur Abbaubarkeit (z. B. OECD, CEC) sollen keinen Freischein darstellen. In Fällen wie Schlauchplatzern an Maschinen oder Verlustschmierung (Kette, Motorsäge) sind diese in der Umwelt besser abbaubar, sollten dennoch nicht in größerer Menge ins Erdreich oder Wasser gelangen. Sollte dies passieren, werden durchaus Gegenmaßnahmen, wie Ausheben des Erdreichs, durchgeführt. Aktuell werden Überlegungen in der Industrie angestellt, die Tests zur Abbaubarkeit von Schmierstoffen weiter zu verbessern.
Sind Attribute wie “kennzeichnugsfrei” oder “frei von Gefahrstoffen” Merkmale eines Bio-Produkts?
Nein, frei von Gefahrstoffen bedeutet nicht automatisch unbedenklich für die Umwelt. Auch biologisch abbaubar bedeutet nicht gleich unbedenklich für die Umwelt oder Lebewesen. Kennzeichnungsfrei heißt lediglich, dass toxikologische Untersuchungen einen gewissen Schwellenwert nicht überschritten haben und deshalb kein Gefahrensymbol auf dem Produkt erforderlich ist.
Manche Kettenöle bestehen nachweislich zu einem großen Teil aus Weißöl und werden trotzdem als Bio deklariert.
Da der Begriff Bio in diesem Zusammenhang nicht geschützt ist, sollte geprüft werden, ob die Auslobung “Bio” mit einem entsprechenden Test oder Erfüllung eines offiziellen Standards einhergeht (Prüfung des Etiketts, Datenblattes). Ansonsten kann man lediglich marketing-technische Gründe nicht ausschließen.
Wie ist die biologische Abbaubarkeit der Polyalphaolefine (PAO) einzuschätzen?
Es gibt Schmierstoffe, welche PAO-basiert sind und Abbaubarkeitstests erfüllen. Doch auch hier gilt, dass dies nicht mit „unbedenklich für die Umwelt“ gleichzusetzen ist.
Im Test schneiden viele der Bio-Produkte sehr gut ab. Gibt es auch Nachteile gegenüber mineralischen Ölen?
Je nach Aufbau des Schmierstoffs können sogenannte Bio-Schmiermittel eher zum Verharzen führen und sind in der Industrie oftmals teurer als klassische Mineralöle. Aufgrund des Aufbaus Richtung Umweltverträglichkeit sind die Öle tendenziell anfälliger für Abbaureaktionen. Diese können auch an der Kette ablaufen und dann zum Verharzen führen. Aber, wie in der Frage erwähnt, bieten die Bio-Schmierstoffe oft auch technische Vorteile.
Testergebnisse im Detail
Im Folgenden werden einige der getesteten Bio-Kettenöle und ihre Ergebnisse detailliert dargestellt:
Antidot Kettenöl
- Labor: Vorbildliche Schmierfähigkeit und passabler Korrosionsschutz, angenehme Viskosität, aber geringe Kriechfähigkeit.
- Praxis: Fein dosierbar durch sämige Konsistenz. Die handliche, feste Flasche drückt sich etwas schwer. Kappe mit Kindersicherung. Keine Nachfülloption und relativ teuer.
- BIKE-Urteil: sehr gut (51 Punkte)
Atlantic Bio-Kettenöl
- Labor: Mäßiger Verschleißschutz und geringer Korrosionsschutz, bei geringen Kräften solide und anhaltende Schmierleistung.
- Praxis: Handliche Flasche mit feiner Tülle, leicht zu drücken und sauber punktuell aufbringbar. Etwas klebrig. Inzwischen mit recycelter Verpackung erhältlich.
- BIKE-Urteil: gut (41 Punkte)
Danico Biotech Ketten Kaiser
- Labor: Schmierstoff auf Basis von Sonnenblumenöl. Bei Reibung und Verschleiß im Mittelfeld, überzeugend bei Korrosionsschutz. Hohe Viskosität mit mäßigem Kriechverhalten.
- Praxis: Sehr fein aufzutragen und dabei nicht zu klebrig. Verpackung mit geringem Recycle-Anteil, beim Händler nachfüllbar.
- BIKE-Urteil: sehr gut (46 Punkte)
Dr. Wack F100 Bio Kettenöl
- Labor: Durchgehend solider Reibwert und sehr guter Verschleißschutz. Schützt noch gut vor Korrosion, kriecht aber nur mäßig.
- Praxis: Mit eine der besten Tropfflaschen im Vergleich, zudem zum großen Teil aus Recycling-Material. Dank mittlerer Viskosität auch ohne Tropfen leicht und sauber aufzutragen.
- BIKE-Urteil: sehr gut (51 Punkte)
Dynamic Bio Allround Lube
- Labor: Bei Schmierfähigkeit nur im hinteren Bereich, auch der Verschleiß ist eher hoch. Dafür schützt das Öl zuverlässig vor Korrosion. Kriecht trotz geringer Viskosität nur mäßig.
- Praxis: Tropft schon beim Kippen leicht aus der Flasche, aufgrund der dünnflüssigen Konsistenz weniger sauber dosierbar.
- BIKE-Urteil: gut (41 Punkte)
Hanseline Bio MTB Oil
- Labor: Der Reibwert ist sehr gut, doch die unruhige Messkurve deutet auf unharmonische Schmier-Performance hin. Mäßiger Verschleißschutz, dafür top Korrosionsschutz.
- Praxis: Muss lange geschüttelt werden, damit sich die Graphen-Partikel ...
Zusammenfassung der Testergebnisse
Die folgende Tabelle fasst die Testergebnisse der verschiedenen Bio-Kettenöle zusammen:
| Kettenöl | Umweltverträglichkeit | Schmierfähigkeit (50 %) | Kriechfähigkeit (20 %) | Korrosionsschutz (15 %) | Handhabung (15 %) | BIKE-Urteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Antidot Kettenöl | 9 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | 7 von 10 Punkten | 9 von 10 Punkten | sehr gut (51 Punkte) |
| Atlantic Bio-Kettenöl | 9 von 10 Punkten | 7 von 10 Punkten | 5 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | gut (41 Punkte) |
| Danico Biotech Ketten Kaiser | 10 von 10 Punkten | 7 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | sehr gut (46 Punkte) |
| Dr. Wack F100 Bio Kettenöl | 9 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | 7 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | sehr gut (51 Punkte) |
| Dynamic Bio Allround Lube | 7 von 10 Punkten | 6 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | gut (41 Punkte) |
Fazit
Unser Bio Kettenöl Test zeigt: Gute Performance und Umweltschutz schließen sich nicht aus. Mit dem richtigen Öl fährst du besser - und nachhaltiger. Ein Bio Kettenöl muss nicht schlechter als konventionelle Öle sein - ganz im Gegenteil: Der Testsieger antidot zeigt, dass Performance und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind. Weniger Reibung heißt weniger Verschleiß. Und das bedeutet: Deine Kette hält länger, du sparst Geld und schonst die Umwelt. Wichtig: Nicht nur der Durchschnittswert zählt, auch die Stabilität der Reibungskurve spielt eine Rolle. Peaks im Reibungsverlauf können den Verschleiß deutlich erhöhen.
Wenn du regelmäßig fährst - egal ob auf Asphalt, Schotter oder im Matsch - sollte dein Öl mit allen Bedingungen klarkommen. Der Labortest hilft dir dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen, ohne dich durch vage Produktbeschreibungen kämpfen zu müssen.
Lass dich nicht von „grünen“ Labels blenden. Unser Bio Kettenöl Test beweist: Ein kritischer Blick lohnt sich. Lies Testberichte, achte auf technische Daten - und entscheide bewusst. Mit dem richtigen Öl sparst du langfristig Geld und tust gleichzeitig etwas für die Umwelt.
Mit dem richtigen Öl sparst du langfristig Geld und tust gleichzeitig etwas für die Umwelt. Wenn du ein Öl suchst, das sowohl im Alltag als auch auf Tour überzeugt, solltest du nicht nur auf Bio achten, sondern auf Leistung. Denn nur ein Öl, das deine Kette wirklich schützt, verlängert auch die Lebensdauer deines gesamten Antriebs. Und das bedeutet: weniger Wartung, mehr Fahrspaß.
Verwandte Beiträge:
- Bestes Kettenöl Mountainbike: Für optimale Leistung
- Fahrradkettenöl Test: Das beste Öl für maximale Performance und Schutz entdecken!
- Fahrradkettenöl aus Kleidung entfernen – Die besten Tipps für makellose Textilien!
- Das ultimative E-Bike Kettenöl Test & Vergleich: Finden Sie das beste Öl für maximale Leistung!
- Alpina Fahrradhelm Test: Die sichersten und innovativsten Modelle im Vergleich
- Diese Muskeln trainierst du effektiv beim Fahrradfahren – Das solltest du wissen!
Kommentar schreiben