Motorradketten im Test und Vergleich: Langlebigkeit, Pflege und Hersteller

Die Antriebskette ist ein essentielles Teil jedes Motorrads. Da ohne die Kette gar nichts läuft, ist es wichtig, sich einmal intensiver mit diesem Teil auseinanderzusetzen.

Welcher Kettensatz ist der Beste für welchen Einsatzzweck?

Tourenfahrer müssen sich bei einer Fernreise (und nicht nur dann) auf langlebige Verschleißteile verlassen können. Deswegen testet MR besonders hochwertiges Equipment für die Reise. Hier lesen Sie das Ergebnis der Recherche: Welcher Kettensatz ist für welchen Einsatzzweck der beste?

Kettengrößen und ihre Bedeutung

Oft auch als Kettentyp bezeichnet, gelten 9 verschiedene Antriebskettengrößen als üblich. Diese werden in über 90% der Motorräder verbaut und sind nach einer DIN genormt. Die jeweilige Größenbezeichnung setzt sich aus dem Rollendurchmesser, der Teilung und Breite der Kettenrollen zusammen.

Die vorn stehenden Zahlen geben immer die Kettengröße an (übliche 420, 428 oder 520). Darauf folgt, in der Regel, der Kettenname - z.B. “NZ” oder “HD”. Im Anschluss an den Namen folgt nur noch die Abdichtung - findet ihr ein “X” in der Bezeichnung, heißt das, dass die Kette mit X-Ringen verdichtet ist. Eine O-Ring-Verdichtung wird meist nicht extra im Namen angegeben.

Kettenlänge

Die Länge einer Kette zu bestimmen ist zum Glück aber deutlich einfacher, als die Größe. Dafür ist es nur nötig bis 140 zählen zu können, denn die Länge einer Antriebskette beschreibt einfach nur, wie viele Kettenglieder verbaut sind.

Funktionsweise einer Antriebskette

Die Funktion einer Antriebskette lässt sich auch in kurzen Worten erklären, ohne zu tief in die Mechanik und Physik eines Verbrennermotors einzudringen. Es funktioniert nämlich genau wie beim Fahrrad fahren - Kraftübertragung. Der Motor (beim Motorrad) bzw. unsere Beine (beim Fahrrad) bringen das vordere Ritzel, auf welchem die Kette liegt, in Bewegung. Die „Zähne“ des Ritzels ziehen die Kette mit sich. Diese wiederum zieht das Ritzel am Hinterrad mit sich. Tada - das Hinterrad dreht sich und das Fahrrad/Motorrad bewegt sich nach vorne.

Zugfestigkeit

Eine Kette muss also dauerhaftem Druck von bis zu 15 PS (umgerechnet 4.500 Entenstärken) aushalten. Ob und wie gut sie das macht, wird durch die Zugfestigkeit ausgedrückt. Im Achtelliter-Segment sind Werte um 3.000kg schon mehr als genug. Dieser Wert ergibt sich aus dem Material, der Abdichtung und der Verarbeitung. Dieser Wert ist unter anderem auch ausschlaggebend für den Preis einer Kette.

Abdichtung: O-Ring und X-Ring Ketten

Nicht nur bunte Farben und die Größe unterscheiden Ketten voneinander. Das wohl größte Qualitätsmerkmal ist die Abdichtung. Denn, was viele nicht wissen - Die Rollen einer Kette müssen dauerhaft geschmiert werden. Um das zu gewährleisten, sind in den Rollen Fette oder Öle eingeschlossen - meistens - bei Standard 125ccm Motorradketten nicht… Schon eine Qualitätsstufe darüber ist es allerdings gang und gebe. Diese Öle und Fette entweichen natürlich mit der Zeit und lassen die Zugfestigkeit darunter leiden. Um diesen Prozess zu verlangsamen, werden Dichtringe eingebaut.

Entsprechend der Form des Querschnitts dieser Dichtringe werden sie O- oder X-Ringe genannt. Die O-Ringe verhindern über zwei Kontaktflächen, dass Dreck zwischen den Gliedern eindringen kann und die Dauerfettfüllung bleibt wo sie ist.

X-Ring Ketten funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Einziger Unterschied ist, dass der Querschnitt der Dichtringe wie ein „X“ geformt ist und sie somit vier abdichtende Kontaktflächen zur Außen- und Innenlasche besitzen.

Laufleistungsindex

Also gibt es einen Wert, der all diese und noch mehr Kriterien in einer Zahl festhält: Der Laufleistungsindex. „Der vom Motorradketten-Hersteller DID angegebene Laufleistungsindex gibt an, wie hoch die Laufleistung der jeweiligen Motorradkette im Vergleich zur einfachen Standardkette ohne Dichtungen und Verstärkungen ist.

Kettenspannung

Tipp vom Fachmann: Man sollte neben der regelmäßigen Pflege besonders auch auf eine korrekte Kettenspannung achten: zu lockere Ketten peitschen stark und werden dadurch sehr heiß, zu feste beschädigen unter Umständen die Getriebeausgangswelle, Lager und Simmeringe.

Marktübersicht: Kettenhersteller und ihre Produkte

Am Markt agieren in der Reihenfolge ihrer Marktanteile DID, RK, Enuma (EK) und AFAM/DC. Weitere namenhafte Hersteller sind Tsubaki (Japan), Iris (Spanien) und etliche in Asien, die aber in Europa (bisher?) keine Rolle spielen.

DID (Daido Kogyo)

DID-Motorradketten gelten als Inbegriff erstklassiger Qualität. Ihre Anerkennung bei Motorradherstellern weltweit ist nicht unbegründet - Marken wie APRILIA, BMW, DUCATI, Honda, Kawasaki, KTM, Suzuki, Yamaha und viele andere setzen auf DID-Ketten bereits in der Erstausrüstung.

Die gängigsten DID-Motorradketten ab 250 ccm sind momentan die NZ, VX, VX3 und ZVMX2-Ketten. Diese Antriebsketten sind mit dem sogenannten X-Ring mit 4 Dichtflächen ausgestattet, der das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit in die Kette möglichst lange zuverlässig verhindert. Diese Eigenschaft sichert eine außerordentlich lange Haltbarkeit der Motorradkette sowie des gesamten Kettenkits.

Jürgen Langenscheidt schätzt die Marktanteile der großen japanischen Kettenhersteller auf um die 70% bei DID.

Als Auslaufmodell war (günstig) lange Zeit noch die DID 520VM zu bekommen, die keine schlechte Kette ist.

Die Empfehlung lautet DID ZVM2. Sie hat ein Gewicht von 1,66 kg pro 100 Glieder. Der Laufleistungsindex liegt bei 4000 und die Zugfestigkeit bei 3880 kg.

RK Chain

Zu den aus Japan stammenden RK Ketten interviewten wir Internethändler Bodo Grimm von CEA.de Es gibt meist vier verschiedene Kettentypen, die sich durch O-Ringform, Form und Gewicht der Kettenlaschen und ihrer Zugfestigkeit unterscheiden: HD Ketten ohne O-Ringe, die verstärkten O-Ringketten ‚SO‘ mit stabilen Laschen, die in der Zugfestigkeit gesteigerten und mit X-förmigen O-Ringen ausgestatteten ‚XSO‘ Ketten, sowie das Spitzenprodukt ‚XSO‘, das nochmals bei allen relevanten Faktoren verbessert wurde. Diese Kette hat die beste Zugfestigkeit und ist trotzdem gewichtsreduziert, sodass die Kettenlaschen extrem „Brezel förmig“ tailliert aussehen.

Die GXW Ringe haben mehr Schmierkammern, als die günstigeren Produkte. Eine RK 525 GXW Kette ist laut Hersteller beispielsweise für für Straßenmotorräder bis 1100ccm oder Geländemotorräder bis 800ccm geeignet.

Bei den Spezial-Offroadketten gibt es noch die RK MXZ 4- und -5-Ketten, die eine bessere Reißfestigkeit als die ‚XSO‘ haben aber ohne O-Ringe auskommen. Die Laschen von RK sind laserbearbeitet (glatte Oberflächen die die O-Ringe nicht angreifen).

Fast alle RK-Ketten sind auch in rot, gelb, blau grün, Gold oder bald auch in glänzend schwarz zu bekommen.

Seit 2018 ist neu die RK extra schmalen Vintage Ketten im Programm. Die GB520EXW ist speziell für ATVs / Quads und Off-Road Fahrzeuge entwickelt. Es ist zurzeit die beste Kette für diese Einsatzzwecke, die RK je hergestellt hat. EXW-Ketten wurden extra für den harten OFF-Road Einsatz entwickelt. EXW-Ketten haben XW-Dichtringe aus einer Nitrit-Butadiene Mischung und verfügen über drei Kontaktlippen mit zwei konvexen inneren und äußeren Stabilisatoren.

Jürgen Langenscheidt schätzt die Marktanteile der großen japanischen Kettenhersteller auf Über 25 % bei RK.

Gleiches gilt für die RK-kette 520 XSO, für die es auch einen Nachfolger gibt.

Enuma (EK Chain)

Der japanische Hersteller EK-Chain steht in dem Ruf, der Erfinder der O-Ringkette (abgedichtete Kette) zu sein.

Reinhard Schüller war über 30 Jahre EK-Ketten-Importeur, die in Deutschland unter dem geschützten Namen Enuma verkauft werden. Das Geschäft führte ab 2016 die Firma Alphatechnik in Stephanskirchen (am Chiemsee) weiter. EK war früher mal Erstausrüster von Kawasaki doch heute legen sich die Japaner nicht mehr derartig fest.

Motorsport Schüller bietet zwei Qualitäten von EK Ketten an, die ZZZ High Performance Serie und die SRX-Serie für den normalen Gebrauch. Zu den besonderen Stärken von Alphatechnik gehören die Einzelanfertigungen von Kettenblättern (für Oldtimer & Problemfälle). Außerdem findet sich bei ENUMA / Alphatechnik sehr gute Auswahl- und Kombinationsmöglichkeiten auch für exotische Marken und ausgefallene Kettenkits online.

Enuma SRX Kette ist Enuma’s meistverkaufte Referenzklassen-Kette und wird mit einem Nietschloss samt Spacer Montagehilfe geliefert (damit beim Vernieten die O-Ringe nicht zerquetscht werden). Optional ist ein patentiertes SRX Kettenschloss mit einem Schraub-Vernietmechanismus erhältlich. Die SRX Kette wird gerne wegen ihrer gelochten und vernickelten Laschen gekauft, wenn optische Gründe eine Rolle spielen. Sie ist mittlerweile in 10 verschiedenen Farben (neu: weiß) zu haben.Zugfestigkeit: ∅ 4000 kg, Gewicht: 1,68 kg (pro 100 Glieder, immer 520er Kette).

Enuma ZZZ Kette: Sie ist die Kette mit dem Loch und die derzeitige ENUMA Referenzklasse mit einer Zugfestigkeit von, zugegeben, im Vergleich recht hochgegriffenen ∅ 4600 kg. Ihr Gewicht liegt dabei bei 1,8 kg. Sie hat im Vergleich eine verbesserte Wärmeableitung, eine effektivere Kraftaufnahme an den Laschen. Außerdem soll an ihr weniger Schmutz anhaften. Funktionieren tut das über bessere, zugfestere Materialien und durch die Lochung der Innenlaschen: Die soll bei hoher Zugfestigkeit ein abruptes Reißen der Kette verhindern, Dreck einfach weniger Fläche bieten und schlussendlich einen Luftwirbel erzeugen, der Fremdkörper schneller abschüttelt. ZZZ Ketten sind außerdem der ZST (Zero Stretch Technology) gefertigt, was bedeutet, dass die Kette vorgelängt ist und üblicherweise während der ersten 1000 km nicht gespannt werden muss.

2011 kam von ENUMA eine Kette mit Teflonscheiben als Dichtringen dazu (520 NX-2 Gold), 2015 wurde bei ENUMA die SRX Kette durch die MVXZ2 ersetzt, neu sind die verstärkten ENUMA DEX Ketten [2017]: 520er Kette ab 56 EUR), die mit ihren QX-Ringen eine verringerte Innenreibung und eine höhere Bruchlast bieten soll. Die Kette ist vorgelängt und muss quasi kaum gespannt werden.

Jürgen Langenscheidt schätzt die Marktanteile der großen japanischen Kettenhersteller auf nur 3-5% bei EK/Enuma.

AFAM/DC (Dyna-Chain AFAM)

Für die Firma DC-AFAM (Dyna-Chain AFAM) gelang es nicht, eine homogene Firmengeschichte zu recherchieren. In Deutschland macht Barking.de den Vertrieb, das europäische Hauptquartier liegt aber in Nazareth /Belgien. Seit 1978 produzierte AFAM unter Jean-Jacuqes Jouret in Nordfrankreich und war OEM Lieferant für Ducati.

Seit 2001 gehört AFAM zur Kettenwulf Gruppe, die insgesamt 1100 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu gehört auch die ADAM France SAS, die Kettenräder und Ritzel sowie Batterien herstellt. Ketten werden wahrscheinlich nach eigenen Vorgaben von namenhaften japanischen Herstellern wie EK-Chain gefertigt.

Neuster und innovativste Spross der AFAM Kettenfamilie (bis 2016) ist die AFAM 3D Kette, die Vertriebsleiter Klaus Sieder im Juni 2010 der Presse vorstellte. Sie ist die leichteste Kette ihrer Art (520er: 1,3 kg/100 Glieder) und wird in verschiedenen Variationen geliefert. Ihre Besonderheit: sie besteht aus Edelstahl, ein Material, das sonst nicht üblich ist.

AFAM unterscheidet zwischen Spezialketten für Straße, Offroad, Cross und Sport. Für Cross ist die goldene AFAM520MX4-G mit einer Zugfestigkeit von 3770 kg angebracht, zum Reisen eignet sich hingegen besser die AFAM520XHR-G (letzter Buchstabe: Kettenfarbe) bei einer Zugfestigkeit von 4120 kg.

Jürgen Langenscheidt schätzt die Marktanteile der großen japanischen Kettenhersteller auf nur 3-5% bei AFAM.

Hinweis: Zu bedenken gibt es allerdings, das AFAM 3D Kette zwar extreme Eigenschaften hat, aber primär für den Rennsport entwickelt wurde. Die anderen für Reisen empfehlenswerten AFAM Ketten kann man sich hier beraten lassen.

Regina

2020: BMW präsentiert im August eine (angeblich) verschleißfreie Kette namens M Endurance. Sie wird von Regina in Italien hergestellt. Sie soll von der Haltbarkeit einem Kardanantrieb gleich kommen. Die M Enduranche wird mit speziell gefertigten Kettenrädern und Ritzeln betrieben und wiest eine spezielle Beschichtung auf, die im Motorradleben kaum verschleißen soll. Bisher ist die M Endurance in der 525er Teilung für bestimmte BMW Modelle mit 1000 ccm verfügbar. Regina soll sie aber in Zukunft auch als eigenes Produkt verkaufen können.

Jürgen Langenscheidt schätzt die Marktanteile der großen japanischen Kettenhersteller auf nur 3-5% bei Regina.

Kettensatz-Test: Ergebnisse eines Dauertests

Früher oder später erreicht auch die beste Kette ihre Verschleißgrenze. Dann heißt es Ersatz besorgen. Doch von welchem Hersteller? Und welche Qualitätsstufe? An Stammtischen wird oft darüber spekuliert, welche Marke denn nun die besten Ketten fertigt und wie viel länger teurere Kettenkits halten. Diese Fragen kann auch MOTORRAD nicht endgültig beantworten.

Dennoch nutze die Redaktion den Reifenverschleißtest mit sieben Triumph Sprint ST (siehe MOTORRAD 11/2007), um Kettensätze von sieben verschiedenen Anbietern einem Dauertest über 5350 Kilometer zu unterziehen. Vor und nach dem Test wurden sowohl Kettenlänge als auch seitliche Kettendurchbiegung gemessen. Die Zunahme der Werte gilt als Maß für die Verschleißfreudigkeit der betreffenden Kette.

Testverfahren

Die seitliche Durchbiegung wurde wie folgt ermittelt: Die ausgebaute Kette liegt seitlich auf dem an der Wand stehenden ebenen Messtisch aufgespannt. Etwa die Hälfte der Kette hängt über die Tischkante und biegt sich aufgrund des Spiels zwischen den einzelnen Kettengliedern im Bogen nach unten. Eine Senkrechte Linie an der Wand, 30 Zentimeter von der Tischkante entfernt, diente als Messebene. Im Neuzustand lag die Durchbiegung an dieser Stelle je nach Kette zwischen 2,8 und 3,9 Zentimeter - was noch nichts über die Qualität aussagt.

Während der einwöchigen Verschleißfahrt wurden täglich die Ketten geschmiert und ihr Durchhang überprüft sowie gegebenenfalls nachjustiert. Die Kandidaten von Afam, DC, Enuma und Triumph mussten während der gesamten Tour nur ein einziges Mal nachgespannt werden, die Ketten von DID, Regina und RK zwei Mal.

Testergebnisse im Überblick

Die Ergebnisse des 5350 Kilometer Dauertests sind in folgender Tabelle zusammengefasst:

HerstellerTypPreis (Euro)Längung (mm)Durchbiegung (mm)
Afam530 XHR-G2071,01,0
DC530 MZO-G1671,00
DID530 ZVM2213,501,00
Enuma530 ZZZ2301,00
Regina530 ZRP164,951,00
RK530 GSV2002,00
Triumph (DID)50 VM1951,02,0

Fazit

Alle Kandidaten sind nach der Tour noch fast neuwertig. Das gilt auch für die zugegebenermaßen mit Abstand am stärksten gelängte RK-Kette. Das größtenteils gleichmäßige Dauertempo - egal, ob mit 100, 150 oder 200 km/h - beeindruckt die gefahrenen, hochwertigen Testketten offenbar wenig.

Kettenpflege: Tipps für eine lange Lebensdauer

Garanten für eine lange Lebensdauer von Motorradketten sind regelmäßige Pflege und Wartung. Falsch eingestellte Kettenspannung - egal, ob zu straff oder zu locker - führt zwangsläufig zu erhöhtem Verschleiß und ist gefährlich.

Zu lockere Ketten können vom Kettenrad springen, zu straffe beschädigen nicht nur das Getriebeausgangslager, sondern können durch die extremen Belastungen, vor allem beim Einfedern, sogar reißen. Eine regelmäßige Kontrolle des Kettendurchhangs nach den Angaben des Handbuchs ist deshalb unabdingbar.

Unbedingt auch darauf achten, dass die Hinterachse nicht schief in der Schwinge steckt. Sonst müsste die Kette quasi einen Bogen beschreiben, was den Verschleiß extrem beschleunigt. Darum unbedingt die Skalen der Spannvorrichtungen in den Schwingenenden aneinander angleichen.

Zu den wenig beliebten, aber durchaus sehr sinnvollen Wartungsmaßnahmen gehört das Reinigen, um die Dichtringe vor Beschädigungen zu schützen, was schließlich zum Verlust der Dauerfettfüllungen führen kann. Zur Anwendung: Das im Fachhandel für ein handvoll Euro erhältliche Kettenreinigungsmittel auftragen, mit Pinsel oder Bürste nacharbeiten und anschließend abwischen beziehungsweise abspritzen. Keinesfalls mit einem Dampfstrahler draufhalten. Der würde die lebensnotwendigen Fettfüllungen ausspülen.

Das Aufbringen von Kettenspray sollte alle paar hundert Kilometer erfolgen. Bei trockenen Bedingungen kann das Intervall auch mal 1000 Kilometer betragen. Spätestens, wenn die Kette trocken ist (Fingertest) gehört frisches Schmiermittel drauf. Beim Einsprühen der Kette gilt: innen reichlich, außen mäßig. Außerdem lieber häufiger und sparsam auftragen als selten und dick.

Wer lange mit seinem Kettensatz unterwegs sein will, kommt um einen automatischen Kettenöler (ab etwa 130 Euro) nicht herum, durch den die Kette permanent geschmiert wird. Praxiserfahrungen zeigen, dass so die Haltbarkeit einer Kette gegenüber herkömmlicher Pflege locker verdoppelt werden kann.

Empfohlene Reinigungs- und Schmiermittel

  • Nach jeder Regenfahrt schmieren, um Rost zu vermeiden.
  • Verwenden Sie ca. 1x/Jahr (8000km) einen Kettenreiniger (Polo o.ä.) und wischen Sie die Kette sehr gründlich damit ab.
  • Gute Beurteilungen in Punkto Verschleißschutz und Korrosionsschutz erhält regelmäßig das S100 Kettenspray.
  • Derzeit verwende ich eines auf Fettbasis von Castrol.

Hinweis: Eine der häufigsten Gründe für ein ‚vorzeitiges Ableben‘ ist laut Enuma Kettenspezialisten Jürgen Stoehr (mittlerweile a. D.) die zu stramme oder schräg gespannte Kette.

Kettensatzwechsel: Wann und wie?

Wie erkennt man, dass die Kette ihre Verschleißgrenze erreicht oder gar überschritten hat? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Zum einen sitzen an den Schwingenenden die Verstellmechanismen für die Kettenspannung. Sind die Markierungen bereits am Ende der Skala angelangt, ist es höchste Zeit für einen neuen Kettensatz.

Der ist allerdings bereits dann fällig, wenn das Kettenrad so genannte Haifischzähne aufweist oder sich die Kette bis zu den Zahnspitzen vom Kettenblatt abheben lässt (siehe Fotos).

Tipps für den Kettensatzwechsel

  • Grundsätzlich den kompletten Kit wechseln, also Kette, Ritzel und Kettenrad. Wird nur die Kette ausgetauscht, längt sich diese auf den mehr oder weniger stark verschlissenen Kettenrädern und Ritzeln extrem schnell.
  • Zunächst bei aufgelegter Kette und blockierter Hinterradbremse die Verschraubungen von Ritzel und Kettenrad lösen.
  • Zum Trennen der alten Kette entweder eine Flex zur Hilfe nehmen oder spezielles Kettentrennwerkzeug (im Fachhandel ab etwa 20 Euro).
  • Vor dem Einbau der Neuteile sicherheitshalber Gliederanzahlen der Ketten und Zähnezahlen von Ritzeln und Kettenrädern vergleichen.
  • Anschließend den Kettenspanner in die vorderste Position bringen, um den Einbau der etwas kürzeren, da noch nicht verschlissenen neuen Kette zu erleichtern.
  • Nach Einbau des neuen Ritzels und des Kettenrads (neue Sicherungsbleche beziehungsweise Schraubsicherungen verwenden) die Kette montieren und mit Clip-, Schraub oder Nietschloss (spezielles Nietwerkzeug gibt es ab etwa 150 Euro) schließen.
  • Wer sich für eine Endloskette entschieden hat, muss den sehr zeitaufwendigen Schwingenausbau in Kauf nehmen.

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