Kettensatz wechseln beim Motorrad: Eine umfassende Anleitung

Die Antriebskette ist eine bewährte und gängige Art der Kraftübertragung bei Motorrädern, aber ihre Lebensdauer ist aufgrund der hohen Belastung begrenzt. Im Zuge der Kettenpflege, wie beispielsweise beim Nachspannen, sollte regelmäßig geprüft werden, ob der Kettensatz noch voll funktionsfähig ist oder bereits ein Sicherheitsrisiko darstellt. Wann es gilt, die Motorradkette zu wechseln, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der Verschleiß macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar.

Das Lebensende der Kette deutet sich an, wenn die Zähne der Kettenräder spitz werden, die Kette am hintersten Punkt des Kettenrads sich um mehr als eine halbe Zahnhöhe abheben lässt oder der Kettenspanner am hinteren Ende der Skala steht. Die X- bzw. O-Ringe können heraustreten. Als Online-Fachhändler für Motorradersatzteile wird empfohlen, immer alle drei Komponenten (Ritzel / Silentritzel, Kettenrad und Kette) auszutauschen. Zu welchem Zeitpunkt eine oder mehrere der genannten Verschleißerscheinungen auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab - allen voran natürlich von der Material- und Verarbeitungsqualität des Kettensatzes.

Gleichzeitig nehmen jedoch auch die Belastung im Sinne der übertragenen Leistung sowie die Wartung Einfluss auf die Lebensdauer. Pauschal lässt sich daher nur der grobe Rahmen festhalten, dass eine Kette 20.000 bis 40.000 Kilometer lang hält. Ist der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen, wird nahegelegt, direkt alle drei Komponenten des Kettensatzes auszutauschen. Das bedeutet also, bei defekter Motorradkette auch das Kettenrad sowie das Ritzel am Getriebe zu erneuern. Dies hat folgenden Grund: Eine neue Kette wird auf einem stark abgenutzten Ritzel bzw.

Normalerweise verschleißen Kettenräder und Kette gleichzeitig, weshalb man beide zusammen wechselt. Kombinierte Neu- und Altteile nutzen einander schnell ab. Deshalb empfiehlt es sich, gleich alles auszuwechseln. Das erspart dir auch die permanente Erneuerung einzelner Teile. Regelmäßige Kettenpflege kann den Moment des Kettenwechsel hinauszögern, aber irgendwann kommt er: Der alte Kettensatz ist durch, ein neuer muss her.

Das passende Werkzeug für den Tausch der Motorradkette

Die Motorradkette ohne Werkzeug zu wechseln, ist unmöglich. Zum Wechseln von Kette und Kettenrädern ist eine gut sortierte Werkzeugkiste und etwas Spezialgerät nötig. Beim Tausch einer Motorradkette, die sich mit einem Clipschloss oder Schraubschloss öffnen und schließen lässt, ist eine gut ausgestattete Werkzeugkiste allerdings noch absolut ausreichend. Je nach Motorrad werden gebraucht:

  • eine Nuss für die Hinterachsmutter
  • Gabelschlüssel für die Kettenspannschrauben und die Kontermuttern
  • eine Drehmomentschlüssel bis mindestens 120 Nm
  • Innensechskantschlüssel
  • eine Nuss für die Ritzelmutter mit Verlängerung zum Drehmomentschlüssel
  • eine Nuss für die selbstsichernden Bundmuttern am hinteren Kettenrad
  • ein Kettentrenn- und Vernietwerkzeug
  • ein mittlerer Hammer
  • ein kleiner Meißel
  • Reinigungsmittel (Bremsenreiniger, WD-40)
  • reichlich Lappen
  • Wälzlagerfett für die Keilnuten der Getriebeabtriebswelle

Weiterhin hilfreich ist ein Schlagschrauber, um die Ritzelmutter zu öffnen. Spätestens jetzt erweist sich ein Montageständer zum Anheben des Hinterrads als sehr praktisch.

Kommen hingegen sogenannte Nietschlösser zum Einsatz, wird zusätzliches Spezialgerät benötigt. Motorradketten mit Nietschloss halten höheren Belastungen stand und lassen sich somit bedenkenlos für stärker motorisierte Maschinen einsetzen. Bei den einfach zu befestigenden (aber weniger robusten) Clipschlössern gilt als Faustregel, diese nur für kleinere Motorräder bis 125 Kubikzentimeter zu verwenden. Ebenfalls für hohe Belastungen ausgelegt und gleichzeitig ohne extra Zubehör montierbar sind Motorradketten mit Schraubschlössern.

Zum Trennen der alten Kette und Vernieten der neuen ist ein Spezialwerkzeug erforderlich. Man kann die Kette zwar auch an den Gliederplatten oder Nietköpfen mit einem Winkelschleifer trennen. Bei der Montage der neuen Kette ist zum Vernieten eine geübte Hand nötig, die den Hammer zielsicher führt. Das Kombiwerkzeug zum Trennen und Vernieten ist die bessere Wahl.

Alles andere als eine Niete: Schraubglieder sind Nietschlössern in puncto Festigkeit durchaus ebenbürtig und können ohne Spezialwerkzeug montiert werden.

Sonderfall: Geschlossene Motorradketten wechseln

Eine weitere Option stellen sogenannte Endlosketten dar - diese sind von vornherein verschlossen, wodurch das Ver- und Entnieten wegfällt . Da für die Montage von Endlosketten allerdings zunächst die Schwinge ausgebaut werden muss, sind weitere Arbeitsschritte und je nach Motorrad zusätzliches Werkzeug notwendig. Beispielsweise werden zusätzliche Hilfsmittel für die Aufhängung des Fahrwerks benötigt, wenn die Maschine keinen Hauptständer besitzt. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass mittlerweile immer mehr Bikes eine Schwinge besitzen, deren besondere Bauart eine Montage geschlossener Ketten gar nicht erst zulässt. Zudem weisen die werkseitig geschlossenen Ketten und fachgerecht vernietete Exemplare keine Unterschiede in puncto Sicherheit auf.

Schritt für Schritt: So funktioniert der eigenständige Wechsel der Motorradkette

Mit Schraub- oder Clipschloss versehene Motorradketten zu wechseln, umfasst die gleichen Arbeitsschritte wie bei einem Nietschloss. Einzig das Ent- und Vernieten fällt weg, weshalb sich der Wechsel in der Regel problemloser gestaltet.

  1. Äußere Ritzelabdeckung abschrauben, Regler/Gleichrichter, kurzen Schalthebel und Geschwindigkeits-Sensor abnehmen. Es empfiehlt sich, auch den Kupplungsnehmerzylinder abzuschrauben, damit sich die innere Ritzelabdeckung ohne Probleme vollständig abnehmen lässt. Bei abgeschraubtem Kupplungsnehmerzylinder den Kolben mit einer Klammer sichern. Innere Ritzelabdeckung abnehmen, Kupplungsdruckstange ausziehen, Schrauben der Abdeckung ausdrehen, Deckel abnehmen.
  2. Üblicherweise befindet sich noch ein Sicherungsblech am Ritzel. Sobald das Blech gerade gebogen ist, das Ritzel mit der Knarre lösen. Mit Sechskantnuss und Verlängerung die Ritzelmutter öffnen. Nicht versuchen, die Ritzelschraube mit einem Gabelschlüssel zu öffnen. Dabei rutscht man mit Sicherheit ab. Hinterrad mit der Bremse blockieren. Keinen Gang einlegen! Falls die Bremskraft zum Gegenhalten nicht ausreicht, Hammerstiel oder Holzstück durch das Rad stecken und eine Speiche gegen die Schwinge blockieren. Hammerstiel nicht auf die Bremsleitung drücken! Noch einfacher ist die Mutter mit einem Schlagschrauber zu öffnen. Vor Montage des neuen Kettenkits altes Fett und Schmutz von sonst versteckten Stellen entfernen.
  3. Das Nietwerkzeug bzw. den Kettentrenner (bei einem Clipschloss reicht eine Clipschlosszange) am unteren frei hängenden Teil der Kette mittig ansetzen. So lässt sich einer der Bolzen, die die einzelnen Kettenglieder zusammenhalten, aus der Lasche drücken. Nietglied suchen, Kettentrenner ansetzen, Gewindebuchse festziehen, Durchschlag einschieben, Kettentrenner festhalten, mit dem Hammer auf den Durchschlag klopfen: Bolzen wird entnietet.
  4. Sobald die Kette getrennt ist, diese einfach nach hinten herausziehen. Kleiner Tipp: Der Trennvorgang gestaltet sich einfacher, wenn die relevanten Bolzen vorher mit einer Flex plangeschliffen werden.
  5. Danach gilt es, die Kettenradmuttern zu lösen. Wichtig: Abgeschraubt werden diese erst, wenn das Hinterrad ausgebaut ist. Kettenrad-Befestigungsmuttern am Hinterrad lösen und zwei Umdrehungen öffnen. Hinterrad ausbauen, Kettenradmuttern abdrehen, altes Kettenrad abnehmen. Anlageflächen am Kettenblattträger und Gewinde der Stehbolzen reinigen und ölen. Anlageflächen des Kettenrads fetten oder ölen, Kettenrad mit Aufschrift nach außen aufstecken, Muttern handfest anziehen.
  6. Nach dem Ausbau das Kettenrad abnehmen und den Zustand der darunterliegenden Ruckdämpfer prüfen.
  7. Danach wird das Kettenrad mit der Beschriftung nach außen zeigend aufgelegt. Die Muttern gilt es, gleichmäßig über Kreuz festzuziehen. Bundmuttern der hinteren Kettenblatt-Befestigung festziehen.
  8. Bevor das neue Ritzel aufgesteckt wird, zunächst die Getriebewelle säubern und das Gewinde einfetten. Keilnuten mit Fett schmieren. Neues Ritzel mit der Aufschrift nach außen aufschieben. Scheibe aufstecken; gereinigte, leicht geölte Mutter handfest aufdrehen.
  9. Beim Aufschieben des Ritzels ebenfalls beachten, dass die Beschriftung nach außen zeigt. Nicht vergessen, ein neues Sicherungsblech einzusetzen und anschließend die Mutter anzudrehen.
  10. Neue Motorradkette aufziehen und vernieten. Neue Kette auf Kettenräder auflegen; Nietglied gut mit Kettenfett einfetten, neue O- oder X-Ringe auf Bolzen schieben. Enden der Kette mit Nietglied verbinden: Kette muss sicher auf Kettenrädern sitzen. Neue O- oder X-Ringe auf die herausstehenden Bolzen des Nietglieds aufsetzen, Kettenlasche gleichmäßig ansetzen, aufschieben und mit Kettenwerkzeug etwas aufpressen Abstandslehren auf beiden Seite der Kette einstecken; Kettenlasche aufpressen. Kette vernieten.
  11. Kettenspann-Einstellschrauben ganz weit in die Schwinge eindrehen, Rad einbauen, Achse so weit es geht nach vorne schieben.

Kette vernieten

Mit einem solchen speziellen Werkzeug (erhältlich ab ca. 100 Euro) lässt sich die Kette fachgerecht vernieten. Verniet-Gewindebolzen in Kettenwerkzeug montieren. Kettenwerkzeug ansetzen und mit der Gewindebuchse die Kettenlasche gleichmäßig auf beide Bolzen aufpressen, bis sie auf den Abstandslehren ansteht. Überstände vernieten. Lehren herausziehen; Vernietung kontrollieren.

  1. Ritzelmutter festziehen: Hinterrad mit Bremse blockieren. Wenn die Bremskraft nicht ausreicht, Hammerstiel gegen eine Radspeiche unter Schwinge durchstecken.
  2. Kettendurchhang justieren.
  3. Hinterachsmutter festziehen nicht vergessen.
  4. Abgebaute Teile wieder anschrauben.
  5. Fett außen von der Kette abwischen.

Tauschen der Motorradkette: Diese Kosten sind zu erwarten

Die Preise für Motorradketten variieren insbesondere hinsichtlich der maximalen Belastung bzw. Zugkraft, der sie standhalten können. Interessanter als die Kosten der Kette an sich sind jedoch ohnehin die Preise für ganze Kettenkits, da in der Regel alle drei Komponenten benötigt werden. Kettensätze sind für sehr leicht motorisierte Maschinen bereits ab 30 Euro erhältlich. Die meisten Kits bewegen sich allerdings knapp ober- bzw. unterhalb der 100-Euro-Marke.

Die vielen Arbeitsschritte lassen bereits vermuten, dass die Montage eines neuen Kettensatzes in der Werkstatt recht kostspielig werden kann. In erster Linie sind die Gesamtkosten des Wechsels der Motorradkette zwar abhängig vom Einkaufspreis des Kettensatzes. Als weiteren Kostenfaktor für die Montage gilt es zudem, die Art der Motorradkette zu beachten. Wer sich den Kettensatz selbst bestellt, sollte vorher mit der Werkstatt des Vertrauens abklären, ob für eine Endloskette ein höherer Preis verlangt wird.

Der Wechsel einer einer offenen Kette mit Clipschloss oder einer Endloskette soll an dieser Stelle nicht beschrieben werden, da dieser Wechsel meist problemlos erfolgen kann. Wir wollen den Kettenwechsel einer offenen Kette mit Nietschloss beschreiben.

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