Das Testergebnis macht Lust aufs Radfahren mit Kind: Etliche der Kinderfahrradsitze im aktuellen Test der Stiftung Warentest sind empfehlenswert, gravierende Sicherheits- oder Schadstoffprobleme wurden nicht gefunden.
Überblick über den Test
Im aktuellen Test der Stiftung Warentest wurden 14 Kinderfahrradsitze unter die Lupe genommen. Geprüft wurden Heck- und Frontsitze, wobei insgesamt acht Modelle als "gut" bewertet wurden - diese zeichnen sich durch Sicherheit, Robustheit und gutes Fahrverhalten aus. Folgende Modelle wurden geprüft: Thule, Hamax, Britax Römer, Urban Iki, Bobike, Qibble und Polisport.
Die Tabelle bietet Testergebnisse für 14 Kinderfahrradsitze, darunter 3 Frontsitze, 5 Hecksitze zur Montage auf dem Gepäckträger und 6 Hecksitze zur Rahmenmontage am Sitzrohr. Die Testergebnisse können nach verschiedenen Kriterien gefiltert werden, etwa nach Front-, Rahmen- oder Gepäckträgermontage. Es besteht auch die Möglichkeit, direkt nach Kinderfahrradsitzen zu suchen, die sich besonders leicht fahren lassen oder besonders einfach zu handhaben sind.
Montage und Kompatibilität
Das Risiko eines Fehlkaufs bei Fahrradkindersitzen ist hoch - denn sie passen längst nicht an jedes Fahrrad. Probleme gab es im Test jedoch damit, die Kindersitze an verschiedene Fahrräder zu montieren. Fahrradrahmen sind mittlerweile so unterschiedlich gebaut, dass die Standard-Adapter nicht immer passen. Fahrräder werden heute in unterschiedlichsten Formen und Größen gebaut. Einige Rahmen sind rund, andere oval. Mal sind sie dick, mal dünn, mal aus Stahl gefertigt, mal aus Aluminium oder Carbon.
Außerdem zeigt die Stiftung Warentest im Detail für jeden Kinderfahrradsitz im Test, unter welchen Voraussetzungen er sich an welches Rad montieren lässt. Es wird empfohlen, ein Fachgeschäft aufzusuchen, um eine mögliche und richtige Montage am eigenen Rad zu überprüfen und ein Probesitzen inklusive Probefahrt durchzuführen. Wichtig: Dabei auch das Abstellen und die Schlafposition (sofern vorhanden) zusammen mit dem Kind ausprobieren. Ein sicherer Stand des Rades sollte ebenso gewährleistet sein.
Front- vs. Hecksitze
Geprüft wurden im Fahrradkindersitz-Test sowohl Front- als auch Hecksitze. Sobald Kinder selbstständig sitzen können, dürfen sie auf dem Rad mitfahren. Das ist etwa ab dem neunten Monat der Fall.
Frontsitze
Für Kinder mit einem Gewicht bis 15 Kilogramm und einer Größe bis zu 93 Zentimeter eignen sich die Frontsitze im Test. Sie werden am Steuerrohr oder Lenkerschaft montiert. Mit so einem Fahrradsitz haben Eltern ihr Kind immer im Blick und können sich problemlos unterhalten. Allerdings schränken die Sitze mitunter die Lenk- und Bewegungsfreiheit des Fahrers ein.
Hecksitze
Für schwerere Kinder mit einem Gewicht bis 22 Kilogramm und einer Größe bis 110 Zentimeter eignen sich Hecksitze. Hier sitzen die Kinder windgeschützter als vorn, verlieren jedoch den freien Blick in Fahrtrichtung.
Fahrradsitze zur Montage auf dem Gepäckträger passen auf recht viele Fahrräder, brauchen aber einen robusten Gepäckträger - drei Modelle im Test sind gut. Hecksitze zur Rahmenmontage werden am Sattelrohr montiert und federn an langen Befestigungsbügeln freischwebend über dem Gepäckträger.
Sicherheitsaspekte
Hinter den Testergebnissen stehen zahlreiche Praxis- und Laborprüfungen. Probanden untersuchten beispielsweise, wie gut sich die Sitze im Alltag fahren lassen und wie einfach sie in der Handhabung sind. Außerdem untersuchte die Stiftung Warentest die Verarbeitung und Qualität der Sitze, zum Beispiel die Haltbarkeit der Materialien. Das ist bei Fahrradkindersitzen oft auch eine Frage der Sicherheit. So wurden beispielsweise die Gurte und der Verschluss geprüft und es wurde nach gemeinen Klemmstellen gesucht.
Tipp: Egal, für welchen Sitz Sie sich entscheiden - der Helm ist ein Muss. Im Test von Kinderfahrradhelmen empfehlen wir fünf gute Modelle. Lesen Sie auch, wie Sie mit Kinderfahrradsitz sicher im Straßenverkehr unterwegs sind.
Woran erkennen Sie einen sicheren Kinderfahrradsitz?
Prüfkriterien und Sicherheitsanforderungen an einen Fahrradsitz für Kinder zwischen 9 und 22 kg werden durch die Norm DIN EN 14344 festgeschrieben. Gefragt sind Speichenschutz, Gurtsystem, Sitzbefestigung und Signalwirkung etwa durch Reflektoren und Farbe eines Sitzes, nicht zuletzt geht es ganz allgemein um die Verletzungsgefahr. Leider entsprechen nicht alle Sitze dieser Norm. Die Hersteller scheitern zum Teil in allen Belangen, speziell dominieren scharfe Ecken und Kanten oder die fehlende Signalwirkung die kritischsten Testfazits.
Auch das GS-Prüfzeichen, das die Prüfung durch ein unabhängiges Institut bestätigt, ist für sich genommen noch kein Garant für einen sicheren Kindersitz.
Testergebnisse und Empfehlungen
Die Stiftung Warentest hat Kinder-Fahrradsitze zuletzt Anfang 2018 getestet. Die Lieblinge der Warentester:
- Yepp Nexxt Mini (Note: gut)
- Hamax Caress (Note: gut)
- Yepp Maxi Seatpost (Note: gut)
- OK Baby Orion (Note: gut)
- Bobike One maxi 1P & E-BD (Note: gut)
- Thule RideAlong (Note: gut)
- Polisport Guppy Maxi+ FF (Note: gut)
- Hamax Zenith, Testsieger bei Velojournal in der Märzausgabe 2018 (Note: sehr gut)
Detaillierte Betrachtung einiger Modelle
Hamax Caress
Der Hamax Caress ist optisch ein echter Hingucker mit tollem Design und Verarbeitung. Schön sind auch der Drehknopf am Sitz für das Einstellen der Ruheposition und der extra beigefügte Gepäckträgeraufsatz. So ist der Sitz nicht nur »freischwebend« an Befestigungsbügeln einsetzbar, sondern vielseitig und sogar für mehr als ein Fahrrad nutzbar. Der Hamax ist abschließbar. Das Gurtsystem ist ein 3-Punkt-Sicherheitsgurt mit Druckknopf. Der öffnet sich bei unserem Test erst nach 50 Newtonmeter und erfüllt damit die Prüfnorm. Allerdings: Kopf und Schultern des Kindes sind im Fall eines Sturzes nicht so gut geschützt. Hier fehlen der Schale entsprechende Vorrichtungen. Immerhin: Durch die komfortablen und langen Armlehnen können die kleinen Piloten eine stabile Fahrposition einnehmen. Das sorgt auch für Sicherheit.
Polisport Bilby Maxi RS
Der Polisport Bilby Maxi RS hat, was seine Form und sein Design angeht, ganz besondere Wurzeln. Inspiriert wurde sein Design von Beuteltieren - die geschwungene Form umhüllt die kleinen Beifahrer förmlich und sorgt für viel Sicherheit und Komfort. Dazu kommen ein hervorragendes 5-Punkt-Gurtsystem, Reflektoren, die für Sichtbarkeit im Stadtverkehr sorgen, und eine luxuriöse Schlafposition, bei der sich der gesamte Fahrradsitz um 20 Grad nach hinten verstellen lässt.
Bobike Exclusive Tour
Der Exclusive Tour von Bobike ist ebenfalls ein kleiner Design-Star. Schon allein optisch wirkt er kompakt und ansprechend. Und nicht nur das: Funktion, Verarbeitung und Sicherheit bewegen sich hier auf einem hohen Level. Obwohl der Sitz direkt auf dem Gepäckträger befestigt wird, verfügt er durch einwandfreie Sitzkissen und -polster über viel Fahrkomfort.
Prophete Wallaroo
Wenn Sie nicht viel ausgeben möchten, ist der Prophete Wallaroo unsere Empfehlung. Ganz schlicht und einfach kommt er daher, setzt optisch kaum Akzente, doch das ist auch gar nicht nötig. Das Gurtsystem, die Sitzschale mit Armlehnen und die Verarbeitung lassen keine Wünsche offen.
Methodik & Hintergrund
Zum Testkriterium Montage werden die Kinderfahrradsitze an unterschiedlichen Fahrrad- und e-Bike Modellen gemäß der Bedienungsanleitung montiert und bewertet. Neben Möglichkeit und Aufwand der Montage werden auch weitere Aspekte wie Schnellwechselmöglichkeiten zwischen zwei Rädern, Funktionalität gegen Diebstahl sowie das Verstauen bei Nichtgebrauch betrachtet.
Das Testkriterium Handhabung beginnt mit der Bewertung der Gebrauchsanleitung sowie der Einstellmöglichkeiten von Bein- und Rückenlehne. Nach der Montage und Einstellung werden die Kindersitze mit den unterschiedlichen Fahrradmodellen auf einem Rundkurs in unterschiedlichen Fahrsituationen untersucht. Auf- und Absteigen, verbunden mit einer leichten Schräglage des Rades, um die Kippneigung der unterschiedlichen Modelle zu vergleichen. Ausweichmanöver, um ein Nachschwingen der Kindersitze zu provozieren. Bremsen, um den möglichen Einfluss auf die Fahrstabilität zu erfahren. Einfluss auf das Fahrverhalten bei Steigungen.
Dabei ist zu beachten, dass ca. 10 % der Strecke verschiedene Steigungen und Gefälle beinhalten, so dass die Kinderfahrradsitze durch den veränderten Schwerpunkt ggf. das Fahrerhalten beeinflussen können. Dies soll auch bei Geschwindigkeiten über 25 km/h durchgeführt werden.
Neben den Einstellmöglichkeiten und Abmessungen in Bezug zur Körpergröße wie Fußlängen und Rückenlehne, werden die Verstellmöglichkeit des Gurtsystems sowie die Nutzbarkeit des Sitzes mit dem Fahrradhelm untersucht. Als Basis zu den Messungen wird der Hybrid 3 Dummy in der Größe Q3 eingesetzt.
Bei der Komfortmessung möchte Stiftung Warentest herausfinden, in welchem Kinderahrradsitz die Fahrbahnunebenheiten am wenigsten bei den Insassen ankommen. Dabei fährt ein auf einem Prüfstand aufgespanntes Fahrrad mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten über eine auf das Hinterrad einwirkende Leiste, hierzu wird eine computergestützte Messung durchgeführt.
In Anlehnung an die DIN 14344:2022 (Artikel für Säuglinge und Kleinkinder - Kindersitze für Fahrräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren) werden Inhalte wie Nieder- und Hochtemperaturkonditionierung, Belastungsprüfung für Fußstützenfestigkeit, Befestigung des Rückhaltesystems am Sitz, Schlagprüfung, Fuß-Befestigung mit Rückhaltebändern, Anforderungen für den Sitzbereich und die Fußstützen, Mikroschlupf und Festigkeit überprüft.
Zusätzlich werden Auffälligkeiten bei der Verarbeitung protokolliert und bewertet.
Im Vordergrund der Schadstoffuntersuchung stehen berührbare Bauteile und Bezugsstoffe, z.B. Sitzauflagen und Gurtenden. Dabei beziehen sich die Untersuchungen weitgehend auf PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) und Weichmacher (Phthalate), aber auch auf andere Schadstoffe in Anlehnung an die GS-Spezifikation AfPS GS 2019:01 PAK.
Des Weiteren werden Schadstoffüberprüfungen an Fuß- und Gurtschnallen, welche für die Transportsicherung des Kindes vorgesehen sind, durchgeführt. Nebst den PAKs und Phthalaten werden auch je nach verwendetem Material Azofarbstoffe, Cadmium und Blei überprüft.
Weitere Schadstoffuntersuchungen werden bei Bedarf, z. B. bei olfaktorischen Auffälligkeiten (starker Geruch) unternommen.
Entsprechend einer Unfalldatenanalyse sollten verschiedene Crashszenarien abgeprüft werden, um einen hohen Anteil der relevanten, realen Verkehrsunfälle mit Radfahrenden abzudecken.
Im ersten Szenario kollidiert ein Pkw frontal auf die Seite des Fahrradfahrers. Bezüglich der Crashversuche wurde der etablierte Whiplash-Puls, welcher bei Tests von Autositzen im Falle eines Heckaufpralls entwickelt wurde, angewendet. Die Überprüfung der Crashsicherheit wurde auf der ADAC-Katapult-Testanlage durchgeführt.
Durch die kontrollierte Beschleunigung der Katapultanlage wird der Effekt einer Verzögerung bei einem Zusammenstoß simuliert.
Die Kinderfahrradsitze wurden dabei auf einer fest installierten Vorrichtung montiert, welche eine Gepäckträger- sowie Sattelrohrmontage ermöglicht.
Checkliste für den Kauf
Was ist sonst noch wichtig?
- Pass-Check: Nicht jeder Kindersitz passt an jedes Fahrrad, teilweise müssen Sie kleine Veränderungen an Ihrem Fahrrad vornehmen.
- Anprobe: Die beste Methode, keinen Fehlkauf zu riskieren, ist die „Anprobe“ im Laden. Nehmen Sie Ihr Fahrrad also mit zum Kauf.
- Fingerfallen: Hat Ihr Fahrrad einen Sattel mit Federn, sollten Sie diese abdecken (lassen).
- Locker mitwippen: Ein Heck-Kindersitz sollte einige Zentimeter über dem Gepäckträger schweben, damit der Metallbügel mitschwingen kann.
- Stabilitäts-Check: Achten Sie darauf, dass Ihr Fahrradständer einen stabilen Stand bietet.
- Einhand-Prinzip: Sie sollten Ihr Fahrrad immer mit einer Hand festhalten können, während Sie Ihr Kind im Sitz anschnallen.
- Flach-Heck: Im Idealfall ist ein Kinderfahrradhelm im Heck abgeflacht.
- Flatter-Test: Testen Sie vor dem Kauf, ob Sie Ihr Fahrrad mit Kind im Sitz stabil fahren können.
- Nässe-Test: Schützen Sie Kindersitz und Polster vor Regengüssen.
Gurtsysteme und Einstelloptionen
Auf einige Details sollten Sie bei der Wahl des Kinderfahrradsitzes besonderes Augenmerk richten. Dazu gehört insbesondere das Gurtsystem. Mit diesem sollten Sie Ihr Kind fest im Sitz anschnallen können, zudem sollte sich der Gurt leicht verstellen lassen. Die meisten Kinderfahrradsitze sind mit einem Dreipunkt- oder einem Fünfpunkt-Gurtsystem ("Hosenträgergurte") ausgestattet, wegen ihres zusätzlichen Schrittgurtes gelten Letztgenannte als besonders sicher.
Außerdem sollten Sie die Fußstützen des Sitzes in der Höhe und passend zur Größe des Kindes einstellen können. Gleiches gilt für die Kopfabstützung, die sich leicht an das Wachstum Ihres Kindes anpassen lassen muss. Das steigert nicht nur den Sitzkomfort, sondern erhöht auch die Sicherheit: Der Kopf Ihres Kindes wird optimal abgestützt und bei einem Aufprall gehalten.
Kinderfahrradsitze im Testspiegel: Die Lieblinge der Warentester
- Yepp Nexxt Mini (Note: gut)
- Hamax Caress (Note: gut)
- Yepp Maxi Seatpost (Note: gut)
- OK Baby Orion (Note: gut)
- Bobike One maxi 1P & E-BD (Note: gut)
- Thule RideAlong (Note: gut)
- Polisport Guppy Maxi+ FF (Note: gut)
Kinderfahrradsitze, die im Test negativ aufgefallen sind
Folgende Kinderfahrradsitze bewertet die Stiftung Warentest insgesamt mit „Ausreichend“ oder „Mangelhaft“.
- Polisport Guppy Mini (Note: ausreichend)
- Torrex BG-5 (Note: ausreichend)
- Bobike Exclusive mini (Note: mangelhaft)
- Bellelli Tiger Relax (Note: mangelhaft)
Das rät der ADFC: Kinderfahrradsitze vorne oder hinten am Fahrrad?
Ob Sie für den Transport Ihres Kindes einen Kindersitz, einen Fahrradanhänger oder ein Trailerbike nutzen, hängt laut Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club ADFC von mehreren Faktoren ab - etwa von Ihrem Geldbeutel und auch von Ihrem Fahrrad. Mehrheitlich jedoch sind Heck-Fahrradsitze im Einsatz, bei denen das Kind hinten auf dem Fahrrad über dem Gepäckträger sitzt. Modelle, auf denen die Kinder zwischen Lenker und Fahrer sitzen, offenbaren oftmals Probleme bei der Halterung, die nicht zum Steuerrohr passt. In einem Sitz hinter dem Fahrer seien die Kinder bei einem Unfall ohnehin besser geschützt, so der Tenor bei ADFC.
Weitere Tipps:
- Erste Fahrversuche auf sicherem Gelände durchführen, da das Fahrverhalten mit montiertem Fahrradsitz speziell auch in der Liegefunktion sehr ungewöhnlich ist. Die Schwerpunkt-Verschiebung sorgt vorne am Fahrrad für eine geringe Bodenhaftung.
- Der Einsatz eines Kinderfahrradsitzes vor dem oder der Erwachsenen ist nur bedingt empfehlenswert. Die Montage an dieser Stelle ist ein sensibles Thema, es fehlt an möglichem Lenkereinschlag, an ausreichend Kopffreiheit zwischen Kind und Fahrendem, und letztendlich kann der Fahrende bei einem möglichen Crash das Kind erdrücken.
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