Kleine Fahrräder für Erwachsene im Test: Kompakte Mobilität im Fokus

Ein Gang über die letzte Eurobike in Frankfurt beweist: Der Faltrad-Boom hält an. Die Hersteller werden nicht müde, den Markt mit neuen Konzepten, Faltmechanismen und Rahmenkonstruktionen zu bereichern. Geradezu verblüffend sind die Fahreigenschaften moderner Klappräder - sie stehen denen klassischer Fahrräder in nichts - oder nur wenig - nach. Im Gegenteil: Falträder haben ihre ganz eigenen Vorteile. Sie fahren sich wendig, direkt quirlig und liegen doch satt auf der Straße.

Mit Großvaters Klapprad hat ein modernes Faltrad nur noch wenig zu tun. Aktuelle Falträder sind leichter, haben bessere Schaltungen und lassen sich besser auf die eigenen Fahrvorlieben einstellen. Die Faltsysteme moderner Falträder sind auf ein minimales Packmaß ausgelegt, statt Torpedo-Dreigangschaltung (die nichtsdestotrotz ihre Daseinsberechtigung hat!) werden moderne Naben- und Kettenschaltungen mit zum Teil mehr als zehn Gängen verbaut.

Mit einem modernen Faltrad lassen sich also weit mehr Dinge erledigen als mit einem Eingang-Klapprad von anno 1964. Egal ob Pendeln zum Arbeitsplatz, eine mehrtägige Radtour oder als Cityflitzer, der abgestellt wenig Platz wegnimmt - innovative Falträder wie das Riese & Müller Birdy oder auch mehrfach überarbeitete Klassiker wie die Falträder von Brompton sind deutlich vielseitiger einsetzbar als ein »großes« Rad. Das hat zu einem großen Teil mit der Detailliebe der Hersteller zu tun.

Um das Packmaß zu minimieren, kann der Lenker bei vielen Rädern separat eingeklappt werden, das gleiche gilt für die Pedale. Ergonomisch geformte Lenkergriffe mit einer erweiterten Auflagefläche bieten auch auf langen Touren Komfort. Eines ist ganz besonders wichtig: Falträder mit einem Laufraddurchmesser bis maximal 16 Zoll dürfen in den Zügen der Deutschen Bahn kostenlos mitgenommen werden, das gilt in der Regel auch für Nahverkehrsunternehmen wie dem MVV oder der BVG (als »Handgepäck«). Im Test fiel eines auf: Wir hatten hauptsächlich Fahrräder von Markenherstellern mit einem Einstiegspreis von über 1.000 Euro im Test - dazu kamen ein paar sehr günstige Bikes von Billiganbietern zwischen 200 und 500 Euro.

Detaillierte Testberichte einzelner Modelle

Ahooga A-Max

Verwindungssteifes und robustes Faltrad mit wartungsarmer Schaltung für Touren aller Art. Das Ahooga A-Max gefällt uns schon, als wir nur das knallige Gelb aus dem Karton blitzen sehen, in dem es uns ausgeliefert wird. Positiv fällt uns gleich einmal die Steifigkeit des A-Max auf.

Nachdem der belgische Hersteller auf das klassische Faltrad-Scharnier am Hauptrohr verzichtet, fährt sich das A-Max fast wie ein klassisches Rad mit Diamantrahmen. Sehr gut gefällt uns auch die 7-Gang-Shimano-Nexus-Schaltung - sie ist wartungsarm, unkompliziert und ausreichend präzise. Als Bewohner des Voralpenlands hätten wir nur eine Bitte an die Entwickler: Packt noch einen bergtauglichen Gang drauf, und wir sind glücklich.

Die belgischen Konstrukteure verzichten beim A-Max auf zu viel experimentellen Schnickschnack, was die Konstruktion angeht - sieht man einmal vom Ahooga-typischen doppelten Unterrohr ab. Das Ergebnis ist ein angenehm aufgeräumter Look. In der im Netz erhältlichen (und uns ausgelieferten) Version für 1699 Euro sind robuste Schutzbleche aus Polycarbonat sowie vernünftige Pedale vormontiert. Wer einen Gepäckträger und weiteres passendes Zubehör wie Taschen etc. möchte, muss draufzahlen.

Was den Einsatzbereich angeht, bescheinigen wir dem Ahooga A-Max Allround-Tauglichkeit. Wie nur wenig andere Räder im Test ist es nicht »nur« ein Klapprad, sondern lässt sich als vollwertiges Fahrrad für alle Körpergrößen und Gewichtsklassen betrachten. Bisher finden sich ausschließlich Tests der teureren Elektro-Version des A-Max im Netz, die wir in unserem E-Bike-Test auch selbst getestet haben.

Tern BYB P8

Zum Glück stieß Tern noch zum Testfeld hinzu - wir hätten das BYB P8 sonst sehr vermisst. Draufsetzen und Wohlfühlen lautet das Motto bei diesem flotten Faltrad. Das Tern BYB P8 ist wie ein Wohnzimmer auf zwei Rädern. Draufsetzen, wohlfühlen, losflitzen - so lässt sich der Test in drei Worte fassen. Hier ist alles dran, was man als Klapprad-Liebhaber braucht.

Tern verfolgt weniger den Minimalismus-Trend einiger anderer Marken im Testfeld, sondern setzt auf eine solide Komplettausstattung für Vielnutzer, die nicht erst alles Mögliche nachrüsten wollen. So ist eine komplette Lichtanlage ebenso vorhanden wie Schutzbleche und ein Gepäckträger. StVO-konform könnt man auch sagen. Und so schwingen auch wir uns auf das BYB P8 und cruisen los - nicht nur einmal, sondern mehrmals, so viel Spaß macht das Bike.

Der Nabendynamo liefert ausreichend Energie für den am Lenker montierten 150 Lumen-Scheinwerfer, ein Rücklicht ist selbstverständlich ebenso vorhanden wie wertige Pedale. Ganz besonders hat uns die schnelle Größenanpassung mithilfe des Syntace-ähnlichen, doppelstrebigen Vorbaus gefallen. Obwohl das Tern BYB P8 keine Federelemente hat, liegt es auf der Straße wie ein Brett und vermittelt nicht nur aufgrund der StVO-konformen Ausstattung mit Schutzblechen und Scheinwerfern ein hohes Maß an Fahrsicherheit.

Brompton G Line

Robustes und hochwertig ausgestattetes Faltrad für den Stadt- und Geländeeinsatz. Auf das Brompton G Line freuten wir uns seit dem »Erstkontakt« auf der Eurobike im Juli 2024. Das Rad stellt schlichtweg den »logischen nächsten Schritt« von Brompton dar oder, wie Steve Jobs gesagt hätte, »The Next Big Thing«.

Eines fällt unserem 188 cm großen und 85 kg schweren Tester gleich zu Beginn auf - man fühlt sich als großer und etwas schwererer Mensch auf dem G Line etwas wohler als auf den »kleineren« Bromptons mit den 16 Zoll-Laufrädern, die schlichtweg filigraner wirken. Und noch etwas - das Brompton G Line ist in drei Größen erhältlich.

Das mit der höheren Stabilität mag ein subjektiver Eindruck sein, doch trauen wir uns mit dem G Line gleich mal auf eine saftige Bike&Hike-Tour im bayerischen Oberland. Wir nutzen die acht Gänge der Alfine-Nabe voll aus - 1050 Höhenmeter geht es hinauf zur Rechtleralm im Estergebirge. Das ist beileibe keine sportliche Aktivität, die wir unbedingt weiterempfehlen können.

Man sollte in der Lage sein, zeitweise 600 Watt und mehr zu treten. Aber in Kombination mit dem Downhill ist unsere G Line-Extremtour, um es auf Bayerisch zu sagen, »a Fetz’n Gaudi« (hochdeutsch: ein großer Spaß). Das G Line ist eine Neuentwicklung und hat daher nur vom Faltmechanismus her etwas mit den kleineren A-, C- oder P-Lines zu tun. Es fährt sich etwas souveräner, wenn auch nicht ganz so wendig wie seine Brompton-Kollegen.

Die speziell für Brompton entwickelten Schwalbe G-One Reifen nehmen abseits von Asphaltstraßen und -wegen auch gröberen Unebenheiten ihren Schrecken, wenn man den Reifendruck entsprechend reguliert. Wäre noch die Ästhetik zu nennen - Brompton G Line ist der Suzuki Jimny unter den Falträdern. Man muss es mit seiner bulligen Optik einfach gern haben!

Der in drei Farben (und übrigens auch drei Größen) erhältliche Rahmen wird in London hergestellt, die Lackierung macht einen sehr robusten, langlebigen Eindruck. Ein No-Nonsense-Faltrad eben. Das G Line ist Brompton-CEO Will Butler-Adams das Bike, das »auch außerhalb des urbanen Umfelds auf anspruchsvollerem Terrain funktioniert«.

Decathlon Btwin Fold Light 1

Kompaktes und wendiges Faltrad mit innovativen Detaillösungen für kürzere Strecken. Decathlon schickt mit dem Btwin Fold Light 1 einen kompakten Faltrad-Flitzer ins Rennen, in dem viel Erfindungsgeist steckt. Allein schon den Sattel zu versenken, ist eine Freude.

Dieser dreht sich - durch eine raffiniert konstruierte Führung - beim Versenken um 180 Grad. Lenker und Hauptrahmen werden ähnlich eingeklappt wie bei einem Brompton. Schon auf unserer ersten Testfahrt merken wir, dass wir das Rad mit unseren 85 Kilo Körpergewicht an die Belastungsgrenze bringen. Noch schwereren Personen ist die Nutzung des Rads nur unter Vorbehalt zu empfehlen!

Im direkten (testinternen) Vergleich muss sich das Fold Light 1 dem Brompton P-Line stellen, das ebenfalls über 16-Zoll-Laufräder verfügt. Wir sind ehrlich - im Vergleich zum Brompton verwindet sich das Fold Light 1 deutlich mehr. Blickt man auf das Hauptscharnier - was man während des Fahrens relativ häufig tut - zeigt sich die Verwindung besonders deutlich. Das Rad ist auch insgesamt recht weich.

Wir hadern sehr mit uns, geben dem Rad aber trotzdem einen Kauftipp. Zu schnuckelig ist es anzuschauen, zu wendig fährt es sich. Man setzt sich am Ende trotz seiner »Flexibilität« gerne drauf. Leichte und weniger trainierte Personen werden die Weichheit des Rahmens womöglich nicht einmal groß bemerken.

Front- und Rücklicht sind sehr clever in das Rad integriert, dazu kommt eine ausgezeichnete Wendigkeit. Sehr gut gefallen hat uns die Innovationsfreude, die man bei diesem kompakten Flitzer förmlich spürt. Das Decathlon Btwin Fold Light 1 gehört mit einem Faltmaß von 71 x 35 x 69,5 cm zu den kleinsten Falträdern im Test.

Licorne Phoenix 2D

Sehr günstiges, komplett nach StVO ausgestattetes Faltrad für Kurzstrecken und kleine Personen. Für rund 350 Euro bietet das Licorne mit dem Phoenix 2D ein recht umfangreich ausgestattetes Modell für Gelegenheits-Faltradler. Die Frage »What’s in the Box?« können wir mit einem klaren »ganz schön viel« beantworten, denn das Licorne ist komplett StVO-konform.

Soll bedeuten: Es ist mit Front- und Rückleuchte ausgestattet, dazu kommen ein Gepäckträger und Schutzbleche. Doch dann kam, zumindest in unserem Fall, eine kleine Enttäuschung. Das günstige Faltrad ist ausschließlich für Fahrer geeignet, die kleiner als circa 180 Zentimeter sind. Denn die Sattelstütze lässt sich - beachtet man die maximal erlaubte Ausziehhöhe, die auf ihr angegeben ist - nicht weit genug ausziehen, um auch größeren Personen zu einer ordentlichen Sitzposition (und damit einhergehend einer zufriedenstellenden Kraftübertragung) zu verhelfen.

Hinweis: Eine längere Sattelstütze zu montieren, ist keine gute Idee. Personen, die kleiner als 180 cm sind, dürften mit dem Licorne indes - zumindest auf kurzen Fahrten - recht gut zurechtkommen. Die Shimano-Schaltung stammt, was beim Gesamtpreis nicht anderes zu erwarten ist, aus der Einstiegsklasse. Trotzdem verrichtet sie ordentlich ihren Dienst und deckt mit sieben Gängen die meisten Einsatzszenarien ab. Das Gleiche gilt für weitere Komponenten wie Sattel, Laufräder und Kurbel.

Vello Alfine

Das Wiener Unternehmen Vello überzeugt mit seinem Faltrad Alfine vor allem beim Design. Viel eleganter als mit dem in dezentem Schwarz-Silber ausgelieferten Klappfahrrad lässt es sich kaum durch die Stadt cruisen. Der Klappmechanismus des Vello ist dabei nahezu selbsterklärend. How-Tos im Internet helfen, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf Anhieb klappt. Dabei gilt zu beachten, dass man durchaus etwas Kraft anwenden muss, um den Hinterbau nach vorne zu klappen - ein lockeres am-Sattel-ziehen, wonach es im How-To Video den Anschein hat, reicht nicht ganz aus.

Was das Faltmaß angeht, reiht sich das Vello in der Mitte ein - 57 x 79 x 29 cm sind hier zu verbuchen, immer noch ein toller Wert, wenn man z. B. Im Rahmen unseres Tests führten wir das rund 2.500 Euro teure Faltrad auf eine höhenmeterreiche Strecke durch das Voralpenland Richtung Starnberger See aus. Wir waren verblüfft - das Klappfahrrad gab sich keinerlei Blöße, meisterte die knapp 400 Höhenmeter unserer Strecke mit Bravour.

Eines fiel uns indes auf: Mit unseren 1,88 Metern ist der vormontierte Vorbau zu kurz, die Sitzposition ist zu gedrungen. Was sofort positiv auffällt, ist der wartungsfreie Gates-Riemenantrieb. Bis auf den Umstand, dass man die Alfine-Nabe ab und zu warten lassen sollte, ist der Antrieb der wohl unkomplizierteste im gesamten Testfeld.

Kein Öl, kein Einstellen eines Schaltwerks - draufsetzen, losfahren, fertig. Auch was die sonstigen Komponenten angeht, verkauft Vello alles andere als die Katze im Sack. Die absolute Feuertaufe war letztendlich eine Bike-&-Hike-Bergtour im Karwendelgebirge. Die Auffahrt mit rund 500 Höhenmetern über zum Teil steile Ziehwege meisterte das Bike ausgezeichnet. Auch der Downhill machte - Elastomerdämpfer sei Dank - richtig Spaß.

Riese & Müller Birdy

Das Birdy von Riese & Müller muss man einfach gern haben. Wobei diese Aussage etwas zu plump klingt. Im Testfeld darf das Birdy mit Fug und Recht als am umfassendsten ausgestattetes Faltrad gelten. Ausgezeichnet dosierbare vollhydraulische Shimano Deore-Scheibenbremsen sind hier ebenso an Bord wie eine gefederte Parallelogramm-Federgabel und ein gefederter Hinterbau.

Auch das StVO-konforme Supernova-Lichtsystem hat uns begeistert, der Frontscheinwerfer liefert mehr als 200 Lumen. Front- als auch der sehr kompakte Rückscheinwerfer sind aus wertigem Aluminium. Was für ein Kontrast zu so manch scheppernden Plastik-Scheinwerfergehäusen! Pendlern und Ganzjahresradlern dürfte auch das Standlicht gefallen.

Mit unseren 1,88 Metern fühlten wir uns pudelwohl. Amüsiert hat uns, dass Riese & Müller damit wirbt, dass sich das Birdy von allen Klapprädern auf dem Markt am schnellsten zusammenklappen lässt. Eine Sache ist uns bei allem Lob aufgefallen: Die verbauten Elastomer-Dämpfer in der Parallelogrammfedergabel und am Hinterbau sind für unsere 86 Kilogramm etwas weich. Speziell während langer Anstiege neigt speziell der Hinterbau zum Aufschaukeln. Diese können jedoch gegen härtere (oder weichere) ausgetauscht werden.

Kurzum - wir haben dem Birdy sofort vertraut und es auf den unterschiedlichen Teststrecken gefahren.

Klapprad Test 2025 - Der Faltrad Testsieger und weitere Modelle im Vergleich

Mit meinem Faltrad Vergleich möchte ich dir einen ersten Überblick über meinen aktuellen Faltrad Testsieger 2025 sowie über vier weitere spannende Klappräder geben.

Modell Bewertung
Ahooga A-Max 8.1
Tern Link D8 7.8
BTWIN Fold Light 1 Second 7.5
BMW Mini Folding Bike Black 7.5
Licorne Phoenix 2D 7.4

Moderne Falträder kann man anhand der Kriterien Qualität, Ausstattung, Fahrspaß und Kompaktheit relativ gut bewerten. Im Folgenden findest du alle Modelle, die ich im Rahmen von meinem Klapprad Test bereits ausführlich in der Praxis getestet und anschließend im Testbericht bewertet habe.

Empfehlungen im Faltrad Test

Wenn du dir ein neues Klapprad kaufen möchtest, dann solltest du das Rad nehmen, welches am besten zu deinem Einsatzgebiet passt. Dir sollte also vor dem Kauf klar sein, in welchem Gelände du fahren möchtest, wie oft du dein Klapprad (täglich) falten musst und wie lang die Strecken sind, die du zurücklegen möchtest.

  • Das beste Klapprad für Berufspendler mit der Bahn: Dabei ist das beste Klapprad für Berufspendler sehr leicht und hat ein kleines Faltmaß. So bereitet das Umsteigen in die Bahn bzw. in die öffentlichen Verkehrsmittel keine Probleme. Außerdem sollte der Berufspendler auf einen schnellen und qualitativ hochwertigen Faltmechanismus achten. Die zu absolvierende Strecke kann drei- bis viermal schneller als zu Fuß zurückgelegt werden und in der Bahn kann das Faltrad meistens kostenlos mitgenommen werden (zusammengefaltet und eingepackt - je nach Anbieter). Eine praktische Erfindung für den smarten Berufspendler!
  • Das beste Klapprad für Reisende und Urlauber: Klappräder sind nicht nur für den Weg zur Arbeit eine tolle Erfindung. Auch im Urlaub oder für Reisende ist ein modernes Klapprad sehr praktisch. In wenigen Sekunden auf ein kleines Packmaß zusammengefaltet, kann es im Auto, in der Bahn oder auf dem Boot verstaut werden. So macht es im Urlaub mobil und auf die tägliche Radtour muss nicht ver...

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