Knochenmarködem im Knie: Ist Radfahren erlaubt?

Ein Knochenmarködem (KMÖ) im Knie ist eine Flüssigkeitsansammlung im Knochenmark, die oft mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden ist. Viele Betroffene fragen sich, ob sie trotz dieser Diagnose weiterhin Sport treiben können, insbesondere Radfahren.

Was ist ein Knochenmarködem?

Bei einem Knochenmarködem lagert sich Flüssigkeit im Knochen ein, wodurch es zu einer Schwellung kommt. Die Diagnostik gelingt nur mit dem MRT sicher. Notwendige Verlaufskontrollen können auch nur mit dieser Diagnostik durchgeführt werden.

Mittlerweile sind viele Sonderformen des Knochenmarködems (KMÖ) beschrieben, wie z. B. auch der Morbus Sudeck (CRPS). Allen ­gemeinsam ist eine ischämische Komponente.

Ursachen für ein Knochenmarködem

Die Ursachen für ein Knochenmarködem sind vielfältig. So kann das Ödem Folge einer Überlastung sein, beispielsweise durch zu intensives Training oder Wettkämpfe wie Marathonläufe. Aber auch eine bereits fortgeschrittene Abnutzung der schützenden Knorpelschicht (Arthrose), Fehlstellungen der Beinachse (O- oder X-Beine) oder ein Unfall kommen als mögliche Auslöser infrage. Entsteht das Knochenmarködem beim Fußball oder beim Skifahren, ist es die Folge eines sogenannten Bone Bruise.

Neben Unfällen und Überlastungen sind chronische gelenknahe Beschwerden der MRT-Diag­nostik zuzuführen, um ein Knochenmark­ödem nicht zu übersehen. Es können chronische Belastungs-, aber auch Ruheschmerzen auftreten.

Das Knochenmarködem lässt sich ursächlich in folgende Typen unterteilen:

  • Das ischämische KMÖ
  • Mechanische KMÖ
  • Das reaktive KMÖ
  • idiopathische Form des Knochenmarködem
  • schwangerschaftsassoziierte Knochenmarködem

Diagnose

Die Diagnose eines Knochenmarködems lässt sich in erster Linie über ein MRT stellen. Um die Diagnose zu sichern und andere mögliche Ursachen für die Schmerzen auszuschließen - wie zum Beispiel einen Tumor - sind zusätzlich Röntgen- und Laboruntersuchungen oder eine Computertomografie (CT) erforderlich.

Behandlung

Die Behandlung eines Knochenmarködems erfordert viel Geduld und Disziplin. Die vorgeschlagenen Therapien sind in der ­Regel Entlastung, Schmerztherapie, antiphlogistische Therapie, Bisphosphonate oder operative Drainagebohrungen.

Allgemein steht bei der Behandlung des Knochenmarködems eine durchgängige Entlastung des betroffenen Gelenks im Vordergrund. Dies kann durch Ruhigstellung oder durch orthopädische Stützen oder Krücken geschehen. Eventuell sind abschwellende ­Maßnahmen und Schmerztherapie erforderlich (Kühlen, ­Antiphlogistika, Analgetika).

Durch Schonhaltungen sind Muskelminderungen, eventuell Gelenkkontrakturen und Koordinationsstörungen zu beachten und für die Nachbehandlung wichtig.

Radfahren und andere Sportarten

Auf alle Fälle sind sportliche Betätigungen mit Sprüngen, Zweikämpfen,aber auch Joggen und schnelles, intensives Walken nicht erlaubt. Geführte Bewegungen wie Pendelübungen, ­Theraband, leichtes Fahrradfahren auf einem ­Standfahrrad sind zur Durchblutungsförderung intensiv, wenn möglich mehrfach am Tag ­durchzuführen. Schwimmen ist erlaubt.

Leichtes, aber auch wirklich leichtes Training, sollte die Heilung unterstützen. Schwimmen oder Radfahren ist ohne Schmerzen möglich und kann ich auch nach meinem Arzt weiter machen.

Mikronährstoffe

Eine gezielte Zufuhr von Mikronährstoffen zur Beschleunigung der Abheilung erscheint sinnvoll. ­Die zentralen Knochennährstoffe Kalzium und Vitamin D3 sollten in leitliniengerechter Dosis von 600 mg bzw. 800 l.E. verabreicht werden. Die Vitamine C und B6 sind an der Quervernetzung der Typ-I-Kollagenfasern im Knochen beteiligt. Vitamin K in einer ausreichend hohen Dosis (200 µg) vermindert Knochenverluste und fördert den Knochenaufbau.

Zwei wichtige Proteine des Knochens (Matrix-­Gla-Protein [MGP] und Osteocalcin) sind von einer ausreichenden ­Versorgung mit Vitamin K abhängig. Je höher die Aufnahme von Vitamin K, desto seltener trat eine Osteoporose auf und desto höher war die Knochendichte.

Ergebnisse einer retrospektiven Untersuchung

Eine retrospektive Untersuchung am eigenen Krankengut erfolgte bei 115 Patienten. Durch konsequente Anwendung dieser Therapie war in der Mehrzahl der Fälle eine schnelle Reduktion der Knochenmarksödeme zu erzielen. Sogar Osteonekrosen konnten teilweise verhindert und in Einzelfällen zurückgeführt werden. Operative Maßnahmen kamen selten zur Anwendung.

Nicht zur routinemäßigen vierteljährlichen Kontrolle kamen 38 Patienten. 77 wurden nach­untersucht, 69 Patienten gaben bei der Kontrolle nach einem Vierteljahr eine Besserung bis Beschwerdefreiheit an. Bei 17 trat Beschwerdefreiheit erst nach einem halben Jahr auf, dies insbesondere bei Patienten, die Mehrfachödeme hatten, z. B. Talus/Fußwurzel oder Femur/Tibia. In 9 Fällen trat eine Teilverbesserung auf, die erst nach einem halben Jahr in Beschwerdefreiheit endete.

Erstaunlich war die Rückbildung bei Verdacht auf beginnende Nekrose, die in 20 Fällen beschrieben wurde, hier bereits nach einem Vierteljahr 9 völlige Rückbildungen.

Problematisch waren die Patienten mit Verdacht auf Osteochondrosis dissecans, möglicherweise auch durch vorbestehende Schäden. Bei insgesamt 18 Patienten konnte keine wesent­liche Verbesserung erzielt werden. Darunter waren 2 Patienten mit bereits bestehender ­Osteo­nekrose am Hüftkopf.

Die ungünstigsten Ergebnisse wurden bei multiplen Knochenmarksödemen am Talus und in den Fußwurzelbereichen erzielt, wenn zusätzlich der Verdacht auf eine Osteochondrosis dissecans ge­äußert wurde.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Ergebnis Anzahl der Patienten
Besserung bis Beschwerdefreiheit nach einem Vierteljahr 69
Beschwerdefreiheit erst nach einem halben Jahr 17
Teilverbesserung, die erst nach einem halben Jahr in Beschwerdefreiheit endete 9
Völlige Rückbildungen bei Verdacht auf beginnende Nekrose (nach einem Vierteljahr) 9 (von 20 Fällen)
Keine wesentliche Verbesserung 18

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