Inspiriert durch die vielen Videos im Internet, wie einige Motorradfahrer in den engen Kurven und Spitzkehren am Stilfserjoch, oft durch kleine Fehler im Handling, umfallen, will ich mich hier auch einmal dem Thema Kurvenfahren in Kehren und Spitzkehren widmen und Euch hoffentlich einige hilfreiche Tipps geben. Ich bin sicher nicht der perfekte Kurvenfahrer, aber ich komme die Alpenpässe so halbwegs hoch und runter und bin laufend am Üben und am Verbessern meiner Kurventechnik.
Die Bedeutung der Blickführung
"Guckst Du scheiße, fährst du scheiße!" Diesen Spruch haben wir wohl alle schon gehört und er drückt sehr direkt aus, wie wichtig eine gute Blickführung beim Kurvenfahren ist.
Die richtige Blickführung ist die Essenz des Motorradfahrens! Also bei der Kurvenfahrt Blick weg vom Gegenverkehr, sondern dahin schauen, wohin Ihr fahren wollt!!!
Nicht dahin, wohin du fährst, sondern dahin, wohin du fahren willst!!! Du fährst immer dahin, wohin Du schaust.
Blickführung ist auch bei anderen Sportarten sehr wichtig. Trotz Schräglage den Kopf gerade halten bei der Blickführung!
Ihr kennt das sicher auch, wenn auf einmal keine Kurve mehr so richtig läuft. Tipp! Kurven nach Schule fahren und der Flow kommt wieder.
Fahrstile: Legen, Drücken und Hang-Off
Fahrstile LEGEN, DRÜCKEN und HANG-OFF sind bei uns in Europa bekannt, wobei Hang-off, meiner Meinung nach, nur auf die Rennstrecke gehört.
Im öffentlichen Straßenverkehr ist diese Kurventechnik für das Motorrad weniger geeignet und erfordert sehr viel Übung.
In diesem Video erklärt 1000Ps die Vor- und Nachteile der verschiedenen Fahrstile, wie Drücken, Legen und Hang-off. Wann welcher Fahrstil sinnvoll ist, seht Ihr ab Minute 12.35.
Kurventechnik und Fahrlinie
Kurven hinterschneiden, die sichere Fahrlinie. Hinterschneiden von Rechtskurven bringt uns sicherer um die Kurve und man kommt am Kurvenausgang dem Gegenverkehr nicht zu nahe. Doch gibt es auch hier einige Dinge zu beachten und es macht einen Unterschied wie ich die Kurve fahre, ob sie einsehbar ist oder nicht.
Versucht bei der Ausfahrt der Rechtskurve möglichst noch weiter an den rechten Fahrbahnrand zu kommen, dann seid Ihr weiter weg vom Gegenverkehr.
Auch wenn kein Verkehr ist, fahrt die Kurven immer so sauber wie möglich, denn dann könnt Ihr es auch, wenn euch etwas Größeres entgegenkommt. Seht es einfach immer als Übung.
Wie fahre ich die Linkskurve
Passt die Geschwindigkeit immer vor der Kurve an! Die Linkskurve wird im äußeren Drittel angefahren, als Anhaltspunkt könnt Ihr die Fahrspur vom rechten Reifen bei einem Auto nehmen.
Wenn man schon mehr Erfahrung hat, kann man auch noch näher am rechten Straßenrand fahren, doch Vorsicht, da liegt oft Split oder sonstiger Schmutz.
Nach dem Einfahren in die Kurve geht der Blick in Richtung Kurvenausgang und je nach Situation, ob etwas entgegenkommt oder nicht, zieht man am Kurvenausgang wieder zur Mitte der eigenen Fahrspur.
Eine große Bitte! Fahrt die Linkskurve bei engen Kehren und Spitzkehren möglichst weit außen, der von unten kommende Kollege wird es Euch danken, dass er genug Platz zum Hinterschneiden seiner Rechtskurve hat.
Wenn Ihr einer Kurve stehenbleiben müsst, verlagert das Gewicht in der Linkskurve auf die rechte Seite, dass Ihr mit dem rechten Fuß auf den Boden kommt, denn der linke Fuß ist in den meisten Linkskurven in den Alpen dann zu kurz.
Wie fahre ich die Rechtskurve
Auch hier gilt, die Geschwindigkeit immer vor der Kurve anpassen! Bei einsehbaren engen Kurven geht der Blick immer zuerst nach oben, ob größere Fahrzeuge entgegenkommen und man genug Platz zum Hinterschneiden hat.
Es ist keine Schande, wenn man vor der Spitzkehre stehenbleibt um den größeren Fahrzeugen von oben den notwenigen Platz zu lassen. DIE EIGENE SICHERHEIT STEHT IMMER AN ERSTER STELLE!
Bei Kurven mit einer Mittellinie wird die Rechtskurve im linken Drittel bis zur Mittellinie angefahren, der Blick geht zum Kurvenausgang und der Einlenkpunkt sollte möglichst spät gewählt werden, dass man so weit rechts wie möglich am Kurvenausgang rauskommt.
Schaut nicht in den Gegenverkehr, sonst zieht es Euch ganz automatisch Richtung Gegenfahrbahn, schaut dahin, wohin Ihr fahren wollt! In engen Kehren aktiv schauen, dreht auch den Oberkörper mit und Ihr kommt besser um die Kurve.
Wenn Ihr trotzdem stehenbleiben müsst, verlagert das Gewicht in der Rechtskurve zur Straßenmitte, dass Ihr mit dem linken Fuß zum Stehen kommt, denn der rechte Fuß ist dann oft zu kurz!
Weitere Tipps für sicheres Kurvenfahren
- Reifendruck: Richtiger Reifendruck, hier gibt es klare Angaben vom Hersteller, denn oft machen 0,2 bis 0,3 bar mehr oder weniger schon einiges aus.
- Reifenzustand: Der Motorradreifen darf auch nicht zu alt sein, da mit den Jahren die Gummimischung zu hart wird und dadurch kein richtiger Grip mehr entstehen kann.
- Aufwärmen: Die ersten Kilometer sollte man die Reifen auch etwas warm fahren, bevor man sich damit in stärkere Schräglagen begibt.
- Gepäckverteilung: Wird oft vergessen! und nicht einseitig verteilt ist, denn das macht sich dann beim Kurvenfahren gleich bemerkbar.
- Motorradbekleidung: Dass dabei eine richtige Motorradbekleidung sehr sinnvoll ist, steht wohl außer Frage. Ein Fahrvergnügen in T-Shirt und kurzer Hose ist nur so lange angenehm, bis man in einer Kurve wegrutscht.
- Freier Kopf: Beim Motorradfahren ist ein freier Kopf ganz wichtig, damit man sich voll darauf konzentrieren kann.
- Atemübungen: Atemübungen. 4 bis 6 mal durch die Nase bis in den Bauch einatmen, die Luft ein wenig anhalten und dann die ganze Luft durch den Mund ausatmen.
- Hinterradbremse: Ein leichter Druck auf die Hinterradbremse stabilisiert das Motorrad!
- Abstand halten: Immer genug Abstand zum Vordermann halten und möglichst nie in einer Kurve stehenbleiben!
Moto Gymkhana und japanischer Fahrstil
In den letzten Jahren hört und liest man immer mehr von MOTO GYMKHANA, wo sich auch bei uns in Europa immer mehr Clubs gründen. Ein Motorsport, der ein perfektes Handling des Motorrades in engsten Radien voraussetzt um einen Hütchen-Parcours in der schnellst möglichen Zeit zu fahren. In den letzten Videos auf der Seite nennt es Clubman Swiss, den japanischen Fahrstil, da diese Motorsportart aus Japan kommt. Den Fahrstil der "Hütchen-Flitzer" kann man perfekt durch die engen Spitzkehren anwenden.
Das Stilfserjoch: Eine besondere Herausforderung
Das Stilfserjoch ist wohl eine der bekanntesten Alpenpässe im Alpenraum und der spezielle Straßenverlauf mit den engen Kehren und Spitzkehren zieht die Motorradfahrer aus der ganzen Welt an. Daher sollte man einige Regeln schon vorher beachten, dass man die Fahrt auch genießen kann.
Die Einfahrt in die erste Kehre sollte möglichst vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr sein, dann kann man das Stilfserjoch noch mit weniger Verkehr genießen.
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Die Wichtigkeit des Übens
Wer so die Kurven und engen Spitzkehren fahren kann, hat wohl den Olymp des Kurvenfahrens auf Passstraßen erreicht. Doch bedenkt, alles ist möglich und der Anfang einer perfekten Kurvenfahrt ist das Achterfahren!
DIE EIGENE SICHERHEIT STEHT IMMER AN ERSTER STELLE! Jeder ist selber verantwortlich und es lohnt sich dafür zu üben, dass man in einer sicheren Fahrlinie und mit Freude um die Kurven auf den Passstraßen kommt.
Ja, wenn man die Kurvenkünstler in den Videos sieht, dann denkt man, ich kann ja gar nicht richtig Motorradfahren. Doch kein Meister fällt vom Himmel und alles beginnt mit selber üben.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
- Konzentriere dich auf die Richtung, in die du fahren willst, und nicht auf den unmittelbaren Bereich vor dem Vorderrad.
- Passe deine Geschwindigkeit vor der Kurve an.
- Verlagere dein Gewicht in die Kurve.
- Wende die richtige Kurventechnik an.
- Halte die Geschwindigkeit konstant oder beschleunige leicht in die Kurve hinein.
- Achte auf den Zustand der Straße.
- Versuche, eine flüssige und vorhersehbare Linie durch die Kurve zu fahren.
- Halte ausreichend Abstand zu anderen Fahrzeugen.
Indem du diese Punkte beachtest und regelmäßig deine Fahrtechnik trainierst, kannst du sicherer und kontrollierter durch Kurven mit deinem Motorrad fahren.
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