Vor- und Nachteile breiter Reifen beim Laufrad

Lieber dezent schmal oder doch eher auffällig breit? Viele Fahrzeugbesitzer entscheiden sich für breite Reifen mit großen Felgen, damit ihr Auto schicker und besser proportioniert wirkt. Eine solche Schönheitskur ist ihnen dann schon mal 2000 Euro Aufpreis wert. Doch bieten Breitreifen auch technische Vorteile?

Breite Reifen im Vergleich

Eine Auswertung der ADAC Reifentests erklärt die Vor- und Nachteile dünner oder breiter Reifen. Der ADAC hat für diese Frage bereits im Jahr 2020 frühere Sommerreifentests ausgewertet - die Ergebnisse haben aber auch heute noch ihre Gültigkeit. In Augenschein genommen wurden vier sehr unterschiedliche Reifengrößen in 15, 16, 17 und 18 Zoll, die alle für den VW Golf VII zugelassen sind. Die Reifenbreite ist immer die erste Zahl der Reifenkennzeichnung in Millimetern.

Die Dimensionen:

  • 195/65 R15
  • 205/55 R16
  • 225/45 R17
  • 225/40 R18

Als zusätzliche Referenz diente ein Dimensionsvergleich mit einem Winterreifen gleichen Profils und gleicher Gummimischung.

Breite Reifen: Bessere Haftung

Auf trockener Fahrbahn trifft die Formel "Je breiter, desto mehr Grip" uneingeschränkt zu. Mit wachsender Breite, also mehr Gummi auf der Straße, und einem steiferen Aufbau der Karkasse bremsen breitere Reifen auf trockener Straße zudem schneller und besser. Aufgrund der geringeren Flankenhöhe wird der Reifen steifer, und das Handling verbessert sich spürbar. Der Bremsweg aus 100 km/h verringert sich deutlich: Die kleinen 195er-Reifen kommen beim ADAC Reifentest im Schnitt nach 38,8 Metern fast zwei Meter später zum Stehen als die 225 mm breiten und flacheren 18-Zöller (36,7 m).

Breit: Gefährliches Aquaplaning

Auch auf Nässe dominieren die breiteren Reifen - solange die Mikroverzahnung des Reifengummis mit der Straße greift. Da mit jedem Zentimeter mehr Breite aber auch mehr Wasser verdrängt werden muss, schwimmen die Breitreifen bei gefährlichem Aquaplaning früher auf. Mit den schmalen Reifen kann man auf gerader Strecke über 10 km/h schneller fahren, bevor der Wagen aufschwimmt.

Schmale Reifen: Bessere Federung

Weil die Flankenhöhe der breiten Reifen geringer ist (der Abrollumfang darf sich ja nicht verändern), steht weniger Luft zum Federn zur Verfügung, und die Seitenwand ist steifer. Breite Modelle fahren auf dem Golf spürbar unkomfortabler als dünne. Schmale Reifen (195 mm) haben dank ihrer höheren Seitenwand wesentlich mehr Federungspotenzial als die breiten und flacheren Reifen mit den niedrigen Querschnitten.

Breit: Weniger Verschleiß, mehr Verbrauch

Positiv wirkt sich die stabilere Seitenwand dagegen auf den Verschleiß aus: Der breitere Reifen muss mit besser verteiltem Bodenkontakt auch weniger Walkarbeit als der schmalere leisten, hält also länger. Doch besonders wirtschaftlich sind breitere Reifen trotzdem nicht. Denn zum höheren Kaufpreis kommt der Mehrverbrauch: Pro Rad wiegen 18-Zöller rund fünf Kilo mehr als die 15-Zöller - und das Gewicht muss bei jedem Anfahren immer wieder aufs Neue beschleunigt werden. Dazu kommt ein höherer Rollwiderstand, weil sich beim Fahren auch der Luftwiderstand erhöht - bei 30 Millimetern Breitenzuwachs um etwa sechs Prozent.

Winterreifen: Gleiches Prinzip

Prinzipiell gilt für Winterreifen das Gleiche wie für Sommerreifen. Doch auf Schnee und Schneematsch fährt die schmalste Dimension 195/65 R15 ein gutes Stück sicherer als die breiteren Kollegen: Vor allem das Anfahren, aber ebenso die Seitenführung in der Kurve sind besser. Auch die Aquaplaning-Gefahr bei Schneematsch fällt geringer aus. Wer sich für Breitreifen entscheidet, sollte außerdem prüfen, ob damit auf dem Auto noch Schneeketten montiert werden dürfen. Denn breitere Felgen sind dafür oft nicht geeignet. Und man sollte nachrechnen: Schmale Reifen sind günstiger.

Die richtige Reifenbreite für verschiedene Fahrradtypen

Sie haben ein neues Laufrad (also Hinterrad und/oder Vorderrad) bzw. eine Felge für Ihr Fahrrad und fragen sich nun, welche Reifenbreite die richtige für Ihr Bike ist. Die passende Reifenbreite ist pauschal nicht so einfach zu benennen. Je nach Fahrradart gibt es auch unterschiedliche Reifenbreiten. Speziell beim Rennrad oder beim Cyclocross werden Sie den größten Einfluss der Reifenbreite bemerken. Bereits Abweichungen von mehr als 5 mm machen eine Menge aus.

Rennrad

Im Rennrad-Bereich werden schmale Rennradreifen mit einer Breite von 23 mm als optimal bezeichnet. Breite Reifen, z.B. von Schwalbe, Continental oder Maxxis, mit 25 oder 28 mm Breite können entspannt mit weniger Luftdruck als die schmaleren mit 23 mm gefahren werden, da sich die Fläche ausdehnt und der Fahrradreifen breiter auf dem Untergrund aufliegt. Gerade beim Fahren macht es sich positiv bemerkbar, da sowohl Fahrkomfort als auch Pannenschutz erhöht sind; kleine Unebenheiten auf dem Boden werden quasi verschluckt. Als Nachteil ist hierbei jedoch zu sehen, dass die Fahrradreifen ein höheres Gewicht mitbringen, der Luftwiderstand durch eine breitere Stirnfläche erhöht wird und das Lenkerverhalten eher träge ist. Wenn Sie auf breitere Reifen für Ihr Fahrrad umsteigen möchten, achten Sie darauf, ob die 25 oder 28 mm Reifen auch wirklich in den Rahmen passen. Je nach Rennradmodell kann es sein, dass der Abstand zwischen der Gabel oder den Bremsen schmaler gebaut ist. Die perfekte Reifenvariante beim Rennrad wäre, das vordere Laufrad mit 23 mm zu behalten und nur das hintere Laufrad auf 25 mm umzurüsten. So erhalten Sie die Vorteile beider Reifenbreiten in eins. Dank des vorderen 23 mm Fahrradreifen erhalten Sie weiterhin ein agiles Lenkerverhalten.

Cyclocross und Gravelbikes

Fahrradreifen mit 28 mm Breite sind für Gravelbike und Cyclocross Tourenfahrten durchaus zu empfehlen. Bei einem Cyclocrosser kann dank der Rahmenkonstruktion sogar ein Fahrradreifen von bis zu 35 mm gefahren werden. Wenn Sie sich nun also für breite Reifen mit 28 mm entscheiden, bedenken Sie dabei unbedingt, dass dann natürlich auch andere Fahrradschläuche benötigt werden.

Mountainbike

Als Mountainbiker ist Ihnen bewusst, dass bei Ihrem Bike die Bodenhaftung als auch Traktion im Vordergrund stehen. Daher haben MTB-Reifen entsprechend ein stollenähnliches Profil. Der Rollwiderstand wird hier eher nicht so stark im Fokus gehalten. Bei einem Cross Country und Marathon Mountainbike empfehlen wir 51 bis 54 mm (entspricht 2,1 bis 2,25 Zoll). Bei einem All Mountainbike geht die Empfehlung zu 54 bis 61 mm.

Cityfahrräder und Trekkingbikes

Für Cityfahrräder und Trekkingbikes gibt es von Schwalbe, Continental und Maxxis passende Trekking-Fahrradreifen. Es handelt sich dabei um schmalere Reifen als beim MTB, aber auch breiter als bei einem Rennrad. Hier muss ein Kompromiss von Pannenschutz und Rollwiderstand her. Es wird ein mäßiges Profil für guten Grip auf Schotter- und Waldwegen benötigt, gleichzeitig aber auch nicht zu viel davon, damit einem hohen Rollwiderstand auf Asphalt vorgebeugt wird. Die Reifenbreite für City- und Trekkingbikes ist abhängig vom Anforderungsbereich. Als Referenz gelten in diesen Sparten 37 bis 52 mm.

E-Bike

Die optimale Reifenbreite bei einem E-Bike ist abhängig von der Variante dessen. Im Prinzip können Sie sich an oben genannten Fahrradtypen orientieren. E-Mountainbikes belaufen sich im Bereich von 51 bis 54 mm Reifenbreite und haben ein Stollenprofil.

Der richtige Luftdruck

Wenn der Fahrradreifen von Schwalbe, Continental und Maxxis mit zu viel Luft befüllt ist, kann dieser bei leichten Unebenheiten auf der Straße schnell platzen, da er ständig unter Spannung steht. Noch dazu verliert der Reifen an Bodenhaftung, liegt nicht mehr breit genug auf - somit leidet dann auch der Fahrkomfort noch darunter. Wenn Sie jedoch einen Fahrradreifen ständig mit zu wenig Luft fahren, erzeugt der Reifen vom Fahrrad übermäßig Reibung und die Fahrgeschwindigkeit verringert sich noch dazu. Wenn Sie auf dem Fahrradreifen keine genauen Infos dazu finden, folgen Sie unseren nachfolgend aufgeführten Richtwerten.

  • Ein Rennrad mit Drahtreifen kann optimal mit 7 bis 9 bar gefahren werden. Als kleine Faustformel gilt hier: Nehmen Sie Ihr Körpergewicht um eine Kommastelle nach links und nutzen dies als guten Richtwert. Also: 80 kg Körpergewicht des Radlers - entspricht 8 bar.
  • Beim MTB mit Draht- bzw. Faltreifen ist ein Luftdruck von 2 bis 4 bar sinnvoll. Beim Mountainbiken tendiert man eher zu etwas niedrigem Reifendruck, da Bodenhaftung, Stabilität und Fahrkomfort in diesem Bereich im Mittelpunkt stehen.
  • Geben Sie beim Citybike und beim Trekkingrad mindestens 4 bar Luftdruck. Lieber etwas zu viel Luft im Fahrradreifen, als zu wenig. Der Rollwiderstand wird dabei geringer.

Warum rollen dicke Reifen besser als schmale?

Die Erklärung liegt im Einfederungsverhalten. Jeder Reifen flacht unter Belastung unten etwas ab. Daraus resultiert eine ebene Aufstandsfläche. Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber längere Aufstandsfläche. Das abgeflachte Stück kann man als einen Lastarm interpretieren, welcher der Rollbewegung des Reifens entgegenwirkt. Durch die stärkere Abflachung des schmalen Reifens wird das Rad „unrunder“ und muss sich beim Abrollen stärker verformen. Beim breiten Reifen wirkt sich die Abflachung weniger in Laufrichtung aus. Daher bleibt er „runder“ und rollt leichter.

Rollwiderstände: Bereits bei 2bar rollt ein 60 mm breiter Reifen so leicht wie ein 37 mm bei 4bar.

Vorteile von dicken Reifen im Gelände

Auf der Suche nach dem besten Reifen bitte immer im Hinterkopf behalten, dass der beste Reifen fürs Gelände in erster Linie schön dick und breit und trotzdem möglichst leicht sein sollte. Die Vorteile auf einen Blick:

  • er rollt besser
  • deine Fahrtechnik verbessert sich enorm im schwierigen Gelände. Der fette Schlappen steckt viel mehr weg. Ausprobieren!
  • der Fahrkomfort ist um Welten besser. Ein dicker Reifen mit dem richtigen Luftdruck wirkt wie eine zweite Federgabel.

Entscheidend ist, dass der Luftdruck stimmt. Aber: Die Menge Luft raus lassen, damit der Gummi schön geschmeidig und komfortabel rollt, kannst du nur wirklich bei breiten dicken Reifen. Bei schmalen Reifen hättest du zu wenig Schutz für die Felge und folglich an der nächsten Kante ein Problem.

Technische Einschränkungen bei breiten Reifen

Der Trick ist die gute Balance zwischen dick und zu dick: Je „fetter“ der Reifen wird, desto schwerer wird er - was sich wiederum bei der Beschleunigung auswirken kann (Trägheitsmoment). Achte darauf, dass du am Hinterrad keinen zu breiten Reifen montierst! An vielen Bikes gibt es wegen den Kettenstreben konstruktiv bedingte Einschränkungen: Hat der Reifen zu wenig Durchlauf, dann wird er beim nächsten kleinen Achter derart am Rahmenrohr anstehen, dass sich nichts mehr bewegt. Vorne ist der Durchlauf sowieso kein Problem. Die Ideallösung heißt vorne breit und hinten schmäler: Komfort- und Traktionsprobleme werden naturgemäß stärker im Frontbereich wahrgenommen.

Reifenempfehlungen für Tourenbiker und Singletrail-Cracks

Tourenbiker, die überwiegend auf Forstwegen unterwegs sind, empfehlen wir den Schwalbe Nobby Nic oder den Schwalbe Racing Ralph. Vorne und hinten in der Breite 2.25 - bei wenig Durchlauf hinten den 2.10er Reifen. Für Singletrail-Cracks ist der Schwalbe Fat Albert 2.40 (oder auch 2,25) in puncto Grip nicht zu toppen. Unser Lieblingsgummi. Wer seine Fahrtechnik bis Ultimo steigern möchte, sollte unbedingt die UST Schlauchlos Version probieren. Besser geht’s nicht. Schlauchlos bedingt aber passende Felgen und Laufräder oder ein Umrüstkit.

Der Druck im Bike-Reifen wird, genau wie bei der Federgabel, immer abhängig vom Gewicht der Person eingestellt.

Breitere Felgen und Reifen im Rennradbereich

Rennrad-/Gravelbike-Felgen werden immer breiter. Reifen auch. Die seit einigen Jahren feststellbare Tendenz, dass die Innenweite von Felgen, auch Maulweite genannt, sowie die nominelle und tatsächliche Reifenbreite zunehmen. In den vergangenen Jahren hat sich diese Entwicklung stark beschleunigt, auch durch die am Gravelbike gesammelten Erfahrungen. 28 bis 32 Millimeter breite Reifen auf mindestens 20 Millimeter weiten Felgen sind am Rennrad aktueller Standard, am Gravelbike sind 40-mm-Pneus bei 22er-Maulweite nahezu schmal. Kurz: Reifen und Felgen werden zunehmend breiter.

Vor- und Nachteile breiterer Reifen und Felgen

Breitere Reifen können mit geringerem Luftdruck gefahren werden. Das verkürzt die Kontaktfläche vom Reifen zum Boden, wodurch der Pneu leichter und schneller über Unebenheiten rollt, dabei besser dämpft und mehr Grip bietet. Im Idealfall ist das Fahrgefühl weniger hart, man fährt sicherer - nicht zuletzt auf nassem Asphalt - und ist je nach Untergrund schneller. Dem steht gegenüber, dass breitere Reifen und Felgen schwerer sind, das Mehrgewicht liegt weiter außen (rotierende Masse). Ergebnis: ein spürbar weniger sportlich-spritziges Fahrgefühl. Problem: Wird versucht, die Gewichtszunahme an Reifen und Felge technisch zu lösen, etwa durch höherwertige Materialien, schlägt sich das schnell in höheren Preisen nieder. Last, but not least bietet die größere Stirnfläche mehr Luftwiderstand: Die Aerodynamik wird schlechter.

Pro und Contra:

  • ✔ Komfort
  • ✔ Grip
  • ✔ Rollwiderstand
  • ❌ Gewicht
  • ❌ Aerodynamik
  • ❌ unter Umständen teuer

Wie beeinflussen sich Reifen- und Felgenbreite gegenseitig?

Die Maulweite wirkt sich neben der Form auch auf die effektive Breite des Reifens aus.

Die Maulweite einer Felge beeinflusst maßgeblich, wie ein Reifen "baut" und ob er sicher sitzt. "Ein breiter Reifen auf einer zu schmalen Felge nimmt die Form einer Glühbirne an. Die Aufstandsfläche auf dem Boden wird runder, das Fahrgefühl schwammiger, die Lenkung ist schwerer einzuschätzen. In Extremfällen kann der Reifen wegknicken und vom Felgenhorn springen." Ähnlich problematisch ist es bei einem schmalen Reifen, der auf einer zu breiten Felge montiert wird: "Hier wird der Reifen ganz flach, weil die Felge ihn in eine Breite zieht, die er eigentlich nicht hat. Seine Aufstandsfläche ist schmal und elliptisch, das Fahrgefühl wird härter, weil die Karkasse nicht mehr ausreichend flexen kann. Die Lenkung wird ‚holziger‘ und schwer einschätzbar, zudem steigt die Gefahr von Durchschlägen." Bei beiden Varianten verschlechtert sich zudem die Aerodynamik, da Luftströme früher abreißen. Die Aufgabe für die Industrie, aber auch Rennradfahrerinnen und -fahrer ist folglich: Reifenbreite und Felgenmaulweite so aufeinander abstimmen, dass diese gut korrelieren. Damit der Reifen sicher sitzt, harmonisch baut - und sich gut fährt.

Wie finde ich die passende Kombination von Reifenbreite und Felgenmaulweite?

Es gibt nicht die eine zulässige Kombination von Reifenbreite und Felgenmaulweite. Es bietet sich immer ein Spektrum an kompatiblen Abmessungen - einsehbar in der hier abgedruckten Tabelle der European Tyre & Rim Technical Organisation (ETRTO). Vor allem sollten Reifenbreite und Felgenmaulweite immer individuell passend zum Fahrstil, Untergrund, Körpergewicht und Luftdruck gewählt werden. Die Reifen- und Felgendimensionen bieten viel individuelles Tuningpotenzial.

Um dennoch eine Orientierung zu bieten:

  • Strassenrennrad für Wettkämpfe ➡ Schwerpunkt Tempo: 26- bis 30-mm-Reifen, Maulweiten von 20 bis 23 mm.
  • Endurance-Rennrad für viele Untergründe ➡ Schwerpunkt Komfort und Vielseitigkeit: 30- bis 34-mm-Reifen auf Maulweiten von 22 bis 25 mm.
  • Gravelbike für nicht asphaltierte Untergründe ➡ Schwerpunkt Schotter und Bikepacking: 35- bis 50-mm-Reifen auf Maulweiten 22 bis 27 mm.

Wie finde ich meinen korrekten Luftdruck?

Der ist sehr individuell und hängt von Körpergewicht, Untergrund, Reifen- und Felgenbreite, Zuladung, Witterung, Fahrrad und manchem mehr ab. Grundsätzlich gilt: Je breiter der Reifen, umso geringer kann der Luftdruck sein. Auch 80-Kilo-Athleten können auf nassem Asphalt 32-mm-Reifen durchaus nur mit 3,5 Bar befüllen.

Wie wichtig ist Aerodynamik?

Breitere Reifen und Felgen vergrößern die Stirnfläche - der Luftwiderstand steigt. "Um diesen aerodynamischen Nachteil zu kompensieren, muss die Felgenform optimiert werden", erklärt Jean-Paul Ballard, Aerodynamikexperte von Swiss Side, "eine breitere Felge und ein nicht zu breiter Reifen bedeuten einen harmonischeren Übergang von Felge zu Reifen. Durch die geradere Reifenflanke reißen Luftströme später ab, der ‚Segeleffekt‘ ist somit geringfügig besser. Meistens gleicht dies aber nicht die Verluste durch die größere Stirnfläche aus."

Was ist hookless, und warum ist es umstritten?

Bei klassischen Hakenfelgen sind die Flanken oben nach innen gedreht und bilden so einen Haken. Der verhindert, dass der Reifen von der Felge springt. Vorteil: Alle Reifentypen können bedenkenlos verwendet werden, also sowohl klassische Draht- und Faltreifen als auch Tubeless-Pneus. Und: Der Sicherheitspuffer ist größer, sollte man Reifen- und Felgenbreite falsch kombinieren. Die Haken reduzieren allerdings die effektive Maulweite und beeinflussen, wie der Reifen baut. Hookless-Felgen hingegen haben gerade Felgenflanken ohne Haken, der Reifen rastet "nur" in die umlaufenden "Höcker" ein. Das spart Material und folglich Gewicht, vereinfacht und vergünstigt die Felgenproduktion und reduziert durch den harmonischen, geraden Aufbau des Reifens die Gefahr von Durchschlägen. Allerdings ist das Risiko fehlerhafter Nutzung durch technisch weniger versierte Fahrerinnen und Fahrer größer: Hookless-Felgen setzen zwingend auf Tubeless-Reifen, da die über einen verstärkten Wulstkern verfügen und somit sicherer in der hakenlosen Felge sitzen. Zum anderen ist es essenziell, die richtige Reifenbreite zu verwenden und den maximal zulässigen Luftdruck einzuhalten. Wer eine dieser Vorgaben nicht beachtet, riskiert, dass der Reifen unter Umständen von der hakenlosen Felge abspringt. Was im schlimmsten Fall zum Sturz führen kann.

Wie sicher ist die Nutzung von Hookless-Felgen?

Sofern man einen Tubeless-Reifen mit zur Maulweite passender Breite montiert und den auf Felge und Reifen vermerkten maximalen Luftdruck nicht überschreitet, spricht nichts gegen die Nutzung von Hookless-Felgen. Das Risiko der Nichtbeachtung und entsprechenden Fehlnutzung existiert aber. Andere Hersteller wie Newmen oder DT Swiss haben sich wieder von Hookless bei Rennrad- oder Gravel-Felgen mit Verweis auf mangelnde Sicherheit verabschiedet.

⚠ Hookless-Felgen dürfen ausschließlich mit Tubeless-Reifen in zur Felgenmaulweite passenden Breite sowie mit dem maximal zulässigen Luftdruck gefahren werden!

Gibt es Sonderfälle?

Zipp propagiert eine Felgen-Reifen-Kombination, die laut ETRTO-Tabelle nicht empfehlenswert ist: Die satten 32 Millimeter Maulweite der neuen Zipp 303 XPLR-Gravel-Laufräder dürften demnach nur mit mindestens 58 Millimeter breiten Tubeless-Reifen bestückt werden - Zipp gibt sie aber zur Nutzung bereits ab 40 Millimetern frei.

ReifentypReifenbreite (mm)Empfohlene Maulweite (mm)
Straßenrennrad (Wettkampf)26-3020-23
Endurance-Rennrad30-3422-25
Gravelbike35-5022-27

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0