Ein Fahrrad scheint ein einfaches Gerät zu sein, doch auch nach über 100 Jahren gibt es noch viel Entwicklung. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass selbst eine scheinbar einfache Konstruktion, wie die Befestigung der Laufräder im Rahmen, überarbeitet und stets neu erfunden wird. Aktuell sind im Bereich der sportlichen Räder, also bei Trekking- und Rennrädern sowie Mountainbikes, zwei Systeme mit zahlreichen Untervarianten zu finden: Schnellspanner und Steckachse.
Was ist ein Schnellspanner?
Beim Wort Schnellspanner denken viele zuerst an den Klapphebel, mit dem sich ein Rad werkzeuglos, schnell und unkompliziert ausbauen lässt. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine bestimmte Bauweise der Laufradaufhängung, die sogar Auswirkung auf die Rahmenkonzeption hat.
Der Radrennfahrer Tullio Campagnolo erfand 1930 den klassischen Schnellspanner mit einer 5 mm Achse. Campagnolo hatte bei einem Rennen wegen eines Radwechsels wertvolle Zeit verloren und suchte daher nach einer Radaufhängung, die diesen Arbeitsgang verbesserte. Die Entwicklung des Schnellspanners war nicht seine letzte Erfindung - das Prinzip der Kettenschaltung geht ebenfalls auf Tullio Campagnolo zurück. Mit der Entwicklung des Schnellspanners hat sich der Radwechsel deutlich vereinfacht und beschleunigt.
Aufbau eines Schnellspanners
Ein Schnellspanner besteht aus mehreren Teilen:
- Achse
- Hebel
- Kontermutter
- Zwei Federn
Hebel und Achse sind fest miteinander verbunden, während die Kontermutter auf das Ende der Achse geschraubt wird. Die beiden Federn dienen dazu, den Schnellspanner bei der Montage in der richtigen Position zu halten. Dieser wird durch die eigentliche Achse der Nabe geschoben. Das Laufrad wird durch die nach unten offenen Ausfallenden in den Rahmen bzw. die Gabel geschoben und durch den Druck des Schnellspanners fixiert.
Wird der Schnellspanner ein- oder ausgebaut, steckt man diesen durch die Hohlachse der Radnabe; anschließend von unten in das offene Ende des Ausfallendes bzw. der Gabel.
Vor- und Nachteile von Schnellspannern
Vorteile:
- Der größte Vorteil des klassischen Schnellspanners liegt darin, dass er es ermöglicht, die Laufräder schnell ein- und auszubauen. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn es, wie in Radrennen, um wenige Sekunden geht.
- Der Schnellspanner bietet einen Vorteil in punkto Eigengewicht. Im Vergleich zur Steckachse ist dieses deutlich niedriger.
- Die Demontage ist im Handumdrehen ohne Werkzeug in kürzester Zeit möglich.
Nachteile:
- Der größte Nachteil des klassischen Schnellspanners liegt - neben der geringeren Verwindungssteifigkeit gegenüber Steckachsen - darin, dass es möglich ist, die Laufräder aus Unachtsamkeit schräg einzubauen.
- Da beim Schnellspanner der Rahmen an der Gabel und am Ausfallende offen ist, muss das Laufrad mit der optimalen Spannung eingebaut werden. Dabei wird das Laufrad durch den Schnellspanner zwischen den beiden Rahmenteilen eingeklemmt. Sollte hierbei eine falsche Spannung entstehen, kann es folgenschwere Auswirkungen mit sich bringen.
- Im Vergleich zur Steckachse ist die Belastungsgrenze von Schnellspannern für gewöhnlich niedriger.
Verbreitung von Schnellspannern
Der Achsdurchmesser von Naben mit klassischem Schnellspanner beträgt vorne 9mm und hinten 10mm. Die Achse des Schnellspanners, der durch die Achse der Nabe geschoben wird, beträgt stets 5mm. Die Einbaubreite von Schnellspannnaben beträgt vorne immer 100mm. Am Hinterrad sind 130mm bei Rennrädern und Crossern üblich. Mountainbikes und Trekkingräder haben eine Einbaubreite von 135mm.
Schnellspanner werden zum Großteil an Rädern mit Felgenbremsen verbaut. Eine Ausnahme bilden Trekkingräder - hier werden auch an Rädern mit Scheibenbremsen Schnellspanner verbaut.
Was ist eine Steckachse?
Mit der Steckachse hat nun ein alternatives Konzept in den letzten Jahrzehnten große Marktanteile erobert.
Klassische Schnellspanner galten lange Zeit als alternativlos. Erst vor ungefähr 10 Jahren kam mit der Steckachse eine innovative Antwort auf den Markt. Motor dieser Entwicklung war, wie so oft im Radsport, der Mountainbike-Bereich. Hier waren Steckachsen zunächst vor allem an Rädern mit viel Federweg zu finden - also im Enduro, Freeride und Downhill Bereich.
Das Thema Steckachse an sich kennen viele bereits aus dem KFZ- und LKW-Bereich. So kann bei einer Achse mit Differenzial der Ausbau als auch der spätere Einbau vereinfacht werden. Entwicklungstechnisch im motorisierten Bereich angesiedelt und bestens etabliert, ist es im Laufe der Zeit auch in der Fahrrad-Szene angekommen.
Aufbau einer Steckachse
Während du herkömmliche Schnellspanner durch die eigentliche Achse der Nabe hindurchschiebst, handelt es sich bei Steckachsen um eigene Achsen. Die Rahmen von Rädern mit Steckachsen weisen keine nach unten offenen Ausfallenden auf. Stattdessen werden die Laufräder zuerst in den Rahmen eingesetzt, dann wird die Achse hindurch geschoben. Steckachsen bestehen aus einem einzigen Teil.
In der einfachsten Ausführung handelt es sich um eine Achse, die ein Gewinde auf der einen und einen Kopf mit Sechskant auf der anderen Seite besitzt. Steckachsen können je nach Ausführung verschraubt oder ähnlich wie ein Schnellspanner zunächst verschraubt und dann über einen Hebel festgezogen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Befestigung über einen Bajonettverschluss, der dann wiederum über einen Hebel gesichert wird (z.B. Focus R.A.T.).
Ergo: Eine Steckachse benötigt also weniger Bauteile als ein Schnellspanner.
Vor- und Nachteile von Steckachsen
Vorteile:
- Schon allein durch die Funktionsweise der Steckachse gibt es große Vorteile.
- Steckachsen zeichnen sich durch eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Bremskräften aus als herkömmliche Schnellspanner. Die Bremskraft, die über Scheibenbremsen aufgebaut wird, muss von der Bremsscheibe über die Nabe und die Speichen auf Felge und Reifen übertragen werden. Dank ihres großen Durchmessers verwindet sich die Steckachse weniger als die Achsen herkömmlicher Naben und überträgt so mehr Bremskraft auf das Rad.
- Ein weiterer Vorteil des Systems besteht darin, dass es nun, anders als beim Schnellspanner, nicht mehr möglich ist, Laufräder aus Versehen schräg zu montieren - die Laufräder werden stets korrekt montiert! Dadurch schleift auch die Bremse nicht mehr, da das Rad immer exakt steht.
- Steckachsen sind erheblich dicker als Schnellspanner und bieten somit eine größere Stabilität. Das bedeutet, dass höhere Belastungen möglich sind sowie dass das Laufrad eine größere Steifigkeit im Rahmen besitzt, was wiederum präzise Lenkvorgänge zulässt.
Nachteile:
- Im Prinzip gibt es keine wirklichen Nachteile bei Verwendung einer Steckachse, jedoch gilt es einige grundsätzliche Punkte zu beachten. Es gibt bei der Steckachse unterschiedliche Größenstandards - sowohl bei dem Durchmesser als auch bei der Breite. Der Rahmen muss entsprechend angepasst werden. Das Steckachsen-System zeigt eine eher geringe Kompatibilität auf.
- Für Geschwindigkeitsfanatiker ist unter anderem das Gesamtgewicht des Bikes von zentraler Bedeutung. Die Steckachse wiegt einiges mehr als ein Schnellspanner. Auch die Montage und Demontage nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch.
- Aufgrund der genannten „Problematik“ mit den unterschiedlichen Größenstandards, präsentiert sich der Ersatzteilkauf als nicht ganz einfach.
Verbreitung von Steckachsen
Steckachsen erfreuen sich an Rädern mit Schreibenbremsen wachsender Beliebtheit - egal, ob Mountainbike, Rennrad, Crosser und Gravelracer. Auch Fatbikes sind meist mit Steckachsen ausgerüstet. Tendenziell ist der Durchmesser der Achsen größer, wenn ein Rad für den Einsatz in hartem Gelände gemacht ist. Beispielsweise sind an den Vorderrädern von scheibengebremsten Rennrädern (sowie Crossern und Gravelracern) typischerweise Achsen mit einem Durchmesser von 12 mm verbaut. An Mountainbike Hardtails und Race-Fullys sind 15 mm dicke Achsen zu finden. Im Enduro, Freeride und Downhill Bereich sind 20mm normal.
DT Swiss Thru Bolt
Der erste Hersteller, der mit Steckachsen arbeitete, war DT Swiss. Beim Thru Bolt System des Schweizer Herstellers wird die 9 bzw. 10 mm Achse einer klassischen Schnellspann-Nabe durch eine Steckachse mit entsprechendem Durchmesser ersetzt. Hierdurch kann eine Steckachse in einem Rahmen genutzt werden, die für klassische Schnellspanner ausgelegt sind.
Achsstandards im Überblick
In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl an Achsstandards entstanden. Hier sollen die gängigsten Standards für Vorder- und Hinterrad dargestellt werden. Zugleich wird erläutert, in welchen Bereichen sie zu finden sind. In der Tendenz lässt sich festhalten: Je härter das Gelände, in dem das Rad eingesetzt wird, desto breiter sind die Achsen und desto größer ist auch der Durchmesser.
Vorderrad-Standards
Am Vorderrad werden generell zwei unterschiedliche Breiten an Achsen verbaut - 100 und 110 mm (Boost). Am Fatbike sind darüber hinaus 135 und 150 mm breite Achsen zu finden. Die Durchmesser der Achsen reichen von 9 mm an Rädern mit klassischem Schnellspanner über 12 und 15 mm Steckachsen bis hin zu Steckachsen mit 20 mm Durchmesser.
- 9x100 mm: Klassische Vorderradnabe, die mit 5 mm Schnellspanner montiert wird. Diese ist aktuell an Rennrädern mit Felgenbremsen und Trekkingrädern zu finden.
- 12x100 mm: Am weitesten verbreiteter Standard an Rennrädern, Crossern und Gravel Rädern mit Scheibenbremse.
- 15x100 mm: Standardmaß für Mountainbikes.
- 15x110 mm: Boost-Standard für Mountainbikes mit 27,5 und 29“ Laufrädern.
- 20x110 mm: Boost-Standard für Enduro- und Downhill-Mountainbikes.
- 10x135 mm: Einbaumaß aus den Anfängen des Fatbikes.
- 15x150 mm: Am weitesten verbreitetes Einbaumaß für Fatbikes mit Steckachse.
Hinterrad-Standards
Am Hinterrad sind neben den 10 mm dicken Schnellspannachsen Achsdurchmesser von 12 und 15 mm bei Steckachsen zu finden. Die Breite der Achsen ist nahezu unerschöpflich. Sie reicht von 130 mm über zahlreiche Zwischenschritte bis zu 197mm!
Während 130 und 135 mm ausschließlich mit klassischem Schnellspanner verbaut werden, sind den größeren Breiten 142, 148 und 157 mm Steckachsen vorbehalten. Fatbikes werden mit 170 und 190 mm (Schnellspanner) bzw. 177 und 197mm (Steckachsen) breiten Naben ausgestattet.
- 10x130 mm: Klassisches Einbaumaß an Rennrädern mit 5 mm Schnellspanner.
- 10x135 mm: MTB-Naben mit klassischem Schnellspanner. Auch an vielen Trekkingrädern zu finden.
- 12x142 mm: Einbaumaß für „klassische“ Steckachsen: an vielen Mountainbikes sowie an scheibengebremsten Rennrädern, Crossern und Gravelbikes zu finden.
- 12x148 mm: Boost Einbaumaß - zu finden an Mountainbikes mit 27,5 und 29“ Laufrädern.
- 12x157 mm: Standard Mountainbikes der härteren Gangart - Enduro und Downhill Bikes.
- 10x170 mm: Schnellspann-Nabe für Fatbikes.
- 12x177 mm: Nabe für Fatbikes mit Steckachse.
- 10x190 mm: Fatbike-Nabe für Rahmen mit Schnellspannaufnahme.
- 12x197 mm: Nabe für Fatbikes mit Steckachse.
Schnellspanner vs. Steckachse: Eine Zusammenfassung
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen Schnellspannern und Steckachsen zusammen:
| Merkmal | Schnellspanner | Steckachse |
|---|---|---|
| Montage | Schnell und einfach, werkzeuglos | Etwas aufwändiger, evtl. Werkzeug nötig |
| Stabilität | Geringer | Höher |
| Gewicht | Geringer | Höher |
| Sicherheit | Kann bei falscher Montage schief sitzen | Immer korrekte Montage |
| Kompatibilität | Höher | Geringer (verschiedene Standards) |
| Verbreitung | Häufig bei Felgenbremsen | Häufig bei Scheibenbremsen |
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