Laufrad Scheibenbremse Nachrüsten: Eine Anleitung

Beim Kauf eines neuen Fahrrads vergleicht man oft verschiedene Modelle, wobei die Auswahl der verbauten Komponenten eine maßgebliche Rolle spielt. Viele legen ein Budget fest und suchen dann das beste Fahrrad innerhalb dieser Preisgrenze.

Warum Scheibenbremsen nachrüsten?

Scheibenbremsen haben einen deutlich höheren Wirkungsgrad als Felgenbremsen und gelten als äußerst zuverlässig und wartungsarm. Bei guten neuen Fahrrädern werden sie deshalb standardmäßig verbaut.

Obwohl die herstellerseitige Ausstattung oft zuverlässig und ausreichend ist, kann es Gründe für ein Upgrade geben. Hersteller müssen zwischen ihren verschiedenen Modellen Abstufungen vornehmen, um verschiedene Preisvorstellungen zu bedienen. Trotzdem möchte man an einem hochwertigen Fahrrad oft auch ein entsprechend hochwertiges Bremssystem sehen.

Besonders auffällig wird es im Segment der E-Bikes, die oftmals nur noch mit einfacheren Scheibenbremsen ausgestattet sind. Durch den Tausch der Bremsanlage kann man den letzten Schmerzpunkt beseitigen, den man mit der herstellerseitigen Ausstattung noch hatte.

Voraussetzungen für die Nachrüstung

Um Scheibenbremsen an älteren Fahrradrahmen oder eigenen Lastenradkonstruktionen zu verwenden, muss eine Scheibenbremsaufnahme nachgerüstet werden. Auch Starrgabeln (vor allem für 20") sind nur schwierig mit Scheibenbremsaufnahme zu finden.

Für die Nachrüstung von Scheibenbremsen müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Discaufnahmen an der Federgabel und am Hinterbau des Rahmens
  • Discaufnahmen an der Nabe
  • Bremsleitungsführung am Hinterbau und am Oberrohr

Wenn das Fahrrad über diese Merkmale verfügt, können die Scheibenbremsen nachgerüstet werden. Andernfalls müssten die entsprechenden Bauteile ausgetauscht werden, da einzelne Aufhängungen nicht erhältlich sind.

Anleitung zur Nachrüstung

Grundsätzlich funktioniert der Wechsel bei fast allen Fahrrad-Modellen auf die gleiche Art und Weise. Und weil es bereits sehr viele Anleitungen und Tutorials darüber gibt, wie die notwendigen Arbeiten am Bike durchzuführen sind, gibt es hier keine weitere Anleitung, sondern es werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  1. Montage der Scheibenbremsen auf der Fahrradnabe: Beachten Sie dabei die Laufrichtung, die meist mit einem kleinen Pfeil angegeben ist.
  2. Befestigung der Adapter am Fahrradrahmen: Verwenden Sie die mitgelieferten Adapter und achten Sie darauf, den vorderen Adapter nicht mit dem hinteren zu vertauschen.
  3. Anbringen der Bremshebel am Fahrradlenker: Verlegen Sie die Bremsleitungen.
  4. Entfernen der Transportsicherungen an den Bremsbelägen: Betätigen Sie danach NICHT den Bremshebel, da sonst Bremsflüssigkeit verloren gehen und Luft in das System gelangen könnte.
  5. Anbau der Räder: Achten Sie bei der Montage des Bremssattels darauf, dass dieser mittig zur Bremsscheibe ausgerichtet ist.

Wichtig: Bauen Sie die neuen Bremsen immer genau nach Herstelleranleitung ein und halten Sie sich an die Vorgaben. Der Einbau kann sich bei den verschiedenen Herstellern immer etwas unterscheiden. Aus diesem Grund gibt es keine allgemein gültige Anleitung.

Sicherheitswarnung

Obwohl der Wechsel der Bremsanlage aus Laiensicht keine Raketenwissenschaft ist, sollte man dennoch davor warnen, Veränderungen an sicherheitsrelevanten Teilen vorzunehmen. Wenn man keine Ahnung davon hat und nicht genau weiß, was man tut, kann das auch ins Auge gehen.

Wer sich sein Wissen auf Youtube angeeignet hat, sollte sich auch dessen bewusst sein und selbst einschätzen, ob man sich die Arbeiten zutraut oder nicht. Auf keinen Fall kann man am Ende jemand anderen dafür verantwortlich machen, wenn man solche Arbeiten nicht einer Fachwerkstatt überlassen hat.

Wer sich trotzdem an den Wechsel herantrauen will, sollte sich mit dem Entlüften der Scheibenbremse vertraut machen. Das dürfte der schwierigste Arbeitsschritt sein, denn darüber hinaus sind nur noch ein paar Schrauben zu lösen und wieder anzuziehen.

Außerdem möchte ich noch erwähnen: Wer vorschnell die alten innenverlegten Leitungen aus dem Rahmen gezogen und kein spezielles Einziehwerkzeug zur Hand hat, kann sich schon mal darauf einstellen, dass die Montage der neuen Bremsleitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Unterschiede zwischen Bremsmodellen

Grundsätzlich ist es etwas unfair, einen 2 Kolben Bremssattel mit einem 4 Kolben Bremssattel zu vergleichen. Vor allem, da es die Shimano Deore Bremse mit dem Modell BR-M6100 auch als 4 Kolben Version gibt.

Der Hauptsächliche Unterschied der Shimano Deore XT Bremse ist die schnellere und höhere Kraftübertragung. Durch die 2 zusätzlichen Kolben wirken die Kräfte zudem gleichmäßiger auf der gesamten Auflagefläche des Bremsbelages.

Der Deore Bremssattel hat einen geraden Bremsleitungs-Anschluss, während die Richtung des Anschlusses des Deore XT Bremssattels angepasst werden kann um die Bremsleitung bestmöglich am oder im Rahmen verlegen zu können. Das kann unter Umständen ein Vorteil sein, allerdings kenne ich bislang nur Rahmen bei denen die Zuführung der Bremsleitung zur Bremse gerade verläuft.

Nicht außer Acht zu lassen ist auf jeden Fall die bessere Optik des Deore XT Bremssattels. Er ist hochglänzend in dunkel-grau metallic lackiert und hebt sich dadurch deutlich mehr an schwarzen Fahrradrahmen ab, wie die schwarz lackierte Deore Bremse. Das zwei zusätzliche Kolben eingebaut sind, kann man dem Gehäuse des Bremssattels äußerlich ansehen, wodurch die Bremse insgesamt wuchtiger wirkt.

Den letzten Schliff geben dann die Bremsbeläge, die bei der Deore XT Bremse bereits Kühlrippen besitzen. Allerdings gibt es auch für den Deore Bremssattel passende Beläge mit Kühlrippen.

Vergleich der Bremshebel

Die Unterschiede zwischen den Bremshebeln der Deore und Deore XT Serie sind gering. Der Deore XT Hebel ist geringfügig leichter. Ansonsten lesen sich die Spezifikationen fast identisch. Beide Hebel besitzen I-SPEC-II kompatible Befestigungsschellen, und besitzen eine Schraube, mit sich die Griffweite werkzeuglos einstellen läßt. Die 3-Finger Version des Deore XT Hebels bietet nicht die Möglichkeit den Leerhub zu verändern, so wie es bei dem 2-Finger Hebel BL-M8100 der Fall ist.

Bremsscheibenmontage: Was ist zu beachten?

Bei der Bremsscheibenmontage gibt es einiges zu beachten, von der Auswahl der Scheiben über passende Adapter, die Montage in Laufrichtung bis hin zu den Anzugsmomenten.

Centerlock vs. 6-Loch

Es gibt zwei verschiedene Befestigungsstandards: Centerlock und 6-Loch. Bei 6-Loch werden die Bremsscheiben mittels sechs Schrauben befestigt, die je nach Hersteller mit 4-6 Nm angezogen werden sollten. Centerlock hingegen kommt mit einem einzelnen Abschlussring aus, der mit einem Kassetten- oder Innenlagerwerkzeug montiert wird. Hier werden 40-50 Nm Drehmoment benötigt.

Die Vorteile von Centerlock liegen in der einfacheren Montage. Ein großer Nachteil ist die reduzierte Auswahl an Komponenten.

6-Loch bietet eine größere Auswahl an Naben und Bremsscheiben und kann mit den meisten Multitools demontiert werden. Ein Nachteil ist, dass sich durch nicht korrektes Anziehen die Scheibe verspannen und zu Defekten führen kann.

6-LochCenterlock
VorteileVorteile
Große Auswahl an Naben und BremsscheibenEinfache und schnelle Montage
Montage per Multitool (meist Torx-25)Eventueller Gewichtsvorteil
Ersatzschrauben leicht zu beschaffenMit Adapter auch 6-Loch Bremssscheiben möglich
Kompatibel mit 15/20mm Achsen
NachteileNachteile
Montage dauert längerSpezielles Werkzeug notwendig
Höhere Wahrscheinlichkeit, ein Gewinde zu beschädigenReduzierte Auswahl an Bremsscheiben und Naben
Keine Umrüstung auf Centerlock möglich
Für verschiedene Achsen werden unterschiedliche Abschlussringe benötigt

Bremsscheibendurchmesser

Hinsichtlich der Größe haben sich 140, 160, 180 und 200mm Bremsscheiben durchgesetzt. Die Wahl der Größe hängt vom Einsatzbereich und dem Fahrergewicht ab:

  • 140mm: Rennräder und Cyclocrosser (Fahrergewicht <80 kg)
  • 160mm: Cross-Country Fahrer
  • 180mm: Trail-Touren
  • 200mm: Enduro-Bikes und E-Bikes

Je abfahrtsorientierter, desto größer die Bremsscheibe. Allgemein gilt also, je abfahrtsorientierter, desto größer die Bremsscheibe.

Montagerichtung beachten

Es ist extrem wichtig, immer auf die Montagerichtung der Scheibe zu schauen. Bei richtig herum montierter Bremsscheibe werden die Speichen der Scheibe (bzw. der Spider) auf Druck belastet, also zusammengedrückt. Der Reibring hingegen ist auf Zug belastet, man spricht auch von Zugspannung.

Bei 6-Loch-Schrauben sollte man außerdem darauf achten, die einzelnen Schrauben bei der Montage immer über Kreuz festzuziehen. Dadurch beugt man einer Verspannung der Scheibe vor.

Die oben genannten Drehmomente sollten natürlich immer beachtet werden, was auch für Centerlock-Scheiben gilt. Zudem sollte man an der Bremse immer mit sauberen Fingern arbeiten, da man sonst erst die Bremsscheibe und anschließend die Bremsbeläge unbrauchbar verschmutzen kann.

Hersteller von Scheibenbremsen

Die gängigsten Hersteller von Scheibenbremsen sind Shimano und SRAM. Daneben gibt es weitere Hersteller wie Magura, Tektro, Trickstuff und Hope.

Fazit

Mit den richtigen Voraussetzungen und einer sorgfältigen Montage können Sie Ihr Fahrrad mit Scheibenbremsen nachrüsten und von den Vorteilen profitieren. Beachten Sie jedoch die Sicherheitsaspekte und ziehen Sie im Zweifelsfall eine Fachwerkstatt hinzu.

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